Assassin’s Creed Rogue (PS3) im Test – Black Flag 2.0?

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thomary
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Assassin’s Creed Rogue (PS3) im Test – Black Flag 2.0?

Beitragvon thomary » Sa 15. Nov 2014, 15:02

Während Ubisoft mit Assassin’s Creed Unity dieses Jahr zum ersten Mal mit einem Titel exklusiv die Next-Gen beglückt, kam, man kann im Trubel rund um die zahlreichen Probleme von Unity schon fast sagen sang- und klanglos, auch noch Assassin’s Creed Rogue auf den Markt, das ein weiterer Beitrag zur Amerikanischen Saga von Assassin’s Creed ist und auch die Geschichte der Kenways noch einmal aufgreift. Hat dieser Titel vielleicht sogar das größere Lob verdient und ist er, trotz aller offensichtlicher Ähnlichkeiten, mehr als Black Flag 2.0 (oder gar 1.0)?

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Mein Name ist Shay Patrick Cormac…

Fans des Vorgängers werden schon auf den ersten Blick auf ihre Kosten kommen: Assassin’s Creed Rogue sieht genauso aus wie Black Flag (auf PS3 bzw. Xbox 360) und spielt sich genauso wie Black Flag. Sogar die Hauptfigur, Shay Patrick Cormac, der eigentlich wesentlich gelungener ist als Edward Kenway aus dem Vorgänger, lässt prinzipiell keine Unterschiede erkennen, denn in der üblichen Spielansicht von hinten lassen sich die beiden spielerisch und von ihren Animationen schonmal gar nicht unterscheiden. Lediglich das permanente Gestöhne beim Sprinten und Springen, das Shay von sich gibt, zeugt da noch davon, dass wir es tatsächlich mit einer anderen Figur zu tun haben.

Auch wenn man es in den ersten Minuten kaum glauben mag, so führt Assassin’s Creed Rogue aber tatsächlich einige neue Elemente ein, die letztendlich eine wesentlich rundere Version von Black Flag ergeben. Die Spielwelt ist dieses Mal in das River Valley und den Nordatlantik als Sandboxen eingeteilt, dafür kommen die Städte jedoch ohne Ladebildschirme aus. Im Nordatlantik erwarten uns das feste Eis oder aber Eisberge, in denen sich ggf. Schätze verstecken, die wir aber auf der hohen See auf alle Fälle dafür nutzen können, durch den Wellengang nach ihrer Zerstörung unsere Feinde zu beschädigen.

Auch wenn uns eigentlich Edward als Hardcore-Pirat vorgestellt wurde, und Shay sein Schiff, die Morrigan, mehr oder minder nur als Mittel zum Zweck unterhält (erneut spiegelt sich spielerisch dieser markante Unterschied zwischen den Figuren kaum wider!), so fühlen wir uns endlich wie ein richtiger Pirat, oder zumindest wie jemand, der sich einen Ruf erarbeiten möchte! Die Präsenz der Seeschlachten hat zwar gefühlt etwas nachgelassen (mehr echtes Assassinen-Gameplay!), doch dafür wurden auch in Assassin’s Creed Rogue die Renovierungen wieder eingeführt, sodass wir in vielen Städten Einrichtungen modernisieren können, die im Spielverlauf Geld abwerfen, das uns komfortabel auf die Bank geliefert wird.

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Auf dem Schiff fühlen wir uns sofort heimisch.


… und das ist meine Geschichte

Bevor wir uns weiter in Nebenaktivitäten vertiefen, wollen wir aber betonen, dass uns die Story von Assassin’s Creed Rogue wesentlich besser bei Laune halten kann als die von Assassin’s Creed IV Black Flag. Zum einen ist sie weniger künstlich in die Länge gestreckt („Du musst unbedingt erst die Morrigan aufrüsten!“), zum anderen ist die Handlung knackiger und die Figuren noch einprägsamer, obwohl kein Blackbeard mit dabei ist. Auch Shays Bruch mit den Assassinen und sein Überlaufen zu den Templern ist gut integriert und inhaltlich ein frischer Aspekt.

Auch die Sequenzen außerhalb des Animus‘ bei Abstergo Entertainment sind ganz interessant gestaltet und bieten sinnvolle neue Einblicke in die Helix-Forschung, die in Assassin’s Creed Unity weiter vorangetrieben wird. Und da auch die Kenways in Assassin’s Creed Rogue eine Rolle spielen, sind Verknüpfungen in beide Richtungen also geglückt. Doof nur, dass Shay nie in Assassin’s Creed III erwähnt wurde, obwohl sogar so etwas wie ein kleine Konkurrenzkampf zwischen den beiden besteht.

