Geheimakte Tunguska (Wii U) im Test - Adventure-Klassiker in neuem Gewand?

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Geheimakte Tunguska (Wii U) im Test - Adventure-Klassiker in neuem Gewand?

Beitragvon Meykota » Sa 5. Dez 2015, 18:09

Im Jahr 2006 brachten Deep Silver und Animation Arts ein Spiel auf den PC, das nicht nur eine interessante Geschichte offenbarte, sondern auch mitten im Adventure-Genre angesiedelt war und schon damals für die eine oder andere graue Strähne sorgte. Nun, nach fast zehn Jahren bringt Deep Silver Geheimakte Tunguska auf Nintendos Wii U. Wir haben einen Blick auf die Umsetzung geworfen und verraten euch in unserem Test, ob sich das Ganze auf der Wii U lohnt oder ob man vielleicht lieber bei der PC-Fassung bleiben sollte.

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Einmal Tunguska, bitte

Die Welt in Geheimakte Tunguska ist zwar im Grunde unsere, doch im Jahre 1908 geschah ein großes Unglück, niemand weiß bisher, was genau geschah als an jenem Tag eine riesige Explosion Tunguska und die umliegende Taiga erschütterte. Bis heute tappen Forscher im Dunkeln, doch plötzlich scheint Tunguska und seine Ereignisse wieder in den Vordergrund zu rücken, denn Nina Kalenkows Vater, der auch noch Naturwissenschaftler ist, verschwindet spurlos. Die Spuren führen uns nach Sibirien und wir entdecken Dinge, die wir nicht entdecken wollen. Und dann spielen auch noch schaurige Männer in schwarzen Umhängen eine gefährliche Rolle…

Geheimakte Tunguska ist ein klassisches Abenteuerspiel, das euch vor Rätsel stellt, die nicht immer mit simpler Logik zu lösen sind. Wie es sich für das Genre gehört, gibt es mehrere Dinge, die nicht auf Anhieb und auch nicht wirklich mit Nachdenken zu lösen sind. Die Komplettlösung sollte also schon einmal griffbereit sein – oder ihr greift auf die spielinterne Komplettlösung zu, die ihr in eurem Menü findet und die gleich zu Beginn verfügbar ist. Ihr müsst lediglich den Stift der Wii U beherrschen, um die Seiten auch umzublättern – das steht allerdings auf einem vollkommen anderen Blatt und ist wirklich nicht sonderlich einfach. Um Geheimakte Tunguska mögen zu können, solltet ihr auf jeden Fall ein gewisses Verständnis für Adventurespiele mit sich bringen, sonst sitzt ihr ziemlich schnell ziemlich frustriert und genervt vor dem Gamepad der Wii U. Kommen wir aber auf die technische Umsetzung zu sprechen.

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Alles spielt sich auf dem Gamepad ab

Wie viele Spiele auf der Wii U könnt ihr auch Geheimakte Tunguska über das Gamepad spielen: Gesteuert wird es so oder so nur über das Pad, ihr könnt und solltet den Fernseher also am besten ausschalten. Das hat im Grunde zwei Gründe. Zum einen braucht ihr den Fernseher ohnehin nicht, da sich eben alles auf dem Gamepad abspielt, zum anderen ist das Bild, das am Ende auf dem Fernseher ankommt, derart schlecht, dass man sich fragt, ob es eigentlich gerade Probleme bei der Übertragung gibt. Während das Bild auf dem Gamepad gestochen scharf ist und wir uns vor allem am Anfang bei den Cutscenes nur so dachten „Wow, und das auf der Wii U – wo das Spiel fast zehn Jahre alt ist.“ Bis wir dann einen Blick auf das Fernsehgerät warfen und den Gedanken fast schon wieder zurück nahmen.

Das Bild, was ihr auf dem Fernsehgerät seht, ist unscharf. Aber nicht nur bloß unscharf, sondern richtig verwaschen. Eigentlich wirkt es so, als hätten wir uns einen Emulator auf den Fernseher gezogen und würden das Spiel dort nun in einer viel, viel zu großen Auflösung spielen. Einfach nur schrecklich. Und da aus dem Fernseher ohnehin kein Ton kommt, solltet ihr ihn also definitiv ausschalten. Und wenn wir gerade mal beim Ton sind…

Der Ton kommt – logischerweise – aus dem Gamepad der Wii U, ist jedoch derart leise, dass wir es nur mit Kopfhörern sinnvoll verstehen konnten – obwohl wir das Gamepad bis zum Anschlag aufgedreht hatten. Das darf heutzutage wirklich nicht mehr sein, aber gut, hat man sich an die Kopfhörer gewöhnt, steht einem so gut wie nichts mehr im Weg. So gut wie nichts mehr. Nachdem man sich an die Kopfhörer gewöhnt hat, sollte man sich nämlich mit der Steuerung anfreunden. Wie bereits erwähnt, steuert man Nina mit dem Gamepad und dem dazu gehörigen Stift, auf diese Weise sagt man ihr, wo sie hingehen oder was sie machen soll. Hier wurde versucht, sich an der Maus zu orientieren, da man mit dem Stift über die Map laufen muss, um etwas zu finden, das man anschauen oder mitnehmen kann. Das ist irgendwie nicht intuitiv, weil man auf diese Weise auch ganz häufig verschiedene Dinge auslöst und Nina dann mal eben kreuz und quer durch die Map stapft. Abhilfe kann man sich dabei schaffen indem man auf der rechten Seite auf die Lupe klickt. Diese zeigt einem dann für zehn Sekunden an, welche Objekte man untersuchen kann. Das ist immerhin ganz praktisch.

