GRID Autosport - PS3-Rennspiel im Test

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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thomary
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GRID Autosport - PS3-Rennspiel im Test

Beitragvon thomary » Mo 30. Jun 2014, 16:43

Mit GRID 2 hatte Codemasterst einige Fans vergrault: Obwohl man ein durchaus solides Rennspiel ablieferte, nahm man die Cockpit Ansicht aus dem Spiel. Die Information der Entwickler war damals, zu wenige Leute würden diese benutzen. Welche Gründe wirklich dahinter standen, vermag GRID Autosport möglicherweise aufzuklären. Der neueste Ableger der Reihe bringt nämlich nicht nur die vermisste Spielansicht zurück, sondern auch gleich noch fünf Renndisziplinen. ¨Wahren Motorsport¨ verspricht Codemasters. Was ist dran?

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Das Gute daran ist das Viele darin

Rennspielfans hatten es ja die letzten Wochen und Monate nicht unbedingt leicht: Obwohl es zwar am Jahresende zahlreiche Titel aus dem Genre geben wird, gingen die Konsolen seit Ende letzten Jahres leer aus. GRID Autosport schafft Abhilfe, und spricht dabei sogar Fans verschiedenster Rennarten an: Keineswegs müsst ihr nur mit Straßenrennen vorlieb nehmen, die gibt es zwar auch, aber ebenso sind Touring-Rennen, Veranstaltungen mit aufgemotzten Muscle Cars (Zeit- und Drift-Rennen), Formel-Wagen sowie Ausdauerrennen mit an Bord.

Bei GRID Autosport wird also auf Vielfalt gesetzt, und neben den fünf Renndisziplinen gibt es auch Strecken an vielen verschiedenen Orten. Dabei sind bekannte Rennstrecken wie der Red Bull Ring oder Hockenheim und natürlich die Strecken in Städten wie Dubai, Paris oder Washington, die allesamt optisch recht stark und vielfältig gestaltet wurden. Rein von den Events her bietet GRID Autosport also einen sehr ordentlichen Umfang: Saison für Saison habt ihr viele Veranstaltung aus allen Disziplinen zur Auswahl, zudem schaltet ihr, wenn ihr Stufe 3 in allen fünf Disziplinen erreicht habt, die erste GRID Meisterschaft frei, die Rennen aller Arten kombiniert. Zwei weitere gibt es dann für die Stufen 6 bzw. 9 in allen Disziplinen.

Wer sich jetzt eine ausgearbeitete Karriere als Rennfahrer von GRID Autosport verspricht, hat sich leider verspekuliert: Gesammelt werden nur Erfahrungspunkte, Geld braucht ihr keins, da euch die Wagen für jede Saison von eurem Sponsor gestellt werden. Die einzigen Entscheidungen sind also: Welche Events werden als nächstes in Angriff genommen und welchen Sponsor wählt man aus. Diese unterscheiden sich in ihren Sponsorenzielen, die bei erfolgreicher Erfüllung Erfahrungspunkte abwerfen, sowie bei der Leistung ihrer Autos, da sie verschiedene Tuning-Stufen besitzen. Wenn ihr besonders viele Ziele der Sponsoren erfolgreich erfüllt, bekommt ihr bessere Angebote - Zumindest erklärt euch GRID Autosport das so.

De facto ist die Struktur der Saisons häufig schwer zu erkennen, habt ihr euch für eine Veranstaltung entschieden, werden alle Rennen nacheinander abgespult und ihr müsst genau diese Reihe fahren, zumindest wenn ihr die Saison nicht abbrechen wollt. Zwischenzeitlich wird der Fortschritt aber gespeichert, sodass ihr problemlos eine Pause einlegen könnt. Bei den Sponsoren zeigen sich die erste große Inkonsequenz und auch ein großer Frustfaktor von GRID Autosport: Lange, lange werdet ihr immer nur Angebote von den gleichen Sponsoren erhalten, während aber Ravenwest der beste Sponsor ist und die leistungsstärksten Autos besitzt, was den zugehörigen Fahrern auf dem Feld einen wundersamen Performance-Schub verpasst.



Wahre Teamplayer!

Ihr selbst fahrt natürlich auch immer mit einem Teampartner, doch was sich am Anfang als cooles Feature tarnt, stellt sich im Spielverlauf als immer größere Täuschung heraus. Eigentlich könnt ihr eurem Teampartner nämlich “Befehle” geben, wie er fahren soll, also zum Beispiel eher defensiv oder darauf bedacht, einige Plätze gutzumachen. Die Krux: Es bringt nichts! Häufig passiert sogar das Gegenteil dessen, was ihr eigentlich auslösen wolltet, oder einfach gar nichts. Hin und wieder liefern die Teamkollegen eine super Leistung ab, was die eigene Teamwertung nach oben treibt, dann aber wieder fahren sie prinzipiell am Ende des Feldes. Alleine könnt ihr euer Team aber kaum besser als auf Platz 3 platzieren.

