Crimes & Punishments: Sherlock Holmes (PS3) im Test – Spannende Ermittlungen mit Technik-Hürden

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Crimes & Punishments: Sherlock Holmes (PS3) im Test – Spannende Ermittlungen mit Technik-Hürden

Beitragvon thomary » So 8. Mär 2015, 20:36

Crimes & Punishments: Sherlock Holmes ist nicht die erste Gelegenheit für Konsolenspieler, in die Rolle des vermutlich bekanntesten Detektivs aller Zeiten zu schlüpfen: Bereits in Das Testament des Sherlock Holmes (zu unserem Test) war das möglich. Crimes & Punishments: Sherlock Holmes ist der Nachfolger des Titels und kommt wieder aus dem Hause Frogwares. Ob sich das Ermitteln mit dem guten Sherlock auf der PS3 lohnt, erfahrt ihr im Test.

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Bisher bei Sherlock

Crimes & Punishments: Sherlock Holmes bietet Hobbyermittlern sechs Fälle, die als Episoden streng voneinander abgegrenzt sind: Ein Savegame umfasst jeweils den Fortschritt in genau einem Fall, wird er beendet, geht es aber direkt weiter mit der nächsten “Episode” – Ja, man hätte Crimes & Punishments: Sherlock Holmes durchaus auch in Episodenform veröffentlichen können. Vielleicht ein Vorschlag fürs nächste Mal?

Die ganz große Stärke von Crimes & Punishments: Sherlock Holmes ist der große Abwechslungsreichtum, nämlich der Fälle und auch der Gameplayelemente. Die Geschichten sind jeweils erfrischend abwechslungsreich und reichen vom rachelüsternen Mord bis zum mysteriösen Verschwinden eines Zuges. Und auch beim Gameplay hat Crimes & Punishments: Sherlock Holmes immer mal wieder etwas Neues auf Lager. Neben den üblichen Erkundungsaufgaben und dem Sammeln von Beweisen oder Indizien gibt es häufig kleine und nette Minispiele. Werden diese öfter bemüht, so wiederholen sie sich nicht zu häufig, sondern zum Beispiel nur ein Mal pro Fall, sodass es auch nicht langweilig wird.

Das Ermitteln in Crimes & Punishments: Sherlock Holmes macht Spaß und tatsächlich werden auch die eigenen Detektivfertigkeiten gefordert. Man kann zwar warten, bis der Cursor seine Farbe ändert und das Spiel einem somit anzeigt, welches Objekt man untersuchen sollte, man kann sich aber auch auf sein eigenes Gespür verlassen und erst dann den Cursor dorthin setzen, wo man eine Auffälligkeit vermutet. So machen insbesondere die Charakteranalysen sehr viel Spaß, die im Grunde auch fast immer sehr offensichtlich sind. Der Abdruck des Eherings, der Schnitt, der beim Rasieren geschehen ist…

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Man darf Sherlock sogar optisch anpassen.


Ermitteln will gelernt sein

Sammelt man mehr und mehr Hinweise, so kann man irgendwann beginnen, diese zu handfesten Beweisen zu kombinieren, die letztendlich zusammen zur Lösung des Falls führen. Diese Mechanik hat Frogwares in Crimes & Punishments: Sherlock Holmes sehr elegant gelöst, den tatsächlich wird man beim Kombinieren vor Entscheidungen gestellt: Ist Person A nur ein Opfer oder in Wirklichkkeit der Täter? Ist Partei auf Rache aus oder macht ihnen ein bestimmter Konflikt nichts aus?

Aus diesem System ergibt sich, dass bei jedem Fall mindestens drei, vier Ermittlungsergebnisse möglich sind, wovon natürlich nur genau eines richtig ist. Bevor man den Fall abschließt, kann man überprüfen, ob man zum richtigen Ergebnis gekommen ist und ggf. zum Zeitpunkt vor der Entscheidung zurückspringen. Zudem steht einem am Ende immer die Entscheidung offen, ob man Gnade walten lassen möchte oder nicht.

Die Schwäche in diesem System ist, dass die Nuancen der einzelnen Lösungen teilweise sehr, sehr klein ausfallen. Dann stellt man womöglich nur fest, dass das eigene Ermittlungsergebnis falsch war – Anhand der Indizien und Beweise lässt sich aber nicht unbedingt genau nachvollziehen, wieso das „richtige“ Ergebnis wirklich zutrifft. Ähnliches trifft auf das Kombinieren der Indizien zu: Hier würden häufig mehrere Teile sehr gut zusammenpassen, aber natürlich ermöglicht Crimes & Punishments: Sherlock Holmes immer nur genau eine Kombination, die anderen werden als falsch abgetan. Hier hätten wir uns häufig mehr Flexibilität gewünscht, auch wenn diese natürlich die Komplexität des Ganzen in unvorhersehbare Höhe getrieben hätte.

