Devil's Third (Wii U) im Test - Trashige Brutalo-Action

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thomary
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Devil's Third (Wii U) im Test - Trashige Brutalo-Action

Beitragvon thomary » Mo 31. Aug 2015, 19:55

„Und das hier ist wirklich ein Wii U exklusiver Titel?“ Diese Frage steht einem bei Tomonobu Itagakis Devil’s Third auch noch nach mehreren Stunden auf die Stirn geschrieben. Doch auch wenn das so ist, sollte man sich nicht davon ablenken lassen, auch einen Blick auf das Spiel dahinter zu werfen – Ein Urteil sollte man nicht allein nur deshalb fällen, weil ein Spiel möglicherweise nicht ins Line-Up passt. Ob Devil’s Third auf der Wii U eine willkommene Abwechslung ist, verrät der Test.

Ab 18!

Also nochmal: Devil’s Third passt definitiv nicht ins Wii U Lineup und ist auch mit quasi-Shootern wie Splatoon nicht zu vergleichen. Dieser Titel aus der Feder des Ninja Gaiden Erfinders ist ein knallharter Shooter wie er im Buche steht, inklusive krasser, teilweise übertriebener Gewaltdarstellung. Da werden Gegner – oder man selbst – auch schon mal zerteilt und es fliegen einige Körperteile, dann noch zu sehen als blutige Brocken, nur so durch die Gegend.

Inhaltlich bekommt das Ganze aber einen Sinn verpasst und die Story ist im Wesentlichen nicht so schlecht, wenn auch natürlich relativ platt und mitunter klischeehaft. Die Figuren sind klare Typen und die kleinen Hintergrundgeschichten über die Beziehungen des Protagonisten Ivan zu den Nebenfiguren sind ebenso leicht vorhersehbar. Zum Setting rund um eine Postapokalypse gehört ebenfalls alles, was man sich so typischerweise darunter vorstellt: Ein Flughafen als Schauplatz ist ebenso vertreten wie ein Krankenhaus und eine geheime Forschungseinrichtung – Ja, das kennt man natürlich schon!

Nun ist es auch so, dass andere Actiontitel der vergangenen Zeit viele Dinge auch schon mal besser, das heißt vor allem cineastischer, gemacht haben. In erster Linie bestechen die Schauplätze durch ihre optische Abwechslung und recht ordentliche Gestaltung – Aber klar sein sollte: Devil’s Third ist kein technisches Wunderwerk! Von Itagakis Passion, Dinge perfekt an die Plattform anzupassen, ist nicht viel zu spüren. Die grafische Qualität ist mal solide, mal weit unter Durchschnitt, schwerer wiegen die Einbrüche der Framerate, die im Einzelspielermodus mit fortschreitender Geschichte heftiger werden, im Mehrspielermodus mapabhängig unterschiedlich stark ausfallen.

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Die Kulissen sind häufig cool, die grafische Qualität schwankt stark und ist häufig unter Durchschnitt.


Schnelle Action

Stichwort Wii U Anpassung: Das GamePad wird allenfalls lächerlich benutzt. Im Einzelspielermodus kommen die Möglichkeiten überhaupt nicht zum Einsatz, wenigstens wird der Bildschirm des GamePads direkt ausgeschaltet, um die Batterie zu schonen. In der Lobby der Mehrspielermodi ist der Bildschirm aktiv, aber nach dem Verlassen der obersten Menüstruktur hat man offensichtlich vergessen, dass es ein Touchbildschirm ist, denn das Berühren des Bildschirms wird dann nur noch mit einer Fehlermeldung quittiert, auch auf dem GamePad-Bildschirm kann dann nur mit dem Steuerkreuz navigiert werden – Den einzigen kläglichen Versuch, Wii U Funktionen zum Einsatz zu bringen, hat man also glorios in den Sand gesetzt.

Abgesehen davon ist die Steuerung irgendwo zwischen anspruchsvoll, trashig und unpräzise. So ganz konnten wir uns auch nach mehreren Spielstunden da nicht entscheiden. Manchmal steuert sich in den Ballereinlagen alles sehr präzise, mal nur sehr bockig, was teils auch mit dem etwas forschen Stick des Wii U GamePads zusammenhängt.

Prinzipiell steuert sich Devil’s Third schnell und dynamisch – Bewaffnet ist man in der Regel mit zwei Schusswaffen und einer Nahkampfwaffe. Von allem gibt es nur einige verschiedene Typen, die sich einigermaßen unterschiedlich spielen, wobei sich gerade die Unterschiede zwischen Maschinengewehren oder Pistolen untereinander eher in Grenzen halten. Dennoch kristallisieren sich schnell bevorzugte Modelle heraus. In einem guten Kampf funktioniert die Mischung aus Ballern, Ausweichen, in Deckung gehen (funktioniert voll automatisch) und Nahkampfangriff platzieren sehr gut, zwischendurch kann das Erlebnis aber auch mal ganz schön frustig werden, denn insbesondere bei Nahkampfkombos ist es extrem schwer, dem Angreifer irgendwie zu entkommen. Sowohl im Einzelspieler- als auch Mehrspielermodus gilt hier: Wer den ersten Angriff platziert, hat häufig schon gewonnen, da die angegriffene Figur zu träge ist, um noch etwas zu unternehmen.

