Alien Isolation (PS4) im Test - Schwache Amanda gegen übermenschliche KI

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thomary
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Alien Isolation (PS4) im Test - Schwache Amanda gegen übermenschliche KI

Beitragvon thomary » Mo 6. Okt 2014, 20:13

Es hat ein schwieriges Erbe anzutreten: Alien: Isolation möchte und sollte keinesfalls in die Fußstapfen von Aliens: Colonial Marines treten. Nicht umsonst schlagen SEGA und Creative Assembly auch eine deutlich andere Richtung ein. In unserem Test zeigt sich jedoch, dass der Überlebenskampf mit Amanda Ripley zwar durchaus fesselnd und atmosphärisch ist, uns technisch und spielerisch aber nicht in angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Ich bin in einem Adventure!

So ungefähr die erste Spielstunde ist es, die mich Alien: Isolation wirklich gut bei Laune hält: Ich denke, ein tolles Adventure im Weltraum gestartet zu haben. Wahre Actionfans werden vermutlich das ganze Spiel über nicht auf ihre Kosten kommen. Man kann zwar durchaus zur Waffe greifen, in vielen Fällen bringt einen das aber auch nicht weiter.

Wenn Alien: Isolation auch noch im späteren Spielverlauf seine starken Momente spielen lässt, dann bietet es atmosphärische Aufträge rund um die Sevastopol, die mit kleineren Rätseln und Minispielen gespickt sind. Tatsächlich ist die Atmosphäre unglaublich stark und die Sevastopol sehr liebevoll nachgebaut.

Auch mit dem ersten Erscheinen des Alien offenbart Alien: Isolation noch nicht gleich seine hässliche Fratze. Lediglich der gute Ersteindruck beginnt bei den ersten Stealth-Passagen zu bröckeln: Bei all den vorhandenen Objekten kann ich mit zu wenigen interargieren. Die meisten Objekte sind eben nicht zum Interargieren vorgesehen – Wenn ich mich verstecken möchte, muss ich schon den Schrank suchen, in dem mir das Spiel dies auch erlaubt!

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Ein vermeintlich sicherer Aufenthaltsort - Lüftungsschächte!


Es ist nicht schwer, sondern unfair!

Zur Weißglut wird euch Alien: Isolation spätestens dann zum ersten Mal treiben, wenn ihr gegen die feindlichen Arbeiter-Androiden antreten müsst, die entgegen ihrer Programmierung nun eben doch den menschlichen Eindringlingen an den Kragen wollen. Um es kurz zu machen: Die KI in Alien: Isolation ist unglaublich fies, unfair und unberechenbar, was schließlich mit dem Alien seinen Höhepunkt erreicht. Dabei gibt es eigentlich so viele gute Ansätze.

Was Alien: Isolation positiv von vielen anderen Spielen ähnlicher Art unterscheidet ist die Tatsache, dass die Widersacher und insbesondere das Alien keine festgeschriebenen Routen haben. Die Androiden zu Beginn werdet ihr noch gut verfolgen können, das Alien bewegt sich jedoch mehr oder weniger frei durch die Areale. Man sollte meinen, dass das die Spannung unheimlich nach oben treibt und Alien: Isolation zu einer echten Herausforderung macht. Tut es im Prinzip auch – Wäre nicht gleichzeitig so viel im Argen.

Wenn es um den astronomisch hohen Frustfaktor von Alien: Isolation geht, dann kommen viele Ärgernisse zusammen. In erster Linie hängen sie alle mit der KI zusammen: Ich habe selten mehr krasse Aussetzer der Feinde in einem Spiel gesehen, in dem deren Intelligenz so essentiell ist. Es ist mir mehrfach passiert, dass ich genau vor einem Gegner stand oder aber ihm auf der Treppe begegnet bin, ohne dass er mich wahrgenommen hätte. Andererseits verstecke ich mich dann wieder in einem Schrank, um auf den sicheren Moment zum Weitergehen zu warten, woraufhin die KI (egal ob Alien oder Androide) zielsicher auf mich zugehen und mich aus dem Schrank zerren konnte, wobei ich vorher nicht gesehen worden bin.

