Coast Guard (Steam) im Test – Küstenwache auf Entdeckungstrip

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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thomary
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Coast Guard (Steam) im Test – Küstenwache auf Entdeckungstrip

Beitragvon thomary » So 1. Nov 2015, 18:57

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Bei unserem Erstkontakt mit Coast Guard aus dem Hause Reality Twist sind wie davon ausgegangen, es mit einem reinen Simulator zu tun zu haben – Dem „Küstenwachen Simulator“ sozusagen. Doch Coast Guard bietet wesentlich mehr als das: Statt nur auf die Einsätze der Seenotretter zu setzen, verknüpft der Titel diese nicht nur mit einer Story, sondern auch mit Adventurelementen und umfassenden Ermittlungen. Ob diese Mischung überzeugt, verrät unser Test.

Mein Name ist Finn…

Ihr schlüpft in Coast Guard in die Rolle von Finn Asdair, einem Mitarbeiter der Küstenwache. Doch die eigentlichen Einsätze seines Teams erlebt ihr nur in einer Art Rückblende, in Erinnerungen Finns, denn eigentlich seid ihr gerade auf einem „Geisterschiff“ aufgewacht und Finn weiß nicht, wo er sich befindet und wie er an diesen Ort gekommen ist. Doch tatsächlich taucht das Schiff auch in seinen Erinnerungen auf. Sein Team hatte mit diesem Schiff schon einmal bei einem Einsatz zu tun, der so alles andere als gewöhnlich war.

Coast Guard erzählt tatsächlich eine spannende Geschichte, in der Finn nicht nur seine Erinnerungen zurückerlangen muss, sondern die euch auch mit Mordermittlungen und der Aufdeckung von Geheimnissen in Berührung bringt. Inhaltlich und thematisch liefern die Entwickler dabei sehr sinnvolle Kost, da Coast Guard umfangreich auch auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik eingeht – Gerade für Seenotretter ein brandheißes Thema, was Coast Guard zu einem höchst aktuellen Spiel macht. Daumen hoch!

Coast Guard setzt dabei nicht auf einen völlig linearen Ablauf, denn die einzelnen Einsätze werden in Abhängigkeit von eurem Vorgehen auf dem Geisterschiff ausgelöst. Dort gibt es diverse Objekte, die Finns Gedächtnis auf die Sprünge helfen und letztendlich dafür sorgen, dass sich wieder ein Gesamtbild der Ereignisse ergibt.

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Was hat es mit dem Geisterschiff auf sich?


Spielerische Abwechslung

Im Verlauf dieser Erinnerungen und Einsätze wird auch spielerisch viel Abwechslung geboten, wobei sich einzelne Elemente zwar mitunter ähneln, aber sich nie allzu oft wiederholen. Eure Zeit in Coast Guard verbringt ihr beispielsweise damit, Schiffbrüchige aus dem Wasser zu retten, Wasserproben zu nehmen (diese beiden Elemente ähneln sich), Verhöre zu führen oder Rätsel zu lösen.

Dazu setzt Coast Guard auf typische Adventure-Elemente: Die Erkundung der Umgebung, das Sammeln von Objekten und den richtigen Einsatz derselben. Unter Umständen müsst ihr sie dafür auch kombinieren oder Ähnliches. Wenn man dabei mal nicht weiterkommt, stehen einem häufig Hilfen zur Verfügung, weil man beispielsweise andere Teammitglieder anfunken kann, die einem Hinweise geben.

Insbesondere bei den Ermittlungen ist aber häufig Köpfchen gefragt, wobei die größte Erfolgsstrategie leider darin besteht, mit allen NPCs sämtliche Dialogoptionen zu führen. Manchmal geht es nur deshalb nicht weiter, weil ihr eine bestimmte Antwortmöglichkeit bei NPC XY nicht ausgewählt hattet, ihr aber eigentlich die Lösung schon längst kennt. Das ist etwas lahm.

Die eigentliche Zeit auf See bzw. auf dem Schiff „Daniel Defoe“ und dessen Tochterboot fällt mitunter recht klein aus. Wer also einen „Schiff-Simulator“ oder ein Spiel erwartet hat, dass sich rein um Rettungseinsätze auf See dreht, ist bei Coast Guard fehl am Platz. Rein vom Anteil an der Spielzeit her lässt sich Coast Guard eher als Adventure-Game bezeichnen. Dabei ist die Kampagne nach rund zehn Stunden beendet.

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Natürlich retten wir in Coast Guard auch Schiffbrüchige aus dem Wasser


Technische und spielerische Ärgernisse

Coast Guard bietet im Grunde in dieser Zeit solide Unterhaltung und eine überraschend vernünftige Story sowie solide Gameplayelemente. Geplagt werden diese ab nicht nur von skriptlastigen Dialogen, sondern auch noch von weiteren Unzulänglichkeiten – In erster Linie einigen ärgerlichen Bugs.

Für Verwirrung sorgt immer mal wieder die Steuerung, denn Dinge funktionieren nicht immer einheitlich und/oder werden unzureichend erklärt. Beispielsweise das Benutzen von Dingen aus dem Inventar heraus funktioniert mal nur mit der gedrückten linken Maustaste, mal nur, wenn linke und rechte Maustaste gedrückt werden. Manches Mal gehen bestimmte Sequenzen einfach gar nicht weiter. Besondere Probleme hatten wir bei unserer ersten Laboranalyse – Nachdem wir einige Zeit einfach hektisch herumklickten, löste die entsprechende Sequenz dann endlich aus.

Manchmal verschwindet in Coast Guard auch einfach der Cursor. Besonders gerne dann, wenn man das Spiel zuvor schon mal über die Windows-Taste verlassen hatte. Dann hilft nur ein Zwangsbeenden des Spieles und ein Neustart. Das ist ärgerlich, weil Coast Guard nicht über freies Speichern verfügt, sondern man nur nach jedem Einsatz speichern kann. Das bedeutet auch: Müsst ihr zwischenzeitlich beenden oder verlässt euch doch mal die Lust, müsst ihr die ganze Mission nochmal spielen. Wir hätten uns ein freies Speichersystem gewünscht.

Von der Performance her gibt es an Coast Guard wenig auszusetzen, die grafische Leistung ist aber auch nur durchschnittlich, bei den Figuren noch niedriger. Fragwürdig ist das Wasser, welches zwar optisch ordentlich aussieht, sich jedoch überhaupt nicht realistisch verhält, da es beispielsweise nur ganz selten vom Schiff verdrängt wird, dafür aber umso häufiger einfach auf unser Schiff oder Boot schwappt, nur, um sofort wieder verschwinden. Sinken kann man also nicht, keine Angst! Besonders schlecht ist die Darstellung Schiffbrüchiger im Wasser, denn sie schweben einfach völlig ohne Animationen dort herum, manchmal vollkommen außerhalb des Wassers, manchmal meterweit unter der Oberfläche.

Soundtechnisch zu loben ist einerseits die solide Musikuntermalung und die halbwegs ordentlichen Effekte, unangenehm fällt teilweise aber die englische Synchronisierung auf, die bei manchen Figuren wie eine schlechte Hobbyaufnahme wirkt. Hier war vermutlich einfach nicht genug Budget für bessere (und deutsche) Vertonung vorhanden, was schade ist.

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Diese Laboruntersuchung war eine Geduldsprobe für uns...


Fazit: Solider Gameplay-Mix mit Schwächen

Coast Guard hat uns einige Stunden überraschend gut unterhalten. Während die inhaltliche und spielerische Vielfalt lobenswert ist, dürften Fans knallharter und trockener Simulationen eher enttäuscht sein: Die eigentliche Seenotretter-Arbeit auf See fällt eher flach aus, ist aber dafür recht abwechslungsreich und gelungen. Der große Adventure- und Ermittlungsanteil wird durch einige Schwächen bei den Dialogoptionen geplagt, in erster Linie aber durch die Bugs und Ärgernisse, die sich komplett durch Coast Guard ziehen, wie beispielsweise die uneinheitliche und teilweise fehlerhafte Steuerung. Zudem nervt das Fehlen eines freien Speichersystems – Sicherungen dürfen nur nach ganzen Missionen angelegt werden, die glücklicherweise nicht allzu lang sind. So ist Coast Guard unterm Strich ein solider Gameplay-Mix, der gerne mehr Budget und Feinschliff hätte vertragen können.

Pro Contra
+ Gelungener Gameplay-Mix - Inkonsequente und teils verbuggte Steuerung
+ Inhaltlich klug - Fragwürdige Wasserdarstellung
+ Spielerische Abwechslung - Kein freies Speichern
- Unterdurchschnittliche englische Synchronisierung


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Technik: 66

  • Grafik: 59
  • Sound: 63
  • Gameplay: 68
  • Umfang: 72
  • KI: 66

Spielspaß: 69

Einzelspieler:

  • Story: Coast Guard bietet eine inhaltliche kluge und recht spannende Story rund um die Arbeit die Küstenwache.
  • Wiederspielwert: Nach dem einmaligen Durchgang eher gering.
  • Frustfaktor: Grundsätzlich nicht vorhanden, wird jedoch durch Bugs und Steuerungsmängel unter Umständen doch verursacht.
  • Design/Stil: Solide, vor allem die NPCs wirken aber nicht besonders realistisch.
  • Musik/Sound: Musik und Effekte sind in Ordnung, die englische Synchro unterdurchschnittlich.

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 10 Professional (64 bit)

Wir bedanken uns bei astragon für die Bereitstellung des Reviewmusters zu Coast Guard!

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