Escape Dead Island (PS3) im Test – Horrortrip nach Narapela

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
Benutzeravatar
thomary
Chefredaktion
Beiträge: 3959
Registriert: So 4. Mai 2014, 14:49
Zocker-Vorliebe: PC und Konsole - Multi-Künstler
Wohnort: Leipzig
Hat sich bedankt: 606 Mal
Danksagung erhalten: 676 Mal
Kontaktdaten:

Escape Dead Island (PS3) im Test – Horrortrip nach Narapela

Beitragvon thomary » Mi 26. Nov 2014, 19:01

Was ist wirklich auf Banoi geschehen? Als guter Journalist ist man immer auf der Suche nach einer spektakulären Story, die ganz nebenbei die Wahrheit aufdecken soll. Und so machen sich Cliff Calo und seine Freunde Linda und Devan auf den Weg, um herauszufinden, was das Urlaubsparadies in Zombieland verwandelt hat. Auf der Insel Narapela, wo all das Übel ausgebrochen ist, wagt die Dead Island Reihe mit Escape Dead Island unter der Regie von Fatshark den Sprung ins Third-Person Action-Adventure Genre. Ist die Transformation gelungen?

Bild


I believe I s…ee zombies!

Cliff Calo tut der Trip so gar nicht gut: Nachdem die unmittelbaren Anfänge seines Abenteuers mit dem Verlust des Bootes, das die einzige Rettungsmöglichkeit zu sein scheint, noch recht nachvollziehbar sind, so muss der junge Mann schnell an seiner eigenen geistigen Gesundheit zweifeln: Er erlebt Déjà-vus, eines nach dem anderen, und muss versuchen, einen Sinn aus seinen Erlebnissen zu schließen. Die Irrfahrt über Narapela hat uns bis zum Ende hin sehr gut unterhalten: Gerade durch die Sprünge in Cliffs Gemütszustand wird das Ganze fesselnd und abwechslungsreich, ist solide auf Englisch synchronisiert und sehr ordentlich visuell inszeniert.

Zur Jagd nach der Story gesellt sich auch noch die Jagd nach dem Heilmittel, das Cliff mit der Hilfe von Xian Mei zu finden versucht, eine der Protagonistinnen des ersten Ablegers. Um dieses zu finden und zu erfahren, was tatsächlich mit Linda und dem ebenso mit auf die Insel gekommenen Devan passiert ist, muss Cliff die Insel Narapela nach und nach erkunden, seine Ausrüstung aufbessern und sich natürlich Zombies entgegenstellen.

Wer mit der Erwartung an Escape Dead Island herangeht, sich wieder selbst Waffen zusammenbauen zu können, um möglichst viele Zombies zu schnetzeln, der wird enttäuscht. Innerhalb des recht linearen Spielablaufs werden euch immer wieder neue Waffen bzw. deren Upgrades fertig auf Werkbänken zur Verfügung gestellt, mit denen man sonst nicht interargieren kann. Die Spielwelt wird mit der Zeit weitläufiger, da man mit jedem neuen Hilfsmittel weitere Bereiche öffnen kann: Blockierte Türen können aufgehebelt oder von Gas verseuchte Areale betreten werden, wo sich meist einige der unzähligen Sammelobjekte verstecken.

Bild
Uuuuuuh! Aber: Borderlands is everywhere!


Geeeeehiiiiiiiirrrrrneee!

Cool ist, dass die Entwickler etwas aus der Journalisten-Tätigkeit von Escape Dead Island Protagonist Cliff Calo gemacht haben: Neben gewöhnlichen Sammelobjekten warten auch Schnappschüsse darauf, „eingesammelt“ zu werden. Aktiviert ihr die Kamera, pulsieren sie rot, bringt ihr euch und damit den Kamerafokus in die richtige Position, werden sie grün. Insgesamt über 80 Objekte wollen im Spielverlauf von Escape Dead Island fotografiert werden, damit Cliff die perfekte Story hinbekommt.

Was da noch den Ausblick trüben kann, sind freilich die Zombies, die auf Narapela ihr Zuhause haben. Escape Dead Island ist dabei nicht auf das hirnlose Metzeln aus, was mitunter sehr schnell tödlich werden kann. Cliff Calo beherrscht das Schleichen ziemlich gut, heimliche Kills sind eine seiner Spezialitäten. Die Komplexität des Systems ist dabei überschaubar, zudem sind die einzelnen Passagen und auszunutzende Schwachpunkte schnell durchschaut, dennoch kann Escape Dead Island aber in einer Sache wirklich überzeugen: Im Verhalten der Zombies!

Wer Lärm macht, der wird bestraft, damit sollte man sich abfinden. Im comicartigen Look des Spieles wird sämtliche Lärm in Wortform angezeigt. Hören euch die Zombies, kommen alle im Gebiet angerauscht und dann könnt ihr sehen, wie ihr gegen sie klar kommt. Escape Dead Island kommt dabei mit erfreulich wenigen Scripts aus. Manche Zombies tauchen zwar schon beim Übertreten einer gewissen Linie auf, aber nie im nervigem Ausmaß, sodass plötzlich ganze Horden irgendwo her angerannt kommen würden.

Steht man dann einzelnen Gegnern gegenüber, so sind die mitunter dann aber doch ganz schön hirnlos. In erster Linie merkt man häufig die fest programmierten Abläufe in der KI. Manchmal werden Zombies, nachdem sie aufmerksam waren, mit einem Ruck unschön wieder an ihren Ausgangspunkt zurückgesetzt. Der Schlächter wiederum, eine der besonderen Zombiearten und der fieseste Gegner in Escape Dead Island hat genau einen Bewegungsablauf, den man immer wieder brav auslösen muss, da man ihn sonst nicht einmal besiegen kann.

