Bayonetta 2 (Wii U) im Test - Ein echtes Hexenwerk

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Bayonetta 2 (Wii U) im Test - Ein echtes Hexenwerk

Beitragvon thomary » Do 30. Okt 2014, 13:05

Anfang 2010 war es so weit: Bayonetta erschien hierzulande für PS3 und Xbox 360, ein actiongeladenes Hack’n’Slash, vollgepackt mit grandiosen Kämpfen, sexuellen Anspielungen, die Hauptfigur eine äußerst markante Heldin. Noch dazu war Bayonetta nicht nur technisch herausragend (zumindest auf der Xbox 360), sondern auch noch sehr anspruchsvoll. Entsprechend groß war die Wut der Fans, als bekannt wurde, Bayonetta 2 würde lediglich für Nintendos Wii U erscheinen. Nintendo sorgte für die Finanzierung und offenkundig auch für den Feinschliff bis ins letzte Detail: Fast fünf Jahre nach dem Vorgänger steht Bayonetta 2 nun endlich in den Läden. Hat sich die Wartezeit gelohnt und rechtfertigt sich nun ggf. auch ein Systemwechsel?

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Eine Hexe mit all ihren Vorzügen

Bayonetta 2 macht einem von der ersten Minute an klar, woran man ist, denn obwohl das Ganze chaotisch wirkt, ist immer eine klare Linie zu erkennen. Der exzellente Prolog führt geschickt die ernstzunehmende Handlung ein, während er gleichzeitig an Doppeldeutigkeiten und sexuellen Anspielungen kaum noch zu übertreffen ist. Hin und wieder wundern wir uns direkt über den USK16-Flatschen auf dem Cover.

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Auch schöne Aussichten sind dabei
Es sind aber genau diese Gratwanderungen, die Bayonetta 2 auszeichnen: Trotz aller Anzüglichkeiten wird nie die Grenze zum Peinlichen oder Übertriebenen überschritten – U.a. Kameraschwenks im richtigen Moment machen’s möglich, bevor Pixelbalken zur Sicherung der USK-Einstufung zum Einsatz hätten kommen müssen. Ebenso bewältigt Bayonetta 2 diesen Spagat auch beim Gameplay: Auch wenn manchmal alles noch so chaotisch wirken mag, fehlt nie der rote Faden, der auch durch die Story erzeugt wird, die neben der Rettung der Menschheit auch die persönliche Seite Bayonettas in den Mittelpunkt rückt und erzählerisch wie darstellerisch sehr überzeugend ist.

Ähnlich ist es beim Anspruch: Während Bayonetta 2 auf den höchsten Schwierigkeitsgraden extrem fordernd sein kann und die Jagd nach Platinmedaillen in jedem Abschnitt zur zeitintensiven Tortur werden kann, so ist das Abenteuer auf leichtem Schwierigkeitsgrad für jeden mit guten Durchschnitten zu meistern. Hin und wieder sorgt der leicht unausgegorene Schwierigkeitsgrad für Stirnrunzeln, der innerhalb einer Klimax immer mal wieder ans Licht kommt. Ein Extrem kennt Bayonetta 2 im Hinblick auf den Anspruch aber dann doch: Wer die Stiftsteuerung mit dem GamePad benutzt, wird eine sehr einfache, wir möchten sagen, abgespeckte Variante des Spieles erleben, die bei Weitem nicht an den Anspruch und die Finesse des „Originals“ heranreicht.

Die Ausübung der Kunst

Finesse ist der richtige Begriff, wenn man versucht, das Gameplay von Bayonetta 2 treffend zu beschreiben. Das Kernstück ist sicherlich das Kampfsystem, für das wir euch allen einen Wii U Pro Controller ans Herz legen würden, dann erwarten euch unglaublich packende Gefechte, die auf präzise Tasteneingaben angewiesen sind. Bei einigen Attacken sind Sekundenbruchteile bei den Eingaben entscheidend, die das Spiel hervorragend umsetzt, auch wenn man zwischenzeitlich manchmal gerne etwas anderes behaupten würde: Haltet die Taste beim nächsten Mal einfach nicht ganz so lange (oder etwas länger)!

