Bladestorm: Nightmare (Xbox One) im Test - Ein echter Technik-Alptraum

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thomary
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Bladestorm: Nightmare (Xbox One) im Test - Ein echter Technik-Alptraum

Beitragvon thomary » Mi 18. Mär 2015, 19:44

Üblicherweise spielen die meisten Warriors-Spiele von Omega Force, die nicht gerade in eine Franchise-Welt wie Hyrule abtauchen, in China oder Japan. Doch mit Bladestorm: Nightmare verlässt man mal wieder bekanntes Areal und es verschlägt uns in erster Linie nach Frankreich. Das Spiel basiert auf dem Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England und bietet dabei nicht nur eine „realistische“ Story, sondern mit dem Nightmare Modus auch einen Ausflug ins Fantasy-Metier. Ob dieser Titel, der teilweise ein Remaster des PS3/Xbox 360 Titels Bladestorm: Der Hundertjährige Krieg ist, auf Xbox One überzeugt, erfahrt ihr im Test.

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Das Video unseres Livestreams zu Bladestorm: Nightmare


Als Söldner für England oder Frankreich

Auf eine feste Seite schlagen muss man sich in Bladestorm: Nightmare nicht. Als Söldner nimmt man immer wieder neue Verträge an und kann sich somit für jede Mission neu heraussuchen, auf welcher Seite man kämpfen möchte – England oder Frankreich.

Die Geschichte in Bladestorm: Nightmare wird prinzipiell trotzdem interessant erzählt, da sich zumindest grundsätzlich alles nach den Ereignissen des letzten Kampfes richtet. Leider wird hier dennoch viel Potential verschenkt, denn die Story-Texte, die während der lange andauernden Ladebildschirme vor den Schlachten erzählt werden, werden immer wieder aus den gleichen Standardtexten zusammengebastelt, in denen lediglich die aktuellen Orte ersetzt werden. Gelegentlich gibt es glücklicherweise kurze Zwischensequenzen, die ein wenig mehr Spannung produzieren können, letztlich aber auch eher irrelevant bleiben.

Storytechnisch besser aufgestellt ist der Nightmare-Modus. In diesem kommt zu den ausgezehrten Soldaten auf Seiten Frankreichs und Englands noch eine dritte Macht aufs Schlachtfeld: Mysteriöse Kreaturen, gegen die man sich lieber verbünden sollte. Die Protagonisten machen sich auf die Suche nach dem Ursprung dieser Figuren. Im Nightmare-Modus wird auf eine vorgeschriebene Geschichte gesetzt, die mit festen Missionen daherkommt. Daher gibt es hier glücklicherweise keine Standardtexte, die nach bestimmten Parametern erstellt werden.

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Texte wie diesen liest man häufig.


Monoton und unnachvollziehbar

Auch spielerisch ist der Nightmare-Modus in Bladestorm: Nightmare deutlich stärker als der „Hundred Years War“ Modus – Hier scheint man dem Spiel deutlich anzumerken, dass letzterer noch aus der PS3/360 Ära stammt, während der Nightmare-Modus nun neu hinzukam. Mal abgesehen davon, wäre auch während der letzten Konsolengeneration schon mehr drin gewesen, da viele Dinge im Storymodus entweder merkwürdig oder schlicht und einfach schlecht sind.

Im Grunde sind die einzelnen Aufträge recht geschickt aufgebaut. Man findet sich immer auf einem riesigen Schlachtfeld wieder und hat gewissermaßen schon eine vorgegebene Aufgabe: Verteidige diese Stützpunkte, nimm jene ein. Auf Dauer wiederholen sich diese Aufträge ziemlich oft, was ja aber auch logisch ist. Hinzu kommt aber noch, dass man am Ende des Levels nach diversen Kriterien bewertet wird, nämlich: Zeit, die benötigt wurde, erledigte Offiziere, gesamte Kills, eingenommene Stützpunkte. Leider ist das häufig nicht so richtig miteinander vereinbar: Zwar bleibt es ja immer einem selbst überlassen, wie man auf der Map vorgeht, aber häufig landet man zum Beginn automatisch direkt vor der Stadt, die eingenommen werden soll, und müsste erst sinnlos über die gesamte Map latschen, um andere Stützpunkte einzunehmen und sich somit eine gute Wertung zu sichern. Zudem hätte das wahrscheinlich das Ergebnis, dass jede Menge eigene Stützpunkte zwischenzeitlich gefallen wären. Das macht die Levelbewertungen leider ziemlich willkürlich.

