Devil Survivor 2: Record Breaker (3DS) im Test - Eher maue Rettung Japans

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Devil Survivor 2: Record Breaker (3DS) im Test - Eher maue Rettung Japans

Beitragvon Meykota » So 8. Nov 2015, 17:56

Stellt euch vor, es würde eine Webseite geben, bei der ihr euch registrieren könnt. Doch sobald ihr euch registriert habt, erhaltet ihr Mails, in denen sich Videos befinden, die euch darüber in Kenntnis setzen, wie eure Freunde sterben werden. Auf dieses Konzept greift der 3DS-Titel Shin Megami Tensei: Devil Survivor 2 – Record Breaker zu – treibt das Ganze jedoch auf eine merkwürdige Spitze und schickt uns in eine gefährliche Welt. Um euch jedoch nicht schon in der Einleitung zu verraten, worum es wirklich im Spiel geht, schwenken wir zu unserer Review zum Spiel hinüber. Wir verraten euch in unserem Test, warum ihr euch am Spiel möglicherweise die Zähne ausbeißen werdet.

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Ist das… echt?

Devil Survivor 2: Record Breaker beginnt wie es viele Spiele der Shin Megami Tensei Reihe tun: Es schickt uns mitten in ein seltsames Szenario. In Japan gibt es seit Kurzem eine neue Webseite, auf der man sich registrieren kann. Registriert man sich, erhält man Videos, die die Tode seiner Freunde darstellen. Was ziemlich krass klingt, sorgt auch für jede Menge Aufregung zu Beginn des Spiels, der sich relativ „normal“ verhält. Erst nach einem Einstieg von etwa 20 Minuten geht das eigentliche Spiel los – aber der Anfang ist wichtig, vor allem um euch schon einmal ein kleines bisschen einzuführen. Allerdings verwandelt sich die zunächst creepy klingende Story ziemlich bald in ein maues apokalyptisches Wir-Retten-Mal-Wieder-Japan-Spiel, was ziemlich schade ist und auch nicht wirklich animiert weiterzuspielen.

Nachdem wir nämlich ein Video erhalten, das zeigt wie wir mitsamt unserer beiden Freunde von einem Zug erfasst und zermalmt werden, saßen wir erst einmal mit offenem Mund vor dem 3DS und dachten: „Mein Gott, was haben wir denn hier?“ Leider jedoch ist dies so ziemlich mit der einzige Moment im Spiel, der einen mit einer offenen Kinnlade dasitzen lässt. Schon ziemlich bald sind wir nämlich in der Lage, Dämonen zu beschwören und im Kampf einzusetzen – und schon sind wir im klassischen Element der Shin Megami Tensei Spiele: Die Dämonen sehen vom Stil her genauso aus wie die Persona aus der Shin Megami Tensei Persona Reihe. Es gibt zudem die Möglichkeit, die Freundschaftslevel zu den Teamkollegen zu stärken, um diese wiederum so stärker zu machen. Auf die einzelnen Tagesaufgaben, wie man sie aus Persona 4 kennt wurde jedoch vollkommen verzichtet.

Wir hätten uns eher auf ein Spiel gefreut, das eine tiefe Story aufweist und uns stundenlang an den kleinen Handheld fesseln kann wie es die anderen Spiele der Reihe können. Stattdessen entpuppt sich alles als mehr oder weniger maue Geschichte, die zudem einen zähflüssigen Levelkern besitzt, der ebenfalls nicht unbedingt animierend ist, um sich ernsthaft damit beschäftigen zu können – aus diesem Grund sahen wir den Game Over Bildschirm etwas öfter als geplant.

Dafür ist der Beginn von Devil Survivor 2: Record Breaker ziemlich cool, da ihr euch am Anfang entscheiden könnt, welche Story ihr spielen wollt. Es gibt dabei die Möglichkeit, der klassischen Story zu folgen, in der ihr sieben Tage Zeit habt, um die Welt zu retten. Oder ihr entscheidet euch für die andere Story, die nach der Hauptstory ansetzt und euch wieder einmal vor eine Invasion in Japan stellt, selbstverständlich gibt es hier jedoch einige neue Charaktere, die es kennen zu lernen gilt. Habt ihr euch für eine Story entschieden, entscheidet ihr noch, auf welchem Schwierigkeitsgrad ihr spielt. Hierbei habt ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder „leicht“, bei dem ihr im Grunde ziemlich leicht der Story folgen solltet oder eben schwierig, das euch an eure Grenzen bringen wird. Diese Entscheidungsmöglichkeiten gleich zu Beginn des Spiels finden wir ziemlich cool.

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Ein etwas seltsames Kampfsystem

Devil Survivor 2: Record Breaker bietet euch ein Kampfsystem, in das ihr euch erst einmal ein wenig hineinfuchsen müsst. Es läuft zwar rundenbasiert ab, aber manchmal hat es dann doch so seine Tücken. Pro Runde könnt ihr selbstverständlich alle menschlichen Wesen in eurem Team steuern, ihr könnt sie dabei je einmal bewegen, einmal angreifen und einmal einen Skill anwenden. Verfügt die jeweilige Figur noch über Dämonen, könnt ihr von denen ebenfalls einen Skill pro Runde einsetzen. An sich ziemlich logisch, wie wir finden.

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Im Kampf selbst seht ihr lediglich Bildchen eurer Gegner, die keinerlei Animationen aufweisen. Von euch oder euren Dämonen habt ihr lediglich am unteren Bildschirmrand eine Art Übersicht, die euch über MP und HP des jeweiligen Wesens informiert. Wie in solchen Kämpfen üblich, greifen die Figuren alle einzeln an, während ihr zu Beginn einer Kampfrunde entscheiden müsst, wer was macht. Jeder Kampf dauert im Grunde nur eine Runde, da jeder genau einmal angreifen darf – es sei denn, ihr schaltet durch bestimmte Angriffe oder Skills eine Extrarunde frei, dann darf genau dieses Monster noch einmal angreifen. Das Kampfsystem ist im Grunde ziemlich schlüssig, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt hat, spannender ist dabei das Levelsystem, das nicht ganz so schlüssig ist.

Um im Level aufzusteigen, braucht ihr logischerweise Erfahrungspunkte, die ihr nur dann erhaltet, wenn ihr einen Gegner besiegt habt. Um möglichst viele Punkte zu erhalten, solltet ihr immer erst die beiden äußeren Monster vernichten, bevor ihr euch dem in der Mitte zuwendet. Dies ist nämlich der Anführer und wenn ihr den besiegt, verschwinden auch die beiden anderen. Leider klingt das immer weitaus einfacher als es eigentlich ist, da die Dämonen ziemlich schnell im Spiel ziemlich fies werden und dann lohnt sich nicht einmal der freie Kampf, den man zwischen der Story machen kann, um an Punkten zuzulegen – hier gibt es in den meisten Fällen nämlich entweder viel zu leichte Gegner, die kaum Erfahrungspunkte bringen, oder gleich viel zu schwere Gegner, die euch ziemlich alt aussehen lassen.

Und genau aus diesem Grund ist das Leveln ab einem bestimmten Punkt einfach unglaublich nervig. In Tokio selbst hat man zu Beginn zwar Schwierigkeiten, kommt aber mit dem Leveln nach einer kleinen Weile ganz gut zurecht, bis man eben im Freien Kampf kaum noch Erfahrungspunkte bekommt. Befindet man sich dann allerdings in Osaka, sieht das Ganze ganz schön anders aus, da einem dort bereits die Gegner im Freien Kampf ziemlich hart rannehmen, und das obwohl wir auf einfach spielen, um der Story zu folgen. Hier wird deutlich, dass wir es mit einem ganz normalen japanischen Spiel zu tun haben, bei dem die westlichen Spieler ganz schön gefordert werden.

Ein kleines bisschen Persona

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In der Devil Survivor Reihe findet man schnell ziemlich viele Aspekte, die man bereits aus der etwas bekannteren Persona Reihe kennt. So gibt es Dämonen, über die ihr bestimmen könnt, ähnlich der Persona, allerdings „verwandelt“ ihr euch nicht selbst in diese Wesen, sondern könnt sie so ähnlich wie Pokemon sammeln und trainieren. Wie normalerweise im Velvet Room könnt ihr nun eure Dämonen auch miteinander verschmelzen lassen und stärkere Dämonen erschaffen. Dies macht ihr allerdings über euer Handy, das ihr ingame habt, und wählt die entsprechende Fusionsapp. In Devil Survivor 2: Record Breaker ist alles ein kleines bisschen futuristischer und moderner.

Wenn ihr mit euren Teammitgliedern unterwegs seid und diese auch im Kampf einsetzt, steigt die Bindung zu euch. Diese kann unter anderem auch durch die richtigen Antworten innerhalb kleinerer Cutscenes gesteigert werden. Je höher das Level eurer Beziehungen ist, desto stärker sind auch eure Teammitglieder. Wenn ihr euch bewusst umschaut, werdet ihr noch viele Elemente finden, die euch an die Persona-Reihe erinnern werden, allerdings fehlen auch bestimmte Aspekte, wie beispielsweise die freie Zeiteinteilung oder das Entwickeln des Hauptcharakters durch bestimmte Interaktionen oder Antworten, was ein wenig schade ist und die Tiefe nimmt.

Zudem ist der Grafikstil der einzelnen menschlichen Charaktere etwas arg gewöhnungsbedürftig. Die Figuren sind nicht so eingängig und „besonders“ wie man sie beispielsweise aus der Persona Reihe kennt. Es gibt keine Yukiko in einem roten Mantel oder einen Yusuke, der seine großen Kopfhörer permanent um den Hals trägt. Die Figuren sind alle schlichtweg langweilig und haben kaum Erkennungsmerkmale – außer den Frauen, die haben nämlich aus irgendeinem Grund übertrieben große Brüste, die leider durch den mehr oder weniger schlechten Grafikstil kaum zur Geltung kommen. Hier hätten wir uns ein wenig mehr Mühe gewünscht, was das einzelne Design der Figuren betrifft. Vor allem weil man auch sonst kaum grafischen Aufwand hat: Die Schlachtfelder laufen in einer typischen Gameboy Advance Grafik ab, während die Kämpfe selbst aus immer mal hüpfenden Standbildern bestehen. Da wäre definitiv mehr drin gewesen, was zudem auch dazu geführt hätte, dass man mehr Bindung zu den einzelnen Figuren aufgebaut hätte.

Da Devil Survivor 2: Record Breaker auf Nintendos 3DS erschienen ist, haben wir uns selbstverständlich auch den 3D-Effekt angeschaut, den man schlichtweg wieder einmal vergessen kann. Ausnahmsweise greift der 3D-Effekt zwar schon bei allen Bildern, die auf dem oberen Display angezeigt werden, aber sonderlich gelungen wirkt das wie immer nicht. Wie immer empfehlen wir eher ohne 3D-Effekt zu spielen – aber das obliegt jedem selbst.

Fazit: Hin- und hergerissen

Devil Survivor 2: Record Breaker für den 3DS von Nintendo ist ein Spiel, das seine Stärken aber auch seine Schwächen hat, wie so ziemlich jedes Spiel. Die zunächst imposant und gruselig klingende Story entpuppt sich ziemlich schnell eher in eine Dämoneninvasion in Japan, die zudem recht mau erzählt wird und recht belanglos wirkt. Hier fehlt uns wirklich der Tiefgang, den man normalerweise aus anderen Spielen der Reihe kennt. Es ist jedoch nicht so, dass die Story keinen Spaß macht, uns hat sie schon ziemlich gefesselt, was unter anderem am etwas anderen Kampfsystem und des schnellen Storyflusses lag. Doch nach einer geraumen Weile, vor allem dann wenn man sich nicht mehr in Tokio, sondern in Osaka befindet, verpufft dieses Gefühl, man wird frustriert, weil man nicht mehr weiterkommt.

Und hier sind wir am eigentlich Ärgernis: Das Leveln gestaltet sich äußerst schwierig. Es gibt neben dem normalen Kampf, der die Geschichte vorantreibt, auch einen Freien Kampf, mit dem ihr immer wieder trainieren könnt, allerdings steigt die Schwierigkeit bei beiden Möglichkeiten sehr schnell an, sodass ihr euch sogar am Trainingskampf bald die Zähne ausbeißen werdet. Hier hätten wir uns wirklich mehr Möglichkeiten gewünscht, um nicht so schnell im Spiel festzustecken.

Zusätzlich ist auch der grafische Stil von Devil Survivor 2: Record Breaker sehr gewöhnungsbedürftig. Die Figuren selbst haben keinen wirklichen Wiedererkennungswert, sowohl vom grafischen Stil als auch von der Persönlichkeit her. Aber auch die einzelnen Schlachtfelder, auf denen die Kämpfe stattfinden, wirken eher wie aus einem Gameboy Advance entsprungen. Wir sind uns sicher, dass der 3DS ein wenig mehr Grafikleistung drauf hat, was andere Spiele sehr gut beweisen. Und Devil Survivor 2: Record Breaker ist eigentlich nicht sonderlich anspruchsvoll, was die Grafik betrifft. Schade, hier hätten wir uns auch mehr gewünscht. Devil Survivor 2: Record Breaker wirkt wie ein Grundgerüst von etwas Größerem, das später besser wird. Wir hoffen, dass dem so ist, denn so sind wir hin und hergerissen, ob wir den Titel wirklich jemandem empfehlen können.

Pro Contra
+Interessante Idee zum Einstieg… - … die sich jedoch ziemlich schnell zu einer langweiligen Geschichte entwickelt
+ Entscheidungen in Cutscenes - Grafikstil ist nicht mehr zeitgemäß
+ Abwechslungsreiches Kampfsystem - Schwierigkeitsgrad nimmt viel zu schnell zu
+ Einige Persona-Elemente erkennbar - Leveln wird schwierig
+ Passender Soundtrack


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Technik: 70
  • Grafik: 51
  • Sound: 78
  • Umfang: 90
  • Gameplay: 56
  • KI: 75

Spielspaß: 58
  • Story: Die Story könnte gut sein, entpuppt sich jedoch ziemlich schnell zu einer öden Geschichte, die uns einmal wieder Japan retten lässt. Dieses Mal bedrohen Dämonen die Menschheit. Nicht wirklich tiefgehend, nicht wirklich spannend.
  • Frustfaktor: Leider ist dieser nach unserer Einschätzung sehr hoch. Es gibt einen Punkt in der Story, wo sogar das Trainieren zu einem Frustkampf wird, weil man weder vor noch zurückkommt und einfach kaum Chancen hat. Schade.
  • Wiederspielwert: Devil Survivor 2: Record Breaker bietet schon einen gewissen Anteil in der Story, damit man weiterspielt. Es ist jedoch auch etwas demotivierend, weswegen wir eher von einem geringen Wiederspielwert ausgehen.
  • Design/Stil: Stellenweise fragt man sich schon, ob man es mit einer Gameboy Advance Version des Spiels zu tun hat, vor allem der grafische Stil der Figuren kann nicht sonderlich überzeugen.
  • Musik: Die Musik ist selbstverständlich passend und zu gewissen Teilen auch aus der Persona-Reihe bekannt. Sehr schön.

Vielen Dank an NIS America für die Bereitstellung des Pressemusters.
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