Warum Sony alles gegen die Wand fährt – Ein kritischer Kommentar zum PlayStation Meeting, PS4 Pro & mehr...

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Warum Sony alles gegen die Wand fährt – Ein kritischer Kommentar zum PlayStation Meeting, PS4 Pro & mehr...

Beitragvon thomary » Fr 9. Sep 2016, 14:51

Sony, Sony,... Ganz ehrlich: Sony hat bei mir seit einer Weile viel seines guten Rufes ruiniert. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich langweile, sobald ich in den PlayStation Store gucke, sondern auch daran, dass Sony,... Tja, das Ganze lässt sich ziemlich schwer in Worte fassen. Das PlayStation Meeting und die Ankündigungen von PS4 Slim und PS4 Pro und das gleichzeitige peinliche Ausschweigen über PS VR hat mir viel über Sony, seine Strategie und die Liebe zu den Fans verraten. Und mittlerweile bin ich mir sicherer denn je, dass am Ende dieser Generation Microsoft der große König sein wird (und bei Nintendo lassen wir uns auch noch überraschen).

Das Potential dafür, dass es eine überabeitete Variante der PlayStation 4 geben wird, war für mich seit Anfang dieser Generation gegeben. Allein das Wortspiel mit dem Namen wäre mir als Hersteller zu verlockend gewesen: Bringe ich halt die PlayStation 4K auf den Markt. Ha! Gut, der Name PS4K wurde am Ende nie realistisch gehandelt, aus PS4 Neo wurde letztlich offiziell die PS4 Pro. Doch diese hat meines Erachtens viele Probleme.

Meiner Meinung nach hat Sony bei seinen aktuellen Ankündigungen die über 40 Millionen bestehenden PS4-Spieler einerseits aus den Augen gelassen, andererseits vermutlich vergrault. Doch auch für Neueinsteiger halte ich die Entscheidung für eine der beiden neuen Konsolen für schwierig, zumindest, wenn wir „echte Gamer“ betrachten: Warum sollte ich 299€ für die PS4 Slim mit 500GB bezahlen, wenn es für 100€ mehr auch die PS4 Pro mit besserer Hardware UND einem TB Festplatte gibt? Andererseits: Wie Pro ist PS4 Pro wirklich?

Für Leute, die bereits einen 4K-TV, aber noch keine PS4 haben, ist die Antwort vermutlich klar: PS4 Pro wird die Konsole der Wahl sein. Für alle anderen: Lohnt sich ein Upgrade auf 4K-TV, am besten mit HDR (also teuer), und die PS4 Pro? Nein, vermutlich nicht. Vor allem für bestehende PS4-Spieler gilt meines Erachtens: Lasst alles so wie es ist, und seid stolz auf eure First-Generation-PS4.

Die PS4 Slim sieht aus wie ein abgenutzter Radiergummi, die PS4 Pro ist ein stromhungriges doppellagiges BLT-Sandwich. Keine der beiden Konsolen ist designtechnisch ein würdiges Update zur Originalkonsole, die zwar auch keinen Designpreis verdient hat, sich aber im TV-Regal doch ziemlich edel macht.

Sonys sonstige (PR-)Botschaften im Rahmen des PlayStation Events und darüber hinaus waren ein schlechter Witz, und vor allem hat das Unternehmen nach wie vor ein Problem: Es kann nicht verkaufen. Bis wenige Minuten vor dem PlayStation Meeting habe ich auch das Apple Event verfolgt. Auch dort wurde ein Designfail nach dem anderen präsentiert, wie das iPhone 7 in Klavierlack oder die AirPods, die sich nicht umsonst im Netz viel Häme gefallen lassen müssen, aber trotzdem hat man ganz tief im Inneren über das gesamte Event den (Erst-)Eindruck gehabt: Wow, irgendwie muss ich das haben! Bei Sony dachte ich mir: Schön, dass ihr die PS4 Pro habt. Hättet ihr euch auch kneifen können. Märchenonkel Cerny hat mich stattdessen zum mehrfachen Gähnen verleitet.

Die gesamte Präsentation und die Veröffentlichung der PS4 Pro halte ich für einen schlechten Witz, der, wie zuvor geschrieben, am ehesten bisherige PS4-Spieler vergrault. Sonys Ziel mit der Konsole ist kein echtes 4K, sondern eine 4K-artige Erfahrung, in erster Linie aber „a higher visual fidelity“ und mehr Framerate. Kurzum: Mitunter hat die PS4 Pro für Full-HD-TV-Besitzer den größten Effekt, weil auch die PS4 endlich eine Konsole wird, die Spiele flüssig darstellen kann. Man denke nur an Slowdowns à la Bloodborne, wohlgemerkt einer der vielen problembehafteten Exklusivtitel – Schade, dass das mit der ach so starken normalen PS4 nicht möglich war, schade, dass sich die Entwickler nicht mehr ins Zeug gelegt haben, feige, dass man jetzt einfach ein halbgares 4K-Upgrade bringt, das zwar an sich mit einem super Preis-/Leistungsverhältnis daherkommt, andererseits aber in einem Jahr von Xbox Scorpio weggewischt wird...



