Beach Resort Simulator im Test - Hat Steams Feriendomizil auch Vorzüge?

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Beach Resort Simulator im Test - Hat Steams Feriendomizil auch Vorzüge?

Beitragvon Meykota » Fr 5. Dez 2014, 19:58

Von einem eigenen Urlaubsparadies träumen in diesen finsteren und kalten Tagen sicherlich viele: Sommer, Sonne, Strand und Meer sollen dabei die wesentlichen Aspekte sein, die einen dazu bringen, das triste Deutschlandgrau zu vergessen. Genau das dachten sich vermutlich auch die Jungs des unauffindbaren Entwickler Studios Earthworm Games, als sie den Beach Resort Simulator zusammenbastelten. Ob sich ein Blick in diese künstliche Sonne lohnt oder ob ihr eher einen gigantischen Bogen darum machen solltet, verraten wir euch in unserem Test.

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1.000 Gäste, los!

Der “Sinn” vom Beach Resort Simulator ist recht schnell erklärt: Ihr baut Häuser (Hotels, Wohnungen, Kneipen usw.) und wartet dann bis ihr eine bestimmte Anzahl Gäste erreicht habt, um mehr Häuser zu bauen. Euer ganzes Ziel besteht darin, dass ihr am Ende 200.000 Gäste in eurem Ferienresort begrüßen könnt. So wirklich schwierig klingt das jetzt nicht, aber eines ist es auf alle Fälle: Zeitfressend und zwar so richtig!

Im Prinzip gestaltet sich jedes Spiel so: Ihr beginnt auf Stufe 0 und baut erst einmal so ziemlich jedes Haus einmal, denn das Ziel auf Stufe 0 ist es, 100 Gäste in euer Feriendomizil zu locken. Diese Stufe ist an sich sehr fix erreicht. Wenn ihr das geschafft habt, erreicht ihr Stufe 1 und könnt nun auch solche Sachen wie Hotels oder Pools bauen. Das Ziel ist dieses Mal, 300 Gäste in das Domizil zu locken. Auch das geht noch, doch danach… Wir sagen’s gleich einmal vorweg: Ihr werdet viele Stunden vor dem PC verbringen und warten, dass ihr eine bestimmte Anzahl an Gästen erreicht. Das wäre ja an sich nicht allzu schlimm und so funktionieren auch viele Browserspiele oder Tycoons aus früheren Zeiten.

Und so “Simulatorhaft” wie das Ganze aufgezogen wird, so voller Lücken ist es auch. Ein Beispiel gefällg? Die Gäste fahren nicht wieder nach Hause. Einmal eingecheckt, werden sie für immer in eurem Beach Resort bleiben - und sich dann aufregen, wenn das Hotel oder der Bungalo zu 100% belegt ist. Hier wäre es schön, wenn man wüsste, dass die Gäste nur für eine gewisse Zeit bleiben oder wenn man gar selbst Rezeptionist spielen und ihnen eine geeignete Ferienwohnung zuweisen könnte. So hat man eher das Gefühl als würden die lustigen kleinen NPCs, die niemals zu sehen sind, ihr gesamtes Leben einfach fortwerfen, um in eurem anfangs sehr kargen Feriendomizil zu leben. Ein Simulator ist ein Simulator, weil er eine bestimmte Funktion simuliert (= nachstellt), aber der Beach Resort Simulator simuliert eher nur ein Browserspiel ohne Echtgeldeinsatz - und das auch noch eher in schlecht.

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Tutorial überspringen? Is nich!

Wir haben uns wirklich Mühe dabei gegeben, etwas Gutes am Spiel zu finden, da auch unsere Vergangenheit von diversen Tycoons geprägt war. Aber irgendwie kommt der Beach Resort Simulator weder an die alten Tycoons ran, noch ist er ein Simulator. Viel eher wirkt er so als wäre er mal eben in der Mittagspause zusammengeschustert wurden (vermutlich steckt viel Arbeit dahinter, doch diese ist durchweg unausgereift und benötigt noch jede Menge Feinschliff und vor allem ein paar sinnvolle Ideen hinter der Idee selbst). Zu den lustigen Ideen, die uns noch unlustiger vorkommen, kommen wir später noch, aber zunächst einmal: Das Tutorial.

Wer sich nicht gleich in diese Simulation stürzen möchte, sollte sich vielleicht das Tutorial anschauen, aber Achtung: Nichts überspringen! Bei uns beispielsweise ging das Tutorial beim Überspringen kaputt. Zunächst sollten wir im Kapitel Straßenbau eine Straße zu unserer Polizeistation machen. Gesagt, getan, doch die Polizeistation hatte keine richtige Lust, die Verbindung zur Hauptstraße zu erkennen. Schlau wie wir nun einmal sind, haben wir also die Straße einmal rings um die Station gebaut und noch einmal sichergestellt, dass diese auch mit der Hauptstraße verbunden war. Das führte dazu, dass die Station zwar die Straße erkannte, das Tutorial allerdings nicht weiterging. Also dachten wir uns: “Gut, überspringen wir den Punkt einfach” und bekamen folgendes Bild. Im Übrigen geschieht das immer, wenn wir irgendeinen Punkt im Tutorial überspringen, wir haben das extra mehrmals nachgeprüft.

