Blood Bowl II (PS4) im Test – Blutiger Sport für eingefleischte Spieler

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Blood Bowl II (PS4) im Test – Blutiger Sport für eingefleischte Spieler

Beitragvon thomary » Di 6. Okt 2015, 16:01

Blood Bowl ist nichts für schwache Nerven – Der American Football wird um fiese Tricks, jede Menge Gewalt und Blutvergießen erweitert – Todesfälle auf dem Feld nicht ausgeschlossen. Blood Bowl II ist der zweite Anlauf der Cyanide Studios, das Brettspiel auf PC und Konsolen zu bringen und gleichzeitig eine neue Erweiterung für das neuerdings wieder sehr beliebte Warhammer-Franchise. Wir haben uns den Titel angesehen und verraten im Test zur PS4-Version, was das Ganze taugt.

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Aller Anfang ist schwer

Blood Bowl II ist kein actionreiches Sportspiel im klassischen Sinne – Wenn ihr das erwartet, solltet ihr gleich einen Bogen ums Spiel machen. Stattdessen ist das Ganze im Prinzip ein reinrassiges Rundenstrategiespiel, nur eben, dass ihr eure Spieler auf dem Feld umherbefehlt und euer Ziel nicht (in erster Linie) ist, alle Gegner umzubringen oder eine Basis einzunehmen, sondern den Football hinter die feindliche Touchdown-Linie zu bugsieren.

Und da es Blood Bowl in Form des erwähnten Tabletops durchaus schon gibt, gibt es auch ein umfassendes Regelwerk, das beachtet werden muss. Neueinsteiger haben es bei diesem Spiel ganz schön schwer: Die Tutorials im Spiel machen es einem nämlich auch nicht gerade leicht.

Eigentlich erklärt einem Blood Bowl II ganz sinnvolle Dinge, aber das Verständnis fürs große Ganze dürfte waschechten Neulingen dennoch nicht einfach so zufliegen. Wir hatten außerdem oft den Eindruck, dass einem die Erklärungstexte genau den einen, entscheidenden Hinweis nicht mitteilten – So manches Mal standen wir zunächst doch planlos auf dem Feld. Und ganz wichtig: Fangt bloß nicht an, die Tutorials wegzudrücken, sonst fängt das Spiel an, alle bisherigen Texte in der Dauerschleife abzuspulen, wieder und wieder… Wenn es dagegen etwas Neues und wWichtiges mitzuteilen hat, macht Blood Bowl II das von ganz alleine!

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Die erste Mannschaft im Rahmen der Kampagne.


Kampagne als Tutorial

Eure erste Anlaufstelle in Blood Bowl II sollte die Kampagne sein, die euch ein gutes Dutzend Matches absolvieren und euch die erste Mannschaft aufbauen lässt. Im Grunde ist die Kampagne das Tutorial des Spieles, ist jedoch ganz nett mit einer recht witzigen und humorvollen Story inszeniert wurde. Wer den englischen Dialogen lauschen kann, bekommt mehr davon mit, denn die schwächliche und mitunter fehlerbehaftete Übersetzung, die hin und wieder auch bei den Erklärungen sehr verwirrend sein kann, verschluckt ganz gerne mal die Highlights des Originals.

Nach der Kampagne habt ihr eine Grundidee von Blood Bowl II bekommen, müsst aber dennoch lange an den Feinheiten basteln. Eine Sache haben wir an der Kampagne absolut nicht verstanden: Die KI trat uns kaum ernsthaft gegenüber. Sie haben sich brav darauf konzentriert, bestimmte unserer Spieler auszunocken, haben uns aber nie auch nur daran zu hindern versucht, den Football hinter die Tochdown-Linie zu bekommen. Warum auch immer. Wir bekamen unsere Siege eben geschenkt.

Später zeigt die KI, dass sie eigentlich wirklich vernünftig spielen kann. Ein Manko zog sich bei uns trotzdem durchs Spiel: Wenn die KI an der Reihe ist, nimmt sich das Spiel häufig eine Pause von ca. 20-30 Sekunden, offensichtlich, um den Zug zu berechnen oder Ähnliches. Erst dann hat der Gegner seinen Zug absolviert. Ein paar Mal dachten wir, das Spiel hätte sich aufgehangen.

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Aber bitte mit Schmackes!


Frust ist zufallsabhängig | Mit Sicherheit komplex

Viele Dinge in Blood Bowl II sind zufalls- oder glücksabhängig. Vielleicht kommt ihr selbst drauf, was das bedeutet: Hin und wieder ist Blood Bowl II unheimlich frustig! Wenn es einen Spieler einfach das x-te Mal auf die Nase haut oder ein Angriff gegen einen Widersacher einfach immer wieder schiefgeht, kann einen das ganz schön zur Weißglut treiben. Vor allem, weil Blood Bowl II mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen um sich wirft und Dinge bei 87% Erfolgschance gefühlt viel häufiger schief gehen als bei 67%.

Im Prinzip bleibt aber alles trotzdem sehr nachvollziehbar: Jede Aktion sollte man sehr gut abwägen, und zwar vor allem in Abhängigkeit aller beteiligten Spieler und ggf. der Rassen, die auf dem Feld sind. Blood Bowl II zeigt mit verschiedenen Kombinationen und zahlreichen Handlungsmöglichkeiten ungeahnte strategische Tiefe und ist eben wirklich viel mehr als “nur” ein Sportspiel. Wenn man beispielsweise den Ball aus feindlichem Gebiet holen möchte, sollte man eher einen guten Läufer dazu wählen als einen bulligen Krieger. Ist alles logisch.

Auch das Angreifen ist ähnlich komplex, denn neben den Attributen der beteiligten Spieler sind auch umstehende Kollegen für den Erfolg oder Misserfolg beim Fallen der Angriffswürfel relevant. Ebenso sollte man sich überlegen, ob man den „Blitz“ (bewegen + effizient angreifen) verwendet, was nur einmal pro Runde möglich ist, oder normal angreift.

Wenn man ein wenig Erfahrung mit Blood Bowl II gesammelt hat, darf man sich allmählich auch für sein bevorzugtes Team entscheiden. Ja, um in Blood Bowl II gut zu sein, solltet ihr euch zumindest zunächst tatsächlich entscheiden. Denn durch bestimmte Teamfertigkeiten wird das Spielerlebnis nicht nur noch komplexer, sondern ihr findet garantiert auch ein Team, das gut zu eurem Stil passt. Die Beschreibungen sind in dieser Hinsicht sehr gelungen.

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Die einzelnen Rassen haben umfassende Stärken & Schwächen sowie Fertigkeiten.


Zeit mitbringen du musst | Flüssige Technik mit Abstrichen

Wer sich wirklich auf Blood Bowl II bekommt ein umfassendes und sehr komplexes Spiel, das online gegen andere Spieler seine ganzen Möglichkeiten offenbart. Zeit mitbringen sollte man aber auf alle Fälle: Schon einzelne Partien dauern sehr lange. So gesehen bekommt man mit Blood Bowl II unheimlich viel fürs Geld, da es sich nicht mal um einen Vollpreistitel handelt.

Technisch haben die Cyanide Studios auf dem Feld eine sehr solide Arbeit abgeliefert. Die Grafik zeigt sich zwar nicht komplett makellos hinsichtlich der Texturen, dafür aber sehr detailverliebt und vor allem flüssig. Ruckler oder Ähnliches konnten wir nicht feststellen.

Abstriche gibt es jedoch nicht nur bei der KI, sondern auch im Bereich des Interface und der Bedienung: Zum einen sind Texte sehr klein, zum anderen ist die Bedienung über den Controller mitunter etwas umständlich, was der PC-Herkunft vonBlood Bowl II „zu verdanken“ sein dürfte. Außerdem nimmt sich das Spiel im Menü ganz gerne ähnliche Pausen wie bei den KI-Zügen. Das nervt.

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Man muss viel Zeit aufs Feld mitbringen!


Fazit: Ein Fest für eingefleischte Spieler

Blood Bowl II kann wirklich eingefleischte Spieler stunden- und wochenlang fesseln. Dafür muss man sich aber gerade als Neueinsteiger wirklich lange aufs Spiel einlassen und sämtliche Finessen lernen. Doch auch das ist kein Garant für Erfolg: Durch die vielen zufallsgesteuerten Ereignisse bleibt das Frustpotential dauerhaft hoch, außerdem muss man auch für einzelne Partien viel Zeit mitbringen. Fans schneller und arcadiger Sportspiele sind also fehl auf dem Platz! Einige technische Mängel, insbesondere der KI, sind darüber hinaus sehr ärgerlich. Mit ein wenig mehr Einsteigerfreundlichkeit und mehr Feinschliff hätte sich Blood Bowl II eine noch wesentlich höhere Wertung sichern können, da es im Bereich der komplexen Strategiespiele auf den aktuellen Konsolen prinzipiell schlichtweg zeigt, was möglich ist.

Pro Contra
+ Äußerst komplex und taktisch tiefgehend - Nicht besonders einsteigerfreundlich
+ Deutliche Unterschiede zwischen Rassen – Teils gravierende KI-Patzer
+ Viel Witz & Humor… - … in der schwachen Übersetzung teils eingebüßt
+ Eingefleischte und frustresistente Spieler werden lang motiviert - Menüs teils umständlich + Aussetzer
+ Umfassender Ligamodus und detaillierte Mannschaftenverwaltung - Viel Zufall, viel Würfeln, ganz viel Frust!


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Technik: 75

  • Grafik: 85
  • Sound: 77
  • Gameplay: 68
  • Umfang: 85
  • KI: 58

Spielspaß: 66

Einzelspieler/Koop:

  • Story: Die Kampagne wird zumindest humorvoll inszeniert – Ist aber auch nichts Großartiges.
  • Wiederspielwert: Wer sich auf dieses Spiel einlässt, wird lange beschäftigt.
  • Frustfaktor: Unheimlich hoch – Vor allem weil man IMMER mit dem schlimmsten rechnen muss.
  • Design/Stil: Gelungen, stimmig und technisch solide.
  • Musik/Sound: Solide Kost ohne Enttäuschungen.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4 500GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 9 Monate (PS4 Launchkonsole)

Wir bedanken uns bei Koch Media für die Bereitstellung des Musters zu Blood Bowl II!

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