Cities: Skylines (PC) im Test – Das ist Städtebau!

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Cities: Skylines (PC) im Test – Das ist Städtebau!

Beitragvon thomary » Do 12. Mär 2015, 12:27

Das Städtebau-Genre hatte es in den letzten Jahren wahrlich nicht leicht: Zumindest die großen Reihen enttäuschten, insbesondere Sim City ging als großer Flop in die Erinnerungen der Spieler ein, und das nicht nur wegen des Online-Zwangs. Nun bringt das Entwicklerstudio Colossal Order mit Cities: Skylines sein Debüt im Genre auf den Markt: Bisher mit den Cities in Moition bekannt geworden, erweitert man sein Spielkonzept um all die Elemente, die Städtebau-Enthusiasten glücklich machen sollen. Ob das Konzept aufgeht, erfahrt ihr in unserem Test.

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Bringen wir die Map zum Wuseln!

Cities: Skylines verzichtet auf ein traditionelles Tutorial, aber keine Sorge, es mangelt trotzdem nicht an Hilfestellungen: Der Button mit dem Fragezeichen als Symbol ist dauerhaft im Spiel vorhanden, sodass man sich Hilfstexte einfach bei Bedarf anzeigen lassen kann. Das ist ein gut bedachter und sinnvoller Kniff, denn im Spielverlauf werden immer wieder neue Mechaniken eingeführt, bei denen man eventuell die Hilfestellung benötigen könnte. Somit gibt es in Cities: Skylines weder ein überladenes Tutorial, noch dauerhaft aufgezwungene Hilfseinblendungen.

Die meisten Mechaniken in Cities: Skylines sind darüber hinaus unheimlich intuitiv, sodass man auch ohne Tutorial gut klar kommt. Für Einsteiger könnte hin und wieder vielleicht die eine oder andere tiefgehendere Erklärung fehlen, sodass insbesondere die erste gebaute Stadt nicht unbedingt ein Meisterstück werden dürfte. Anstatt nämlich nur etwas Straße an die Autobahn anzuschließen und dann mit Gebäuden loszulegen, sollte man durchaus erstmal etwas Abstand gewinnen und sein erstes kleines Dörfchen eher in der Mitte der Map platzieren, sodass es am „Dorfeingang“ nicht gleich zum Verkehrskollaps kommen kann – Merke: Autos, die gerade von zwei Autobahnabfahrten zusammenkommen, sollten nicht nur auf eine zweispurige Fahrbahn gelenkt werden.

In den ersten Spielminuten schon wird man in die Stadtverwaltung eingeführt: Nach dem Bauen erster Straßen werden die Arten der Umgebungen festgelegt: Wohn-, Geschäfts- oder Industriegebiete entstehen einfach auf Knopfdruck, die entsprechenden Gebäude werden gebaut. Bald kommen hoffentlich die ersten Bewohner, die in den Wohnhäusern einziehen, in den Fabriken arbeiten und in den Läden einkaufen gehen.

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Zunächst legt man sehr komfortabel Stadtgebiete fest.


Gut simuliert

Übrigens ist Cities: Skylines eine echte Stadtsimulation und greift nicht auf Pseudo-Mechaniken zurück wie zum Beispiel das viel gescholtene Sim City: Jeder Einwohner hat seine festgelegte Wohnung und seinen festgelegten Arbeitsplatz – Dort muss er irgendwie hinkommen.

Doch natürlich geht es nicht nur im die Arbeitswege der Bewohner, sondern die Infrastruktur der Stadt muss auch für andere Dienste stimmig sein: Die Müllabfuhr muss jedes Gebäude erreichen können, Schulen und Ärzte für jedes Wohnhaus gut erreichbar sein, Polizei und Feuerwehr eine Chance haben, überall in der Stadt für Recht und Ordnung zu sorgen. Beim Bau eines jeden Gebäudes ist sehr einfach sichtbar, wie effizient das Gebäude an dieser Stelle wäre, also von wo überall die Bewohner dieses gut erreichen bzw. es gut seinen Dienst verrichten kann.

Um die Stadt ganz grundsätzlich „am Leben“ zu erhalten, muss man natürlich auch für die Strom- und Wasserzufuhr sorgen. Am Anfang kann ein Kohlekraftwerk errichtet werden, später stehen weitere Kraftwerkstypen und sogar Windturbinen zur Verfügung. Über das entsprechende Informationsmenü kann man leicht nachvollziehen, wie viel Strom gerade erzeugt und wie viel verbraucht wird. So kann man übrigens auch die Leistung von allen anderen Dienstleistungen überprüfen, also zum Beispiel die Kapazitäten der Schulen, die Auslastung der Ärzte und so weiter.

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Effizienz und Auslastung von Dienstleistungen lassen sich gut nachvollziehen.


