Forza Horizon 2 (Xbox One) im Test - Ein Gefühl grenzenloser Freiheit?

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Forza Horizon 2 (Xbox One) im Test - Ein Gefühl grenzenloser Freiheit?

Beitragvon thomary » Do 6. Nov 2014, 18:23

Besitzer der neuen Konsolen warten auf starke Zugpferde. Diese können auch als Kaufargument für alle herhalten, die noch keine aktuelle Konsole besitzen. Genügend Pferdestärken unter Haube hat Forza Horizon 2 allemal. Doch ergeben über 200 Fahrzeuge und eine große Open-World schon automatisch ein gutes Spiel?

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Größer, besser, Full HD?

Spieler von Forza Horizon auf Xbox 360 wird der Nachfolger auf Xbox One sofort bekannt vorkommen, denn sowohl die optische als auch mechanische Ähnlichkeit ist unverkennbar. Gleichwohl ist Forza Horizon 2 durchaus mehr als nur eine getunte Version des Vorgängers, die die Full HD Kur durchlaufen hat.

Im Rahmen des Horizon Festivals, das dieses Mal in Südeuropa angesiedelt ist, erwartet alle Rennfahrer nämlich eine vielfach größere Spielwelt, deren Grenzen zudem aufgesprengt wurden: Abgetrennte Rundkursrennen gibt es zwar durchaus, jedoch setzt Forza Horizon 2 größtenteils auf vollkommen frei befahrbare Umgebungen und auch Offroad- bzw. Querfeldeinrennen spielen eine große Rolle.

Die Teilnahme am Horizon Festival wird glaubhaft inszeniert und die Spielwelt mit den sogenannten Autotouren eingeführt, in denen man nach und nach die Schauplätze des Festivals abarbeitet und jeweils eine Meisterschaft auf dem Weg zum goldenen Armband absolviert, bis man schließlich zum Sieger des Horizon Festivals avanciert. Durch diese Struktur macht Forza Horizon 2 zunächst einen lineareren und beengteren Eindruck als der Erstling, doch der Schein trügt: Es gibt unzählige Veranstaltungen und Meisterschaften zu absolvieren!

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Hätte ich doch nur mehr Platz in der Garage…!

Dass dem so ist, repräsentiert auch schon der riesige potentielle Fuhrpark: Über 200 Fahrzeuge stehen beim Händler bereit. Nach Leistungsstufen sortiert, kann jedes Auto optisch und technisch angepasst werden. Das Tuning beschränkt sich dabei nicht nur auf den Einbau neuer Teile, was automatisch oder manuell funktioniert, sondern auch auf die Einstellung derselben. Der arcadelastige Ausrichtung von Forza Horizon 2 macht das zumindest auf normalen Schwierigkeitsgraden nicht unbedingt nötig, freut aber Rennspielenthusiasten und all diejenige, die gegen Profis im Onlinemodus antreten wollen.

Forza Horizon 2 hat die ganz große Stärke, unglaublich motivierend zu sein: Obwohl man sich viele Fahrzeuge wirklich schnell leisten kann, werden sie nicht in einem lieblosen Menü hingeklatscht und können bei einem bestimmten Fahrerlevel automatisch in Empfang genommen werden. Stattdessen müssen sie vom durch Veranstaltungen gewonnenen Geld gekauft und dann ggf. noch angepasst werden. Darüber hinaus gibt es auch noch Scheunenfunde, das heißt alte Wagen, die in der Welt gefunden und restauriert werden können, sowie die „Fahrspaßlisten“, die einen zwischendurch anhand verschiedener Aufgaben ebenso andere Boliden Probe fahren lassen.

Bei all den verschiedenen Fahrzeugen gibt es auch spielerisch sinnvolle Unterschiede: In Forza Horizon 2 findet wirklich jeder sein Lieblingsfahrzeug. Mit dem Xbox One Controller steuert sich der Titel großartig, was auch bedeutet, dass Unterschiede spürbar sind, insbesondere zum Beispiel zwischen Allrad, Heck- und Fronttrieblern. Beim Beschleunigen und Bremsen, bei denen man die Präzision der Controller-Schultertasten zu schätzen lernt, sowie beim Schalten arbeitet man zudem herausragend mit dem Force Feedback und erschafft sogar mit dem Controller ein realistisches (wenn auch arcadelastiges) Fahrerlebnis.