Hier zeigt sich ein Ärgernis, dass sich in GRID Autosport immer wieder bestätigt und auch schlimmer wird: Die KI ist ein einziger, gescripteter Sauhaufen, der zudem noch rempelt und schiebt, was das Zeug hält. Hin und wieder passieren Unfälle, doch die passieren im selben Rennen immer wieder und auf die gleiche Weise - egal, wie oft ihr es neustartet. Auf euch achten sie indes gar nicht: Insbesondere am Anfang der Rennen wird man einfach weggerammelt, wenn man in der Spur fährt. Später hingegen fahren sie untereinander wundersam in Reih’ und Glied.

Viel zu oft gibt es auch Situationen, in denen man ganz klar nicht über eine bestimmte Position hinauskommen kann - Und das hat nichts damit zu tun, dass der KI-Gegner ein stärkeres Auto hat. Häufig bleibt man in einem Rennen auf Platz 4 oder 5 stecken, da man die vorausfahrenen Gegner einfach nicht einholen kann. Teilweise sieht man sogar, dass sie einen unglaublichen Beschleunigungsschub zu haben scheinen - Würde man selbst so fahren, würde man geradewegs aus der nächsten Kurve fliegen. Im nächsten Rennen dagegen wird man problemlos wieder Erster und kann einen Fehler um den anderen machen ohne Gefahr zu laufen, überholt zu werden. Zwar muss man in GRID Autosport auch nicht jedes Rennen gewinnen, was sehr löblich ist, aber Codemasters, so geht es einfach nicht!

Abgerundet wird das ganze noch durch den Teamfunk, der auch häufig falsch ausgelöst wird. Ein Beispiel: Unser Teamkollege fährt schon eine ganze Weile auf Platz 9, wie wir der Anzeige entnehmen können, und plötzlich bekommen wir die Ansage: “Dein Teamkollege hatte gerade einen Crash und ist auf Platz 8 zurückgefallen.” Aha?! Beispiel 2: Teamkollege fährt seelenruhig vor uns, alles ist in Ordnung, plötzlich: “Dein Teamkollege hatte einen Unfall und ist einige Plätze zurückgefallen!” Aha?!?

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Der König der Straße

Wir geben zu: GRID Autosport hat uns im Test wirklich oft mit Inkonsequenzen und Unzlänglichkeiten genervt. Dabei sind die Rennen an sich sowie das Handling der Boliden wirklich gelungen! Hier kann Codemasters eine Stärke ausspielen. Die Fahrzeuge steuern sich erstens natürlich je nach Disziplin völlig unterschiedlich - Ihr werdet sofort den Unterschied zwischen Formel- und Straßenrennenveranstaltung merken. Zudem gibt es auch innerhalb der Disziplinen Unterschiede und während einige Karren sofort ausbrechen, liegen andere sehr gut auf der Straße. Vor den Rennen dürft ihr jeweils auch an einigen Einstellungen herumexperimentieren, wir konnten jedoch ganz ehrlich kaum Auswirkungen feststellen.

Vom Anspruch her ist GRID Autosport in Richtung Simulation angesiedelt. Wie spielt sich eine solche besser als mit einer guten Cockpit-Ansicht? Genau, aus unserer Sicht ist diese die beste Wahl. Hier sind wir aber an einem sehr, sehr wunden Punkt von GRID Autosport angekommen. Während man froh sein muss, dass Codemasters die Ansicht überhaupt in den Titel zurückbrachte, nachdem man sie in GRID 2 kurzerhand gestrichen hatte, so ist ärgerlich, was daraus wurde: Über alle Instrumente und das Lenkrad wurde ein überstarker Blur-Filter gelegt und zudem sind alle Elemente völlig statisch! Immerhin bewegen sich das Lenkrad und die Hände des Fahrers, aber das wars auch schon! Während unseres Tests haben wir auch mal Need for Speed Shift eingelegt und wahre Perfektion hier genossen, anno 2009!

