Assassin's Creed Chronicles China im Test - Der große Bogen um China auf der PS4

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Assassin's Creed Chronicles China im Test - Der große Bogen um China auf der PS4

Beitragvon Meykota » So 26. Apr 2015, 20:04

Als Assassin’s Creed Unity angekündigt wurde, konnte man dazu auch einen Seasonpass bestellen, der einem nicht nur Inhalte für den Titel selbst bieten sollte, sondern auch einen kleinen 2,5 D Titel namens Assassin’s Creed Chronicles. Da jedoch Assassin’s Creed Unity als Desaster bezeichnet wurde, stampfte Ubisoft den Seasonpass ein. Im Laufe der Zeit nun wurde eine ganze Spinoff-Reihe namens Assassin’s Creed Chronicles angekündigt. Uns liegt nun der erste Teil dieser Reihe namens Assassin’s Creed Chronicles: China vor, aber ob sich ein Blick wirklich lohnt, verraten wir euch in unserem Test.

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Es geht um Rache!

Assassin’s Creed Chronicles: China läuft zwar auf einer anderen Engine als die großen Brüder, erfindet aber das Story-Rad an keiner einzigen Ecke neue. Man selbst schlüpft in die Rolle von Shao Jun, die nach einer zweijährigen Europareise, auf der sie Ezio Auditore da Firenze (großer, mächtiger Assassine aus Italien, falls jemand die Reihe nicht kennt) trifft, nach China zurückkehrt. Doch ihr Orden ist zerstört, weswegen sie nun auf einem Rachefeldzug durch China mordet - Das Ganze hat allerdings weniger mit einem Hack & Slay zu tun als es hier den Anschein hat.

Assassin’s Creed Chronicles: China erinnert in erster Linie an ein Jump & Run in 2,5D und hat zudem starke Ähnlichkeiten mit den früheren Prince of Persia Titeln. Vergeblich sucht man die Parallele zu den Konsolenbrüdern, denn es gibt keine offene Welt, nichts zum Erkunden. Assassin’s Creed Chronicles: China ist unglaublich linear und muss so ziemlich viel vom Charme der anderen Assassinenspiele einstecken.

Zudem ist auch die Story an keiner Stelle spannend oder mitreißend, gerade weil man keine wirkliche Beziehung zu Shao Jun aufbauen kann. Ihr Orden wurde zerstört? Irgendwie ging uns das ziemlich sonstwo vorbei, was sehr schade ist, da in der Regel das Rachemotiv in Assassin’s Creed immer ziemlich nachvollziehbar und greifbar war. Wir haben gesehen, wie Ezios Familie ermordet wurde und wie das ganze Dorf von Conner dem Erdboden gleichgemacht wurde, wir sahen zu wie Arnos Vater umgebracht wurde und noch so viel mehr. Zu all diesen Assassinen haben wir eine Bindung aufbauen können, wir haben mit ihnen gelitten. Aber Shao Juns Orden? Sei’s drum, durch ihren Rachefeldzug kommen die auch nicht wieder.

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Ein undurchdachtes Konzept?

Assassin’s Creed Chronicles: China ist in erster Linie zu Beginn an Casualgamer gerichtet, ändert jedoch nach einiger Zeit seine Ausrichtung, erhöht seinen Frustfaktor und ist dann eher für Hardcore Gamer gemacht. Die ersten paar Gebiete spielen sich unheimlich einfach, sodass man fast ausschließlich den Rang “Schatten: Gold” erhält, doch vor allem wenn man mit Shao Jun in das zerstörter Bruderschaftsgebäude marschiert, ändert sich das Ganze schlagartig, sodass man häufig nur noch mit Bronze durchkommt - wenn man nach einigen vielen Anläufen nicht sogar ganz aufgibt.

Am Ende jedes Teilstücks erhaltet ihr eine Auswertung, die in drei große Gruppen unterteilt sind. Seid ihr lautlos, habt keinen ermordet und wurdet auch nicht gesehen, so erhaltet ihr den Rang “Schatten”. Habt ihr jemanden getötet, wart aber ansonsten recht unsichtbar, dann steht euch der Rang “Assassinin” zu. Und wenn ihr euch von Gefecht zu Gefecht stürzt, werdet ihr als “Kriegerin” bewertet. Jeder Rang wird dabei noch zusätzlich in Gold, Silber und Bronze unterteilt, was wiederum am Ende Auswirkungen auf eure Belohnung für das jeweilige Gebiet hat, denn für jede Aktion, bekommt ihr Punkte. Je mehr Punkte ist erhaltet, desto lautloser wart ihr am Ende auch - und je mehr Punkte ihr am Ende eines Levels habt, desto höher fällt eure Belohnung aus. Durch die Belohnungen wird beispielsweise eure Gesundheit im normalen Spiel erhöht oder ihr erhaltet mehr Munition im “Plus”-Modus. Dies ist ein höherer Schwierigkeitsgrad, der erst nach dem Beenden des Spiels auf “Normal” freigeschaltet wird.

Zusätzlich weist Assassin’s Creed Chronicles: China seltsame vercasualisierte Elemente auf: Die Gegner verfügen über ein trichterförmiges Sichtfeld. Nur wenn ihr in diesem steht, können sie euch sehen. Zusätzlich erscheint ein Symbol über dem Kopf der Gegner, wenn sie kurz davor sind, sich umzudrehen. Und wenn ein Gegner auf euch schießt, wirkt das Ganze wie eine Laserpistole: Zuvor ist der Strahl weiß, kurz vor dem Abschuss wird er Rot. Seltsame Systeme, die euch aber alle dabei helfen sollen, durch das Spiel zu kommen. An sich wäre das alles nützlich, wenn der Schwierigkeitsgrad nicht gleich zu Beginn so enorm anziehen würde.

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Chineseische Kultur

Wenn man dachte, dass einen Assassin’s Creed Chronicles: China genauso in die Kultur einführen würde wie es beispielsweise mit Italien oder Amerika geschah, wird ein wenig finster in die Röhre blicken. Ob das Spiel nun in China oder in einer anderen Umgebung spielt, ist fast egal, da nicht sonderlich viel auf das kulturelle Erbe des Landes hindeutet. Lediglich die Cutscenes zwischen den Leveln, die sehr dem chinesischen Zeichenstil angepasst wurden, lassen einen vermuten, dass man in China ist. Die einzelnen Level selbst könnten jedoch überall auf der Erde spielen, wo es Höhlen und Gefängnisse gibt. Schade, denn wir hatten gedacht, dass wir genauso viel über China und die Ming-Dynastie erfahren, wie es normalerweise bei einem Assassin’s Creed der Fall ist.

Nicht einmal die Nachtigallenböden werden besonders bezeichnet, da man da in Assassin’s Creed Chronicles: China nur die Information bekommt, dass es Böden gibt, die Geräusche abgeben, wenn man auf sie tritt. Hier hätte man auf die Besonderheiten der Nachtigallenböden eingehen können, die als Warnsystem eingesetzt wurden - Übrigens kannten die Ninja die Geheimnisse dieser Böden und konnten sich auf ihnen lautlos bewegen. Den Assassinen scheint diese besondere Schleichtechnik verborgen geblieben zu sein, da es ausreicht, wenn man geduckt läuft. Hier hat sich das externe Entwicklerstudio nicht sonderlich gut mit der chinesischen Kultur auseinandergesetzt.

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Technisch eher so lala

Assassin’s Creed Chronicles: China basiert auf derselben Engine wie auch schon Child of Light und Valiant Hearts, wirkt allerdings eher wie das allererste, das überhaupt auf der Engine entwickelt wurde. So weist der Titel ein hohes Kantenflimmer auf der PlayStation 4 auf, was nicht wirklich sein muss und was bei den anderen Spielen auf der Engine auch bisher nicht so stark der Fall war. Zwar kommt es zu keinerlei Rucklern oder dergleichen, wie es noch bei Assassin’s Creed Unity zu finden war, aber dennoch hätte man an einigen Stellen durchaus nachbessern können. Beispielsweise verschwindet Shao Juns Gürtel regelmäßig im Boden, wenn man das Versteck wechselt oder sich duckt. Das sind Dinge, die im Vorfeld im Design der Figur bedacht werden sollten.

Zudem lässt sich Shao Jun manchmal auch nicht so steuern, wie sie das können sollte und reagiert deswegen auf bestimmte Eingaben einfach nicht. So kann es manchmal passieren, dass sie nicht reagiert, wenn ihr einen Gegner angreifen oder euch verstecken wollt. Dafür klappt das Springen sehr gut und Shao Jun hält sich auch dann fest, wenn sie eigentlich viel zu niedrig an der Leiter ist, um sich festhalten zu können. Es ist stellenweise sehr schade, dass die Technik nicht so will wie sie soll, andererseits kennt man es von der Reihe Assassin’s Creed auch nicht anders. Schade.