Schöner Bürgermeisterjob | Kleine Schwächen im Detail

Das Verwalten der Stadt funktioniert in Cities: Skylines also insgesamt äußerst komfortabel und fehlerfrei und reicht dabei sogar bis in kleine Details: Während wir am Anfang lediglich Richtlinien für die ganze Stadt erlassen können, wie zum Beispiel kostenlose Rauchmelder verteilen oder die Leute zum Recycling zu animieren, so kann man bald sogar sehr einfach Stadtviertel einteilen und dann auch auf die Viertel zugeschnittene Richtlinien erlassen. Somit kann man die eigene Stadtentwicklung super prägen – Wer möchte, kann hier das edle Wohnviertel, dort das verdreckte Industrieviertel schaffen.

Leider sind nicht alle Mechaniken so tiefgehend und hin und wieder zeigen sich in Cities: Skylines auch kleine Schwächen, was die Simulation angeht: Auf Dauer könnte man vielleicht sagen, hin und wieder ist der Bürgermeisterjob bei Colossal Order ein wenig „zu angenehm“: Es fällt schwer, die Bürger in der Stadt wirklich unzufrieden zu machen und auch Finanzprobleme gibt es ab einer gewissen Einwohnerzahl kaum mehr. Mit etwas Warten kommt dann schon genügend Geld für die nächste Investition zusammen.

Und während Einwohnerzahlen fast von alleine steigen, so fällt es irgendwie durchaus schwer, die Stadt bewusst attraktiv (oder unattraktiv) zu machen, sei es für neue Bewohner oder für Touristen. Hier scheinen Verknüpfungen einiger Dinge nicht allzu gut zu funktionieren, denn obwohl sich zum Beispiel gerade viele Bürger über ein Müllproblem in unserer Stadt beschweren, kommen trotzdem zahlreiche neue Bewohner, während im nächsten Moment Flaute bei Neulingen ist, obwohl alles okay scheint.

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Das Verwalten von Stadtvierteln ist detailliert möglich.


Ansatzpunkt KI

Wo die Entwickler in der nächsten Zeit noch etwas nachbessern sollten, ist die KI von Cities: Skylines, denn durch sie entstehen wohl die kleinen Probleme, die sich in unserer Testphase immer wieder zeigten.

Beispielsweise gibt es ein (optionales) Social Media Tool, das am oberen Bildschirmrand angezeigt wird, und mit dem Bürger uns mit ihren Nachrichten über aktuelle Ereignisse in der Stadt auf dem Laufenden halten sollen – Seien sie positiv oder negativ. Doch leider funktioniert das nicht so wie gedacht, denn nicht nur wiederholen sich Nachrichten sehr häufig, sondern sie sind auch nur selten wirklich auf die aktuelle Situation zugeschnitten: Wenn mal bei einem Haus nicht sofort der Müll abgeholt wird, gibt es gleich eine einzelne Beschwerde, doch wenn sich in der ganzen Stadt der Müll türmt, gibt es keineswegs kollektive Beschwerden – Sondern der nächste individuelle Haushalt beschwert sich, dass gerade ein kleiner Wasserengpass besteht, der de facto überhaupt nicht vorhanden ist.

Zum noch etwas größeren Ärgernis kann die Verwaltung der Straßen werden: Auf der einen Seite liegt hier auf Dauer ein recht großer Fokus und man merkt, dass die Entwickler durch Cities in Motion Experten in diesem Bereich sind, doch andererseits kommen zweierlei Probleme zusammen: Verkehrsregeln sind teilweise leider ein Fremdwort, was insbesondere in Kreisverkehren zu chaotischen Situationen führt: Der Verkehr fließt nicht ab, obwohl die Abfahrtsstraßen frei sind. Sieht man dann noch, dass auch die Busse im Verkehr stecken, fällt die wenig komfortable Linienverwaltung auf: Leider kann man keine einzelnen Linien benennen, sondern man muss dann aus einer Vielzahl blauer Striche auf den Straßen die richtige Linie herausfiltern, die man optimieren will. Hier hätte es sich angeboten, beim Erstellen einer jeden Linie ihr einen Namen bzw. eine Nummer zuzuweisen, sodass man sie später leicht aufrufen und einzelne Haltestellen modifizieren kann – Dann hätte das Ganze einen ähnlichen Grad an Komfort, wie ihn Cities: Skylines eigentlich sonst auch bietet.

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Kreisverkehre sind eine chaotische Angelegenheit, da Verkehrsregeln nicht beachtet werden.


Wunderbare Technik

So sehr diese kleinen Probleme teilweise für Verwunderung sorgen, gerade im Bereich der Verkehrsverwaltung, da Colossal Order hier eigentlich Experten sein sollten, so sehr macht es dennoch Spaß, der eigenen Stadt beim Wachsen zuzuschauen: Ein großes Lob hat nämlich der technische Aspekt vonCities: Skylines verdient.

Auch bei den größeren Städten kam es auf unserem System nie zu Rucklern oder Aussetzern, auch Abstürze konnten wir keine feststellen. Im Vergleich mit anderen aktuellen Titeln ist es beinahe schon beängstigend, dass Cities: Skylines in fast allen Situationen derart flüssig läuft. Auch die Ladezeiten fallen übrigens sehr moderat aus und man scheint viel Zeit in die Optimierung gesteckt zu haben – Das hat wirklich Lob verdient!

Im Bereich Grafik gibt es lediglich Abzüge für recht starkes Kantenflimmern und viele Clipping-Fehler, die man gerade auf den Straßen immer wieder feststellen kann. Da stecken schonmal zwei Autos in einem Bus. Der Soundkulisse ist solide, hätte aber beim Reinzoomen etwas mehr Vielfalt vertragen können, da die Geräuschkulissen nicht immer zum entsprechenden Stadtteil passen.

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Auch bei wesentlich größeren Städten als dieser läuft Cities: Skylines flüssig!


Modding-Support – Startpunkt für unbegrenzte Möglichkeiten

Cities: Skylines verfügt übrigens auch über einen Objekt- und Mapeditor sowie über Steam Workshop Support. Für die Zukunft gibt es also keinerlei Einschränkungen hinsichtlich Mods oder ähnlichem. Und schon jetzt gibt es zahlreiche Maps über Steam zum Herunterladen, die beispielsweise das Nachbilden von New York City oder anderen bekannten Städten dank ihres Aufbaus ermöglichen. Hier hat Colossal Order mächtige Tools geschaffen, die für ordentlich Langzeitmotivation in Cities: Skylines sorgen dürften.

Fazit: Ein toller Städtebauer

Colossal Order ist mit Cities: Skylines ein toller Einstieg ins Städtebau-Genre gelungen. Die meisten Elemente sind unheimlich intuitiv und leichtgängig, ohne dass es an Tiefgang mangelt: Gerade die detaillierte Verwaltung einzelner Stadtbezirke überzeugt, ebenso wie das Wachstum und die Entwicklung der Stadt als solches. Andere Elemente wie die Verkehrsverwaltung und die KI hätten noch etwas mehr Feinschliff benötigt, sodass sich Ärgernisse beispielsweise tatsächlich auf die Gesamtzufriedenheit der Bürger auswirken und die eigene Stadt unattraktiv für Neuankömmlinge machen. Das sind Dinge, die hoffentlich mit künftigen Updates noch angegangen werden.
Dafür ist Cities: Skylines aber technisch hochpoliert wie kaum ein anderes aktuelles (PC-)Spiel. Technisch läuft alles unheimlich rund und ruckelfrei, ebenso wie in unserer Testphase kein einziger Absturz zu vermelden war, und das trotz kaum vorhandener Ladezeiten. Das verdient großes Lob und ist insbesondere für ein Städtebauspiel mit fast unbegrenzten Mapgrößen eine beachtliche Leistung. Die genannten Schwächen in der KI verhindern momentan leider eine Wertung von 85 oder höher – Wir können Cities: Skylines aber dennoch bedenkenlos allen empfehlen, die mal wieder eine eigene Stadt hochziehen möchten und mit einem Spiel dank breitem Modding-Support sehr, sehr lange Spaß haben möchten!

Pro Contra
+ Technisch unheimlich rund - Schwächen in der KI, insbesondere Verhalten der Verkehrsteilnehmer
+ Insgesamt sehr komfortabel, aber dennoch tiegehend - Eigentlich cooles, aber unnützes Social Media Imitat
+ Sogar Festlegung von Stadtvierteln mit eigenen Richtlinien möglich - Probleme wirken sich nur schwach auf Bürger-Zufriedenheit aus
+ Breiter Mod- und Steam Workshop Support - Schwache Verwaltung der öffentlichen Verkehrsmittel
+ Realistisches und motivierendes Wachstum der Stadt - Kantenflimmern und Clipping-Fehler


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Technik: 81

  • Grafik: 85
  • Sound: 74
  • Gameplay: 86
  • Umfang: 93
  • KI: 69

Spielspaß: 85

Einzelspieler:

  • Wiederspielwert/Langzeitmotivation: Extrem hoch, da das Bauen der Städte nie langweilig wird. Der Steamworkshop- und Modding-Support eröffnen zudem unbegrenzte Möglichkeiten.
  • Frustfaktor: Gering.
  • Design/Stil: Die eigenen Städte lassen sich wunderschön anschauen und wirken wie aus einem sauberen Baukasten, also wie eine Modellstadt. Auch die extrem flüssige Optik begeistert, Verbesserungen wären beim Kantenflimmern wünschenswert.
  • Musik/Sound: Nicht spektakulär, aber solide und unaufdringlich. Einige Effekte mehr hätten bei Zoom-Ansicht der Stadt gut getan.

Information: Cities: Skylines wurde uns freundlicherweise von Paradox Interactive zur Verfügung gestellt.

Informationen zum Testgerät

Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)


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Re: Cities: Skylines (PC) im Test – Das ist Städtebau!

Beitragvon Synyster » Fr 13. Mär 2015, 19:47

Sobald Zeit da ist, wird das sicher geholt, gehe mal davon aus, dass das ein mächtiger Zeitfresser wird :D
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