Hand of Fate (PC) im Test – Fesselndes Abenteuer aus dem Sammelkartendeck

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Hand of Fate (PC) im Test – Fesselndes Abenteuer aus dem Sammelkartendeck

Beitragvon thomary » Sa 28. Feb 2015, 12:46

Sammelkartenspiele machen süchtig. Rollenspiele und Adventures fesseln Spieler stundenlang vor den Bildschirm. Warum nicht mal beides kombinieren? Defiant Development erweckt mit Hand of Fate Sammelkarten zum Leben und kombiniert sinnvolles Zusammenstellen eines Decks nicht nur mit grundlegenden Entscheidungen im Abenteuerverlauf wie in einem Rollenspiel, sondern auch mit actionreichen Kämpfen aus Third-Person-Sicht wie in einem Action-Adventure oder –RPG. Ob diese Mischung aufgeht, erfahrt ihr im Test.

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Ein Spiel um Leben und Tod

Einem mysteriösen Spielmeister sitzt man in Hand of Fate beim Kartenspielen gegenüber, der das Spiel und die Situation des Helden immer wieder kommentiert: „Bist du dir sicher, dass du das tun willst?“ „Ich habe schon Bessere gesehen…“. Der Sprecher des Kartengebers ist die einzige englische Komponente im Spiel, ansonsten wurde Hand of Fate sehr gut ins Deutsche übersetzt.

Die grundlegende Aufgabe in Hand of Fate lautet, alle Ebenen des Verlieses zu absolvieren, in dem man die letzte Karte, die auf dem Spielbrett ausgelegt wird, absolviert: Den jeweiligen Endboss des Abschnitts. Zuvor bewegen wir uns mit unserem Helden Karte für Karte über das Spielbrett, mal mit nur einer Möglichkeit, mal mit bis zu vier zur Verfügung stehenden Wegen.

Die Karten auf diesem Spielbrett sind vielfältig: Es gibt Dialoge wie im Rollenspiel, in denen wir zum Beispiel entscheiden, jemandem zu helfen oder ihn vielleicht sogar für unsere Zwecke auszunutzen. Es gibt Ereignisse, bei denen man Gold oder Ausrüstung gewinnen kann, bei denen jedoch eine bis zu 75-prozentige Wahrscheinlich besteht, die nicht zu bestehen: Das ist Glückssache und abhängig von Erfolgs-/Misserfolgs-Karten, die man während der Ereignisse aufdecken muss. Dann gibt es verschiedene Arten von Händlern, bei denen wir mit verdientem Gold uns entweder heilen lassen können oder neue Ausrüstung kaufen, alte verkaufen und unseren Vorrat an Rationen aufstocken können: Pro Bewegung auf dem Spielbrett geht eine Ration verloren. Sind keine mehr übrig, ist das Spiel gescheitert.

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Das Spielbrett und der Kartengeber


Eine Karte erwacht zum Leben

Zwei weitere Arten von Karten gibt es auch noch, und hier erwacht Hand of Fate dann richtig zum Leben: Zum Beispiel ist das Labyrinth der Fallen ein Dungeon voller fieser Fallen, denen wir durch Rollen und geschicktes Timing ausweichen müssen. Und dann gibt es – wie in jeder guten Abenteuerwelt – natürlich auch noch unzählige Feinde, denen wir den Garaus machen müssen. Inklusive natürlich der schon genannten Endbosse in jedem Abteil des Verlieses, das der Spielmeister für uns ausgekaspert hat.

Erreichen wir eine solche Karte auf der Spielwelt, dann verschwindet das Spielbrett und wir landen für kurze Zeit in einer Kampfarena, in dem wir unseren Helden in Third-Person-Ansicht sehen. Diese Arenen sind sehr stimmungsvoll gestaltet und erinnern stilistisch deutlich an Lionheads Fable-Reihe. Das ist übrigens nicht die einzige Neuinterpretation einiger Elemente aus anderen Spielen: Spätestens, wenn euch das erste Mal Ausrüstung von „Goblins“ geklaut wird, ihr euch sie wieder zurückholt und zuvor zufälligerweise Diablo III gespielt habt, wisst ihr, wovon wir an dieser Stelle reden.

Die Kämpfe in Hand of Fate werden dann in leicht taktisch angehauchter Hack’n’Slay Manier gespielt: Abhängig von eurer Waffe und ggf. gefundener Zusatzausrüstung stehen verschiedene Fertigkeiten und Attacken zur Verfügung, im Wesentlichen bestehen die Kämpfe aber aus normalen Angriffen mit eurer Waffe und Ausweichmanövern im richtigen Moment. Ein Indikator, wann die Ausweichtaste gedrückt werden sollte, ist im Spiel vorhanden. Somit sind die Kämpfe von der Mechanik her nicht allzu anspruchsvoll, dennoch muss man aber mit den vorhandenen Mitteln arbeiten können: Insbesondere die Endbosse können ganz schön fordernd sein, da ihre Treffer viel Schaden anrichten. Schafft ihr den Kampf aber nicht, heißt es: Die ganze Runde nochmal spielen! Für ein gutes Spielerlebnis solltet ihr Hand of Fate übrigens unbedingt mit einem Gamepad am PC spielen. Bei uns war es ein Xbox 360 Controller.

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Die Arenen sind sehr stimmungsvoll gestaltet.


Ein bisschen Glück gehört mit dazu

Wer zwischenzeitlich eine Pause von den Verliesabteilen braucht, darf sich auch im freien Modus probieren. In diesem hat man jedoch überhaupt keinen Einfluss auf das eigene Ausrüstungs-Deck oder die ausliegenden Begegnungs-Karten, da alle bisher freigespielten Karten zufällig auf dem Spielbrett landen. Im Kampagnenmodus darf man sich pro Runde eine bestimmte Anzahl der Ausrüstungs- und Begegnungs-Karten aussuchen. Wie sie am Ende auf dem Spielfeld landen, ist aber auch im Kampagnenmodus zufällig.

Eine kleine Portion Glück gehört also in Hand of Fate – wie in jedem Sammelkartenspiel – zum Spielerlebnis dazu. Einigen Karten begegnet man bei seinen Spielrunden natürlich sehr häufig, was ab und zu das Gefühl von Abwechslungsarmut hervorrufen kann. Doch keine Angst: Mit der Zeit schaltet man eine Menge neuer Karten frei, in erster Linie über die Marken, die man für das erste Absolvieren bestimmter Karten erhaltet: Trefft ihr zum Beispiel in einem Dialog die „richtigen“ Entscheidungen und seid beispielsweise besonders gütig zu einem bedürftigen Menschen, so gewinnt ihr die Marke, die euch am Ende der Runde (auch wenn sie mit eurem Tod endet) mindestens eine, oft aber sogar sechs oder acht neue Karten für euer Deck beschert.

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Einer der Endbosse


Kleine Schwächen im Detail

Insgesamt kann man sagen, dass Hand of Fate sehr süchtig macht und ein insgesamt sehr gelungenes Spielprinzip aufweisen kann: Wenn wir vor dem Beginn des Kampfes sehen, wie die einzelnen Ausrüstungskarten auf unseren „realen“ Helden angewandt werden, ist das ein cooles Erlebnis.

Im Detail zeigt Hand of Fate kleinere Schwächen wie den teilweise etwas niedrigen Anspruch. Gerade das Kampfsystem hätte auf Dauer noch einige Nuancen mehr im Hinblick auf Fertigkeiten und Kampftaktiken vertragen können, ist aber dennoch äußerst spaßig. Technisch gibt es in Hand of Fate erfreulicherweise sehr wenig auszusetzen und man erlebt insgesamt ein sehr rundes Erlebnis. Im Hinblick auf Kanten und Texturen wäre stellenweise bei höchsten Einstellungen ein wenig mehr drin gewesen, jedoch tut das Ganze dem Spielspaß bei einem Titel wie Hand of Fate natürlich keinen Abbruch.

In erster Linie hätten wir uns auf Dauer gewünscht, dass einige Anzeigen und Abläufe mehr Abwechslung gehabt hätten und ggf. noch mehr hätte übersprungen werden können: Zwar können beispielsweise Anfangssequenzen in die Kämpfe übersprungen werden, aber zwischenzeitlich sehen wir beim Aktivieren bestimmter Karten die gleiche „Sequenz“ immer wieder und können sie nach einiger Zeit in- und auswendig. Damit wird Hand of Fate an manchen Stellen unnötig sperrig und man würde gern schneller vorankommen.

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Ende einer Runde im freien Modus


Fazit: Süchtigmachender Genremix

Hand of Fate hat uns rundum überzeugt und besticht vor allem durch den gelungenen Genremix und die etwas mysteriöse, aber sehr stimmungsvolle Atmosphäre. Auf Dauer hätte noch ein klein wenig mehr Abwechslung und einige Facetten mehr für das Kampfsystem dem insgesamten Erlebnis gut getan, aber dennoch wurden alle Elemente gut verzahnt und sorgen für sehr viele Spielrunden für anhaltende Motivation. Die Entwickler haben eine Vielzahl von Karten und Ereignissen eingebaut, mit denen man über die Spielrunden zu arbeiten lernt. Lobenswert ist auch die sehr gelungene deutsche Übersetzung, die das Kartenspielen gleich nochmal angenehmer macht.

Pro Contra
+ Sehr stimmiges Spielprinzip - Stellenweise mehr Herausforderung wünschenswert
+ Vielzahl von Karten und Ereignissen - Einige unnnötig sperrige Momente, die nicht übersprungen werden können
+ Sehr stimmungsvolle Kampfarenen
+ Gelungenes Kampfsystem - … dem auf Dauer einige Nuancen mehr gut getan hätten
+ Freier Modus und „Glücksfaktor“ sorgen für Langzeitmotivation
+ Gute deutsche Übersetzung


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Technik: 84

  • Grafik: 80
  • Sound: 80
  • Gameplay: 87
  • Umfang: 88
  • KI: 83

Spielspaß: 86

Einzelspieler:

  • Story: Die Story wird mit dem Zusammenbau des Decks Runde für Runde selbst geschrieben – Die grundlegende Aufgabe heißt, verschiedene Stockwerke des Verlieses zu absolvieren, in dem man den Endgegner zur Strecke bringt!
  • Wiederspielwert: Sehr hoch! Gerade der Endlosmodus dürfte nie richtig langweilig werden.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden, gerade, da die Endbosse mitunter recht anspruchsvoll sind. Aber wer Sammelkartenspiele kennt, weiß, dass ein klein wenig Glück immer dazu gehört.
  • Design/Stil: Insgesamt sehr sehr stimmig. Die düstere Atmosphäre überzeugt und die Kampfarenen sind sehr stimmungsvoll gestaltet. Technisch gibt es nur wenig auszusetzen, im Hinblick auf Kantenflimmern und Texturen wäre manchmal ein klein wenig mehr drin.
  • Musik/Sound: Musik und Sound sind gelungen, hätten aber ein klein wenig mehr Vielfalt vertragen.

Information: Hand of Fate wurde uns freundlicherweise vom Entwickler Defiant Development zur Verfügung gestellt.




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