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Da ist uns das Tutorial kaputt gegangen...


Unausgereifte Simulation

Wir bemängelten schon einiges, was nicht wirklich sinnvoll für ein Spiel, geschweige denn für eine Simulation ist. Beispielsweise erwähnten wir schon, dass die Touristen seltsamerweise nicht nach Hause fahren. Aber das ist noch nicht alles. Die Häuser, die ihr bauen könnt, zeigen euch verschiedene Hinweise an, wenn beispielsweise die Preise zu hoch sind oder nicht genügend Personal zur Verfügung steht. Das ist ja alles irgendwo logisch. Weniger logisch ist der Hinweis, dass beispielsweise kein Strand in der Nähe ist - und das bei Hotels, die direkt an der Hauptstraße stehen. Näher an den Strand geht überhaupt nicht mehr! Aber trotzdem wird dieser Hinweis angezeigt. Ebenso zeigt es auch den Hinweis an, dass das Hotel voll belegt ist, wenn es voll belegt ist. Tja, da niemand nach Hause fahren will/kann, können wir an diesem Umstand nichts ändern. Allerdings haben all diese Hinweise einen Einfluss auf das Prestige, die das jeweilige Gebäude erhält.

Ebenso gibt es kleine Popup-Fensterchen, wenn ihr über ein Gebäude geht. Hierbei kann es ganz oft vorkommen, dass euch angezeigt wird, dass das Haus Hinweise für euch hat. Klickt ihr dann jedoch auf das Gebäude wird euch ganz oft nichts angezeigt. Genauso faszinierend fanden wir den Hinweis, dass nicht genug Parkplätze vorhanden sind. Das ist zwar korrekt, aber Parkplätze werden auch erst mit Stufe 3 (1.000 Gäste) freigeschaltet. Vorher können eure Gefangenen… ähm, Gäste schauen, wo sie ihr Auto abstellen.

Wer mit seinem Geld im Übrigen nicht wirtschaften kann, darf sich bei der Bank ein Darlehen abholen. Das darf die maximale Höhe von 518.702 Dollar nicht überschreiten - wer auch immer sich diese genaue Zahl ausgedacht hat. Ihr habt dann ein halbes Jahr Zeit, diesen Betrag mit ein bisschen Zinsen zurückzuzahlen. Klingt ganz easy, ist es aber nicht, da der Geldaspekt der einzige funktionierende Simulationsaspekt im ganzen Spiel zu sein scheint: Zwar zahlen eure Gäste Geld ein, allerdings müsst ihr schließlich auch eure Mitarbeiter bezahlen, sodass das Ganze mit den schwarzen Zahlen eher schlecht als recht geht - wenigstens hier haben wir einen richtigen Aspekt.

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Auswahl? Gibt's nicht so richtig.


Versteckspiel

Grafisch sollten die Jungs des nicht auffindbaren Studios Earthworm Games definitiv noch einmal nachbessern. Zwar sind die Palmen ganz hübsch geworden und das Meer ist tatsächlich ein Traum, aber alles andere wirkt ziemlich simpel und scheint einer Bastelkiste von vor 20 Jahren entsprungen zu sein. Vor allem der Minigolfplatz wirkt… nun ja, hier wäre ein bisschen Liebe zum Detail sehr schön gewesen. Einige Farben wirken viel zu grell, aber gut, immerhin ist das Meer hübsch. Das ist wirklich sehr schön geworden, noch ein Pluspunkt.

Allerdings wird der Beach Resort Simulator bei uns nicht in Full HD ausgeführt, sodass es um den Spielbildschirm einen seltsamen schwarzen Rand gibt. Wenn man dann den Fenstermodus wählt, so verschwindet der untere Rand des Spiels in der Windowstaskleiste, sodass man erst einmal gezwungen ist, mit den Pfeiltasten auf der Spieloberfläche zu manövrieren. Faszinierend fanden wir übrigens den Punkt namens “Produktionsketten”, bei dem man einsehen konnte, welche Gebäude für welche Stufe freigeschaltet werden. Was das mit Produktion zu tun hat? Gute Frage.

Musikalisch wissen wir nicht so richtig, was die Entwickler da gemacht haben. Zwar gibt es einen recht angenehmen Hintergrundsound, der jedoch mit seltsamen Geräuschen unterlegt ist, sodass wir mehrmals dachten, dass unser Telefon klingeln würde. Auch hier wären ein paar mehr Möglichkeiten gut gewesen. Und wenn wir einmal von Möglichkeiten sprechen.