Beim Schadensmodell zeigt sich ein geteiltes Bild: Auf der einen Seite freuen wir uns über Schäden, die nicht bloß optischer Natur sind. Doch nicht nur sehen deformierte Autos sehr häufig komisch aus, sondern die technischen Schäden sind nicht wirklich nachvollziehbar und scheinen sich häufig auch so zu ergeben, wie das Spiel will. Mal übersteht man eine große Karambolage ohne weitere Schäden, während dann ein kleiner Rempler sofort zu einem Schaden an der Lenksäule führen kann. Boxenstopps gibt es im Übrigen nicht - Reifenverschleiß tritt aber auch nur bei den Ausdauerrennen auf (ohne wirklich spürbare Auswirkungen).

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Fazit

Codemasters hat viel Arbeit vor sich, insbesondere, wenn man mit dem nächsten Titel auch auf der PS4 bestehen will. Keine Frage: Grundsätzlich machen die Rennen in GRID Autosport Spaß, denn das Handling ist gelungen und die vielen Disziplinen und unterschiedliche Wagen stellen eine willkommene Herausforderung dar, jedoch zeigen sich ansonsten zahlreiche Makel und Inkonsequenzen. Das Rennerlebnis an sich wird durch eine lächerliche Cockpit-Ansicht und ein wenig nachvollziehbares Schadensmodell beeinträchtigt, während das unausgegorene Teamfeature sowie die nervige und zudem noch gescriptete KI häufig für Ärger sorgen.
Von einer richtigen Karriere kann zudem keine Rede sein - Außer, dass man eventuell irgendwann ein gutes Sponsorenangebot erhält, hat GRID Autosport kaum belohnenden Charakter, da einem Fahrzeuge vorgegeben werden und man bei den Saisons trotz der Disziplinen nur wenig Entscheidungsmöglichkeiten bekommt. Insgesamt fehlt das Feeling eines spektakulären Rennspiels - Was wir uns von GRID Autosport zum Abschluss der Generation dann doch irgendwie erwartet hätten.

Kommentar zum Onlinemodus

Der Onlinemodus von GRID Autosport fließt nicht in die Wertung mit ein. Hier unsere Eindrücke.
  • Die Rennen laufen ohne Lags ab
  • Nervig fanden wir das lange Warten in den Lobbies, während der es keine Zuschauer-Funktion gibt
  • Volle Lobbies gibt es kaum, da meistens Spieler die Rennen verlassen, wenn sie nicht gewinnen werden - Dann gibt es nämlich keine Konsequenzen!
  • Prinzipiell erhält man Geld für eine gute Platzierung, von dem die Kosten für die Reparatur der Wagen abgezogen wird. Landet man jedoch auf Platz 3 von 3, dann verliert man insgesamt Geld, was sogar den Startkontostand von 10.000$ schmälern kann (somit lohnt sich das Verlassen der Sitzung).
  • Prinzipiell kann man im Onlinemodus also Geld verdienen und auch Autos kaufen (!), es werden einem jedoch auch welche gestellt. Eine richtige “Karriere” gibt es also auch im RaceNet nicht...


Pro:
+ Gutes Handling
+ Optisch stark in Bezug auf Streckengestaltung
+ Fünf Renndisziplinen
+ Zahlreiche Schauplätze und Fahrzeuge
+ Kein Zwang zu gewinnen

Contra:
- Lächerliche Cockpitansicht - Wer hat diesen Blur-Effekt bloß erfunden?
- “Karriere”möglichkeiten beschränken sich auf die Auswahl von Sponsoren
- Nervige Rempel KI
- Jede Menge gescripteter KI-Situationen
- Sehr schwache Umsetzung des Rennteams
- Team-Ansagen häufig fehlerhaft
- Keine freie Wagenwahl
- Merkwürdiges Schadensmodell - Sowohl optisch als auch technisch
- Struktur in Saisons nur schwer erkennbar
- Lahmer Onlinemodus trotz interessantem Konzept

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Technik: 67
  • Grafik: 61
  • Sound: 64
  • Umfang: 77
  • Gameplay: 68

Spielspaß: 66
  • Story: Gibt’s nicht. Da man in der Karriere aber auch nicht mehr als Sponsorenangebote sammelt, bietet GRID Autosport hier wirklich wenig.
  • Frustfaktor: Dank nerviger Rempel-KI (die sonst aber ordentlich in Reih’ und Glied fährt) vorhanden. Zum Glück gibt’s die Rückspulfunktion! Gescriptete KI-Sequenzen lassen sich so aber nicht umgehen.
  • Grafik/Stil: Die Strecken überzeugen, ärgerlich sind aber das merkwürdige Schadensmodell sowie die unmögliche Cockpit-Ansicht!
  • Wiederspielwert: GRID Autosport kann man immer wieder mal spielen und sich durch die Karriere arbeiten. Leider wird aber auch der eher lahme Onlinemodus nicht gerade für Langzeitmotivation sorgen!
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