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Devil's Third hat seine Altersfreigabe definitiv verdient!


Shooter in der Dauerschleife

Der Kampagnenmodus von Devil’s Third bietet einige Stunden solide Unterhaltung – Die normalen Baller- und Schnetzeleinlagen werden immer mal wieder durch andere Elemente aufgelockert, wie durch Snipern oder das Identifizieren von Sprengsätzen in einem Gebiet.

Das Ganze bleibt durchgehend recht anspruchslos, wirklich schwer wird Devil’s Third nie, auch wenn durchaus auf einige Trial & Error Passagen gesetzt wird, da man häufiger einfach in irgendeinen Raum kommt, plötzlich dort eingesperrt ist und blitzschnell erledigt wird. Zum Glück gibt es sehr, sehr fair gesetzte Checkpoints, sodass man auch in so einer Situation nie besonders viel vom Level wiederholen muss.

Die Bosskämpfe sind zwischendurch eine weitere willkommene Abwechslung. Sie sind bedingt abwechslungsreich und ebenso bedingt anspruchsvoll. Meistens benötigt man zwei, drei Versuche für die Kämpfe. Denn bei den Bossen ist auch in Devil’s Third mal so etwas wie Taktik notwendig. Deckungsmöglichkeiten gibt es hier keine, so dass man ständig ausweichen muss. Davon abgesehen muss man eben die Angriffstaktik des Gegners kurz nachvollziehen, um erfolgreich sein zu können, meistens ist man nämlich mit ein, zwei Schlägen erledigt.

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Die KI ist häufig ganz schön bescheuert.


Cooler Multiplayer

Der Einzelspielermodus ist solide Unterhaltung, fesselt aber auch nicht unbedingt ewig an den Bildschirm – Dafür sind der sehr lineare Aufbau, der fehlender Anspruch und die häufig strohdoofe KI verantwortlich, die sich sowohl bei befreundeten als auch feindlichen NPCs jede Menge Patzer erlaubt.

Es ist kein Wunder, dass man also durchaus den Mehrspielermodus von Devil’s Third als Herzstück des Spieles ansehen kann. Ja, und das auf der Wii U! Wir müssen sagen, dass der Mehrspielermodus wirklich coole Modi vorweisen kann, jedoch zeichnet sich schon jetzt ab, was die Spieler in erster Linie spielen wollen: Battle Royale (Jeder gegen Jeden) und Team Deathmatch. Für alle anderen Modi, darunter beispielsweise auch „Chickens“, in dem man möglichst viele Hühner einfangen muss, haben wir kein einziges Mal oder nur einmal Mitspieler gefunden – Das ist schade!

Selbiges gilt auch für das eigentlich Herzstück, den „Siege“-Modus. Hier geht es darum, mit einem Clan eine Basis in einem ausgewählten Gebiet der USA aufzubauen. Der Clan mit der am besten ausgebauten Basis führt jeweils die Rangliste an. Das ist ein cooler Modus, in dem man dann beispielsweise die Basis vor Feinden verteidigen muss, aber leider fehlt es an Spielern. So wird derzeit jedes Gebiet von genau einem Clan beherrscht und wir haben kaum aktive Spielsitzungen gefunden – Ebenfalls sehr schade, aber hierfür kann Devil’s Third ja nichts.

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Der Mehrspielermodus hat wirklich coole Modi.


Stabil online | Pay 2 Win?

Im Battle Royale und Team Deathmatch konnten wir dafür einige Runden drehen und uns hat die Action ziemlich viel Spaß gemacht. Insbesondere läuft der Onlinemodus sehr stabil, ist aber von den gleichen Problemen wie der Einzelspielermodus geplagt: Dazu gehören die mapabhängig starken Ruckler sowie die teilweise fiesen Verhältnisse im Kampf – Wer zuerst zuschlägt, hat oft gewonnen. Auf den Maps geht es indes häufig sehr chaotisch zu: Wenn die Lobby mit 16 Spielern voll sind, ist die Map beinahe überrannt. Gleichzeitig sollten es aber mindestens sechs bis acht Spieler sein, denn sonst trifft man in den weitläufigen und abwechslungsreichen Umgebungen nur schwer überhaupt jemanden.

Devil’s Third wurde im Vorfeld oft vorgeworfen, Pay2Win deutlich zu unterstützen. Wir können das nicht bestätigen, denn erstens wird man regelmäßig für Levelaufstiege sowohl mit Dollen als auch Goldenen Eiern, also den beiden ingame-Währungen, belohnt und zweitens hat man recht schnell die Ausrüstung zusammen, die man möchte. Der Charakterentwicklung ist also gefühlt eher schnell eine Grenze gesetzt. Goldene Eier kann man zwar für Echtgeld über den eShop kaufen, aber wir hätten keine Notwendigkeit dafür gesehen.

Insgesamt gilt auch für den Multiplayer, dass Devil’s Third zwar kein technisches oder inhaltliches Meisterwerk ist, aber definitiv seine interessanten Momente hat. Davon abgesehen setzt es auf ungezwungene, hin und wieder zu gewalttätige, aber spaßige Action. Ganz ehrlich: Von den technischen Macken abgesehen würden wir solche Spiele eigentlich gerne öfter sehen und Devil’s Third fällt in der Hinsicht so aus, wie wir das von einem Japano-Actionspiel erwarten.

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Leider Alltag im Multiplayer - Außer im Battle Royale und Team Deathmatch


Fazit: Trashiger Shooter mit hohem Gewaltgrad

Devil’s Third ist definitiv kein Meisterwerk und passt genauso gut auf die Wii U wie saure Gurken zu Nutella, gleichzeitig ist das Spiel aber definitiv auch kein Totalausfall. Ganz im Gegenteil: Wer auf abgedrehte japanische Action steht und mit Shootern etwas anfangen kann, der dürfte mit Devil’s Third durchaus auf seine Kosten kommen. Und auch wenn Devil's Third vielleicht auf Xbox und PlayStation nicht aus dem Shooter-Durchschnitt herauskommt, ist es auf der Wii U ein wirklich außergewöhnlicher Titel.

Der Storymodus bietet trashige, relativ anspruchslose und mit unfairen Stellen gespickte Unterhaltung, die durchaus Spaß machen kann. Wer sich dann auch noch mit einem Mehrspielershooter auf der Wii U anfreunden kann, bekommt mit Devil’s Third sogar noch längerfristige Unterhaltung, auch wenn es vielen Modi noch (oder schon?) an Spielern mangelt. Insgesamt bietet Devil’s Third daher ungezwungene und spaßige Unterhaltung, die vielleicht nicht stundenlang an den Bildschirm fesselt, aber zumindest immer mal wieder für eine Runde gut ist.

Pro Contra
+ Trashige Action - Deutliche Ruckler
+ Abwechslungsreiche Umgebungen im Einzelspielermodus - Optik teilweise unterdurchschnittlich
+ Mehrspielermodus spaßig - Attackenkombos nur schwer zu entkommen
+ Stabiler Online-Modus - Gewaltgrad teilweise übertrieben
+ Abwechslungsreiche Multiplayermaps - Sehr linearer Aufbau der Kampagne
+ Dynamische Steuerung… - … die manchmal unpräzise ist
+ Vielfältige und spaßige Multiplayermodi - Lächerliche Nutzung des Wii U GamePads
+ Gut unterhaltende Kampagne


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Technik: 63
  • Grafik: 49
  • Sound: 69
  • Umfang: 85
  • Gameplay: 68
  • KI: 45

Spielspaß: 79

Einzelspieler/Koop

  • Story: Das Geballere und Gemetzel wird einigermaßen sinnvoll mit Inhalt versehen. Die Story ist nicht so schlecht, wenngleich natürlich auch recht platt und vorhersehbar.
  • Wiederspielwert (inkl. Mehrspieler): Gerade durch den Mehrspielermodus sehr groß – Vorausgesetzt, es sind auf Dauer Mitspieler vorhanden.
  • Frustfaktor: Stellenweise durch unvorsehbare und unfaire Stellen gegeben – Ansonsten auch durch manchmal unfaire Verhältnisse im Nahkampf.
  • Design/Stil: Einheitlich trashig, technisch teils unterdurchschnittlich.
  • Musik: Der Soundtrack ist in Ordnung – Insbesondere die Musikuntermalung teilweise sehr cool!.

Mehrspieler

  • Motivation: Durch Modivielfalt und Levelmöglichkeiten vorhanden. Gerade der Siege-Modus kann, mehr Spieler vorausgesetzt, sehr lange unterhalten.
  • Matchmaking: Schwer zu beurteilen, da das Level keine übergeordnete Rolle spielt, da Ausrüstung nicht levelbedingt zur Verfügung steht und in erster Linie das Können entscheidet.
  • Stabilität: Sehr zufriedenstellend. Hin und wieder Probleme beim erstmaligen Verbindungsaufbau.
  • Vielfalt: Modi und Maps bieten sehr ordentliche Vielfalt.


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Wir bedanken uns bei Nintendo für die Bereitstellung des Downloadcodes zu Devil's Third!

Informationen zum Testgerät

Plattform: Wii U
Version: Premium 32GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware, Spiel installiert auf internem Speicher.
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 1 Monat

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