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Das Auswerten von Hinweisen ist sehr ansprechend gestaltet.


Tolle Schauplätze, schwache Technik

Crimes & Punishments: Sherlock Holmes ist nicht nur von Story(s) und Gameplay her wirklich stark, sondern auch die Gestaltung der Schauplätze kann überzeugen: Optik und Soundtrack sorgen fast dauerhaft für eine sehr, sehr gelungene Atmosphäre, egal, ob man in einem der Londoner Gebiete oder auf dem Land unterwegs ist. Das Spiel ist solide auf Englisch vertont, aber mit sehr guten deutschen Untertiteln versehen.

Auf der PS3 hat das Ganze dann aber leider doch einen Haken, nämlich in der Technik: Während Crimes & Punishments: Sherlock Holmes durchaus an vielen Stellen ziemlich gut ausschaut, sorgen starkes Tearing, Framerateeinbrüche und Soundaussetzer dauerhaft für Ärger. Zudem können, gerade durch den teilweise sehr linearen Aufbau mit häufigen Wechseln des Schauplatzes, auch die langen Ladezeiten einige Nerven kosten, die auch beim Beginn eines Gesprächs auftauchen. An diesen Problemen merkt man, dass Crimes & Punishments: Sherlock Holmes wohl eher auf die PS4 und Xbox One ausgelegt wurde, wo Spieler hoffentlich weniger dieser Mängel begegnen.

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Die Schauplätze sind sehr stimmungsvoll.


Fazit: Fesselnde Ermittlungen mit dem Meisterdetektiv

Crimes & Punishments: Sherlock Holmes ist ein sehr solider Titel rund um Sherlock Holmes. Die Geschichten und Ermittlungen sind spannend und man kann von seiner eigenen Kombinationsgabe und Aufmerksamkeit profitieren, auch wenn einem das Spiel ziemlich viele Hilfen an die Hand gibt. Dass man aber am Ende auch zu falschen Ergebnissen kommen kann, ist erfreulich, auch wenn leider nicht immer genau ersichtlich ist, wieso Ergebnis A falsch, Ergebnis B aber richtig ist, das sich nur in Kleinigkeiten unterscheidet.

Während Crimes & Punishments: Sherlock Holmes darüber hinaus mit tollen Schauplätzen und einer guten Atmosphäre aufwartet, so hat die Technik deutliche Macken: Starkes Tearing, Ruckler und Tonaussetzer sowie recht lange Ladezeiten sind wohl der schwachen PS3-Technik geschuldet. So richtig vermiesen können sie den Spielspaß an Crimes & Punishments: Sherlock Holmes aber nicht. Wer im März 2015 über PS Plus verfügt und den Titel noch nicht kennt, sollte unbedingt einen Blick riskieren!


Pro Contra
+ Gelungene und stimmungsvolle Schauplätze - Starke technische Macken: Heftiges Tearing, Kantenflimmern, Tonaussetzer
+ Spannende Ermittlungen - Teilweise zu linear
+ Eigene Aufmerksamkeit und Kombinationsgabe hilfreich - Lange Ladezeiten
+ Verschiedene Schlussfolgerungen möglich - Häufig wären mehr Kombinationsmöglichkeiten wünschenswert, die vom Spiel nicht akzeptiert werden
+ Abwechslungsreiche Minispiele und Mechaniken - Teilweise nur knappe Nuancen, die die „richtige“ Lösung nicht unbedingt nachvollziehbar machen.
+ Gelungenes Notizsystem
+ Solide englische Synchro und gute deutsche Untertitel


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Technik: 74

  • Grafik: 68
  • Sound: 74
  • Gameplay: 82
  • Umfang: 77
  • KI: 70

Spielspaß: 77

Einzelspieler:

  • Story: Crimes & Punishments: Sherlock Holmes bietet sechs Storys zum Ermitteln und Rätseln. Diese sind gut gelungen und halten spannende Ereignisse bereit.
  • Wiederspielwert: Wer seine Fehler nicht gleich korrigiert und noch alle Trophäen sammeln will, kann Crimes & Punishments: Sherlock Holmes auf jeden Fall noch mindestens ein zweites Mal durchspielen.
  • Frustfaktor: Eher gering, da man recht häufig Hilfestellungen erhält.
  • Design/Stil: Design und Atmosphäre fesseln. Technische Macken schwächen das Erlebnis teilweise ab.
  • Musik/Sound: Der Soundtrack und die Effekte sind gut gelungen, die Synchro solide. Tonaussetzer stören den Gesamteindruck

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 3
Version: PlayStation 3 Superslim, 500 GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 5 Monate


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