Was ganz wichtig ist und uns fehlt, sind Popuptexte, die aufploppen, wenn man zum Beispiel mit dem Stift über ein Symbol fährt. Was man damit nämlich machen kann oder was es bedeutet, ist nicht immer ganz ersichtlich, vor allem bei Gesprächen ist das ziemlich verwirrend. Bei Gesprächen werden nämlich lediglich die Symbole angezeigt, über die man sprechen kann, aber was diese zu bedeuten haben, wird nicht deutlich. Das ist sehr frustrierend, weil wir gern wissen, worüber wir sprechen, bevor wir etwas auswählen. Aber gut, im Grunde ist das eh alles irrelevant, wenn man zuvor in die Lösung geschaut hat und dort zum Beispiel nur steht „rede mit Max“. Was der dann erzählt, ist im Grunde ziemlich irrelevant.

Wo wir jetzt doch wieder ein bisschen beim Inhalt des Spiels wären: Es ist eben einfach nicht immer ersichtlich, was man jetzt wie und warum tun muss. Zum Beispiel findet man gleich zu Beginn eine Keramikschüssel, diese muss man dann mit Wasser füllen und dann aus irgendeinem Grund ein Aloe Vera Pflanzenstück darin zerdrücken. Warum? Keine Ahnung, aber diese Schüssel mit dem Gemisch ist noch immer in unserem Inventar. Aber genau aus diesem Grund gibt es ja die integrierte Komplettlösung, die verrät einem zwar auch nicht, warum was machen muss, aber immerhin sagt sie einem, dass man etwas machen muss – was in den meisten Fällen auch nicht verkehrt ist.

An sich ist die Umsetzung auf der Wii U von Geheimakte Tunguska schon nicht schlecht, immerhin ist es ja auch auf dem PC ein Point & Click Adventure gewesen, aber so bestimmte Dinge sollte man dann eben doch noch umsetzen, damit es auf einer Konsole besser spielbar ist. Von der grafischen Seite jetzt mal komplett abgesehen.

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Fazit: Ein typisches Adventure der damaligen Zeit…

Geheimakte Tunguska ist ein typisches Adventure, das vor rund zehn Jahren erstmals auf dem Markt erschien, schon damals waren sich die Spieler und auch die Presse nicht sonderlich einig darüber, ob der Titel nun gut ist oder eben nicht. Wir haben einen Blick auf die Wii U Version geworfen und sind zumindest von der Umsetzung her nicht unbedingt begeistert – auch wenn ein guter Job abgeliefert wurde, was es betrifft ein Point & Click Adventure auf die Wii U zu bringen. Doch so vieles ist eher weniger so wie es sein sollte: Das Bild, das auf dem Fernseher ankommt, ist einfach nur schlecht und verschwommen. Der Sound kommt lediglich aus dem Gamepad, zudem ist er ziemlich leise und lässt sich nur mit Kopfhörern gut verstehen. Nur um mal ein paar Dinge zu nennen. Für Rätselmuffel gibt es übrigens gleich die integrierte Komplettlösung, da einige Rätsel wirklich genretypisch einfach an den Haaren herbeigezogen und unlogisch erscheinen.

Fans von Adventure-Spielen werden sicherlich die eine oder andere schöne Stunde mit dem Spiel verbringen, doch dann muss man sich damit anfreunden, dass einiges nun einmal nicht so schön ist wie es hätte sein sollen. Dafür können wir sagen, dass es ziemlich gut gealtert ist und dass die Grafik auf dem Gamepad selbst lobenswert ist. Immerhin etwas.

Pro Contra
+ Deutsche Synchronisation - Sound kommt nur aus dem Gamepad
+ Schönes Bild auf dem Gamepad - Bild auf dem Fernsehgerät ist viel, viel zu schlecht
+ Steuerung über das Gamepad/den Touchscreen - Steuerung nicht immer intuitiv
+ Gut gealtertes Spiel (auf dem Gamepad) - Viele unlogische Rätsel und Elemente
+ Komplettlösung bereits vorhanden


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Technik: 70
  • Grafik: 56
  • Sound: 78
  • Umfang: 89
  • Gameplay: 62
  • KI: 63

Spielspaß: 60
  • Story: Die Story hat schon Potential, wird aber mit der Zeit eher flach und nebensächlich – komisch.
  • Frustfaktor: Frust eher im Sinne von „Warum zum Geier muss ich das so machen?“ Logik, komm raus, du bist umstellt.
  • Wiederspielwert: Hmmm, uns würde kein Grund einfallen, warum man es noch mal spielen sollte.
  • Design/Stil: Die grafische Überarbeitung ist zumindest auf dem Gamepad gelungen, vom Bild auf dem Fernseher sprechen wir mal lieber nicht…
  • Musik: Die Musik ist passend und untermalt entsprechende Situationen.

Information: Vielen Dank an Koch Media für die Bereitstellung des Musters
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