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Im Designeditor können eigene Logos für Fahrzeuge erschaffen werden.


Wir fahren online!

Ganz so nahtlos wie möglicherweise erwartet sind Einzel- und Mehrspielermodus in Forza Horizon 2 nicht verknüpft, aber dennoch geht der Wechsel quasi auf Knopfdruck vonstatten. Auch während der Kampagne wird jedoch mit den sogenannten Drivataren gearbeitet, das heißt man tritt nicht gegen KI-Gegner, sondern die Abbilder echter anderer Spieler an, die das Rennen schon absolviert haben. Auch der eigene Drivatar ist später unterwegs und bringt einem für seine erreichten Positionen Geld ein.

Wer „wirklich“ gegen andere Menschen antreten will, kann sich in die Freie Onlinefahrt oder die Online Autotour stürzen. Obwohl die Veranstaltungen dort fest vorgegeben werden, sorgt die Autotour zweifelsohne für mehr Motivation: In einer Reihe von jeweils vier Veranstaltungen tritt man gegeneinander an. In Abhängigkeit von der Endplatzierung wird am Ende Geld ausgezahlt. Die Veranstaltungen sind neben normalen Rennen (Rundkurs, Sprint oder Offroad) auch sehr frische und intensive Veranstaltungen wie zum Beispiel Forzas ganz eigener „Zombie-Modus“, in dem der am Anfang allein dastehende infizierte Spieler möglichst viele der anderen Spieler erwischen muss, indem er sie rammt. Wer infiziert ist, kann dann selbst auf die Suche nach den noch Überlebenden gehen.

Das Thema Motivation kommt dabei in Forza Horizon 2 weder offline noch online zu kurz. Wer sich zunächst fragt, wo andere Spieler ihr Fahrerlevel 200 oder höher herbekommen, der wird die Antwort recht schnell erhalten, denn belohnt wird quasi alles. Erfahrungspunkte verdient man nicht nur anhand erzielter Platzierungen, sondern auch für Aktionen während des Fahrens, wie Windschatten-Ausnutzung, Drifts etc. So ein Event wie das Horizon Festival ist eben auch auf Style ausgelegt! Bei jedem Aufstieg der Fahrerstufe kann man übrigens den Horizon Wheelspin betätigen, der als Gewinn entweder Bares oder sogar neue Fahrzeuge beschert.

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Was wir wohl nach diesem Stufenaufstieg gewinnen?


Technische Pferdestärken

Wenngleich die Fortschritte gegenüber des Vorgängers klar sind, so fällt der rein grafisch sichtbare Sprung nicht ganz so groß aus, wie man es für Forza Horizon 2 auf Xbox One vielleicht erwartet hätte. Das Spiel sieht gut aus und lässt mit seinen Wettereffekten auch die eine oder andere Technikmuskel spielen, insgesamt erblicken wir aber etwas zu oft Kantenflimmern und matschige Texturen ebenso wie Pop-Ups. Glücklicherweise läuft Forza Horizon 2 dafür absolut flüssig und weiß anstatt mit bloßer Grafik eben auch mit seinen weitläufigen und wirklich beeindruckenden Umgebungen zu begeistern. Gerade wenn wir durch Lavendelfelder in der Provence rauschen und die wahnsinnige Freiheit genießen, feiert Forza Horizon 2 einen seiner Höhepunkte.

Zu diesen gehört auch die phänomenale Musikuntermalung: Das Horizon Festival bietet diverse Radiosender an, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Auch wenn sich bei einem Sender die Songs doch recht schnell wiederholen, wurde eine sehr gute Auswahl getroffen. Besonders schön ist auch, dass man für bestimmte Events einen besonderen Soundtrack einbindet und so zum Beispiel Oldtimer-Flair widerspiegelt, wenn man gerade in einem solchen Fahrzeug sitzt.