Bild
Ein heimlicher Kill wie aus dem Bilderbuch.


Ruckeliges Glanzstück

Escape Dead Island benötigt auf PS3 in der Retailfassung keinerlei Installation – Abgesehen von dem rund 120MB großen Patch zum Launchzeitpunkt wird also kein Festplattenplatz benötigt. So erfreulich das für Spieler mit wenig Speicherplatz ist, so ärgerlich ist es manchen Stellen auch. Das Laufwerk der PS3 verausgabt sich ganz schön und es kommt häufig zu Rucklern oder gar sekundenlangen Nachladepausen. Ebenso unschön: In Escape Dead Island besteht erhöhte Freeze-Gefahr, sodass nur ein Neustart der Konsole hilft. Wir haben Escape Dead Island auf einem recht „frischen“ Superslim System getestet, möglicherweise haben Spieler mit älteren Geräten also mit noch mehr Problemen zu kämpfen. Ebenso kann somit die Downloadfassung deutlich flüssiger laufen.

Im Prinzip zeigt Escape Dead Island sonst eine recht überzeugende technische Leistung. Der Cel-Shading Look mag das eine oder andere Problem mit Texturen und Kantenflimmern erfolgreich zu vertuschen. Zudem ist im Hinblick auf Vegetationsdichte den Entwicklern eine durchaus ordentliche Leistung gelungen, auch wenn sich Büsche und Bäume deutlich im Sichtbereich aufbauen.

Ärgerlich ist die in hektischen Situationen unpräzise Steuerung, die einem zusammen mit der eher instabilen Framerate schnell sauer aufstoßen kann, gerade, wenn man einem der stärkeren Gegner gegenübersteht. Übrigens steigert man das Frustpotential des Titels gegen Ende fast schon exponentiell: Während Escape Dead Island recht behäbig Fahrt aufnimmt, beißt man in den letzten Kapiteln recht schnell ins Gras. Zwar werden regelmäßig Rücksetzpunkte gesetzt, ärgerlich ist aber, dass man immer eine kleine „Aufwachsequenz“ von Cliff ertragen muss und auch sonstige Zwischensequenzen, die auf dem Weg lagen wieder ausgelöst werden und nicht übersprungen werden können.

Bild
Schöne Aussicht!


Fazit: Ordentliches Zwischenspiel

Escape Dead Island ist ein ordentliches Zwischenspiel zur Reihe, auch wenn es eine deutlich andere Richtung einschlägt: Aus dem Zombie-Hack’n’Slash in Egosicht, wie es Dead Island 2 werden dürfte, wird ein 3rd-Person-Action-Adventure mit Ausflügen ins Stealth-Genre. Der Titel verbindet die fesselnde Story mit sinnvollen Gameplayelementen wie den Schnappschüssen und einem angenehmen Spieltempo, das nur gegen Ende durch den stark erhöhten Frustfaktor ein klein wenig leiden muss. Technisch haben die Jungs von Fatshark im Prinzip ein solides Spiel abgeliefert, auch wenn der Cel-Shading Look sicherlich manche Probleme mit Texturen und Kantenflimmern kaschieren kann. Lieber nicht verzichtet hätte man auf die Installation der von uns getesteten Retailfassung, da der Verzicht zu unschönen Rucklern und Nachladepausen sowie sogar Freezes führt. Trotz alledem ist Escape Dead Island ein insgesamt sehr solider Titel geworden, der unsere eher niedrigen Erwartungen deutlich übertreffen konnte.


Direkt zur Flickr-Galerie


Pro Contra
+ Fesselnde Handlung - In hektischen Situationen sehr unpräzise Steuerung
+ Interessanter Stil - Gegen Ende unnötig frustige Passagen
+ Kommt ohne Installation auf PS3 aus… - … dadurch leider viele technische Probleme und häufigere Nachladepausen
+ Gelungene Gameplaymischung aus Stealth, Action und Erkundung - Erhöhte Gefahr von Freezes
+ Nachvollziehbares Feindverhalten - Stellenweise nervige Rücksetzpunkte durch fehlendes Überspringen von Sequenzen


Bild
Technik: 74

  • Grafik: 65
  • Sound: 79
  • Gameplay: 79
  • Umfang: 79
  • KI: 70

Spielspaß: 73

Einzelspieler:

  • Story: Die Geschichte rund um Cliff und seine Begleiter ist fesselnd und aufregend und mit der nötigen Portion Grusel gewürzt.
  • Wiederspielwert: Eher gering. Das Neue Spiel+ kann jedoch wegen offener Sammelobjekte motivieren.
  • Frustfaktor: Am Anfang wenig, später leider stark steigend: Teils fiese Gegner und die manchmal unpräzise Steuerung sorgen dann für Ärger.
  • Design/Stil: Der Comic-Stil ist insgesamt stimmig und passt auf alle Fälle zu Dead Island. Schwächen gibt’s bei der technischen Komponente, die von der nicht notwendigen Installation herrühren dürften, die ggf. auch zu Freezes führt.
  • Musik/Sound: Die englische Vertonung ist gut gelungen, der Soundtrack atmosphärisch. Die Soundeffekte lassen leicht an Vielfalt und Qualität vermissen.

Information: Escape Dead Island wurde uns als Pressemuster für PS3 von Deep Silver zur Verfügung gestellt.

BildBildBildBild

Tags:
Advertisement

Zurück zu „Testberichte“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast