Armello (Steam) im Test - Zauberhaftes, virtuelles Brettspiel mit fauligen Gegnern

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Armello (Steam) im Test - Zauberhaftes, virtuelles Brettspiel mit fauligen Gegnern

Beitragvon Meykota » Mo 14. Sep 2015, 14:18

Märchenhafte Geschichten findet man auch im Videospielbereich nur schwer, und wir meinen damit Geschichten, die nicht nur fiktional, sondern auch noch schön geschaffen sind. Das digitale Brettspiel Armello von League of Geeks kommt mit einem mystischen und märchenhaften Design daher, doch ob es auf Steam auch das hält, was es verspricht, verraten wir euch in unserem Test zur Steam-Version von Armello.

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Es war einmal…

… in einem weit entfernten, magischen Königreich kursierte eine Krankheit, die schlimmer nicht sein könnte und die alles Gute restlos in Dunkelheit zu verwandeln mag. Die Fäule greift um sich und hat auch den König befallen. Der Spieler nun, der einen Anführer der Tierklans verkörpert, möchte dem König den Weg ins Zeitliche ebnen und seinen Posten einnehmen. Das ist das Ziel einer jeden Spielrunde, egal ob Online oder Offline. Eine Spielrunde dauert dabei etwa eine Stunde und wird durch verschiedene Elemente geprägt, die ihr bestimmen könnt.

Eins vorweg: Wer mit virtuellen Brettspielen nichts anfangen kann, ist mit Armello definitiv nicht gut beraten. Und auch uns fiel es sichtlich schwer, das Ganze sinnvoll zu betrachten. Die Idee und das Setting sind der Hammer und auch wirklich schön umgesetzt, aber der Teufel sitzt hier im Detail. Die Geschichte hat Potential, ist jedoch als Brettspiel etwas unklug gelöst. Ein aktives Rollenspiel oder Action-Adventure wäre wesentlich sinniger gewesen als ein Brettspiel mit vielen verschiedenen Aktionskarten und einen enormen Zufallscharakter. Jeden Punkt erklären wir selbstverständlich noch, warum wir so denken.

Nach der Einführung, bei der ihr je einen Anführer der Klans kennenlernt und euch in die Mechaniken des Spiels einfuchsen könnt, könnt ihr in Armello entweder offline gegen die KI oder online gegen drei andere Spieler spielen. Um dem Spielerlebnis mit anderen Spielern jedoch wirklich viel abzuverlangen, braucht ihr eine Tonübertragung eurer Stimme und ein Video – es macht sonst einfach nur halb so viel Spaß, fiese Karten auf eure Mitspieler zu spielen. Was bringt es euch, wenn ihr dabei nicht schadenfroh sein könnt?

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Hase vs. Wolf vs. Ratte vs. Bär

Zu Beginn einer jeden Spielsitzung in Armello entscheidet ihr euch für einen von acht verschiedenen Charakteren, von denen jeder andere Attribute und Fähigkeiten hat und die unterschiedlichen Klans angehören. So gibt es je zwei Figuren, die zum Klan der Wölfe, Ratten, Hasen und Bären gehören. Im Tutorial werdet ihr jeweils nur vier Figuren kennenlernen, die anderen findet ihr dann im normalen Spiel wieder. Habt ihr euren Charakter gewählt, könnt ihr entscheiden, ob ihr ihm noch einen Ring und ein Emblem mitgebt. Diese beiden Dinge haben einen Einfluss auf eure Statuswerte und euer Startkapital. So könnt ihr beispielsweise schon mit mehr Ansehen oder mehr Gold als eure Gegner starten. Im Laufe des Spiels könnt ihr noch einige Ringe und Embleme freischalten, allerdings ist dies auch das einzige, was ihr freischalten könnt. Eine größere Langzeitmotivation gibt es nicht.

Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Knackpunkt: Armello nutzt sich leider zu schnell ab. Während die ersten paar Runden noch spannend sind, hofft man im Anschluss nur noch auf die richtigen Karten und eine schwache KI, bzw. Fehler der Gegenspieler. Gleichzeitig fehlt einem aber die Zeit, sich in die Karten einzulesen und richtig zu überlegen. Es gibt zwar kein Zeitlimit pro Runde, aber gerade im Mehrspielermodus solltet ihr eure Mitspieler nicht zu lange warten lassen. Und so gestaltet sich jede Runde unheimlich stressig, man spielt leicht desorientiert. Vor allem deswegen, weil man schon alle Karten auswendig kennen müsste, um zu begreifen, was die anderen Figuren da eigentlich tun.

Übrigens läuft Armello rundenbasiert ab und hat dazu einen Tag- und Nachtwechsel. Das ist ziemlich cool, da die verschiedenen Figuren auch unterschiedliche Attribute beim Wechsel der Tageszeit haben. Dieser Punkt hat uns richtig gut gefallen, weil er das Spiel auflockert. Pro Runde kann derjenige mit dem höchsten Ansehen über die nächste Runde bestimmen: Der König wird ihn auffordern aus zwei verschiedenen Möglichkeiten zu wählen und so beispielsweise an den schwächsten Spieler einen Schatz verteilen oder aber jeden vergiften und ihm Geld abknöpfen. Was der König tut, entscheidet derjenige mit dem größten Ansehenswert.

In Armello kann man auf unterschiedliche Art und Weise gewinnen. In den meisten Fällen entscheidet jedoch euer Ansehen darüber, ob ihr gewinnt. Ihr könnt zwar den König entweder töten oder heilen, doch das schlägt sich ebenfalls nur auf euer Ansehen nieder. Zwar könnt ihr den König töten, aber das heißt eben nicht, dass ihr auch gewinnt. Und genau hier ist der Hund begraben, da es eben nur darauf ankommt, wie hoch euer Ansehen ist. Angenommen, ihr erfüllt die ganze Zeit nur Quests, bringt eure Gegenspieler um und sammelt zudem noch die heilenden Geistersteine ein, habt ihr sehr viel Ansehen und könnt einfach warten, bis der König von allein den Löffel abgibt.

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Kampfsystem mit Zufall

Typisch für Brettspiele wird auch in Armello das Kämpfen und Überwinden von Fallen dem Zufall überlassen, mehr oder weniger. Je nachdem welche Karten ihr ausgerüstet habt und welche Tageszeit gerade ist, habt ihr eine bestimmte Anzahl an Würfeln bei einem Kampf oder einer Falle zur Verfügung. Bevor die Würfel jedoch fallen, habt ihr die Möglichkeit, eure Karten auf der Hand zu verbrennen, um so zum Beispiel den Kampf schon mit einer gewissen Anzahl an Angriffen oder Schilden zu beginnen. Für jede Karte, die ihr jedoch verbrennt, wird euch ein Würfel genommen, überlegt also gut, was ihr tut.

Habt ihr eure Karten verbrannt, könnt ihr eure Würfel mit Hilfe der Maus werfen. Auch hier ist das Ergebnis der Würfel dafür verantwortlich, was ihr an Schaden oder Schutz erhaltet. Die gekreuzten Schwerter zum Beispiel stehen für einen Angriff am Gegner, ein Schild steht für Schutz vor einem Angriff. Es gibt jedoch auch Symbole, die euch weniger angreifen lassen oder besonderen Schaden ermöglichen. Im Grunde ist jedoch alles dem Zufall verschuldet: Je nachdem ob ihr Glück habt oder eben nicht übersteht ihr den Kampf oder die Gefahr.

Bei einer Falle, bzw. einer Gefahr ist es sogar sehr wichtig, dass ihr möglicherweise schaut, ob ihr nicht schon die passenden Karten in der Hand habt. Hierfür braucht ihr nämlich meistens drei oder vier verschiedene Symbole, um die Fallenkarte abzuwenden. Habt ihr nicht die entsprechenden Karten mit den richtigen Symbolen auf der Hand, müsst ihr hoffen, dass eure Würfel die richtigen Symbole werfen.

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Zauberhaftes Märchenland

Auch wenn wir schon so viel am Spiel kritisiert haben, so sind wir uns alle einig: Armello hat ein zauberhaftes Design, das an alte Disney-Filme denken lässt. Die einzelnen Charaktere sind dabei liebevoll gestaltet und die vielen verschiedenen Spielkarten, die man pro Runde ziehen und spielen kann, sind unheimlich schön und lebendig dargestellt. Und auch der Soundtrack passt richtig gut zum ganzen Setting. Uns hätte es eben nur besser gefallen, wenn sich alles nicht so passiv spielen würde, sondern wenn wir ein richtiges Abenteuerspiel gehabt hätten. Aber gut, reden wir nicht mehr davon.

Etwas verstörend ist das Interface in Armello, was aber so schon ziemlich gut umgesetzt wurde. Auf der rechten Seite habt ihr eure Karten aufgelistet, auf der linken Seite habt ihr eure Übersichtsmenüs und könnt dort herausfinden, was ihr im Inventar habt oder wie weit eure Gegner sind. Im unteren Bereich des Bildschirms findet ihr einen Chat, bzw. die Aktionen, die andere Figuren auf dem Spielfeld ausüben. Diese Anzeige ist schon ziemlich cool, nur leider viel zu klein, sodass man nur mit Mühe und Not lesen kann, was dort nun eigentlich geschrieben steht.

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Fazit: Zauberhaftes Spiel mit geringem Wiederspielwert

Armello entführt in eine fantastische und zauberhafte Welt, in der es darum geht, die Krone zu erhalten und über das Reich zu herrschen. An sich bietet Armello ein schönes Konzept, wenn man sich für virtuelle Brettspiele interessiert und Freunde hat, mit denen man es spielen kann. Dabei solltet ihr bedenken, dass ihr unbedingt nebenbei skypen solltet, da sonst einfach dieser wunderbare Aspekt der Schadenfreude verloren geht, wenn man eine Karte ausspielt. Uns hätte Armello besser gefallen, wenn es sich um Actionspiel gehandelt hätte. Allerdings ist Armello auch kein schlechtes Spiel. Es ist sogar sehr schön und kann Spaß bieten, bietet jedoch leider so gut wie keinen sonderlich hohen Wiederspielwert. Es gibt kaum Möglichkeiten zum Freispielen von diversen Dingen und auch sonst bietet das Gameplay leider nicht unbedingt genügend Abwechslung.

Dafür punktet der Titel mit einem unglaublich schönen Artwork und zauberhaften Karten, die zudem recht vielfältig sind und zum Entdecken all der Funktionen einladen. Leider bleibt dazu im Spiel meist keine Zeit. Empfehlen können wir Armello all jenen, die auf der Suche nach einem interessanten Brettspiel sind, das man mal mit seinen Freunden für etwa eine Stunde spielen kann. Wer jedoch auf der Suche nach etwas ist, dass mehr actionlastig ist, der ist mit Armello selbstverständlich falsch beraten, denn es ist nun einmal ein virtuelles Brettspiel. Man muss dafür schon eine Passion haben.


Pro Contra
+ Sehr schönes Artwork - Spielprinzip nutzt sich zu schnell ab
+ Tag- und Nachtwechsel - Lediglich Ansehen entscheidet über Sieg/Niederlage
+ Interessante Klassen - Kaum freischaltbare Dinge
+ Interessante Idee - … die jedoch viel eher als ein anderes Genre umgesetzt hätte werden sollen
+ Virtuelles Brettspiel - Schrift zu klein
+ Interessantes Kampfsystem


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Technik: 75
  • Grafik: 87
  • Sound: 85
  • Umfang: 65
  • Gameplay: 62
  • KI: 76

Spielspaß: 68
  • Story: Die Story ist gut, würde sich jedoch für ein Rollenspiel oder so wesentlich besser eignen als für ein Brettspiel.
  • Frustfaktor: Man hat nicht immer genügend Zeit alles zu lesen und zu erfassen. Zudem kommt es nicht darauf an, wer den König tötet oder so, sondern nur wer am meisten Ansehen hat.
  • Wiederspielwert: Der ist wohl eher gering. Es sei denn, man hat gerade mit seinen Freunden eine Brettspielphase und spielt mehrere Abende am Stück.
  • Design/Stil: Der grafische Stil von Armello ist richtig gut und entführt in ein magisches Märchenland.
  • Musik: Der Soundtrack ist gelungen und passt zum Setting.

Information: Vielen Dank an Stride PR für die Bereitstellung des Musters.


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