Je weiter man im Spiel voran schreitet, desto mehr hätte man sich gewünscht, dass die Entwickler die doch noch recht häufigen Ladezeiten umgehen: Hier merkt man, dass die technische Grundlage sich ruhig noch etwas weiter vom ersten Forza Horizon hätte entfernen dürfen. Der Onlinemodus läuft stabil, nur die Positionskorrekturen, die das Programm bei einigen Spielern vornimmt, sind teilweise etwas witzig anzusehen und können gegebenenfalls für Verwirrung bezüglich der Platzierungen sorgen.

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So gut sieht das Ganze manchmal aus!


Nicht nur am Horizont…

… ist Forza Horizon 2 ein echter Hit. Das Spiel ist genau das geworden, was man erwartet hätte: Größer, besser, schneller, mit einigen sinnvollen Kniffen und Verbesserungen und mit einer gelungenen Ausrichtung auf Social-/Onlinefunktionen. Die ständige Verknüpfung von online und offline ist zum Beispiel kein Muss, wie man mit der gelungenen Einbindung der Drivatare zeigt. Ansonsten begeistern die unzähligen Fahrzeuge, die vielen Events und die ständige Motivation, das nächste Traumauto freizuschalten. Nur, wenn man Technik und Grafik kritisch betrachtet, muss Forza Horizon 2 einige Federn lassen, denn alleine durch die rein optische Ähnlichkeit wird deutlich, dass der Sprung auf die neue Konsolengeneration nicht ganz so groß ausgefallen ist, wie erwartet. Doch dennoch genießen wir die Freiheit in der großen und wunderschönen Spielwelt, freuen uns an den Wettereffekten, die in anderen Rennspielern mit großem Tamtam nachgepatcht werden und ziehen das Fazit, dass Playground Games genau das geschaffen hat, was versprochen wurde: Einen großen Spielplatz für Rennspielfreunde!

Pro Contra
+ Großes, weitläufiges Gebiet des Horizon Festivals - Zu Beginn wirkt alles eher linear und eingeengt
+ Extrem motivierender Spielaufbau: Wheelspin, Geld- und EP-Belohnungen und mehr - Technisch wäre hier und da mehr drin: Kantenflimmern und Matschtexturen stören das Gesamtbild
+ Großer Fuhrpark mit unzähligen Traumwagen - Häufige Ladezeiten
+ Hervorragendes Handling, sinnvole Fahrzeugunterschiede - Teils merkwürdige Positionskorrekturen im Onlinemodus
+ Tolles Force Feedback
+ Gelungener, motivierender und weitgehend stabiler Onlinemodus
+ Drivatare als interessantes Einzelspielerelement
+ Umfangreicher Design-Editor


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Technik: 90

  • Grafik: 82
  • Sound: 95
  • Umfang: 92
  • Gameplay: 90

Spielspaß: 89

Einzelspieler:

  • Frustfaktor: Kommt auf die Ziele an, die man sich setzt: Viel lässt sich individuell einstellen – Forza Horizon 2 lässt einem immer eine Chance!
  • Wiederspielwert: Die Karriere werdet ihr sicher nicht nochmal spielen, aber trotzdem immer mal wieder eine Runde drehen!
  • Design/Stil: Die Regionen in Südeuropa begeistern uns, ebenso sind die Fahrzeugmodelle mühevoll gestaltet. Forza Horizon 2 überzeugt!
  • Musik/Sound: Gute Fahrzeuggeräusche und eine herausragende Musikuntermalung überzeugen!

Mehrspieler:

  • Matchmaking: Zwar werden alle Fahrerlevel zusammengewürfelt, doch diese sagen prinzipiell nichts über das Können aus und man wird dadurch auch nicht stärker o.Ä. Wie gut der eigene Wagen angepasst ist, hängt ganz von einem selbst ab.
  • Motivation: Durch Belohnungen und Stufenaufstiege sehr motivierend!
  • Stabilität: Die Stabilität geht in Ordnung, teilweise nerven Positionskorrekturen anderer Spieler.
  • Vielfalt: Der Fokus liegt auf Rennen, aber einige andere Events (z.B. „Infiziere deine Mitspieler!“) bringen erfrischende Nuancen in den Multiplayer.


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