Akiba’s Trip Undead & Undressed (PS3) im Test – Striptease im Shopping-Viertel

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Akiba’s Trip Undead & Undressed (PS3) im Test – Striptease im Shopping-Viertel

Beitragvon thomary » Mo 6. Okt 2014, 11:50

Stilecht japanisch: Akiba’s Trip Undead & Undressed ist nicht irgendein Japano-Spiel. Das aktive Kampfsystem des Titels aus dem Hause Acquire verlangt es von euch, eure Widersacher bis auf die Höschen auszuziehen. Doch ist der Trip durch Akiba, der Elektronik-Shopping-Meile Tokios, mehr als nur ein abgedrehtes Erlebnis?

Was für eine Stripperei!

Nein, in Akiba’s Trip Undead & Undressed ziehen wir unsere Gegner nicht einfach nur zum Spaß aus. Ganz im Gegenteil, es handelt sich bei unseren Widersachern nämlich um Synthisters, die Akihabara (so heißt der Stadtteil von Tokio ausgeschrieben) seit einiger Zeit heimsuchen. Sie sind allen Begehren hoffnungslos erlegen und kidnappen zudem unschuldige Bürger aus der Stadt. Auch unsere Spielfigur fällt auf die dubiosen Machenschaften herein, denn ein harmloser Arbeitsvertrag entpuppt sich als gar nicht so harmlos. Aber natürlich schlagen wir uns nicht auf die böse Seite, sondern versuchen gemeinsam mit den Freedom Fighters die Wahrheit hinter den Synthisters aufzudecken.

Auch für uns als Synthister heißt die wichtigste Lektion: Lass dich bloß nicht ausziehen, zumindest, solange du im Sonnenlicht unterwegs bist. Da wir nämlich sowas wie Vampire sind, glitzern und verbrennen wir im Sonnenlicht. Die anderen Synthisters wollen wir aber freilich ausdünnen, und so bietet Akiba’s Trip Undead & Undressed eine ganze Menge an Inhalten während der Story und in Nebenmissionen. Auch wenn fast alle Aufträge es beinhalten, Gegner auszuziehen, so gibt es eine vielfältige Auswahl an Geschichten und Figuren. Nicht einmal eine Neuauflage von Romeo & Julia darf da fehlen.

Die Entwickler haben es phänomenal gut verstanden, uns zu zeigen, dass wir in Akihabara und damit der Technik- und Otakumeile Japans unterwegs sind: Das Smartphone der Spielfigur spielt beim Erledigen von Aufträgen und auch beim Zugriff auf das Inventar eine zentrale Rolle: Die Apps auf unserem Mobilgerät sind zahlreich. Zudem hat man das Großstadtflair phänomenal gut eingefangen: Auch in den kleinsten Seitenstraßen gibt es noch Läden oder mysteriöse Zeitgenossen, die uns zum Beitritt zu noch mysteriöseren Organisationen überreden wollen. Oder aber wir werden beim hellichten Tag von einer Händlerin angesprochen, die uns mit Ausblick auf einen riesigen Gewinn (den wir nie zu Gesicht bekommen) zum Kauf einer hässlichen Postkarte für schlappe 10.000 Yen zwingt.

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Das Smartphone - Unser Arbeitsgerät!



Mut zur Ladepause

Weniger überzeugend ist es da, dass man in Akiba’s Trip Undead & Undressed keineswegs von einer Open-World reden kann. Beim Patrouillieren der Stadt wird man nämlich viel häufiger Ladebildschirme sehen, als einem lieb wäre, denn Akiba ist in mehrere, teilweise sehr kleine Abschnitte eingeteilt. Nutzt man nicht die äußerst komfortable Schnellreisefunktion, so sieht man gut und gerne alle paar Sekunden Ladebildschirme, die es auch dann gibt, wenn man zum Beispiel nur ein Händlermenü öffnet.

Der Performance helfen die häufigen Verschnaufpausen indes nur bedingt weiter: Akiba’s Trip Undead & Undressed macht fast nie einen flüssigen Eindruck, da auch die Figuren bei der Fortbewegungen ein merkwürdiges Herumruckeln an den Tag legen. Insbesondere in Kämpfen muss man aber auch mit kurzen Freezes rechnen. Zusammen mit der Tatsache, dass Akiba’s Trip Undead & Undressed auch schon beim Japan-Release im letzten Jahr nicht unbedingt ein optischer Leckerbissen war, ist die technische Grundlage also bestenfalls mäßig.

Ins Mittelmaß kann sich der Titel gerade so noch dadurch retten, dass immerhin viele (Klon-)NPCs in Akihabara unterwegs sind, die sogar alle angesprochen werden können. Sind sie nicht Teil einer Mission, so haben sie zwar nichts sonderlich Spannendes mitzuteilen, aber immerhin wiederholen sich die Sprüche nicht allzu oft. Damit und mit den dynamischen Events wie z.B. den bereits genannten betrügerischen Verkäufern kann Akiba’s Trip Undead & Undressed insgesamt trotz technischer Einbußen ein viel realistischeres Großstadtbild vermitteln als viele andere Titel.

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Die Karte Akihabaras


Der Button ohne Symbol

Doch wie strippt es sich nun? Akiba’s Trip Undead & Undressed setzt auf ein aktives Kampfsystem, in dem ihr entweder auf Unter-, Oberkörper oder Kopf zielt. Haben Kleidungsstücke genügend Schaden genommen, können sie vom Körper gestrippt werden. Sind alle Kleidungsstücke entfernt, ist der Gegner KO.