Schön ist übrigens, dass aufregende historische Ereignisse aus der Epoche in Assassin’s Creed Rogue eine große Rolle spielen. Zum Beispiel erleben wir das Erdbeben von Lissabon 1755 hautnah mit!


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So viel zu tun

Was Ubisoft dieses Mal glücklicherweise bewerkstelligt hat, ist, die riesige, aber insgesamt hübsche und stimmige Spielwelt von Assassin’s Creed Rogue sinnvoll mit Leben und Aktivitäten zu füllen. Nicht nur gibt es an jedem Ort viele Sammelobjekte zu finden, sondern zum Beispiel auch Jagdherausforderungen oder spontane Events wie Grenzverteidigungen. Insbesondere bei den Jagden fällt dieses Mal das deutlich stimmigere Wildtierleben auf, wobei uns einige wie zum Beispiel Wölfe auch durchaus gefährlich werden können.

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Hübsch und gut gefüllt!
Während sowohl in den Städten als auch auf See sonst wieder viele übliche Verdächtige dabei sind wie das Plündern von Nachschublagern oder das Befreien gefangener Bürger, so haben sich die Entwickler auch ein komplett neues Element ausgedacht, das tiefer ins Gameplay einwirkt: Bandenverstecke. Erkennbar sind ihre Unterkünfte an schwarz qualmenden Schornsteinen. Schalten wir ihre Chefs aus und erfüllen einige weitere Aufgaben, dann nehmen wir das Versteck ein und steigern damit unsere Einkünfte.

Nerviges daran: Nicht nur spielen sich die Einnahmen äußerst unrund, sondern die Banden haben auch ihre „Schleicher“ in der Spielwelt versteckt, die wir per Adlerauge aufspüren und ggf. mit Knallkörpern aus ihren Verstecken locken können, besser gesagt müssen: Entdecken sie uns zuerst, haben sie uns oft mit einem einzigen Messerstich ums Leben gebracht. Das Ganze wäre gar nicht so schlimm, hätte man die Anzahl an Schleichern in bestimmten Gebieten nicht um ein gutes Stück übertrieben. Wenn sich fünf Schleicher auf einem Haufen befinden, fragen wir uns, wer da die Personalplanung übernommen hat!

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Schwarzer Qualm weist auf Bandenverstecke hin.


Meine eigene Flotte

Im Spielverlauf wird auch wieder Cormacs Flotte eingeführt, die eine klitzekleine strategische Komponente von Assassin’s Creed Rogue umfasst. Die Flotte können wir mit geenterten Schiffen bestücken und sie dann auf Lieferaufträge schicken. Um die Gefahr zu minimieren, können vorher die Routen sicherer gemacht werden, was in automatischen Kämpfen passiert, für die wir jedoch selbst unsere Schiffe aussuchen können.

Cormacs Flotte ermöglicht in Assassin’s Creed Rogue einen weiteren netten Nebenverdienst und ist mitunter der wahre Grund dafür, dass wir andere Schiffe auf hoher See angreifen, damit wir sie letztendlich in unsere Flotte aufnehmen können. Rohstoffe, um unser Schiff auszubauen und Renovierungen durchzuführen, erhält man mitunter einfacher und schneller von Rohstofflagern und Kisten, die in der Spielwelt verteilt sind.

Leicht gekürzt ist das Feature Cormacs Flotte in Assassin’s Creed Rogue nur dahingehend, dass man nicht mehr seinen Freunden helfen kann, was dem Verzicht auf sämtliche Onlinefeatures geschuldet ist. Lediglich eine weltweite Rangliste gibt es noch, die die reichsten Piraten angezeigt.

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Auch die Flotte hält viele Aufträge bereit.


Technischer und spielerischer Stillstand

Ihr seht schon: Assassin’s Creed Rogue ist im Prinzip ein gelungenes Gesamtpaket, das eine interessante Geschichte und Unmengen an Inhalten bietet, sodass wieder viele Spielstunden investiert werden können. Inhaltlich und erzählerisch hat es im Vergleich zu Assassin’s Creed IV: Black Flag also im Grunde klar die Nase vorn.

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Hübsch, aber...
Umso ärgerlicher ist es, dass es auf technischer und spielerischer Ebene absoluter Stillstand herrscht. In erster Linie bedeutet das, dass Assassin’s Creed Rogue genauso fehlerbehaftet ist wie sein Vorgänger. Noch immer spielen sich viele Passagen teilweise schlichtweg mies, und zwar nicht nur das Einnehmen der Bandenverstecke: Shay klettert oder springt gerne mal da, wo er nicht klettern oder springen sollte und auch das Einnehmen von Verstecken klappt mitunter nicht so wie gedacht.