Unter dem Punkt “Neues Spiel” hat man lediglich das Tutorial und das freie Spiele zur Auswahl, wobei man bei letzterem immer am gleichen Strand anfängt. Wir können uns an weitaus ältere Spiele des gleichen Genres erinnern, wo man verschiedene Untergründe wie beispielsweise Felsenstrand, Sandstrand und so weiter auswählen konnte. Schade, dass hier nicht mehr mitgedacht wurde. Der Beach Resort Simulator hätte definitiv Potential, wenn er es nur mal nutzen würde.

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Was auch immer diese Fragmente da machen...


Ab in den Urlaub? Vielleicht mit einer anderen Software…

Eines gleich einmal vorweg: In Urlaubsstimmung versetzt der Beach Resort Simulator leider keineswegs. Zwar ist das Setting gut gewählt, und auch die Ansätze sind schon einmal vorhanden, aber die Jungs von Earthworm Games haben noch einen verdammt langen Weg vor sich, um wenigstens schon einmal kostenlose Browserspiele abzuhängen. Derzeit erinnert der Simulator übrigens genau an ein solches Browserspiel, nur dass man es ohne Echtgeldeinsatz spielt. Das ist verdammt schade, denn die Ideen sind ansatzweise gut, nur scheitert es an der Umsetzung. Es gibt so viele Dinge, die aus diesem Spiel einfach weder einen Simulator noch ein richtiges Spiel machen und die eher dafür sorgen, dass man während des Wartens auf Gäste sehr viele Dinge nebenbei machen kann - beispielsweise ein Buch lesen.

Selbst wenn man sich aufs Spiel selbst konzentrieren möchte, haben sich die Möglichkeiten schnell erschöpft, da man pro Level (hier Stufe) nur eine Handvoll Gebäude hinzubekommt und sich gleichermaßen mit äußerst seltsamen Hinweisen der bereits bestehenden Häuser rumärgern muss. Das meiste hiervon ist leider nicht nachvollziehbar. Aber es gibt nicht nur Schlechtes: Das Wirtschaftssystem scheint sehr gut durchdacht zu sein und wirkt wenigstens wie eine richtige Simulation und auch das Meer sieht verdammt gut aus. Leider erschöpfen sich die guten Aspekte am Spiel sehr schnell, sodass man schon ein wahnsinniger Simulator-Fan mit unglaublich viel Zeit sein muss, wenn man den Beach Resort Simulator tatsächlich spielen möchte. Gleichzeitig kann es vorkommen, dass beispielsweise das Tutorial kaputt geht oder Hinweise nicht richtig angezeigt werden. Earthworm Games hätte sich lieber noch ein bisschen Zeit für das Spiel nehmen sollen, um die ersten Ansätze in ein wirkliches Spiel zu verwandeln. Sehr schade, aber hier hätte die Zeit ganze Wunder vollbracht, da sind wir uns sicher. So wie es aktuell ist, würden wir jedoch eher zu einem kostenlosen Browserspiel raten.

Pro Contra
+ Sehr hübsches Wasser - Sehr langweiliges Gameplay
+ Logisches Wirtschaftssystem - Potential wurde nicht genutzt
- Gäste fahren nicht nach Hause
- Keine Liebe zum Detail
- Grafik lässt zu wünschen übrig
- Keine Full HD Auflösung
- Spielen im Fenstermodus nicht richtig durchdacht
- Wirkt wie ein Browserspiel nur ohne Echtgeldeinsatz
- Definitiv nur für Simulatorfans geeignet
- Hinweise der Häuser sehr eigenartig
- “Produktionskette” passt nicht ins Spiel
- Tutorial kann beim Überspringen kaputt gehen
- Keine Vielfalt bei den Stränden
- Kein richtiger Simulationsaspekt
- Bestimmte Aspekte werden von der KI nicht erkannt


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Technik: 40
  • Grafik: 38
  • Sound: 45
  • Umfang: 70
  • Gameplay: 35
  • KI: 15

Spielspaß: 32
  • Story: Es gibt keine Story. Ihr wartet die ganze Zeit nur darauf, dass ihr eine bestimmte Anzahl an Gef… Gästen in euer Domizil lockt.
  • Frustfaktor: Vielleicht eher Schlaffaktor… Frust entsteht nur, wenn man nicht weiß, warum schon wieder keine Gäste in unser hübsches Resort kommen.
  • Wiederspielwert: Simulatorfans mit unglaublich viel Zeit werden den Titel vermutlich immer mal wieder einlegen - aber neu anfangen wohl eher selten.
  • Design/Stil: Grafisch wäre definitiv mehr drin gewesen, auch wenn sich das Meer wirklich sehen lassen kann.
  • Musik: Der Soundtrack ist zwar nicht aufdringlich, jedoch dafür mit seltsamen Geräuschen gespickt, bei denen man manchmal denkt, dass das eigene Telefon klingelt.
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