The Escapists (Steam) im Test - Unperfekte Gefängnissimulation trifft deutsches Kauderwelsch

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
Benutzeravatar
Meykota
Chefredaktion
Beiträge: 5289
Registriert: So 4. Mai 2014, 14:51
Zocker-Vorliebe: Only on PlayStation!
Wohnort: London
Hat sich bedankt: 672 Mal
Danksagung erhalten: 1419 Mal
Kontaktdaten:

The Escapists (Steam) im Test - Unperfekte Gefängnissimulation trifft deutsches Kauderwelsch

Beitragvon Meykota » Mo 16. Feb 2015, 13:49

Irgendwie gefangen zu sein, führt bei den meisten Leuten dazu, dass sie versuchen, auszubrechen, sich von den Zwängen zu befreien und frei zu sein. Doch was mit Kleinigkeiten recht leicht geht, lässt sich mit großen Gefängnissen nicht ganz so einfach vergleichen. Das dachten sich auch die Jungs von Team17 und Mouldy Toof, die gemeinsam am Spiel The Escapists arbeiteten. Wir haben uns bereits während der Early Access Phase auf Steam einen Eindruck machen können, doch nun erschien die komplette Fassung im Handel. Wir verraten euch in unserem Test, warum man lieber im Gefängnis bleiben sollte.

Bild


Jo, lebenslänglich. Vielleicht.

Wer jetzt auf eine tiefgehende Story hofft, wird bitter enttäuscht. Story-Fanatiker kommen keineswegs auf ihre Kosten, denn The Escapists hat keine Story. Euer einziges Ziel ist es, aus einem Gefängnis auszubrechen. Das war’s. Es wird weder geklärt, warum ihr eingebuchtet noch, warum ihr überhaupt ausbrechen wollt, denn ganz so übel sind die Gefängnisse in The Escapists auch wieder nicht.

Zunächst einmal sucht ihr euch zu Beginn einen Charakter aus, den ihr spielen wollt. Es ist nicht klar, ob diese über verschiedene Fähigkeiten verfügen oder nicht, denn ihr wählt einfach nur einen Skin, wenn man es so nimmt. Den Charakter selbst müsst ihr dann formen. Auch gibt es keinerlei Informationen, wie alt beispielsweise verschiedene Charaktere sind: Es gibt eine Figur namens Old Timer, die sehr alt zu sein scheint, wenn man sie dann aber spielt, gibt es keine Unterschiede zu anderen Charakteren. Hier hätten wir uns ein bisschen mehr erhofft.

Sei’s drum. Fakt ist, dass wir offensichtlich eingesperrt wurden und aus irgendeinem Grund fliehen wollen. Dabei stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Wir können uns die Wärter zu Freunden machen, auf Kuschelkurs mit anderen Häftlingen gehen, als Wärter fliehen oder uns einen Tunnel graben, um mal einige dieser Möglichkeiten aufzuzählen. Doch so ganz durchdacht ist das alles nicht.

Wer im Übrigen nicht nur Probleme mit einer fehlenden Story hat, der wird sich vielleicht am repetitiven Gameplay an sich stören. Jeder Tag läuft absolut gleich ab. Das wäre an sich nicht schlimm, immerhin muss man sich seinen Weg suchen und das benötigt Zeit, um zum Beispiel die Wege der Wärter zu kennen. Aber auch viele Quests, die man annehmen kann, wiederholen sich nach wenigen Spieltagen erneut. The Escapists scheint sehr auf Wiederholungen ausgelegt zu sein.

Bild


Seife in die Socke?

The Escapists bieten euch viele verschiedene Rezepte, mit denen ihr euch zum Beispiel Waffen oder Dummies basteln könnt. Dabei stehen euch jede Menge Rezepte zur Verfügung, nur müsst ihr erstmal welche finden, was sich als schwieriger als gedacht erweist. Einige Häftlinge verkaufen eher selten Rezeptblätter, einige lassen sich beim Buddeln durch das Gefängnis finden. Am naheliegendsten werden wohl die verschiedenen Guides sein, die man im Internet finden kann. The Escapists ist euch dahingehend keine sonderlich große Hilfe.

Wenn ihr dann einmal ein Rezept gefunden habt, liegt es an euch, dieser herzustellen. Das Sammeln der einzelnen Gegenstände sollte dabei das kleinere Übel sein. Um etwas zusammen zu bauen, benötigt ihr ein gewisses Maß an Intellekt, das wird euch jedoch erst in ziemlich schlechtem Deutsch gesagt, wenn ihr gerade was basteln wollt. Dann wiederum heißt es, bis morgen warten und den Tag in der Bibliothek verbringen, um euer Intellektlevel zu steigern. Hier fehlen definitiv einige Popupfensterchen oder andere Hinweise, die einem das bereits im Vorfeld sagen und nicht erst, wenn man damit eigentlich gerade ausbrechen wollte.