Auch auf grafischer Ebene sind all die alten Mängel noch immer an Bord. Zwar hat ihre Häufigkeit gefühlt deutlich nachgelassen, was eine positive Überraschung ist, dafür fallen einige Fehler aber umso heftiger ist. Es ist einmal lustig, wenn NPCs regelmäßig zum Beispiel über Dachkanten laufen und dann plötzlich herunterstürzen und sterben, weil die Kollisionsabfrage greift. Weniger lustig ist, wenn wir wegen eines ähnlichen Fehlers in unserem eigenen Schiffsmast stecken bleiben. Zum Glück spastet sich Shay früher oder später wieder da raus.

Insgesamt gibt es einfach immer noch diesen riesigen Haufen an Fehlern, die Ubisoft endlich mal angehen muss, und die mit zukünftigen Assassin’s Creed Ablegern schlicht und einfach behoben werden müssen. Und dabei ist Assassin’s Creed Rogue nicht mal so schrecklich unoptimiert wie Unity, sondern liefert technisch für PS3-Verhältnisse sogar noch die überzeugendere Performance ab (Framerateeinbrüche gibt’s übrigens auch, aber wer Unity gespielt hat, vergisst die ganz schnell).

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Fail! Zum Glück spastet man sich irgendwie wieder raus.


Vom Alten das Beste und Schlechteste vereint

Assassin’s Creed Rogue sichert sich in unserem Test einen Wertungspunkt mehr als Unity, obwohl in Letzterem das eigentlich viel größere Potential schlummert, geht man von der spielerischen Seite aus. Auf die Plattform bezogen liefert Assassin’s Creed Rogue technisch immer noch die solidere Figur ab, obwohl dermaßen viele althergebrachte Probleme im Hinblick auf Grafik und Gameplay das Spielerlebnis unter Umständen ganz schön vermiesen können. Dennoch wirkt der Titel bei Weitem nicht so unfertig wie der „Next-Gen“-Ableger.

Wer die Amerikanische Saga bisher nachverfolgt hat und die Reihe auch weiter spielen möchte, sollte Assassin’s Creed Rogue auf alle Fälle einmal ausprobieren: Verknüpfungen sind geschichtlich sowohl zur Kenway-Geschichte als auch inhaltlich zum Helix-Programm aus Assassin’s Creed Unity gegeben. Spielerisch wird die Formel des Vorgängers um einige Elemente erweitert, die teilweise sehr sinnvoller (Wirtschaftssystem!), teilweise auch eher nerviger Natur sind (Schleicher!). Somit bleibt ein insgesamt solides Gesamtpaket, in das dank insgesamt sehr stimmiger Spielwelt viele Stunden investiert werden können. Gleichzeitig wäre ein weiterer Aufguss in gleicher Optik und mit nahezu identischem Gameplay dann wirklich zu viel des Guten.

Pro Contra
+ Große und stimmige Spielwelt mit allerlei Aktivitäten - Eine riesige Menge althergebrachter Technik- und Gameplayprobleme
+ Gelungene Geschichte als Bindeglied Richtung Black Flag und Unity - Vieles spielt sich unnötig unrund
+ Sinnvolles Wirtschaftssystem - Nervige Bandenschleicher
+ Knackige Hauptstorymissionen - Häufige Kletter- und sonstige Steuerungsprobleme
+ Sehr gute deutsche Synchronisation - Schlimme Clippingfehler
+ Gelungene Einbindung der Flotte - Einbrüche der Framerate


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Technik: 73

  • Grafik: 60
  • Sound: 85
  • Gameplay: 65
  • Umfang: 90
  • KI: 64

Spielspaß: 80

Singleplayer:
  • Story: Assassin’s Creed Rogue hat eine knackige und stimmige Geschichte und ist insgesamt tatsächlich ein Bindeglied zwischen Black Flag und Unity!
  • Frustfaktor: Durch spielerische und technische Macken leider stellenweise durchaus vorhanden.
  • Wiederspielwert: Man spielt Rogue lange, aber nach dem ersten Durchlauf wird man es wohl eine ganze Weile liegenlassen.
  • Design/Stil: Die Spielwelt und die Figuren sind stimmig, die grafische Leistung auf PS3 geht in Ordnung. Getrübt wird der Eindruck durch die vielen Fehler!
  • Musik/Sound: Ein Haufen bekannter Synchronsprecher leistet gute Arbeit und die Musik ist größtenteils sehr stimmig!

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