0rbitalis (Steam) im Test - Frustige Satelliten-Puzzle-Simulation

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
Benutzeravatar
Meykota
Chefredaktion
Beiträge: 5289
Registriert: So 4. Mai 2014, 14:51
Zocker-Vorliebe: Only on PlayStation!
Wohnort: London
Hat sich bedankt: 672 Mal
Danksagung erhalten: 1419 Mal
Kontaktdaten:

0rbitalis (Steam) im Test - Frustige Satelliten-Puzzle-Simulation

Beitragvon Meykota » Di 2. Jun 2015, 19:28

Noch vor einiger Zeit zählten Simulatoren eher zu peinlichen Nebenerscheinungen der Videospielgeschichte, auch wenn sie sich bereits damals eine kleine Fanbase sichern konnten. Mittlerweile jedoch erleben Simulatoren und Tycoons, die trotzdem unter dem Namen Simulator erscheinen, einen zweiten Sommer und können sich über immer mehr Themengebiete freuen, die den Spielern geboten wird. 0rbitalis nun bietet euch eine Art Simulation, bei der ihr euren eigenen Satelliten ins Weltall schicken könnt, doch ob es sich dabei tatsächlich um eine Simulation handelt und ob ihr überhaupt einen Blick in die unendlichen Weiten werfen solltet, verraten wir euch in unserem Test zum Steam-Spiel.

Bild


Das ist doch kein Simulator?

0rbitalis wird auf Steam damit beworben, dass es sich um einen Simulator handelt, bei dem man kleine Satelliten ins Weltall schicken muss. Das ist so nicht ganz zutreffend, denn mit einem Simulator hat das Ganze recht wenig zu tun. Beispielsweise fehlt es an verschiedenen Informationen wie Flughöhe, Fluggeschwindigkeit, Widerstand oder auch Gewicht und Anziehungskraft sowohl von den entsprechenden Planeten als auch vom Satelliten selbst. Lasst euch also nicht von der Beschreibung ablenken, 0rbitalis ist nichts anderes als ein fieses Rätelspiel, dass das Trail & Error Prinzip verdammt stark ausreizt.

Eure Aufgabe in 0rbitalis klingt simpel: Ihr schickt einen kleinen Satelliten in die Umlaufbahn verschiedener Planeten und müsst ihn so ausrichten, dass er eine bestimmte Anzahl an Sekunden überlebt. Überleben heißt in dem Fall: Die Zeit zwischen Abschuss und Aufprall auf einem Objekt. Das ist jedoch, wie gesagt, weitaus schwieriger als es hier klingen mag, doch dazu gleich mehr. Kommen wir zunächst einmal zum äußerst holprigen Einstieg.

Wer auf eine Tutorial- und/oder Aufwärmphase hofft, wird ziemlich in die Röhre gucken, da man gleich zu Beginn einfach in das Spiel hineingeworfen wird. Es gibt weder eine Erklärung, was ihr tun müsst, noch wie ihr es tun müsst und schon gar nicht wird euch erklärt, was der Sinn des Ganzen ist. 0rbitalis setzt hierbei ganz schön darauf, dass sich die Spieler einmal mit dem Spiel auseinandersetzen, doch nicht immer ist dieses System so unheimlich praktisch gewählt. Viele Spieler würden sich eher dazu entscheiden, es wieder auszuschalten, statt ihm eine Chance zu geben. Was in Anbetracht des Gameplays ziemlich nachvollziehbar ist.

Bild


Millisekunden und Nanometer

Wir erwähnten bereits, dass das Gameplay in 0rbitalis verdammt tricky ist und im Grunde nur auf dem Versuch des Scheiterns basiert. Ihr steuert euren Satelliten zwar mit der Maus, müsst jedoch auf alles andere achten, da sich im Weltall alles bewegt: Euer Startpunkt bewegt sich ebenso wie die anderen Objekte im jeweiligen Sternennetz. Das wiederum bedeutet, dass es auf jede Millisekunde und fast schon auf jeden Nanometer, da jede sogar falsch gedrehte Maus dazu führen kann, dass euer Satellit innerhalb eines äußerst kurzen Zeitraumes mit einem Objekt kollidiert. Und das wiederum ist unheimlich frustrierend, da man auch nur erahnen kann, wohin eigentlich der Satellit fliegen wird.

Hat man eine grobe Zielrichtung gefunden, läuft einem die Zeit jedoch fast davon, da sich wie gesagt, alles bewegt. Ihr müsst also im Grunde eure Maus in der gleichen Geschwindigkeit bewegen wie sich auch die anderen Objekte im Weltall bewegen und dann im richtigen Moment drücken, damit der Satellit möglicherweise so startet wie er soll. Ist der kleine Satellit erst einmal ins All entlassen, habt ihr auch keinen Einfluss mehr darauf, wohin er denn nun fliegen wird. Leider ist das alles nicht unbedingt ausgereift und oft fliegt der Satellit auch absolut grundlos einen Bogen. In der Nähe von Objekten verstehen wir das, da dann die Anziehungskraft der jeweiligen Objekte dazu beiträgt, dass wir unsere Richtung ändern, doch grundlos im Weltall die Richtung ändern, entzieht sich uns jeglicher Logik.

Bild


Doch möglicherweise besteht genau hier rin der Reiz des Ganzen, sodass man immer wieder versuchen wird, doch noch den Satelliten zu steuern. Frustrierend ist es trotzdem und wird garantiert nur diejenigen wirklich ansprechen, die einen Geduldsfaden aus Diamanthaar besitzen. Viele andere Spieler werden jedoch eher einen Bogen machen, auch wenn 0rbitalis vor allem durch die passende musikalische Untermalung ein spannendes Konzept aufweist. Doch Trial & Error ist bei vielen Spielern eher ein eigenes Trial & Error Prinzip.

Hinzu kommt noch, dass 0rbitalis ziemlich repetitiv ist, da jedes Level im Grunde gleich abläuft und eine spannende Abwechslung lange gesucht wird. Selbstverständlich unterscheidet sich immer mal wieder die Anzahl an Planeten und Sonden, aber im Grunde verläuft alles immer genau gleich - auch wenn es den Anschein erweckt als sei dies nicht der Fall. Schade, denn aus der Idee hätte man etwas so Schönes zaubern können.

Bild
Satelliten-Vergleich

Habt ihr es dennoch einmal geschafft, euren Satelliten über die bestimmte Zeit am Leben zu halten, so erhaltet ihr einen Einblick in die Bestenliste für den jeweiligen Planeten. Das ist zwar ziemlich cool gemacht, da man sehen kann, wer mit welcher Zeit auf dem ersten Platz ist und auch seine eigene demotivierende Platzierung wird angezeigt: Gerade zu Beginn eines Levels ist man eigentlich nur froh, wenn man den Satelliten eine gewisse Zeit am Leben gehalten hat. Da ist es einem fast egal, auf welchem Platz der Weltrangordnung man nun eigentlich ist. Allerdings lässt die Auflistung einer kleinen Statistik, die anzeigt, wie viele Spieler wie viele Sekunden überlebt haben, 0rbitalis kurzerhand einfrieren. Das ist echt nervig, aber nach ein paar Sekunden müsste es sich wieder fangen.

Wer sich übrigens nicht unbedingt nur bei den normalen Leveln mit den anderen messen möchte, kann sich auch immer die aktuelle Tagesaufgabe anschauen. Hierbei handelt es sich um eine zufällig generierte Map, auf der ihr gleich drei Satelliten lenken dürft, allerdings gibt es hier keine Zeit, die ihr erreichen müsst: Ihr müsst einfach nur lange genug überleben und dann in der Bestenliste einen guten Rang erreichen. Die größte Schwierigkeit an der ganzen Sache besteht darin, dass ihr keinen der drei Satelliten verlieren dürft. Kollidiert einer, ist die ganze Runde vorbei und ihr könnt es nochmal versuchen. Wenn ihr die normalen Level schon schwierig fandet, werdet ihr hier vermutlich direkt in euren PC beißen.

Ich baue mir ein Weltall

Wer selbst einmal sein Glück darin probieren möchte, ein eigenes Level zu erstellen, wird auch hier leider ins offene Messer rennen. Wieder einmal fehlt es an einem Tutorial und entsprechenden Erklärungen. Wieder einmal wird man einfach ins kalte Wasser geschmissen, obwohl gerade der Editor ein hilfreiches Tutorial gebrauchen könnte. Im Editor hat das Ganze nämlich halbwegs Simulator-Charakter: Ihr müsst die Größe, Anzahl und den Bewegungsradius der einzelnen Objekte einstellen, doch welche Einstellung für was steht, das verrät euch das Spiel nicht. Da müsst ihr schon ganz alleine draufkommen und euch durchprobieren. Habt ihr euer Level gespeichert, wird es der ganzen Community im Workshopbereich zur Verfügung gestellt und ihr könnt dafür bewertet werden. Leider könnt ihr hier keinerlei Einstellungen vornehmen, ob ihr den Level tatsächlich allen zur Verfügung stellen wollt: Drückt ihr auf Speichern, wird der Level hochgeladen.

An sich ist der Editor wirklich eine interessante Abwechslung, doch leider fehlt es ihm an einer Hilfestellung für die Spieler, sodass man auch weiß, was man da eigentlich gerade genau einstellt. Selbstverständlich könnt ihr euch auch einfach durch alles durchprobieren und auch im Editor dem Trial & Error Konzept folgen.

Bild


Auf ins Weltall?

0rbitalis ist kein Spiel für zwischendurch und auch keines für Ungeduldige. Es folgt dem Trial & Error Prinzip auf einer verdammt hohen Stufe und neigt aus diesem Grund zu einem verdammt hohen Frusfaktor. Hinzu kommt noch, dass nicht immer nachvollziehbar ist, wie sich der Satellit bewegt und warum er gerade irgendwas tut. Auf Steam wird 0rbitalis als Simulator beschrieben, wir würden es eher als Hardcorepuzzler bezeichnen, denn ein Simulator ist es nicht, da fehlen bestimmte Aspekte, auf die man eingehen hätte können.

Auch wenn sich unsere Review so liest, als ob 0rbitalis ein richtig schlechtes Spiel ist, so ist es dies absolut nicht. Es ist schwierig, es ist anspruchsvoll und es macht nicht das, was es eigentlich tun sollte, allein das machen 0rbitalis zu einem besonderen Stück Software, dem einfach ein bisschen mehr “Sinn” gefehlt hätte. Ein Tutorial und andere Hilfestellungen wären nicht schlecht, sodass man nicht jedes Mal ins kalte Wasser geschmissen werden würde und eine entsprechende Abwechslung im Gameplay wäre auch schön und wünschenswert. 0rbitalis wirkt wie ein Spiel, das sich aktuell noch im Early Access befindet, leider allerdings noch nicht so als hätte man es mit einem vollständigen Spiel zu tun.

0rbitalis ist nicht für jeden geeignet, sondern eher für die Spieler, die sich gern mal einen Zahn am Bildschirmrand ausbeißen und sich durch verschiedene Level tüfteln wollen. 0rbitalis spricht einen kleinen Teil eines Nischengenres an. Wir würden es auch nur diesen Spielern empfehlen, da es für den Großteil wohl eher ungeeignet wäre - vor allem, wenn man mit Trial and Error nicht sonderlich viel anfangen kann und lieber Spaß bei einem Spiel verspüren möchte.

Pro Contra
+ Ziemlich interessantes Konzept - Fehlende Tutorial und Hilfen
+ Viele verschiedene Level - Sehr hoher Frustfaktor
+ Editor zum Erstellen eigener Level - Kein Simulator im eigentlichen Sinne
+ Tägliches Level - Unheimlich repetitiv
+ Statistiken - Kein Einfluss auf Satellit nach Abschuss
+ Passende Grafik, passender Soundtrack - Trial & Error
- Flugbahn des Satelliten nicht immer nachvollziehbar
- Editorlevel wird automatisch im Steam Workshop veröffentlicht
- Einstellungen sind nicht nachvollziehbar


Bild
Technik: 50
  • Grafik: 70
  • Sound: 80
  • Umfang: 60
  • Gameplay: 32
  • KI: 10

Spielspaß: 25
  • Story: Eine Geschichte, einen Sinn gibt es nicht. Ihr habt keine Ahnung, warum ihr diesen armen Satelliten ins Weltall schicken müsst. Leider wiederholt sich auch alles viel zu oft in der Art und Weise, es erfolgt ziemlich viel ohne Abwechslung.
  • Frustfaktor: Der ist verdammt hoch! Vor allem deswegen, da man so gut wie keinen Einfluss auf irgendwas hat und entsprechende Erklärungen, Tutorials oder irgendwas in der Art komplett fehlen. 0rbitalis ist in absolut jeder Hinsicht ein Trial & Error Spiel.
  • Wiederspielwert: Wenn man seine mühsam erkämpfte Bestzeit überbieten möchte, wird man wohl noch mal einen Blick riskieren müssen.
  • Design/Stil: Stilistisch versucht man das Weltall auf ziemlich simple, aber trotzdem ganz angenehme Weise darzustellen.
  • Musik: Die Musik ist immer passend und stört an keiner Stelle im Spiel.




Direkt zur Flickr-Galerie
Besuche den Autor bei: Facebook | Twitter

A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads a book lives only one.

Tags:
Advertisement

Zurück zu „Testberichte“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast