Act of Aggression (Steam) im Test – Die große RTS-Hoffnung?

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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thomary
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Act of Aggression (Steam) im Test – Die große RTS-Hoffnung?

Beitragvon thomary » Fr 18. Sep 2015, 16:23

Fans von Echtzeitstrategiespielen schwelgen ja gern in alten Zeiten. Act of Aggresion tut das auch: Publisher Focus Home und Entwickler Eugen System wollen an alte Zeiten und die Hochphase rund um Command & Conquer anknüpfen. Ob das mit Act of Aggression gelungen ist, klärt der Test.

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Fesselnder Basenbau

Ein wesentliches Element führt Act of Aggresion mit Bravour quasi wieder ein, welches viele Strategiespiele der letzten Zeit vernachlässigt haben: Den Basisbau! In diesem Bereich ist Act of Aggresion auch genauso komplex, wie man es als Fan der alten Strategiespiel-Schule erwarten würde: Die Mischung aus effizientem Gebäudebau, dem Finden und Verwalten von Rohstoffen und dem Führen der Einheiten ist wirklich komplex.

Act of Aggression bietet dabei nicht nur gelungene und realistisch anmutende Maps, sondern auch sonst ist das Vorgehen während der Partien überzeugend: Wer querfeldein rennt, kommt hier nicht zum Erfolg. Mit Aufklärungsdrohnen sollten stattdessen verfügbare Rohstoffe und Feindpositionen ausfindig gemacht werden, bevor man sich dann vorsichtig voran wagt.

Bei den drei Ressourcen (Öl, Aluminium und Erden) und in anderen Bereichen zeigen sich auch schön die Unterschiede zwischen den drei Fraktionen: Nicht nur bei der Rohstoffverwaltung gibt es angenehme Unterschiede, sondern auch bei den Einheitentypen. Die grundsätzlichen Gebäudetypen sind aber überall gleich, was wenigstens etwas fraktionenübergreifendes Lernen ermöglicht.

Ärgerlich ist, dass Act of Aggresion einen wesentlichen Teil seiner Komplexität auch durch die unübersichtlichen Menüs gewinnt: Anstatt mit gut verständlichen Grafiken zu arbeiten, werden einem zig ähnlich aussehende Symbole präsentiert, sodass man sich insbesondere in der Anfangsphase immer wieder durch die kleinen Texte wühlen muss, um den richtigen Menüpunkt zu finden. Oder man achtet zufälligerweise auf die kaum hervorgehobenen Tutorialtexte, die immer mal wieder eingeblendet werden…

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Die Maps sind gelungen, die Menüs äußerst unübersichtlich.


Lahme Kampagne

Apropos Tutorial: Act of Aggression bietet dieses quasi in Form der Kampagne, denn in den Missionen, vor allem, wenn man die Chimera-Kampagne mit zehn Missionen spielt, werden die Spielmechaniken nach und nach behutsam eingeführt. Zunächst kontrolliert man nur einige Bodeneinheiten, dann kommen weitere Typen hinzu und schließlich geht es an die Basisverteidigung und den Bau derselben. Insgesamt ist das eine gelungene Einführung in die immer komplexer werdende Spielmechanik.

Das Problem ist nur, dass die in der nahen Zukunft angesiedelte Kampagne samt Story irgendwie völlig langweilig und belanglos ist. Man merkt, dass Eugen Systems einen Fokus auf den Mehrspielermodus gelegt hat. Figuren und Story bleiben platt, eine Identifikation mit irgendeinem Aspekt des Spieles ist kaum möglich – Was letztlich leider auch auf die Fraktionen übergreift. Im Grunde ist es uns völlig egal, wen wir spielen, wodurch der Lerneffekt gemindert wird. Eine zweite Kampagne mit fünf Missionen gibt es übrigens nur für die Kartell-Fraktion. Die dritte im Bunde, die US-Army, die so gesehen die konventionellste Fraktion ist, geht leer aus und darf nur im Mehrspielermodus gespielt werden.

Letztlich repräsentiert die Kampagne auch nicht den Anspruch, den die strategischen Partien im Mehrspielermodus an den Tag legen können: Lediglich die Kartell-Kampagne ist direkt von Beginn an etwas fordernd, die Chimera-Missionen führen noch relativ stark und ziehen bei der Schwierigkeit nur gegen Ende etwas an.

Die Kämpfe sind im Spiel generell gut gelöst und das Balancing macht einen guten Eindruck. Wie für Strategiespiele üblich gilt es natürlich, Vor- und Nachteile eigener und gegnerischer Einheiten auszunutzen, was meistens alleine schon durch die Erklärungstexte gut nachvollziehbar ist. Um insgesamt besser dazustehen, gibt es sowohl für Gebäude als auch Einheiten umfangreiche Updates, die ebenso unübersichtlich präsentiert werden wie die restlichen Inhalte.

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Inszeniert ist das ganze wirklich hübsch, aber trotzdem langweilig!


Stabile Technik

Erfreulich ist, dass Eugen System bei Act of Aggression technisch eine sehr runde Arbeit abgeliefert haben: Angefangen vom Benchmark, der die Leistung des Rechners beim ersten Spielstart überprüft bis hin zur Performance auf dem Feld macht Act of Aggression rundum eine gute Figur: Abstürze oder Performanceprobleme sind uns nicht untergekommen – Gerade bei Strategiespielen ist das eine gute Leistung!

Auch im Bereich des Mehrspielermodus konnten wir keine Performanceprobleme feststellen – Lobenswert sind auch die modiübergreifend sehr kurzen Ladezeiten. Technisch haben die Entwickler also wirklich gute Arbeit geleistet, wobei sich Act of Aggression auch optisch auf hohen Einstellungen wirklich sehen lassen kann. Die Soundkulisse geht insgesamt durchaus in Ordnung. Die Synchronisierung ist übrigens komplett auf Englisch.

Einziger echter Abzug im Technik-Bereich gibt’s für die KI, dummerweise ausgerechnet für die unserer Teamkollegen: Diese ziehen häufig auch bei direktem Befehl nicht ordentlich in den Kampf sondern latschen aus irgendeinem Grund pausenlos vor und zurück und lassen sich ohne Gegenwehr niederballern. Das ist mehr als einmal passiert und ist sehr ärgerlich!

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Der Benchmark zum Spielbeginn leistet eine gute Arbeit.


Fazit: Gutes Mehrspieler-RTS ohne Passion

Act of Aggression ist ein gutes Echtzeitstrategiespiel für alle, die sich gerne Schlachten im Online-Mehrspielermodus liefern: Nicht nur ist das gesamte Spielerlebnis sehr stabil, sondern in den Mehrspielerschlachten kann Act of Aggression auch seine ganze Komplexität entfalten und lädt Spieler zu Diskussionen rund um die richtige Taktik ein. Leider merkt man diese Passion dem Spiel sonst nicht an: Die Kampagne ist uninspiriert und belanglos, die Menüs und Benutzerführung unübersichtlich. Nur dank des guten Balancings und der wirklich stabilen Technik reicht es so noch für die gute Wertung. Insgesamt hätten wir von Act of Aggression aber trotzdem mehr erwartet.

Pro Contra
+ Gute Maps und insgesamt realistische Anmutung - Kampagne langweilig und belanglos
+ Sehr stabile Technik - Unübersichtliche Menüs und User Interface
+ Tiefe entfaltet sich im gelungenen und stabilen Multiplayer - Team-KI leistet sich viele Patzer
+ Behutsame Einführung in der Kampagne - Kampagne bietet nur kurze und unbefriedigende Unterhaltung
+ Gelungener Basisbau, komplexe Partien


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Technik: 74

  • Grafik: 85
  • Sound: 77
  • Gameplay: 74
  • Umfang: 69
  • KI: 67

Spielspaß: 66

Einzelspieler:

  • Story: Versprochen wird ein futuristischer Technik-Thriller. Die Realität ist leider ziemlich langweilig.
  • Wiederspielwert: Mehrspieler-Freunde dürften mit Act of Aggression ein gutes RTS gefunden haben – Solisten haben nur sehr kurzen Spaß.
  • Frustfaktor: Eher gering!
  • Design/Stil: Insgesamt realistisch und gelungen.
  • Musik/Sound: Solide

Mehrspieler:

  • Matchmaking: Macht innerhalb der Rangpartien einen guten Eindruck.
  • Motivation: In den Mehrspielerschlachten entfaltet Act of Aggression seine ganze Komplexität und kann Fans auch entsprechend motivieren.
  • Stabilität: Ebenso wie der Rest des Spieles wirklich sehr stabil – Lobenswert!
  • Vielfalt: Durch die abwechslungsreichen Maps und verschiedene Teamgrößen gegeben.

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 10 Professional (64 bit)

Wir bedanken uns bei Koch Media für die Bereitstellung des Reviewmusters zu Act of Aggression!

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