Farm-Experte 2016 (PC) im Test - Pflügen statt Grubbern: Die bessere Wahl?

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Farm-Experte 2016 (PC) im Test - Pflügen statt Grubbern: Die bessere Wahl?

Beitragvon thomary » Do 28. Mai 2015, 10:30

Der Landwirtschafts-Simulator ist seit einigen Jahren der Platzhirsch im Simulatoren-Genre, aber insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich gibt es unzählige Konkurrenten, die dem Primus das Wasser zu reichen versuchen. Ein aktueller Anläufer ist der Farm-Experte 2016 von Publisher Ravens Court. Ob uns dieser überzeugen und zum Ackerbau anleiten kann, verrät der Test.

Aus grubbern wird pflügen

Um den Einstieg zu erleichtern, bietet der Farm-Experte 2016 den „Karrieremodus“, der mit einem umfangreichen Tutorial gleichzusetzen ist. In rund zwei Stunden Spielzeit werden hier die Grundlagen des Spieles vermittelt, leider aber nur bezüglich des Ackerbaus: Obstanbau und Tierzucht werden nicht thematisiert.

Dennoch ist die „Karriere“ hilfreich, denn das Bearbeiten des Feldes vom Pflügen (nein, den Grubber müsst ihr in Farm-Experte 2016 leider eingepackt lassen, das heißt hier „Pflug“) über das Bestellen bis hin zum Säen und Ernten wird hier Schritt für Schritt erklärt und muss jeweils einmal ausprobiert werden. Zwischenzeitlich werden auch noch Gerätehändler und das „landwirtschaftliche Geschäft“ aufgesucht, um neues Gerät bzw. Samen zu kaufen.

Das Tutorial erwies sich bei uns an einigen Stellen als ungemein bockig, denn gleich zwei Mal löste nach Erfüllung der aktuellen Aufgabe nicht die nächste aus. Irgendwann „bemerkte“ der Farm-Experte 2016 dann unseren bereits erbrachten Fortschritt, was aber zum Ergebnis hatte, dass wir nochmal über die ganze Map gurken mussten, da sich dort die Punkte zum Fortsetzen der Einführung befanden. Das zog unser Tutorial noch ein wenig unnütz in die Länge.

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Mähdrescher in Cockpit-Ansicht.


Freies Spiel: Ackerbau, Obstanbau, Tierzucht

Wer das Tutorial überstanden hat, kann sich dem freien Spiel zuwenden, muss aber den Farm-Experte 2016 zunächst neustarten, denn von einem Modus in den anderen kann man nur vom Hauptmenü aus wechseln, welches man aber aus dem Spiel heraus nicht erreicht. Im freien Spiel ist es eure Aufgabe, wie schon aus dem Landwirtschafts-Simulator bekannt, aus eurem eigenen Bauernhof ein gewinnbringendes Unternehmen zu machen.

Der Farm-Experte 2016 bietet erfreulicherweise direkt einen recht angenehmen Einstieg, denn es stehen schon grundsätzliche Geräte zur Verfügung und darüber hinaus verfügt man bereits über einige Tiere, die jeden Tag Geld abwerfen. Das sind zunächst Hühner und Kühe, Einnahmen erzielt man somit durch Eier und Milch. Die Tierzucht ist im Farm-Experte 2016 endlich wenigstens etwas tiefgehend, denn erstens muss man dafür sorgen, dass ständig Futter für die Tiere vorhanden ist, zweitens muss man ältere Tiere verkaufen, bevor sie an Altersschwäche sterben und dann neue Tiere erwerben. Wirklich komplex ist das Ganze trotzdem nicht, denn wer das Futter nicht selbst herstellen möchte oder kann, kann es auch einfach im Geschäft kaufen, und sonst heißt quasi nur abwarten und Gewinne kassieren.

Der Obstanbau ist im Prinzip sogar die einfachere Alternative zum gewöhnlichen Ackerbau, benötigt aber sehr lange, um überhaupt Geld abzuwerfen: Wer Bäume anpflanzt, nachdem Felder in Obstplantagen umgewandelt und ggf. noch gedüngt wurden, muss tatsächlich mehrere Jahre (!) im Spiel warten, ehe die Bäume oder Büsche Früchte tragen. Der Farm-Experte 2016 bietet glücklicherweise die komfortable Funktion, in der Zeit nach vorne zu springen, leider aber immer nur bis zum Ende des Monats, darüber hinaus muss sogar noch der letzte Tag des Monats einzeln abgewartet werden, sofern das nötig ist. Auch das Wachstum des Getreides läuft übrigens in realistischen Zeiträumen, sodass man die „Vorspul-Funktion“ mit Bedacht einsetzen sollte, damit die Ernte nicht verdirbt. Doch wie gesagt, weiter als einen Monat geht sowieso nicht.

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So sieht das Menü zum "Vorspulen" aus.


Muss ich denn alles alleine machen?

Der Farm-Experte 2016 verfügt über eine Art Levelsystem, sodass unsere Fortschritte nicht nur an den Finanzen sichtbar sind. Es gibt unzählige Fähigkeiten, die automatisch aufgelevelt werden und diverse Boni bringen (sollen): Mit mehr Fahrpraxis spart ihr beispielsweise Treibstoff und die Fahrzeugabnutzung reduziert sich. Letztere ist ein cooles Element im Farm-Experte 2016, denn Maschinen verursachen nicht einfach irgendwelche täglichen Kosten, sondern sie müssen regelmäßig repariert werden und können sogar unbrauchbar werden – Auch, wenn man mit ihnen ins Wasser fährt… Selbst angestoßen werden müssen im Gegensatz dazu die Gebäudeupgrades, also z.B. die Vergrößerung eines Stalles oder der Kauf eines weiteren Feldes, wofür man natürlich das nötige Kleingeld mitbringen muss. Zur Not stellt die Bank Kredite zur Verfügung, die in täglichen Raten plus Zinsen zurückgezahlt werden.

Wie spannend das Grub… Ähm, Pflügen und Besäen von Feldern auf Dauer sein kann, wissen wir bereits, und so bietet auch der Farm-Experte 2016 die Möglichkeit, Helfer einzustellen. Bei uns konnte sich das Spiel nicht entscheiden, ob die Funktion gleich oder erst nach dem ersten Jahr zur Verfügung steht, eigentlich sollte Letzteres der Fall sein. Die Kosten für die Helfer werden nicht nach Zeit, sondern nach Größe des Feldes berechnet und sie machen ihre Aufgabe wirklich ordentlich. Wenn sie fertig sind, sind in der Regel tatsächlich 100% des Feldes bearbeitet.

Wir selbst haben das nicht so hundertprozentig hinbekommen, denn das Gerät zu steuern kann in einigen Fällen gar nicht so leicht sein. Die grundsätzliche Fahrphysik im Farm-Experte 2016 fällt erfreulich realistischer und auch besser als im LWS aus. Unebenheiten auf der Straße und sogar die Furchen auf dem Acker sind deutlich spürbar. Zudem muss man auf die richtige Geschwindigkeit achten, da zum Beispiel die Motoren überhitzen können oder Ernte verloren geht, sobald man zu schnell unterwegs ist. Sobald es aber an Kollisionen geht, wird’s wieder alptraumhaft. Beispielsweise stellen auch die Passanten, mit der man der Spielwelt Leben einzuhauchen versucht, unüberwindbare Hindernisse für einen Traktor dar…

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Ups! Eine Wasserlandung schadet dem Gefährt!


Schöne Kulisse und endlich (!) Musik

Auch wenn die gerade genannten Passanten weniger gelungen sind, so hat man sich mit den beiden Maps im Farm-Experte 2016 durchaus um hübsche Kulissen und Detailreichtum bemüht. Sowohl die „Alpen“- als auch die „Europa“-Karte haben uns mit Stil und Aussehen überzeugt. Die Umgebung ist ziemlich weitläufig und eben auch mit einigen NPCs bevölkert, wodurch wir uns nicht allzu alleine fühlen. Deren KI im Straßenverkehr ist aber sehr fragwürdig, denn entweder sie stecken pauschal sowieso im Boden, oder aber sie halten an, nur wenn sie uns auf Kilometer Entfernung wittern.

Technisch gibt’s im Farm-Experte 2016 viel Licht und ebenso viel Dunkel. Die Kulissen sehen so nicht nur hübsch aus, sondern können auch mit netten Licht- und Schatteneffekten aufwarten. Leider gibt’s aber trotz Anti Aliasing Kantenflimmern ohne Ende, was an einigen Stellen wirklich nicht schön ausschaut. Dafür läuft der Farm-Experte 2016 auf unserem System auf höchsten Einstellungen und in Full HD absolut flüssig, Abstürze sind uns nicht untergekommen.

Übrigens fällt das Pflügen und Säen im Farm-Experte 2016 tatsächlich ein bisschen spannender als in der Konkurrenz aus, denn es gibt endlich Musik, sobald man in den Traktor steigt! Diese ist von Country inspiriert und standardmäßig viel zu laut eingestellt, eignet sich aber bei geringer Lautstärke wunderbar als Hintergrunduntermalung, wenn man keine eigene Musik einspielen möchte. So hat sie fast eine entspannende Wirkung, wenn man mal wieder auf dem Feld unterwegs ist oder einen der langen Fahrtwege auf sich nehmen muss. Sämtliche Händler im Spiel müssen nämlich tatsächlich angefahren werden und sind nicht über ein Schnellmenü erreichbar – Das kann teilweise nerven, ist aber im Prinzip ja auch realistisch so.

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Die Kulissen können wirklich überzeugen.


Fehlende Lizenzen, fehlender Multiplayer

Einige Hardcore-Landwirte könnten vom Farm-Experte 2016 möglicherweise zumindest in einer Hinsicht enttäuscht sein, denn nicht alle Fahrzeuge sind lizenziert und einigen sieht man das auch ganz deutlich an, zudem fällt die Gesamtauswahl an Fahrzeugen nicht allzu groß aus. Doch auch die echten Markengeräte sind nicht so detailliert nachgebaut wie im Landwirtschafts-Simulator, auch die Sounds fallen nicht ganz so realistisch aus. Uns hat das nicht gestört, doch wer in diesem Bereich auf Realismus setzt, könnte eben doch enttäuscht werden.

Eigentlich sollte der Farm-Experte 2016 auch über einen Mehrspielermodus verfügen, doch dieser steht bis zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung – Wie man dem Community Hub bei Steam entnehmen kann, soll der Mehrspielermodus am 3. Juni nachgereicht werden, da die Entwickler noch mit den Feinarbeiten beschäftigt sind.

Fazit: Der gelungene Landwirtschafts-Simulator

Der Farm-Experte 2016 hat uns im Test ein wenig mehr überzeugt als der Genre-Primus, da er an genau den richtigen Stellen einhakt: Endlich gibt es zumindest eine etwas tiefgehendere Tierzucht, der Realismus des Obstanbaus überzeugt und auch die realistischere Fahrphysik (abgesehen von der Kollisionsabfrage) auf dem Feld hat uns überzeugt. Auf Elemente wie die Forstwirtschaft muss man im Farm-Experte 2016 aber verzichten, ebenso kann für Farm-Enthusiasten der Realitätsgrad durch teilweise fehlende Lizenzen geschmälert werden. Technisch kann der Farm-Experte 2016 mit einer flüssigen Darstellung, hübschen Kulissen und Absturzfreiheit überzeugen, am schlimmen Kantenflimmern müsste aber noch geschraubt werden. Somit ist der Farm-Experte 2016 ein sehr solider Genrevertreter und sollte im Casting zu „Spieler sucht Landwirtschafts-Simulator“ zumindest in die engere Auswahl gezogen werden.

Pro Contra
+ Ackerbau, Obstanbau und Viehzucht - Extrem starkes Kantenflimmern
+ Durch Fertigkeitensystem Fortschritt von Beginn an erkennbar - Schreckliche Kollisionsabfrage
+ Ordentliche Fahrphysik auf dem Feld - Fehlende Lizenzen bei Fahrzeugen
+ Hübsche Kulissen - Tutorial verschweigt Obstanbau und Viehzucht
+ Realistische Kosten (Reparaturen) und Einnahmen - Tutorial buggy
+ Musik in Fahrzeugen - Unübersichtliche Menüs
- Multiplayer nicht zum Launch fertig


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Technik: 69

  • Grafik: 60
  • Sound: 75
  • Gameplay: 79
  • Umfang: 80
  • KI: 51

Spielspaß: 79

Einzelspieler:

  • Wiederspielwert: Recht hoch. Der Farm-Experte 2016 bietet viele Felder, die bebaut werden können und zudem kann der Ausbau des Bauernhofs motivieren.
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden.
  • Design/Stil: Die Kulissen überzeugen, technisch stört das extrem starke Kantenflimmern.
  • Musik/Sound: Die Soundkulisse ist recht solide, und es gibt Musik beim Traktorfahren!

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Danke an Koch Media für die Bereitstellung vom Farm-Experte 2016!

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 7 Professional (64 bit)


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Re: Farm-Experte 2016 (PC) im Test - Pflügen statt Grubbern: Die bessere Wahl?

Beitragvon MaruTaruBaru » Fr 29. Mai 2015, 10:11

wow, endlich kommt der Titel mal einer richtigen Lanswirtschafts-Simulation nahe
das Geld, was mit Lizenzen gesparrt wurde, ist wohl wunderbar in die Spielentwicklung selbst geflossen

aber es bleibt trotzdem einer Tradition treu: kaputt/buggy und unübersichtlich wie hölle
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