Darüber hinaus greift man regelmäßig eben doch wieder auf Skripts zurück, die die Atmosphäre stören und gerade zu Spielbeginn einfach unfair sind. Findet man nicht den richtigen Weg, kann man gleich wieder den letzten Speicherpunkt laden, denn eine Überzahl an Gegnern führt in der Regel automatisch zum Tod. Haben wir dann schon das Alien kennen gelernt, so kann ganz schnell aus einem sicher geglaubten Treppenhaus eine Todesfalle werden.

Knackiger Schwierigkeitsgrad hin oder her, in Alien: Isolation kommt man sich häufig zu hilflos vor – Menschliche Gegner und die Androiden können wahnsinnig viel einstecken, während das Alien sowieso unbesiegbar ist – Nicht einmal mit dem Flammenwerfer, den man im späteren Spielverlauf erhält, kann es niedergestreckt, sondern nur kurzzeitig verscheucht werden.

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In Deckung! Aber keine Garantie, dass ihr nicht doch entdeckt werdet.


Technisches Allerlei

Wenn einen Alien: Isolation dann zum x-ten Mal mit dem Todesbildschirm an der gleichen Stelle begrüßt, klammert man sich zunächst noch an die wirklich gute Atmosphäre. Auch grafisch macht der Titel auf der PS4 an vielen Stellen einen ordentlichen Eindruck – Gerade die Lichteffekte können überzeugen. Doch alleine schon durch die cineastische Ausrichtung des Titels ärgert man sich auch hier über vielerlei Dinge.

Die NPCs in Alien: Isolation wirken unglaublich hölzern, ihre Bewegungen sind häufig abgehakt und die Figuren verschwinden immer wieder kurzzeitig, um gleich darauf wieder aufzuploppen. Das größere Ärgernis sind aber die extrem ruckelnden Cutscenes, die zudem noch asynchron sind (ein Problem, das mit dem bereits veröffentlichen Patch eigentlich behoben sein sollte…).

Den filmischen Eindruck kann man dafür beim Ton durchziehen: Nicht nur hat Alien: Isolation eine hervorragende Tonabmischung vorzuweisen, auch die Soundeffekte sind gelungen und furchteinflößend, sodass wir die Annäherung eines Feindes schon frühzeitig erkennen können.

Im Verlauf des Tests konnten wir uns jedoch einige Videos nicht verkneifen, die einige technische Ärgernisse aus Alien: Isolation zeigen.



Hier ist es sicher… Lass uns basteln! Doch wie lange noch?

Nein, ein besseres Spiel können wir leider aus Alien: Isolation nicht basteln. Schafft man es aber trotz aller Ärgernisse, sich länger auf das Spiel einzulassen, was sich im Hinblick auf Geschichte, Atmosphäre und die immer wieder coolen Missionen auch lohnt, dann offenbart sich unter anderem auch noch das Crafting-System.

Auch wenn man insgesamt gefühlt eher zu viele als zu wenige Rohstoffe in der Sevastopol findet, so lassen sich unkompliziert zahlreiche Hilfsmittel basteln, mit denen die Gegner abgelenkt werden können. Zum großen Frustpotential trotz aller Helferchen kehren wir an dieser Stelle nicht zurück, aber das Herumexperimentieren damit macht wirklich Spaß und wird erst recht dazu führen, dass man die Waffen stecken lässt, die meist zu unerwünschten Nebeneffekten (noch mehr Feinde!) führen.

Alien: Isolation bietet darüber hinaus noch einiges an Sammelobjekten, wie wir das aus Einzelspielerkampagnen ja kennen. Für das Einsammeln von ID-Karten und Soundlogs winken natürlich auch Trophäen.

Zwischenzeitlich wird sich wohl jeder fragen, wie lange der Überlebenskampf mit Amanda Ripley noch andauert. Es ist ziemlich schwer zu sagen, denn zwischen möglicher und realistischer Spielzeit dürften bei Alien: Isolation ganze Welten liegen. Ich würde gerne vermeiden zu sagen, dass hier eine Kampagne von einigen wenigen Stunden durch das ganze Aussitzen in Schränken und unzählige Male neu laden auf viele, viele Stunden gestreckt wurde – Aber leider ist das so.

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Der Schrecken sitzt!
Nein, insgesamt ist Alien: Isolation nicht wirklich schlecht. Es hat unglaublich viele gute Ansätze, von denen sich andere „Survival Horror“ Spiele noch eine ganze Scheibe abschneiden könnten. Dynamische Routen der KI sowie deren Reaktion auf wirklich alle Geräusche, Lichter etc. sind definitiv der richtige Weg. Doch mit dem Schwierigkeitsgrad haben es die Entwickler an vielen Stellen einfach übertrieben – Denn an vielen Stellen hat das Ganze nichts mehr mit Anspruch, sondern einfach bloß mit Frust zu tun.

Dazu tragen zahlreiche KI-Macken bei, wenn ich mal nicht entdeckt werde, obwohl mein Gegner vor mir steht, dann aber wieder doch, obwohl ich mich in einem sicheren Schrank versteckt habe. Hinzu kommt, dass man an entscheidenden Stellen eben doch wieder auf Skripts zurückgreift und ich gerne mit noch so viel mehr Objekten interargieren möchte und nicht nur mit denen, die das Spiel dafür vorsieht.

Die abwechslungsreichen Aufträge, die tolle Atmosphäre und die cineastische Ausrichtung (mit starken Abstrichen bei Technik und NPCs!) bewegen mich dann doch immer wieder zum Weiterspielen, denn in gewisser Weise lohnt es sich, sich durch Alien: Isolation zu beißen, gerade, wenn sich jeder neue Speicherpunkt wie ein großer Sieg anfühlt. Der Funke kann aber nicht überspringen. Es ist qualitativ deutlich besser als Alien: Colonial Marines – Aus dem Mittelmaß kann es aber insgesamt nicht herausragen.

Pro Contra
+ Einzigartige und gelungene Atmosphäre mit cineastischer Ausrichtung - Hölzerne Figuren, ruckelnde Cutscenes und Framerateeinbrüche
+ Viele gute Ansatze in Bezug auf Survival… - … die insgesamt für viel Frust sorgen
+ Teils ungescriptete KI… - … die jedoch unfair und unberechenbar ist
+ Kein typischer Shooter, der Waffeneinsatz lohnt sich häufig nicht… - … Da Gegner unglaublich viel aushalten und das Alien unbesiegbar ist
+ Guter Sound und herausragende Tonabmischung - Sehr gewöhnlicher Game Over Bildschirm
+ Jeder Speicherpunkt fühlt sich wie ein neuer Sieg an… - … doch auf wenige Siege kommen am Ende Hunderte Tode
+ Es ist besser als Aliens: Colonial Marines - …Aber immer noch nicht gut!
- Es sollte schneller vorbei sein!


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Technik: 74

Grafik: 66
Sound: 81
Umfang: 88
Gameplay: 59

Spielspaß: 45

  • Story: Der stärkste Teil von Alien: Isolation. Die Sevastopol ist gespickt mit Details und Terminals sowie Audiologs lassen auch hinter die Kulissen blicken.
  • Frustfaktor: Ihr werdet hunderte Male neu laden. Der Frustfaktor ist unglaublich hoch.
  • Wiederspielwert: Never ever!
  • Design/Stil: Der Stil gefällt – Auch die cineastische Ausrichtung, was aber durch die technischen Macken ein wenig zurückstecken muss.
  • Musik: Der komplette Sound passt sehr gut zum filmartigen Erlebnis. Gut gemacht!
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Re: Alien Isolation (PS4) im Test - Schwache Amanda gegen übermenschliche KI

Beitragvon wolverine » Di 7. Okt 2014, 08:34

ein glück bin ich nicht schon wieder auf ein sega-alien-game reingefallen! was ich hier lese bestätigt mich in meinem entschluss aus "strafe" für sega dieses alien-game auszulassen.
nach dem A:CM-desaster hab ich mich gegen isolation entschieden habe. die letzten paar alien-games wurden blind vorbestellt (schuld hatte die jaguar-konsole und das damals geniale avp-spiel darauf, die games für ps3 waren aber echt grotte), aber mit CM hat sega bei mir alles verdaddelt. das war ne pure frechheit und ich bin jetzt noch darüber angepisst, wie die die kunden verarscht haben.
Wenn Du wissen willst, wer dich beherrscht, musst Du nur herausfinden, wen Du nicht kritisieren darfst.
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