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Der Ladebildschirm
In die Kunst des Kämpfens, Malträtierens und Folterns wird man übrigens in sehr ordentlichen Tutorials eingeführt, in denen man sogar jede einzelne Fähigkeit ausprobieren darf. Neue Fähigkeiten kann man mit im Spiel gesammelter Währung (Heiligenscheine) kaufen, ebenso wie neue Waffen oder Items, die Bayonetta neue Boni, Kampfesgefährten oder mehr verschaffen. Der interaktive Ladebildschirm vor jedem Abschnittswechsel ermöglicht zudem, all eure Fertigkeiten auszuprobieren und dabei wird sogar angezeigt, welche Kombo ihr gerade ausführt. Das ist sehr praktisch, auch wenn die Ladezeiten manchmal befremdlich wirken könnten – Zum Glück fallen sie aber nicht allzu lang aus.

Trotz allen Fokus‘ auf das Kämpfen verkommt Bayonetta 2 nie zum müden Dauerschnetzler. Hin und wieder tun uns die Pausen vom Kämpfen sogar richtig gut. Dann steht das Erkunden der Abschnitte an – Um zum Beispiel versteckte Objekte zu finden oder aber weitere Kämpfe, um alle Medaillen eines jeden Kapitels zu finden. Darüber hinaus gibt es aber auch bei den Gameplayelementen immer mal wieder neue Nuancen, sodass Bayonetta 2 ständig kleinere Überraschungen bereithält.

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Wo ist Bayonetta?


Auf die Technik kommt es an

Nicht auf die Größe des Werkzeugs kommt es an, sondern wie man damit umgeht: In Bayonetta 2 kann man mit den verschiedenen Waffen, die nach und nach erhältlich sind, letztendlich seinen eigenen Spielstil basteln und entweder zur perfekten Klingentänzerin oder aber doch zur schießwütigen Hexe werden. Darüber hinaus droppen auch gefallene Gegner hin und wieder Waffen, die aufgenommen und eingesetzt werden können, jedoch über eine begrenzte Haltbarkeit verfügen.

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Nicht nur hier ist Bayonetta 2
wirklich hübsch
Weniger Einfluss habt ihr auf die technische Seite des Spieles, doch hier gibt es nur wenig auszusetzen. Platinum Games holt wirklich viel aus der Wii U heraus und angesichts der ganzen Partikeleffekte sind sicherlich Spiele auf technisch fortgeschritteneren Konsolen neidisch, dass sie das noch nicht hinbekommen. Hin und wieder kommt es in Cutscenes zu kleineren Framerateeinbrüchen, störender ist aber das wirklich starke Kantenflimmern. Dennoch macht Bayonetta 2 wirklich einen sehr guten Eindruck!

Ein Lob hat ebenso die Soundkulisse verdient: Toneinstellungen sind in Bayonetta 2 ausnahmsweise einmal sinnvoll und ermöglichen so problemlos, die Abmischung auf den eigenen Fernseher oder die eigene Soundumgebung einzurichten. Was man dann zu hören bekommt, überzeugt, denn sowohl die Musikuntermalung als auch die markanten sowie auf die Figuren passenden englischen Synchronisierungen runden das Gesamtbild von Bayonetta 2 ab.

Zu zweit in die Schlacht

Bayonetta 2 kann man nicht nur alleine erleben: Leider gibt es keinen lokalen Koop-Modus, dafür kann man aber online mit einem weiteren Spieler zu Werke gehen. Die Abschnittsauswahl erfolgt über Verskarten, die man im Storyverlauf sammelt. Die Spielersuche funktioniert entweder unter den Freunden, oder aber zufällig im Schnellen Spiel bzw. aus einer Liste der derzeit aktiven Spieler.

Unter Umständen gestaltet sich die Spielersuche etwas schwierig, da viele Spieler eingehende Anfragen nicht anzunehmen scheinen, doch wenn eine Schlacht zustande kommt, geht es so richtig los. Zu gewinnen (oder zu verlieren) gibt es Heiligenscheine, denn der Gewinner aus der letzten Runde muss den Kampf auswählen und einen Einsatz abgeben. Wer mit der höheren Punktzahl aus dem Kampf geht, gewinnt. Das ist ein sehr gelungener Mix aus Gegen- und Miteinander, denn obwohl man sich übertrumpfen möchte, muss man sich zum Beispiel auch wiederbeleben, denn sind beide tot, ist die Hexenjagd vorbei!