Bild


Kauderwelsch Hoch Drei

Wir erwähnten bereits das verhältnismäßig schlechte Deutsch, das sich in The Escapists finden lässt. Kürzlich sprach uns ein Wärter mit dem Satz “Ich gesehen, das!” und griff uns an. Dabei haben wir gar nichts gemacht als einen bewusstlosen Häftling ausgeraubt, also so was. Aber nicht nur das ist immer mal kaputt, auch die Fetzen, die Häftlinge und Wärter von sich geben, was man dann entweder Appell oder Gespräch schimpft. Wir haben extra für euch einen solchen Appell notiert: Das war einer der Abendappelle.

Leider ist die Karaoke-Maschine kaputt.
Wir strafen mit Liebe.
Jemand hat die Toiletten überlaufen lassen.
Es kann sein, dass uns heute der Gefängnisdirektor besucht.
Jemand hat die Toilettenüberlaufen lassen.
Und nun zu einer wichtigen Ankündigung…
Jemand hat in den Teich gekackt.
Und nun zu einer wichtigen Ankündigung…
Aufregende Neuigkeiten für alle!


Wisst ihr Bescheid. Zudem kommt noch hinzu, dass einige Sachen nicht übersetzt wurden, sodass wenn ihr zu viele Dinge tragt, der Hinweis kommt “You can’t carry anymore”. Fasziniert waren wir auch von der Übersetzung an sich. Die nachmittäglichen Übung in der Sporthalle, die eigentlich “Exercises” heißen, doch im Deutschen wurde das Ganze mit “Hofgang” übersetzt. Schade, dass man dazu in keinen Hof geht…

Bild


Schön ist es auch, dass die Tische der Häftlinge nicht korrekt übersetzt wurden. Der Schreibtisch von Nick beispielsweise heißt "Schreibtisch von Nicks". Aber noch viel schöner sind die verschiedenen Quests, die man annehmen kann und der entsprechende Questlog dazu, denn hier findet sich ganz gern mal der Hinweis: “Entferne Armbanduhr von Nick” oder so was in der Art. Es ist ja schön, wenn man The Escapists auch auf Deutsch anbietet, bzw. auch in insgesamt sechs verschiedenen Sprachen, aber dann sollte man doch darauf achten, dass man sich damit nicht lächerlich macht.

Bild


Gestörte KI

In The Escapists gibt es eine Auswahl anderer Häftlinge, mit denen man sich gut stellen sollte, damit sie einen nicht ständig überfallen. Ihr könnt dafür entweder Aufträge übernehmen oder sie anklicken - das mögen die Guten. Was dafür immer mal wieder für Verwirrung sorgt, sind die Marotten der anderen Häftlinge. Die stehen nämlich irgendwie drauf, sich beim Essen zu prügeln, in den Gängen zu schlagen oder sich an irgendwelchen anderen Orten die Köpfe einzuschlagen. Das ist ja nicht weiter verwunderlich, wenn es ein sinnvolles Freundschaftssystem geben würde. Aber das gilt nur für mich, die anderen Häftlinge scheinen sonst nichts miteinander zu tun zu haben, außer sich eben zu prügeln. Und für uns selbst hat es selbstverständlich auch keine Auswirkungen.

Bild


Außerdem ist das Gameplay auch ein wenig komisch, denn während die anderen Häftlinge nach einer Schlägerei bewusstlos auf dem Boden liegen und ihre Waffen behalten dürfen, werden wir jedes Mal in den Krankenflügel geschickt und selbstverständlich sind dann all unsere Waffen fort. Da denkt man oft nur noch “Vielen Dank auch!”, denn dann darf man wieder von vorne anfangen. Und wenn wir einmal beim Gameplay sind: Es gibt verschiedene Anzeigen, zum Beispiel eine Müdigkeitsanzeige, die sich sehr seltsam verhält. Geht ihr abends mit einer Anzeige von 0% ins Bett, könnt ihr davon ausgehen, dass wenn ihr früh aufwacht, diese Anzeige auf 17% steht. Aha.

Wenn man sich dann auch noch ansieht, dass es so gut wie keinen Sound, sondern nur eine Handvoll Geräusche gibt, die einem im Spiel präsentiert werden und die alle auch noch halbwegs gleich klingen...

Bild


Hohes Frustlevel

Das einzig Gute am Spiel scheinen die verschiedenen Möglichkeiten zu sein, durch die man ausbrechen kann. Hier sind einem wirklich fast keine Grenzen gesetzt, immerhin waren die Entwickler dabei sehr kreativ. Auch die vielen verschiedenen Rezepte kann man auf die Plusseite schreiben, allerdings - und da müssen wir schon wieder meckern - ist das Frustlevel in The Escapists sehr hoch angesetzt. Wir erwähnten bereits, dass euch alles genommen wird, wenn ihr verprügelt werdet. Das ist frustrierend, da ihr dann erneut anfangen müsst.