Durch den recht einfachen Schwierigkeitsgrad und die doch immer ähnlichen Aufgaben kann der Hundred Years War Modus dann doch recht schnell langweilig werden und bietet sich eher für immer mal wieder eine Runde an, da man dann doch meistens auch recht schnell fertig wird. Der Nightmare-Modus kann Abhilfe schaffen, denn hier sind die Schlachten umfangreicher, sodass man pro Kapitel meistens eine gute halbe Stunde beschäftigt ist, da im Verlauf immer wieder neue Aufgaben hinzukommen. Durch variierende Feinde sind die Schlachten hier zudem durchaus interessant.

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Die Übersicht zum Schlachtenbeginn


Übernimm deinen Trupp

Wer mit Bladestorm: Nightmare vom Gameplay her ein gewöhnliches Warriors-Spiel erwartet, könnte überrascht sein. Zwar erstellt man sich zum Beginn des Storymodus ein eigene Spielfigur und wählt einen Waffentyp aus, doch die eigene Figur ist im Prinzip genauso irrelevant, so wenig man an einen bestimmten Waffentyp gebunden ist.

In Bladestorm: Nightmare könnt ihr theoretisch ständig während der Schlacht die Kontrolle über einen neuen Trupp übernehmen und eure eigene Bewaffnung richtet sich nach diesem – Tragen die Truppen Schwerter, tragt ihr auch eines, tragen sie Schwert und Schild, habt ihr die die gleiche Ausrüstung, sind sie zu Pferd unterwegs… Das System sollte klar sein.

Für jede mögliche Art von Bewaffnung levelt die Figur extra auf – Nicht unbedingt im Kampf, sondern mittels verdienter Skill Points kann man sich bequem Level kaufen und auch die zugehörigen Fertigkeiten upgraden, sodass zum einen die Kampfmanöver stärker werden und darüber hinaus die Truppgröße und deren Verteidigung steigt usw.

Ob ihr die Trupp-Funktion wirklich nutzt, bleibt euch überlassen. Wir hätten uns hier mehr Herausforderung und mehr Dynamik gewünscht. Zwar sind einige Waffen effektiver gegen bestimmte Gruppen, aber letztlich ist es egal, mit was ihr in der Schlacht auf wen einprügelt. Geht man mit einem noch nicht aufgelevelten Trupp aufs Schlachtfeld, sind die Begegnungen unnötig schwer – Aber dann kauft man sich eben einfach fix Level nach; Fertigkeitenpunkte sind meistens ausreichend verfügbar. Am schwersten wiegt für uns die Tatsache, dass die eigene Spielfigur schrecklich irrelevant und zudem unpräzise zu steuern ist: Die Kämpfe funktionieren eher nach dem Motto „irgendeiner wird’s schon richten.“

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Die Charaktererstellung ist... vielfältig!


Technischer Alptraum

Dass wir rein grafisch in der Regel von den Warriors-Spielen keine Wunder erwarten brauchen, wissen wir bereits. Dennoch hatte man aber insbesondere mit Samurai Warriors 4 auf der PS4 deutliche Schritte nach vorne gemacht und einen sehr ansehnlichen Titel abgeliefert. Genau aus diesem Grund steht bei uns auch die nicht zu beantwortende Frage im Raum, wer diese Xbox One Fassung eigentlich durchgewunken hat.

Einen grafisch und technisch größeren Mist auf Microsofts aktueller Konsole zu finden, dürfte wohl kaum möglich sein: Das Bild in Bladestorm: Nightmare ist unglaublich verschwommen, Objekte, insbesondere das Gras flimmern auf unheimliche merkwürdige Weise, überhaupt ist das Kantenflimmern stellenweise kaum zu ertragen. Als wäre das nicht schlimm genug, leistet sich Bladestorm: Nightmare jede Menge Ruckler und Aussetzer. Diese sind zum Glück kein Dauerzustand, aber trotzdem häufig zu beklagen. Das Einzige, was nicht flimmert, ist übrigens der Boden – Wahrscheinlich, weil er ausschließlich aus Matschtexturen besteht.

Der Nightmare-Modus schaut übrigens ein klein wenig besser aus als der originale Spielmodus – Immerhin. Ansonsten ist Bladestorm: Nightmare auf Xbox One vermutlich kein Fortschritt gegenüber der originalen Xbox 360 Fassung von 2007. Auch der sehr gelungene Soundtrack, der die Schlachten sehr gelungen untermalt, kann diesen grafischen Absturz nicht ansatzweise retten, den wir in dieser Form nicht noch einmal erleben möchten.

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Schaut euch diesen Screen in Originalgröße an... So hübsch ist Bladestorm auf der One wirklich!


Fazit: Eingeschränkter Spaß in flimmernden Massenschlachten

Bladestorm: Nightmare ist der schwächste Titel, den wir bislang von Omega Force zu Gesicht bekommen haben. Direkt vom ersten Augenblick an trägt dabei auf der Xbox One vor allem die unterirdische Technik einen wesentlichen Teil dazu bei: Grafisch macht das Spiel nicht mal auf der Xbox 360 eine solide Figur. Und dann läuft es nicht mal flüssig.

Auch bei der Story sowie spielerisch bleibt Bladestorm: Nightmare hinter den Erwartungen zurück. Glücklicherweise kann der Nightmare-Modus in beiden Bereichen durch den sehr interessanten Ansatz und eine kapitelweise Erzählung überzeugen, doch der Hundertjährige Krieg artet eher in eine monotone Dauerschleife aus, deren Geschichte immer wieder durch Standardtexte erzählt wird, in denen nur bestimmte Parameter ausgetauscht werden. Somit ist Bladestorm: Nightmare insgesamt ein Spiel, mit dem man dank schneller Erfolge immer mal wieder eine Runde Spaß haben kann, das aber von uns zumindest auf der Xbox One dennoch keine echte Kaufempfehlung bekommen kann.

Pro Contra
+ Setting voller Potential… - … das durch Monotonie und Standardtexte ungenutzt bleibt
+ Teilweise große und fesselnde Schlachten - Häufig unnachvollziehbare Aufgabenstellungen und Levelbewertungen
+ Interessanter Nightmare-Modus - Optisch und technisch auf Xbox One schlicht und einfach ein Alptraum
+ Nette Squad Idee… - … die schwach umgesetzt wurde
+ Vielfältige Charaktererstellung - Stellenweise starke Ruckler
- Lange Ladezeiten
- Die eigene Figur ist schrecklich unpräzise und irrelevant


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Technik: 56

  • Grafik: 18
  • Sound: 83
  • Gameplay: 51
  • Umfang: 79
  • KI: 49

Spielspaß: 55

Einzelspieler:

  • Story: Bei Weitem nicht so interessant wie gedacht – Storytexte werden immer wieder aus den gleichen Bauteilen zusammengesetzt und wirken beliebig. Der Nightmare Modus ist zum Glück ein wenig interessanter!
  • Wiederspielwert: Hoch, wenn man beide Seiten der Story sehen will.
  • Frustfaktor: Gering, der Schwierigkeitsgrad ist meist sehr niedrig angesetzt.
  • Design/Stil: Stellenweise insbesondere im Nightmare-Modus gelungen. Aber Vieles wirkt unglaublich lieblos und wer diese Xbox One Fassung durchgewunken hat, dem gehört eine Brille verpasst.
  • Musik/Sound: Die Musikuntermalung überzeugt, die Synchro ist recht solide.

Information: Bladestorm: Nightmare wurde uns freundlicherweise als Retailmuster von Koch Media für Xbox One zur Verfügung gestellt.

Testgerät: Xbox One
Version: 500GB
Hardware: Titel installiert auf externe USB 3.0 Festplatte (2TB)
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 4 Monate


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