Zudem kann man sich noch weniger als bei den anderen Assassin’s Creed Spielen entscheiden, welche Sprache nun die einzelnen Figuren sprechen sollen. Es gibt einige, die sprechen Chinesisch, andere sprechen Englisch mit Akzent und wieder andere sprechen bestes Oxford Englisch. Bei allen anderen Spielen dieser Reihe ist erkennbar, dass es sich entweder um ein Produkt von Abstergo oder einem Assassinenprojekt handelt - dadurch erschließt sich, dass man die Animus-Daten verwendet und dieses Programm ist eben noch nicht ganz ausgereift, um alles Gesprochene korrekt wiederzugeben. Bei Assassin’s Creed Chronicles: China allerdings wird nur klar, dass es ein Produkt von Ubisoft und Climax ist, aber nicht, dass man sich in irgendeinem Programm befindet oder dergleichen.

Und wenn wir einmal dabei sind: Die KI ist strunzdumm. Wir sind stellenweise direkt gegen sie gehüpft, aber sie haben den Alarm nicht ausgelöst. An anderen Stellen haben wir das Sichtfeld nur ganz kurz berührt und sofort wurde der Alarm ausgelöst. Hier hätte wirklich noch einmal nachgebessert werden sollen.

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Als Assassinin nach China?

Die Community hat sich schon eine ganze Weile ein Assassin’s Creed gewünscht, das entweder in Japan oder China spielt, allerdings wollte man damit eher einen großen Titel, bei dem man durch die kulturellen Gebäude spazieren kann. Assassin’s Creed Chronicles: China lässt einem jedoch nicht viel Freiraum zum Erkunden und bietet auch nicht mal Gebiete, die man überhaupt erkunden wollen könnte. Es ist rundum linear und bietet auch nicht den Charme eines typischen Assassin’s Creeds. Auch von der Story her erfindet Assassin’s Creed Chronicles: China das Rad an keiner Ecke neu, nur mit dem Unterschied, dass man einfach keine sonderlich gute Bindung zu Shao Jun und ihrem ausgelöschten Orden aufbauen kann. Schade, denn das kann man eigentlich besser.

Wenn man sich auf die chinesische Kultur gefreut hat, wird man zudem etwas arg enttäuscht, da man den Gebieten nur in den zwischenzeitlichen Cutscenes ansieht, dass es in China spielt, aber ansonsten schaut man eher in die Röhre und hangelt sich von einer Höhle zur nächsten. Wer also eher auf der Suche nach einem etwas anderen Jump & Run ist, kann bedenkenlos zu Assassin’s Creed Chronicles: China greifen, da keinerlei Vorkenntnisse erforderlich sind. Wer allerdings auf der Suche nach einem schönen Assassin’s Creed ist, sollte eher nicht zu diesem Spiel greifen. Schade, wir hatten uns irgendwie mehr vom Titel erhofft. Ob man dieses Spiel als Entschädigung für Assassin's Creed Unity ansehen kann, ist fraglich.

Pro Contra
+ Chinesische Zeichnungen - Story ist nicht mitreißend
+ Chinesisches Setting... -... das jedoch kaum erkennbar ist
+ Erinnert an Prince of Persia - KI ist strunzdumm
- Schwierigkeitsgrad nimmt sehr schnell sehr stark zu
- Bei der Synchronisation ist man sich nicht einig
- Kantenflimmen, Clippingfehler
- Erkundungsaspekt fehlt
- Historischer Aspekt liegt eher im Hintergrund


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Technik: 60
  • Grafik: 57
  • Sound: 65
  • Umfang: 80
  • Gameplay: 56
  • KI: 42

Spielspaß: 56
  • Story: Die Story könnte gut sein, kann aber an keiner Stelle so richtig punkten und baut auch kein richtiges Feeling auf.
  • Frustfaktor: Der ist gegeben, da der Schwierigkeitsgrad plötzlich ansteigt.
  • Wiederspielwert: Um ehrlich zu sein, ist der eher nicht gegeben, sofern man nicht unbedingt jede Trophäe haben möchte.
  • Design/Stil: Man versucht, stilistisch an den chinesischen Zeichenstil orientiert zu sein, kann aber im normalen Gamedesign nicht wirklich überzeugen.
  • Musik:Die Musik ist ganz passend gewählt, aber vor allem an der Vertonung hätte man Dinge anders machen können.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4
Version: Standard
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 7 Monate
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