Wenn ihr es also zum Beispiel geschafft habt, irgendeinen schwierigen Gegenstand zu erstellen und dann erwischt werdet, schaut ihr ziemlich in die Röhre. Außerdem kann es passieren, dass ihr gerade auf der Flucht seid und alles durchdacht habt, doch plötzlich löst aus irgendeinen Grund der Alarm aus. Und dann dürft ihr wieder von vorn anfangen. Viel Spaß! Ähnlich verhält es sich mit den Werten Intellek, Stärke und Geschwindigkeit, die man trainieren kann. Es dauert eine Ewigkeit, alles auf 100 zu bringen - geht jedoch verdammt schnell verloren, sodass ihr jeden Tag mehrere Stunden damit verbringen müsst, eure Werte wieder nach oben zu bringen, sofern ihr der stärkste Häftling bleiben wollt.

Technisch hackten wir nun schon ziemlich viel auf The Escapcists rum, doch leider wird’s nicht besser. Im Early Access fiel uns bereits auf, dass man häufig an Türen hängen bleibt und einfach nicht in die Räume dahintergelangen kann. Das Problem wurde immer noch nicht ganz behoben, sodass wir immer noch regelmäßig an verschiedenen Türen hängenbleiben. Auch die Mauseingaben funktionieren nicht so wie sie sollten. Oftmals klicken wir uns einen Wolf, bis unsere Figur überhaupt erstmal irgendwas macht. Häufig können wir unsere Kollegen nicht anstupsen, weil der Trigger dazu in einem seltsamen Winkel angebracht wurde… Und das auch noch, obwohl The Escapists eine einfache Pixelgrafik liefert.

Bild
Fehlender Text - So ähnlich geht's uns mit dem Spiel auch.


Ausbruch? Ohne uns!

Eins vorweg: The Escapists verfügt grundsätzlich über eine interessante Idee, versagt jedoch so ziemlich auf ganzer Linie. Es fehlt eine grundlegende Story, ebenso wie Unterschiede zwischen den einzelnen spielbaren Figuren. Dafür gibt es unheimlich viele Wege, aus dem Gefängnis auszubrechen, ebenso wie es sehr viele verschiedene Rezepte gibt, mit denen man sich verschiedene Gegenstände basteln kann. Davon mal abgesehen, hat The Escapists viele technische Macken, das fängt in einer grauenvollen Übersetzung an und hört in Mauseingaben, die ignoriert werden, noch nicht auf. Vieles hätte nicht sein können und gerade wenn man mit Team17 zusammenarbeitet, sollte man wissen wie es geht.

Wir würden The Escapists nicht unbedingt empfehlen, es sei denn, ihr wollt euch dem immer gleichen Gameplay und seinen Marotten hingeben, um aus irgendwelchen Gründen aus den Gefängnissen auszubrechen. Ärgerlich am Spiel ist, dass die Eingabebefehle sehr oft ignoriert werden und man wirklich häufig klicken muss, damit die Spielfigur auch das macht, was sie machen soll, vom Frustfaktor mal abgesehen. Wir hätten uns wirklich wesentlich mehr erhofft, vielleicht sogar ein Spiel, das technisch wenigstens halbwegs sauber ist und keine derart seltsame Übersetzung aufweist.

Pro Contra
+ An sich interessantes Konzept... - … das durch fehlende Story aber nichtig wirkt
+ Sehr viele verschiedene Rezepte - Übersetzungsfehler
+ Viele Möglichkeiten zur Flucht - Zusammenhangsloses Kauderwelsch
+ Vieles muss man sich selbst erarbeiten - Eingabebefehle durch Maus werden häufig ignoriert
- Man bleibt regelmäßig an Türen hängen
- Verdammt hoher Frustfaktor, da man Gegenstände verliert
- KI wirkt willkürlich
- Seltsame Gameplayentscheidungen
- Zu viel wiederholt sich dauernd
- Zu wenige Hinweise
- Kein richtiger Soundtrack, nur ähnlich klingende Geräusche


Bild
Technik: 41
  • Grafik: 43
  • Sound: 23
  • Umfang: 85
  • Gameplay: 38
  • KI: 17

Spielspaß: 37
  • Story: Haha. Es gibt keine Story. Die einzige Aufgabe besteht darin, aus dem Gefängnis auszubrechen, warum auch immer...
  • Frustfaktor: Der ist so was von hoch, vor allem wenn man erwischt wird und dann nochmal ganz vorn vorne anfangen kann. Masochisten kommen hier echt auf ihre Kosten.
  • Wiederspielwert: Da es verschiedene Gefängnisse gibt, in denen man sein Glück versuchen kann, wird es wohl einen kleinen Teil Spieler geben, die The Escapists immer mal wieder spielen.
  • Design/Stil: Pixelgrafik lässt grüßen. Wäre an sich ja ganz süß, wenn das Ganze nicht technisch so abstinken würde.
  • Musik: Also das Menü hat Musik, das Spiel selbst arbeitet mit ähnlich klingenden Geräuschen.


Direkt zur Flickr-Galerie
Besuche den Autor bei: Facebook | Twitter

A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads a book lives only one.

Tags:
Advertisement

Zurück zu „Testberichte“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast