Amnesia: Memories im Test - Gelungene Visual Novel auf der PlayStation Vita

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Amnesia: Memories im Test - Gelungene Visual Novel auf der PlayStation Vita

Beitragvon Meykota » So 23. Aug 2015, 17:46

Auf dem PC feierten sogenannte Visual Novels bereits vor einer ganzen Weile ihr großes Debüt, mittlerweile kann man sich bei Steam oder ähnlichen Plattformen ganz verschiedene Geschichten anschauen, in unterschiedliche Welten abtauchen, mal mit Entscheidungen, mal ohne. Auf anderen Plattformen hält sich diese Form der „Literatur“ noch zurück und tritt nur selten in Erscheinung. Idea Factory bringt jedoch nun eine Visual Novel auf die PlayStation Vita, die einen zweiten oder dritten Blick Wert sollte: Wir haben unseren Blick jedoch auch hinter die Fassade von Amnesia: Memories geworfen und verraten euch im Test, ob der Titel nur für Mädchen geeignet ist.

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Ein Universum ohne Erinnerungen

Alles begann mit einem Spiel für die PlayStation Portable im Jahr 2011: Das erste Mal ließ idea Factory eine junge Frau aufgrund eines Unfalls ihre ganzen Erinnerungen verlieren und ein Geistwesen namens Orion in ihren Kopf einziehen, um ihr beim Erinnern zu helfen. Idea Factory landete damit einen ziemlichen Hit in Japan, der zwei weitere Spiele, verschiedene Bücher und sogar einen Anime nach sich zog. Mittlerweile findet die Reihe Amnesia nicht nur ihren Weg auf die PlayStation Vita, sondern auch erstmals seinen Weg in den Westen. Und genau da kommen wir ins Spiel und werfen einen ausführlichen Blick zunächst auf die Story von Amnesia: Memories.

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Wie bereits erwähnt, schlüpft ihr in Amnesia: Memories in die Rolle einer jungen Frau, die aufgrund eines misslichen Umstands ihr Gedächtnis verloren hat. Gerade so kann sie sich an ihren Namen erinnern, aber dann war es das auch schon. In unserem Dämmerungszustand werden wir von einem Geistwesen besucht, das auf den Namen Orion hört und schwört, dass er wirklich nicht der Böse ist. Dumm nur, dass wir eher durch seine Anwesenheit unser Gedächtnis verloren haben. Natürlich hat er damit nichts zu tun, schon klar. Dieser Anfang dient im Grunde dazu, dass wir unseren Weg wählen und uns für eine Welt entscheiden, in der wir gewohnt haben. Besonders beim ersten Durchlauf ist das verwirrend, da wir keine Ahnung haben, was sich hinter der Herz-Welt oder den drei anderen Welten verbirgt. So Mädchen wie wir nun einmal sind, haben wir uns beim ersten Mal für die Herz-Welt entschieden und sind gleich in einer etwas merkwürdigen Welt gelandet, denn der Typ, mit dem wir angeblich zusammen sind, ist ein Rüpel – zumindest nach außen hin.

Während ihr euch jedes Mal in den Welten neu orientieren müsst, gibt es auch gewisse Parallelen wie zum Beispiel das Maid-Café, in dem Toma arbeitet oder auch die Schule, die Shin besucht. Doch jede Welt gibt euch im Grunde einen anderen Jungen, der euch am Herzen lag, doch dazu gleich mehr. Und in jeder Welt wird auch anderes auf euch reagiert, mal mag euch Toma, weil ihr wie eine kleine Schwester seid, mal ist das ganz schön anders. Im Grunde besteht eure Aufgabe darin, eure Erinnerungen wiederzubekommen – hin und wieder werden euch auch sogenannte Flashbacks erwarten, die ihr selbst einzuordnen habt.

Wen soll ich lieben?

Ja, Amnesia: Memories ist eine Visual Novel für Mädchen, wenn man es genau nimmt. Immerhin habt ihr es mit verschiedenen Jungs zu tun, die euch alle erzählen, dass sie mit euch zusammen waren. Eure Aufgabe besteht darin, zu erkennen, wer wirklich mit euch zusammen war – doch das ist je nach ausgewählter Welt unterschiedlich. Wählt ihr die Herz-Welt zum Beispiel, so ist euer Love Interest automatisch Shin. Eine wirklich große Entscheidung gibt es nicht, ihr wählt euren Freund im Grunde dadurch aus, dass ihr euch für eine Welt entscheidet. Habt ihr euch für eine Welt entschieden, gibt es nur IHN, nur diesen einen einzigen. Man könnte das jetzt als platt bezeichnen, aber da gibt es noch die andere Seite, die das Ganze etwas tiefer gestaltet.

Zwar wisst ihr in jeder Welt, mit wem ihr zusammenkommen sollt, doch ob ihr auch mit ihm zusammenkommt, hängt ganz von euren Antworten ab. Über Dreieck könnt ihr das Menü öffnen und dort findet sich auch einen Bereich, der euch verschiedene Parameter anzeigt, die euch wieder aufzeigen, wie verliebt ihr oder euer Gegenüber ist. Auf diese Weise erhaltet ihr einen ziemlich guten Überblick, wie weit ihr schon seid und ob das Ganze auch klappen könnte. Aber genau genommen ist das alles ein Trial and Error Ding, da man gerade beim ersten Mal nicht weiß, wie die Figuren ticken. Man muss erst, wie auch im richtigen Leben, ein Gefühl für die verschiedenen Charaktere bekommen, um auch die richtigen Antworten zu treffen. Das braucht ein bisschen Zeit und geht nicht von jetzt auf gleich.

Das heißt, dass auch Amnesia: Memories kein Spiel ist, dass man mal eben spielen kann, man sollte sich ein wenig mit dem Spiel beschäftigen. Auch wenn es natürlich durch das einfache Speichern (entweder über L1 oder direkt übers Menü) trotzdem für unterwegs geeignet ist. Man sollte sich eben nur darauf einlassen. Ansonsten ist Amnesia Memories übrigens auch nicht unbedingt leichte Kost, was uns auch Orion immer wieder deutlich macht: Während man mit all seinen Erinnerungen eigene Beziehungen schafft, ist man ziemlich aufgeschmissen, wenn es plötzlich keine Erinnerungen mehr gibt und man sich automatisch auf das verlässt, was einem andere Menschen erzählen. Orion erklärt das Ganze sehr schön. Denn es könnt ja sein, dass jemand zu euch kommt und euch plötzlich erzählt, ihr würdet ihm ganz viel Geld schulden, obwohl das gar nicht der Fall ist.

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Unter der Haube

Amnesia: Memories weist einen recht schönen Grafikstil auf, auch wenn die Figuren stellenweise zu feminin wirken und sich Shin und Toma ziemlich ähneln. Wir dachten erst, dass wir es hier mit Brüdern zu tun haben, was jedoch nicht der Fall ist. Ansonsten sind alle Charaktere sehr hübsch gestaltet und auch mit vielen verschiedenen Details versehen, sodass auch der Wiedererkennungswert sehr hoch ist. Amnesia: Memories ist zudem auf Englisch, dem man jedoch recht gut folgen kann, wenn man sich ein wenig mit Englisch auskennt. Schulenglisch könnte fast etwas problematisch werden, aber da empfehlen wir euch ein Wörterbuch, um eventuelle Dinge nachzuschlagen.

Neben den englischen Untertiteln kommt Amnesia: Memories mit japanischer Tonspur daher, was uns eher nicht so gut gefällt, weil wir manchmal ganz gern einfach nur den Stimmen lauschen, aber das ist wirklich eine Geschmackssache. Wir waren dafür von den Charakteren und ihren Geschichten ziemlich begeistert, auch wenn Amnesia Memories eben doch auch leichtere Schwächen hat, vor allem was eben doch die angebliche Entscheidungsfreiheit angeht.

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Toma und Shin


Fazit: Liebesduell auf PlayStation Vita

Amnesia: Memories bringt der PlayStation Vita eine Visual Novel, die diese noch nicht gesehen hat – Das Genre an sich ist eher unbekannt auf Sonys Handheld und dennoch haben die Jungs von idea Factory einen guten Job gemacht. Die Geschichte ist interessant und fordert uns immer wieder auch zum Nachdenken auf, kann jedoch nicht ganz so viel Tiefe aufweisen wie andere Visual Novels. Dafür sind die Charaktere und ihre eigenen Geschichten ziemlich gut durchdacht, da wir es hier mit echten Schicksalen zu tun haben. Aber ganz mithalten kann Amnesia Memories storymäßig nicht bei anderen Spielen, muss es aber auch gar nicht, da es seinen ganz eigenen Charme versprüht. Vor allem Orion sorgt für den einen oder anderen Lacher.


Weniger gut hat uns die japanische Tonspur gefallen, aber das hat wirklich was mit Geschmack zu tun, wie wir finden. Empfehlen können wir Amnesia Memories denjenigen, die sich ganz gern mal in Schicksalen und Geschichten verlieren, die einem Spiele manchmal anbieten können. Macht euch Gedanken über das Love Interest, wählt eben das nächste Mal eine andere Route und schon ändert sich der Typ, mit dem ihr zusammenkommen soll. Etwas eigenartig ist das Ganze schon, kann aber auch seinen Reiz entwickeln und ist definitiv einen Blick Wert, wie wir finden. Auch für Jungs, die sich ganz gern mit etwas tiefgehenderen Geschichten befassen wollen, die jedoch auch wieder nicht zu tief gehen und einen nicht unbedingt ständig zum Nachdenken zwingen.

Pro Contra
+ Sehr interessante Geschichte - Geschichte leider nicht sooo tiefgehend, wie sie sein könnte
+ Schönes Figurendesign… - … auch wenn einige Figuren sehr feminin wirken
+ Wahl des Szenarios… - … jedoch keine wirkliche Wahl des Freundes
+ Englische Texte sind recht gut verständlich - leider nur japanische Tonspur
+ Speichern sehr schnell möglich; gut für unterwegs
+ Entscheidungen beeinflussen den Status der Beziehungen
+ Verschiedene Szenarios mit unterschiedlichen Reaktionen


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Technik: 83
Sound/Synchronisation: 72
Grafik (Charaktere, Hintergründe): 89
Umfang/Dauer/Vielfalt: 90
Usability: 80
Sprache: Englisch

Spielspaß: 81
Sprachvermögen: Das verwendete Englisch ist zwar relativ leicht, könnte jedoch Anfängern einige Probleme bereiten.
Entscheidungsfreiheit: Ihr habt mehr oder weniger Einfluss auf die Story. Das wichtigste, das ihr entscheiden könnt, ist die Wahl des Love Interests. Ansonsten beeinflussen eure Entscheidungen nur die Beziehung zwischen der Heldin und ihrem Boyfriend.
Erzählstil: Der Erzählstil ist faszinierend, weil sowohl die Hauptfigur als auch Orion keine Ahnung von der Welt haben, während jedoch alle anderen Figuren so ziemlich allwissend zu scheinen. Man kann der Geschichte dennoch gut folgen, da die Charaktere beispielsweise gut eingeführt und vorgestellt werden.
Wiederspielwert: Der ist gegeben, wenn man sich auf weitere Geschichten einlassen und die anderen Welten erkunden möchte.

Vielen Dank an idea Factory für die Bereitstellung des Musters.


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