Dungeons 2 (PC) im Test - Aus dem Untergrund nach... recht weit oben

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thomary
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Dungeons 2 (PC) im Test - Aus dem Untergrund nach... recht weit oben

Beitragvon thomary » Di 5. Mai 2015, 14:48

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Die Hoffnung, dass es jemals noch ein Dungeon Keeper 3 geben könnte, haben Fans des Klassikers vermutlich schon längst aufgegeben. Doch was sind schon Namen, wo es mittlerweile doch genügend Wettbewerber auf dem Markt gibt, die sich ganz deutlich von Bullfrogs Klassiker inspirieren lassen. Der neueste unter den großen Kandidaten im Rennen ist Realmforge Studios‘ Dungeons 2. Ob man hiermit höllischen Spaß haben kann, klärt der Test.

Es ist Zahltag!

Dungeons 2 macht an vielen Stellen kein Geheimnis daraus, dass es sich an Dungeon Keeper inspirieren lässt. Doch das ist auch ganz gut so. Einige Objekte und Figuren sehen denen aus dem Klassiker ziemlich ähnlich, und der „Es ist Zahltag“-Kommentar des Erzählers sorgt natürlich für Nostalgie pur.

Apropos Erzähler: Wenn er uns das ganze Spiel über begleitet, so gibt er unheimlich viele irrwitzige Kommentare von sich, die nicht nur Videospiele an sich, sondern auch das vorliegende Dungeons 2, andere bekannte Reihen oder die Spielergemeinschaft mal so richtig aufs Korn nehmen. So richtig zünden kann der Humor aber nur in den ersten Stunden, denn erstens kommt es ganz gerne Mal zu Wiederholungen im Kommentare-Repertoire, zweitens werden Kommentare leider viel zu oft abgeschnitten, wenn ein weiterer ausgelöst wird, bevor der erste fertig war.

Das ist ein wenig schade, da der Umfang bzw. die Anzahl der Missionen nicht allzu groß ausfällt. Elf Missionen gibt es – Je nach Auftrag könnt ihr mit rund einer Stunde Spielzeit rechnen, sodass unterm Strich ungefähr gut zehn Stunden Spielzeit für die Kampagne herauskommen. Angesichts dieses nicht riesigen Umfangs hätten wir uns hier bessere Optimierungen gewünscht, wenn es um solche Dinge wie ausgelöste Events geht.

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Neue Spielmechaniken werden recht behutsam eingeführt.


Frische Gameplay-Ideen

Doch die Optimierung ist es, die an noch mehr Stellen in Dungeons 2 fehlt. Insgesamt wirkt das Spiel einfach nicht so rund und durchdacht, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Das ist zu einem großen Teil auch einem Element geschuldet, das eigentlich sehr viel frischen Wind ins Dungeon-Bau-Genre bringt: Den Aufenthalten an der Oberfläche.

Ja, ihr baut in Dungeons 2 nicht nur euer unterirdisches Verlies auf, sondern ihr schickt Kreaturen über Portale auch an die Oberfläche, um dort das ultimativ böse Unheil anzurichten. In dem Moment, in dem die Kreaturen durch das Portal kriechen, wechselt Dungeons 2 zur klassischen Echtzeitstrategie-Manier. Nun können die Figuren direkt gesteuert werden und nicht nur mit der dämonischen Hand aufgehoben und woanders abgesetzt werden.

Ganz grundsätzlich ist das zweigleisige Spieldesign ziemlich gut gelungen, denn zwei Minimaps und ein recht komfortables Auffinden eurer Kreaturen macht die Navigation auch bei Maps mit mehreren Ebenen recht leicht, doch im Detail zeigt Dungeons 2 ziemlich ärgerliche Unzulänglichkeiten. Dem Echtzeitstrategieteil fehlen selbstverständliche Funktionen wie zum Beispiel das Festlegen von Formationen, zudem hat die KI insbesondere bei der Wegfindung mit Problemen zu kämpfen (übrigens nicht nur an der Oberfläche). Somit verkommen einige Passagen trotz des an sich niedrigen Schwierigkeitsgrads gar zum Trial&Error-Prinzip. Wirklich scheitern kann man aber nicht, da Figuren im Dungeon sowieso nicht sterben und die an der Oberfläche besiegten können mit der richtigen Ausstattung im Dungeon wiederbelebt werden. Somit versucht man’s im Anschluss einfach nochmal. Ja, so schafft Dungeons 2 im Prinzip ein unwahrscheinliches Paradoxon zwischen hohem Frustfaktor und recht niedrigem Anspruch.

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Die Ausflüge an die Oberfläche laufen in "echter Echtzeit" ab.


Gelungener Dungeonbau

Die verbrachte Zeit unter Tage ist in Dungeons 2 somit insgesamt die gelungenere. Im Laufe der Kampagnen-Missionen werden neue Räume, Upgrades und Mechaniken nach und nach recht behutsam eingeführt, sodass man fast nie im Regen steht. Gleichzeitig entsteht so auch recht spät erst der Eindruck, ein echt böser Herrscher zu sein. Doch die humorvollen Missionsbeschreibungen und Erzähler-Auftritte vermitteln irgendwie doch auch dauerhaft den Eindruck, dass man eben doch böse genug ist – Immerhin machen wir ja auch Pferdefleischsalami aus dem unerhört guten Einhorn, dem das Glück aus allen Poren tropft. Sorry, das war jetzt ein Spoiler…

Dungeons 2 verfügt übrigens auch über zwei Fraktionen, denn neben der Horde darf man schließlich auch in der Kampagne die Kontrolle über die Dämonen übernehmen, die uns eigentlich als Bewohner anderer unterirdischer Verliese begegnen. Die beiden Fraktionen zeigen spielerisch keine wahnsinnig großen Unterschiede – In erster Linie wirkt es so, als seien für die gleichen Dinge möglichst unterschiedliche Beschreibungen und Designs verwendet worden. Einige Beschreibungen wie zum Beispiel die der Bewunderkammer können gar ziemlich verwirrend sein, obwohl die Mechanik nur unwesentlich anders funktioniert als die des Lazaretts der Horde.

Ansonsten ist auffällig, dass die Dämonen über wesentlich schwächere Kreaturen verfügen als die Horde, die dafür jedoch mit umfangreicheren und vielfältigeren Upgrades versehen werden können. Das Spiel mit den Dämonen kann in Dungeons 2 also differenzierter ausfallen, dafür machte sich bei uns der Eindruck breit, dass die beiden Klassen nicht ganz ausbalanciert sind. Wer das genauer austesten möchte, kann im Mehrspielermodus gegeneinander antreten.

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Die Dämonen-Fraktion weist einige frische Ideen auf, ist spielerisch aber nicht wirklich anders.


Technik von der soliden Seite

Glücklicherweise gehört die technische Seite von Dungeons 2 nicht dem Ultimativen Bösen an. Ganz im Gegenteil, die Jungs von Realmforge haben recht gute Arbeit geleistet. Auch bei größeren Dungeons oder Maps geht so die Framerate nur unwesentlich in die Knie, das einzige große Ärgernis im Technikbereich sind die schon erwähnten KI-Mängel. Ansonsten stören bei größeren Dungeons und bei schnellen Ortswechseln nur die Texturen, die über eine ganze Weile hinweg nachploppen – Das hätte nicht sein müssen!

Während die meisten Aktionen in Dungeons 2 relativ flüssig und problemlos von der Hand gehen, ist das präzise Aufnehmen von Figuren innerhalb des Dungeons mit der dämonischen Hand noch so ein kleines Problem. Hin und wieder möchte das Spiel nämlich nicht die richtigen Figuren anvisieren oder nimmt einfach irgendwen auf. Ein anderes Mal wird auch ohne Markierung die richtige Kreatur herausgepickt, manchmal wird dann aber auch etwas gänzlich anderes ausgewählt, wie zum Beispiel ein Objekt oder Gestein, das angeblich abgebaut werden soll. Auch hier wäre noch ein wenig mehr Feintuning nötig gewesen.

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Das Greifen der Figuren im Dingeon kann ziemlich unpräzise sein.


Fazit: Solider Dungeonbau mit Luft nach oben

Ein wenig mehr Umfang, mehr Anspruch, mehr Feintuning – Das wäre nötig gewesen, damit Dungeons 2 ein sehr gutes modernes Dungeon Keeper wird. So verströmt der Titel zwar aktuell den Charme des Klassikers und ist vollgepackt mit irrwitzigem Humor, der leider nicht immer ganz zur Geltung kommt, weist aber sonst einige Schwächen auf, die mitunter ziemlich ärgerlich sind.

Die Kombination aus unterirdischem Dungeonbau mit indirekten Kreaturenbefehlen und den oberirdischen, „echten“ RTS-Sequenzen ist in Dungeons 2 zwar an sich nahtlos und flüssig gelungen, leidet aber an fehlenden Features wie Einheitenformationen und Stellen, die zwar an sich einfach sind, aber durch diverse KI-Mängel dennoch nach dem Trial & Error Prinzip ablaufen können. Immerhin ist ein Scheitern der Mission nahezu nicht möglich. Ansonsten sind es immer wieder kleinere Mängel bei Technik und Bedienung, die den Spielspaß in Dungeons 2 bremsen können. Ein empfehlenswerter Zeitvertreib ist der Titel dennoch.

Pro Contra
+ Gelungenes Design, klassischer Charme, bepackt mit Humor… - … der durch Wiederholungen und technische Einschränkungen nicht immer zur Geltung kommt
+ Prinzipiell gelungene Kombination aus Dungeonbau und RTS an der Oberfläche - Einige Unzulänglichkeiten im Echtzeitteil (z.B. ungenaue Einheitenformation)
+ Gelungene Missionen, die Spielmechaniken nach und nach einführen - Umfang insgesamt nicht allzu groß
+ Viele verschiedene Gebäude und Forschungsmöglichkeiten - Spielbare Fraktionen mit zu wenig echten Unterschieden
+ Insgesamt auch bei größeren Dungeons flüssiger Spielablauf - KI mit teils starken Wegfindungsproblemen
- Aufploppende Texturen


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Technik: 73

  • Grafik: 83
  • Sound: 70
  • Gameplay: 72
  • Umfang: 76
  • KI: 64

Spielspaß: 79

Einzelspieler:

  • Story: Eine ziemlich humorvoll erzählte Story rund um das ultimative Böse, die leider nie so richtig an Fahrt aufnimmt und auch recht schnell zu Ende ist.
  • Wiederspielwert: Recht hoch – Vor allem durch die Gefechtsmaps und den vorhandenen Multiplayermodus kann man mit Dungeons 2 immer mal wieder Spaß haben.
  • Frustfaktor: Durch einige Gameplayeinschränkungen und –Ärgernisse trotz des eher niedrigen Schwierigkeitsgrades stellenweise recht hoch.
  • Design/Stil: Insgesamt sehr klassisch & stimmig.
  • Musik/Sound: Insgesamt eher unauffällig, aber solide. Lediglich der Sprecher sticht durch seinen Humor hervor, ist aber gleichzeitig etwas aufdringlich und kann mit Wiederholungen und abgebrochenen Äußerungen auch nerven.

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 7 Professional (64 bit)


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