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Die Hexe brilliert

Bayonetta 2 ist ein in sich geschlossenes Kunstwerk, das diverse Spagate ganz vorzüglich erfüllt: Zugänglichkeit und hoher Anspruch erweisen sich als ebenso vereinbar wie Chaos bzw. Unübersichtlichkeit und die notwendige Struktur sowie Ernsthaftigkeit. Schon im herausragenden Prolog ist einem klar, woran man ist, und die Motivation wird bei Bayonetta 2 so schnell nicht mehr nachlassen, denn auch nach dem erstmaligen Durchspielen der Kampagne gibt es höhere Schwierigkeitsgrade, mehr Herausforderungen und die Jagd nach auch der allerletzten Platinmedaille. Wie viele Stunden der Einzelne damit verbringen kann, vermögen wir nicht zu sagen. Auf dem Weg dahin bietet Bayonetta 2 brillante Kämpfe, ein Gameplay, das immer wieder mit neuen Kleinigkeiten überrascht, sowie markante Figuren, wie wir sie gerne öfter sehen würden. Immer mal wieder gibt es Kleinigkeiten, wie der mitunter leicht unausgeglichene Schwierigkeitsgrad (ohne diesen zu wechseln) sowie kleinere technische Einbußen im Hinblick Kantenflimmern und Framerate, die den Gesamteindruck ein klein wenig drücken. Insgesamt ist Bayonetta 2 aber ein echter Hit und ein weiteres starkes Argument für die Wii U.

Pro Contra
+ Brachiale Action mit fordernden Kämpfen - Mitunter leicht unausgeglichener Schwierigkeitsgrad
+ Flüssige Darstellung trotz vieler Partikel und Effekte - Starkes Kantenflimmern
+ Präzise und vielfältige, aber eingängige Steuerung mit diversen Varianten - Gelegentlich leichte Framerateeinbrüche
+ Geniale Heldin, super Figuren, interessante Handlung - Selten kleinere KI-Hänger
+ Unglaublich motivierend – Bis hin zur letzten Platinmedaille (zeitintensiv!)
+ Sehr präzise Steuerung (mit Wii U Pro Controller!) - GamePad Variante mit Stylus-Steuerung wirkt wie ein abgespecktes Abenteuer
+ Interaktiver Ladebildschirm zum Üben - Teilweise nerven die Ladezeiten
+ Überaus gelungene Tutorials
+ Spannendes Gegen- und Miteinander im (prinzipiell) unkomplizierten Onlinemodus


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Technik: 89

  • Grafik: 84
  • Sound: 90
  • Umfang: 88
  • Gameplay: 93
  • KI: 88

Spielspaß: 93

Einzelspieler:

  • Story: Die Rettung der Menschheit und eine persönliche Geschichte Bayonettas: Die Story ist erzählerisch und darstellerisch gelungen und nimmt im Spielverlauf deutlich an Fahrt auf.
  • Frustfaktor: Bayonetta 2 ermöglicht es, mit Schwierigkeitsgraden die eigenen Präferenzen festzulegen. Frustpotential gibt es aber durchaus.
  • Wiederspielwert: Sehr hoch. Zumindest für die, die noch mehr Medaillen sammeln und Geheimnisse aufdecken wollen, kann Bayonetta 2 zu einem längerfristigen Vergnügen werden.
  • Design/Stil: Markant, doppeldeutig und durchaus anzüglich: Der Stil passt perfekt zu Figuren und zu den zahlreichen Spagaten, die Bayonetta 2 mit Bravour meistert.
  • Musik: Auch hier erkennen wir sofort eine eindeutige Handschrift und sehen das Geschehen als perfekt untermalt.

Mehrspieler:

  • Motivation: Gerne arbeitet man die Verskarten ab und ist besser als der Partner.
  • Vielfalt: Die Abschnitte wiederholen sich zwar – Aber es ist Bayonetta! Und mit verschiedenen Partnern ist es eben die Dasselbe.
  • Stabilität: Hin und wieder sind uns kleinere Lags aufgefallen, aber dennoch wurde (das sehr rasante!) Spielerlebnis nie negativ beeinflusst

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