Cityconomy: Service for your City (Steam) im Test - Kurzweilige Schmalspur-Simulation

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thomary
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Cityconomy: Service for your City (Steam) im Test - Kurzweilige Schmalspur-Simulation

Beitragvon thomary » Mo 7. Dez 2015, 12:17

Cityconomy: Service for your City will mehr sein als nur ein ganz gewöhnlicher Simulator, der sich nur auf eine Berufsgruppe bezieht. Anstatt des eines Titels wie dem Abschleppwagen-Simulator liefern nano games und astragon nun einen Titel, in dem ihr gleich mehrere Aufgaben in einer Stadt erledigen musst. Nach und nach könnt ihr fünf Berufszweige in eurem Unternehmen ergründen. Wir haben unsere Saubermann-Karriere gestartet und berichten euch, ob Cityconomy eine lohnene Investition ist.

Vom Müllmann zum Klempner

Wenn ihr eure erste Karriere in Cityconomy startet, bleibt euch nur ein Job zur Auswahl, um euer Unternehmen zu starten: Jeder fängt erst mal als Müllmann an. Danach könnt ihr, die nötige Erfahrung und Einwohner-Zufriedenheit vorausgesetzt, jeweils einen beliebigen Job mit eurem nächsten Vertrag wählen: Zur Wahl stehen noch Abschleppwagenfahrer, Klempner, Gärtner und Straßenreiniger.

Wenn ihr weitere Jobs freigeschaltet habt und dann ein zweites Profil erstellt, um eine neue Karriere zu starten, stehen euch jeweils alle bislang freigeschalteten Jobs zur Verfügung, also dürft ihr dann beispielsweise direkt als Klempner loslegen.

Am meisten Spaß macht Cityconomy dann, wenn man mehrere Jobs bereits in einem Spiel freigeschaltet hat und so immer mal andere Aufträge erledigen kann. Ihr habt die ganze Zeit euer Tablet dabei, auf dem ihr neue Aufträge einfach annehmt oder Angestellte entsendet. Angestellte müsst ihr nicht wirklich anstellen, ob ihr einen Auftrag erledigen könnt oder jemanden schicken könnt, hängt nur davon ab, ob ihr das entsprechende Fahrzeug habt und dieses gerade frei ist.

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Abschleppwagenfahrer ist am eintönigsten, aber trotzdem ganz spaßig.


Ist das wirklich so leicht?

Der einzige Grund, Cityconomy nochmal neu zu starten, lag für uns darin, dass bei unserem ersten Spieldurchgang so einiges verbuggt war: Bis wir den Spielstand entnervt weggeschmissen haben, steckten zwei Fahrzeuge unrettbar fest – Eines, weil es in den Boden glitchte, ein anderes weil es sich in einer Hecke verfing. Eine Rücksetzfunktion für Fahrzeuge gibt es nicht, und weil Angestellte die Fahrzeuge auch nicht von der Stelle bewegen, sondern diese einfach an Ort und Stelle stehenbleiben, jedoch mit dem Hinweis „Wird gerade von einem Angestellten benutzt“ versehen werden, war da einfach nichts mehr zu retten – Verkaufen können hätten wir sie natürlich , jedoch dann nur mit Krediten neue Fahrzeuge kaufen, weswegen wir uns einfach für einen neuen Spielstand entschieden haben.

Letztendlich liegt der Fokus von Cityconomy klar auf dem Ausführen der Handwerker-Aufgaben, weniger auf all dem Drumherum, das das Spiel eigentlich auch bieten möchte. Die Verwaltung des eigenen Unternehmens ist im Prinzip kaum der Rede wert, es nimmt nur viel Zeit in Anspruch, Erfahrung zu verdienen, um die Fertigkeiten auszubauen, und eine bessere Einwohner-Zufriedenheit zu erreichen, um weitere Verträge freizuschalten.

Vom Schwierigkeitsgrad her ist das Spiel sehr leicht aufgebaut, vor allem Stress oder Zeitdruck fehlt völlig. Aufträge müssen innerhalb von 24 Stunden erledigt sein, wobei eine ingame Minute eine reale Minute ist. Ja, richtig gelesen. Innerhalb „einer Stunde“ lassen sich zig Autos abschleppen, unzählige Mülltonnen leeren und auch noch verstopfte Senkgruben reinigen. Das ist natürlich nicht realistisch, aber so ist das nunmal.

Eine realistische Komponente bekommen diese Zeiteinheiten scheinbar dadurch, dass die Angestellten jeweils mindestens drei Stunden für einen Auftrag brauchen. Jedoch muss man nicht drei Stunden abwarten, sondern kann die Zeit in Dreierschritten vordrehen, maximal 12 Stunden sind möglich. Insgesamt geht der Zeitaspekt in Cityconomy natürlich dadurch gar nicht auf: Eure Arbeiter brauchen drei echte Stunden für etwas, das ihr in maximal fünf Minuten erledigt habt... Also irgendwie ist das realistisch, gleichermaßen aber auch völlig absurd.

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Jup, die Mülltonnen müssen selbst zum Auto geschoben werden.


Endlich kann ich Gras verkaufen!

Die Gefahr, zum Pleitegeier zu werden, ist recht gering. Auch wenn wir drei halbwegs sinnvolle Kredite aufgenommen haben, um vorab neue Fahrzeuge zu kaufen, ohne erst tausend Mal die gleichen Jobs zu erledigen, können wir das problemlos zurückzahlen, wenn wir alle Fahrzeuge auslasten, zwischenzeitlich selbst einige Jobs erledigen, dann die Zeit vordrehen... Und so weiter. Wie gesagt, die spielerische Herausforderung im Hinblick auf Wirtschafts- oder Verwaltungsaspekte ist kaum vorhanden.

Die freischaltbaren Fertigkeiten, die bei allen Jobs ungefähr gleich sind, machen das Vorankommen noch leichter, denn so ist es möglich, mehr Geld oder mehr Zufriedenheit für jeden Auftrag zu kassieren. Wer dann noch zum Grasverkäufer wird, kann gleich noch mehr Geld kassieren - Gemeint ist natürlich Gras, das ihr als Gärtner zuvor abgemäht habt. Zu beachten ist nur, dass man bei Jobs, die von Angestellten ausgeführt werden, nur Geld bekommt (immerhin etwas weniger, als wenn man den Auftrag selbst ausführt) und keine Erfahrungspunkte oder Zufriedenheit. Genau deshalb muss man eben auch doch selbst so lange schuften, bis man sich sein ultimatives Imperium aufgebaut hat, daran führt kein Weg vorbei.

Der anspruchsvollste Job ist der des Gärtners, denn mit den Werkzeugen der Abholzfahrzeuge muss man erst mal klarkommen: Acht Tasten auf der Tastatur sind notwendig, um dieses zu steuern, um damit Hecken zu kürzen oder Gras zu mähen. Das sind zwei leicht unterschiedliche Ausprägungen des gleichen Jobs, ebenso ist das beim Klempner und beim Straßenreiniger. Beim Müllmann dagegen macht es spielerisch keinen Unterschied, ob wir Restmüll- oder Plastikmülltonnen leeren, beim Abschleppwagenfahrer gibt es sowieso nur die eine Aufgabe, Autos abzuschleppen - Das war's.

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Auf dem Tablet baut man nach und nach die Jobs aus.


Spaßbremse Technik

Während sich die spielerische Vielfalt so in Grenzen hält, macht Cityconomy trotzdem immer wieder ziemlich viel Spaß. Wer mit Simulatorenspielen etwas anfangen kann, sollte einen Blick riskieren, auch wenn schon deutlich geworden sein sollte, dass von einer knallharten Simulation hier keine Rede sein kann. Cityconomy ist eher etwas für die ruhige Runde zwischendurch, in der einem keine großen Hindernisse im Weg stehen sollen – Außer der Technik vielleicht.

Eigentlich haben sich die Entwickler recht viel Mühe gegeben, eine stimmungsvolle Kulisse in Cityconomy zu erstellen. Die Stadt mit ihren verschiedenen Vierteln sieht in großen Teilen ganz ordentlich aus, manche Licht- und Spiegelungseffekte sowie einige Texturen sehen gar beeindruckend aus. Technik und Realismus bleiben indes auf der Strecke.

Zum einen hätte die Stadt ganz grundlegend einfach belebter sein können. Einzelne Fußgänger sind unterwegs, die wir einfach vor unseren Fahrzeugen herschieben können, sollten wir mal einen erwischen. Verkehr gibt es phasenweise reichlich, der jedoch mit einer dämlichen Rambo-KI ausgestattet wurde. Sie kennen nur Vollgas und Vollbremsung, wobei sie teilweise sehr knapp vor Hindernissen erst anhalten – Oder gar nicht. Wenn sie uns rammen, was durchaus ab und zu mal vorkommt, kriegen wir einen Strafzettel von der Polizei. Ja, die Gesetzeshüter sind auch vor Ort, bleiben jedoch dauerhaft unsichtbar und meckern zudem nur, wenn wir jemanden rammen oder gerammt werden. Das Überfahren roter Ampeln wird zum Glück nicht geahndet, sodass wir immer flott in der Stadt unterwegs sind.

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Die Kulisse ist eigentlich ziemlich hübsch... Die Sichtweiter eher mäßig. Oder es ist halt immer Nebel!


So zieht sich halt auch hier der Eindruck durch, dass Cityconomy irgendwie mehr hätte sein können. Zum Beispiel Wettereffekte gibt es, die auch wirklich hübsch aussehen, jedoch keine weitere Bewandnis haben. Auffällig ist nur, dass es innerhalb einer Stunde (also einer echten Stunde!) mehrere Gewitter und auch noch Schneestürme geben kann – Soll ja vorkommen, aber irgendwie...

Am schlimmsten wiegt neben den bereits eingangs erwähnten Bugs jedoch die Tatsache, dass Cityconomy von der Performance her keine Preise verdient hat. Gegenüber unserer gamescom-Probeversion hat sich die Stabilität zwar verbessert und wir konnten keinen einzigen Absturz verzeichnen, aber unabhängig von den Grafikeinstellungen läuft Cityconomy auf unserem System alles andere als flüssig. Meistens bleibt das Spiel zwar schon noch spielbar, aber vor allem im „Kleinen Saugwagen“ kämpfen wir, warum auch immer, mit einem nervigen Dauerruckeln... Das sollte nicht sein!

Zwischenzeitlich wird der Realismus noch dadurch geschmälert, dass die Soundeffekte ziemlich mies sind. Die Motorengeräusche sind für alle Fahrzeuge identisch, für besondere Lacher sorgen jedoch die Geräusche der Müllfahrzeuge beim Auf- und Abladen der Tonnen. MAN-Lizenzen hin oder her – So klingt kein echtes Müllauto da draußen!

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Bugs wie dieser können einem das Spielerlebnis vermiesen.


Fazit: Schmalspur-Simulation mit guten Ansätzen

Cityconomy macht grundsätzlich ziemlich Vieles richtig und bietet eine großartige Spielebasis, auf die leider in vielen Bereichen nicht ausführlich genug aufgebaut wurde. Der Aufbau eines Unternehmens mit fünf verschiedenen Bereichen klingt verlockend, ist jedoch nicht besonders anspruchsvoll oder tiefgehend, sondern in erster Linie zeitaufwändig. Aspekte wie Personalverwaltung oder finanzielle Planung sind nur auf dem Papier vorhanden.

Ansonsten macht Cityconomy gerade durch seine eher entspannte Art durchaus Spaß, hätte aber auch noch mehr technischen Feinschliff unbedingt vertragen können. Gerade die insgesamt viel zu ruckelige Anmutung kann einen zwischendurch ganz schön ausbremsen. Die hübsche Kulisse und die im Prinzip gelungenen, wenn auch nicht besonders vielfältigen oder abwechslungsreichen Kulissen entschädigen dafür, und so können Simulationsfreaks, die zwischendurch mal entspannen wollen, oder Einsteiger ins Genre gerne einen Blick riskieren!

Pro Contra
+ Hübsche Kulisse - Anspruch und Tiefgang insgesamt sehr gering
+ Fünf Jobs mit freischaltbaren Fertigkeiten - Kaum verwalterische Aufgaben/Anspruch (Personal, Finanzen)
+ Insgesamt recht unkompliziertes und modernes Spielerlebnis - Schwache Performance
+ Ausführen von Aufträgen recht spaßig und realistisch - Miese Soundeffekte
- Teils buggy, keine Rücksetzfunktion für Fahrzeuge
- Jobs ggf. schnell langweilig


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Technik: 56

  • Grafik: 70
  • Sound: 30
  • Gameplay: 69
  • Umfang: 69
  • KI: 40

Spielspaß: 72

Einzelspieler:

  • Story: Ihr baut euer Unternehmen auf – Eine Story gibt’s sonst nicht.
  • Wiederspielwert: Durchaus vorhanden – Vor allem, weil das Spiel ja quasi nie ein Ende nimmt.
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden – Außer, ein Bug versaut euch das Spiel.
  • Design/Stil: Insgesamt recht gelungen – Die Kulisse kann überzeugen.
  • Musik/Sound: Musik gibt’s nicht, die Soundeffekte sind kaum der Rede wert.

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 10 Professional (64 bit)

Wir bedanken uns bei astragon für die Bereitstellung des Reviewmusters zu Cityconomy: Service for your City!

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