Stichwort: „Higher visual fidelity“ – Über Microsoft wurde sich bei der Scorpio-Ankündigung lustig gemacht, die Xbox werde in Zukunft durch den PC zerfleischt. Trotzdem hatte Microsoft eine klare Botschaft: „Mit Scorpio schaffen wir für Konsolenspieler das stärkste Gerät aller Zeiten.“ Sony hatte während seines Events eine Botschaft, wie sie für PC-Spieler in ihren feuchtesten Träumen existiert: Grafik, Grafik, Grafik. Grafik hier, Grafik da, HDR hier, 4K dort. Von Auswirkungen auf das Gameplay keine Rede, wobei man bei Scorpio durchaus absehen kann, dass bspw. Open-Worlds einen Boost erhalten. Bei Sony geht es mal wieder nur um den Schwanzvergleich: Hauptsache wir haben mehr Pixel, ach ja,... und HDR.

Mit der HDR Geschichte leistet man sich ganz nebenbei noch einen riesigen PR-Fail. Während des PlayStation Meetings preise ich das Ganze zunächst in Bezug auf PS4 Pro als riesiges Feature an, das Spiele maßgeblich verändern wird. Wenige Minuten später dann die Meldung, dass jede bisher ausgelieferte PS4 HDR-fähig gemacht werden wird, per einfachem Firmware-Update, das schon nächste Woche ausgerollt werden soll.

Schaut man sich die technischen Spezifikationen genauer an, merkt man, dass das eigentlich gar nicht funktionieren kann: Bisherige PS4-Konsolen verfügen über einen HDMI 1.4 Anschluss – Mit einem solchen wird der „offizielle“ High Dynamic Range Standard aber gar nicht unterstützt, sondern das funktioniert erst ab HDMI 2.0a. Sicherlich kann man softwareseitig dafür sorgen, dass Kontraste in Zukunft auch auf normalen PS4 Konsolen besser aussehen, aber echtes HDR dürfte es nicht geben. Sony bringt die PS4 Pro trotzdem, wahrscheinlich nur um einen PR-Seitenhieb in Richtung Microsoft zu verpassen und um Fanservice vorzutäuschen, „offiziell“ um ein wichtiges Feature. Keine gute Strategie.

Ich könnte diese Schimpftirade noch eine ganze Weile so weiterführen. Eine Sache ist mir noch wirklich wichtig: Warum das verlegene Schweigen rund um PlayStation VR? Sonys Kommunikation in den letzten Tagen macht den folgenden Eindruck: „Ja, ja, wir sind total stolz auf PS VR... Aber guckt mal!!!!!! PS4 Pro!!!!!einself“

Für mich gibt es dafür zwei Erklärungen: Entweder, Sony sieht den PS VR Flop, den ich insgeheim immer noch erwarte (nein, es geht nicht um die Erstverkaufszahlen, sondern die dauerhafte Nutzung durch die Spieler und nicht zuletzt auch die Unterstützung durch Sony... Die anderen zunächst gehypten VR-Headset bleiben ja schon jetzt in den Regalen liegen), mittlerweile auch und ballert deshalb ganz schnell das nächste „Hardware-Highlight“ raus, oder aber, PS4 Pro ist mehr oder weniger gleich vonnöten, um PS VR wirklich genießen zu können. Vielleicht aber auch beides.

Wie man’s dreht und wendet... Bisher hatte ich erwartet, Sony würde auch sein PlayStation-Business in den nächsten ein, zwei Jahren nach den meisten anderen Geschäftsbereichen noch gegen die Wand donnern, aber meines Erachtens hat man (für kritische Zeitgenossen) einen guten Teil dessen bereits in den letzten Tagen erreicht bzw. zumindest endlich in den sechsten Gang geschaltet, um nochmal so richtig Vollgas zu geben. Immerhin hat man im Weihnachtsgeschäft jetzt mehr neue Hardwareprodukte als exklusive First-Party Spiele (ohne VR) – Wer’s braucht.

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Diese Epicnes wünsche ich mir wieder - Teaser zum PlayStation Meeting vom Februar 2013!
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