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Rosa Prügler und schwarze Kopfhörer!
Wunderbar ist, dass Akiba’s Trip Undead & Undressed eine riesige Vielfalt an Ausrüstungsgegenständen bietet: Praktisch alles, was ihr so in der Spielwelt aufsammelt oder bei Händlern kaufen könnt, kann als Waffe herhalten – Und wenn ihr euch einen ganzen Rechner auf den Rücken schnallt. An Kleidung gibt es natürlich ebenso eine große Auswahl, wobei auch die Synthese nicht fehlen darf: Sämtliche Waffen bzw. Kleidungen können kombiniert und so aufgepeppt werden.

In dem Kämpfen kommt dann alles auf die richtigen Kombos an. Wenn man noch einen Partner dabei hat, kloppt man am besten erstmal einfach so auf alles ein, um dann eine tödliche Strip-Kombo zu starten, in der ihr auf Knopfdruck einfach allen Gegnern entsprechende Kleidungsstücke mit genügend Schaden vom Leib reißen könnt. Für 200er-Angriffs- und 12er-Stripketten winken übrigens auch Trophäen, also es lohnt sich!

Trotz des großen Spaßes, den man in Akiba’s Trip Undead & Undressed zweifellos hat, mangelt es dem Kampfsystem an Präzision, es leidet an den Framerateeinbrüchen und auch ein paar mehr Erklärungen würden dem einen oder anderen Spieler vielleicht gut tun. Häufig ist es ziemlich schwierig, sich auf einen Gegner zu konzentrieren, denn das Anvisieren erfolgt automatisch – Da zudem Reichweiten der Waffen auch nur schwer abschätzbar sind, trifft man oft bloß ins Leere. Eine weitere Herausforderung ist, welcher Angriff genau ausgeführt wird, denn ein simpler Knopfdruck bewirkt etwas anderes als wenn man gleichzeitig den Stick bewegt. Trotzdem fehlt es dem Kampfsystem insgesamt auch an Tiefgang: Neue Nuancen kommen schon nach kurzer Spielzeit keine mehr hinzu.

Jederzeit kann man in Akiba’s Trip Undead & Undressed die eigene Kleidung zurechtrücken, wodurch ihre Werte wieder aufgeladen werden: Durch diese integrierte Heilfunktion fällt der Schwierigkeitsgrad insgesamt angenehm aus, obwohl einige Gegner durchaus fies sind. Genauso fies sind aber diverse Quick-Time-Events, in denen einfach Buttons ohne Symbole angezeigt werden. Wir haben bis heute nicht herausgefunden, was genau gedrückt werden muss.

phpBB [video]


Die Lust auf mehr

Durch die mittelmäßige Technik, die eingeschränkte Freiheit und die Mängel im Kampfsystem kann Akiba’s Trip nicht vollends die Bedürfnisse von Gamern befriedigen: An vielen Stellen würde man sich mehr wünschen. Größer, schöner, besser, sozusagen. Zumal zu dem recht simplen „Ich reiß dir alle Kleider vom Leib“-Prinzip auch das ganze Spiel über keine neuen Finessen hinzukommen werden.

Dennoch macht Akiba’s Trip Undead & Undressed einfach Spaß, denn trotz allem haben die Entwickler Vieles richtig gemacht: Dem tollen Flair in Akihabara, den vielfältigen Anpassungen des eigenen Charakters und den zahlreichen Inhalten ist so leicht nichts entgegenzusetzen. Somit kann sich Akiba’s Trip Undead & Undressed auf der PS3 über eine solide Wertung freuen – Wir blicken aber schon skeptisch auf die noch kommende PS4-Fassung…

Pro Contra
+ Das Flair von Akihabara wurde gut eingefangen - Kleine Gebietsabschnitte, häufige Ladepausen
+ Interessantes Konzept… - … das nicht vollends ausgenutzt wird und insgesamt eher flach bleibt
+ Zahlreiche Aufträge und Nebenmissionen - Häufige Framerateeinbrüche und ruckeliger Gesamteindruck
+ Unzählige Waffen und Kleidungsstücke - Dem Kampfsystem mangelt es an Präzision und Tiefgang
+ Sehr gute englische Lokalisierung


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Technik: 71

Grafik: 53
Sound: 68
Umfang: 85
Gameplay: 77

Spielspaß: 77

  • Story: Schön ist, dass wir nicht einfach nur zum Jux unseren Gegnern die Kleider ausziehen. Nebenbei wird unser Wissen über moderne Vampire aufgefrischt.
  • Frustfaktor: Frustig ist höchstens, wenn das Spiel wieder mal durch eine Ladepause unterbrochen wird.
  • Wiederspielwert: Auch wenn das Spiel verschiedene Enden verspricht, dürfte der Wiederspielwert insgesamt eher gering ausfallen.
  • Design/Stil: Insgesamt überzeugend japanisch. Die Spielfiguren erinnern zwar eher an die PS2-Ära, aber im Grunde stört das hier nicht.

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Re: Akiba’s Trip Undead & Undressed (PS3) im Test – Striptease im Shopping-Viertel

Beitragvon Sib » Mo 6. Okt 2014, 18:48

Den Gegner ausziehen?
Das klingt nach dem 3DS Kampfspiel Senran Kagura Burst, in dem die zwei Argumente der Frau im Vordergrund standen.

Aber solche Spiele interessieren mich eher (jetzt nicht wegen dem, was der eine oder andere denken mag), weil sie eben anders sind und mal herrlich frisch wirken. Akiba´s Trip scheint ja auch ganz nett zu sein^^
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