Borderlands 2 - Auf Vita ganz groß?

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thomary
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Borderlands 2 - Auf Vita ganz groß?

Beitragvon thomary » So 1. Jun 2014, 23:24

Borderlands konnte direkt ab dem ersten Teil eine große Fangemeinde um sich scharen: Das Spielprinzip, irre Figuren, viel Humor und der schiere Umfang sprechen für sich. Wie oft haben sich die Spieler gewünscht, das Ganze auch unterwegs erleben zu können. Anstatt eines extra Handheld-Ablegers haben die Jungs von Iron Galaxy das Unglaubliche gewagt und bringen gleich das komplette Borderlands 2 - inklusive DLCs - auf die PlayStation Vita. Ob das gut gehen kann?

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Ein Kammerjäger auf der Vita!

Muss man zu Borderlands 2 allzu viele Worte verlieren? Der Großteil von euch, der sich für die Vita-Fassung interessiert, wird das „große“ Spiel vermutlich ohnehin schon kennen. Für alle anderen dennoch eine Kurzfassung der Handlung, über die dieses Shooter-RPG aus dem Hause Gearbox tatsächlich verfügt: Ihr seid ein Kammerjäger und wollt Handsome Jack auf dem Planeten Pandora das Handwerk legen, da dieser versucht, sich des freigesetzten Eridiums (ein mächtiger Rohstoff) und letztlich des ganzen Planeten zu bemächtigen.

Ein ständiger Begleiter ist von Anfang an Claptrap, ein Roboter, dessen elektronische Gehirnwinden ein wenig verrückt spielen, wie ihr als Borderlands-Einsteiger innerhalb weniger Minuten herausfinden werdet. Ihr selbst könnt zwischen sechs Klassen wählen: Es gibt Axton (Commando, eine Art Verteidiger), Maya (Sirene, Unterstützer und Heiler), Salvador (Gunzerker, sehr offensive Klasse mit Doppelbewaffnung), Zer0 (Assassine und somit guter Scharfschütze), Gaige (kann einen Deathtrap herbeirufen) und Krieg (ein Psycho, dessen Randale ihresgleichen sucht).

An dieser Stelle muss man die Vita-Umsetzung von Borderlands 2 gleich loben, und im gleichen Zug auch tadeln: Viele DLCs der Konsolenfassung sind nämlich beim Kauf gleich mit enthalten, so u.a. auch die beiden letzten oben genannten Klassen. Dadurch ergibt sich jedoch auch ein extremer Speicherhunger des Spieles, denn leider müssen die Erweiterungen heruntergeladen werden und es gibt zudem noch einen knapp 400MB großen Patch. Für kleine Speicherkarten sind die rund 2GB, die man für das komplette Erlebnis freihalten muss, also schon kaum machbar!

Was erwartet euch nun, wenn ihr Borderlands 2 nun spielt? Auf dem Weg, Handsome Jack zu erledigen werdet ihr mit jeder Menge krasser Gegner konfrontiert, müsst unzählige Missionen erledigen und könnt „Bazillionen“ verschiedener Waffen und Ausrüstungsgegenstände sammeln. Zudem verfügt Borderlands 2 über diverse Rollenspiel-Elemente, denn ihr könnt euch durch Skilltrees der einzelnen Klassen arbeiten.

Mit einer großen Einschränkung müsst ihr in Borderlands 2 auf der Vita noch klar kommen: Während sich das Spiel eigentlich mit einem Koop-Modus für bis zu vier Spieler schmücken kann, darf man mobil nur mit einem Kollegen zu Werke gehen. Ist zwar schade, aber auch besser, wie sich im Spielverlauf aus technischer Sicht immer wieder zeigt!

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“Ich kann nicht mehr!

So beeindruckend es auch ist, dass Iron Galaxy rein inhaltlich das komplette und riesige Borderlands 2 auf die Vita gebracht hat, so deutlich merkt man auch, dass die Vita häufig an ihre Grenzen gebracht wird – Dass man den Koop auf zwei Spieler reduziert hat, ist sehr schnell verständlich!

Optisch macht das Spiel dabei einen guten Eindruck, denn klar wurde der Detailgrad der Welt reduziert und diverse Dinge wirken nicht ganz so rund, aber dennoch sieht auf dem kleinen Vita-Bildschirm alles ziemlich gut aus und in großen Gebieten mit vielen Gegnern ist es beeindruckend, dass das so auf dem Handheld möglich ist. Vom Sound her gibt es prinzipiell keinerlei Einschränkungen und er ist identisch zur Konsolenfassung.

Die Fassade beginnt jedoch bald zu bröckeln und der gute Ersteindruck lässt nach: Während man diverse Framerateeinbrüche und einige kurze Soundaussetzer in hitzigen Situationen sehr, sehr gerne verzeiht (gerade, weil diese auch auf der PS3 nicht ausbleiben), so wird man in den ersten Spielminuten direkt von einer katastrophalen Einbindung der deutschen Untertitel geschockt. Hier scheint es ein Problem bei der Übersetzung gegeben zu haben und es wurden falsche Texte genommen, die überhaupt nicht zum Gesprochenen passen. Gut, dann deaktiviert man die Untertitel eben. Die Sprachausgabe ist auch über die Vita-Lautsprecher meistens gut zu verstehen, ab und zu gibt es kleinere Abmischungsprobleme.

Schwerwiegender wird das alles schon, wenn man feststellt, dass das rückseitige Touchpad der Vita sein gewohnt zickiges Verhalten auch für Borderlands 2 nicht ablegt: Unter anderem das Sprinten wird durch Berühren der linken Seite des Touchpads ausgelöst, das jedoch öfter einfach nicht reagiert, hin und wieder aber auch einfach dann auslöst, wenn man es gar nicht möchte (als Vita-Spieler werdet ihr wissen, dass ihr auch mit zarten Fingerchen hin und wieder aus Versehen das Touchpad berührt). Einen ersten Höhepunkt erreicht die „Enttäuschung“ aber dann, wenn das Spiel zum ersten Mal komplett einfriert, woran man sich dann gewöhnen muss: Während erst nur der Sound aussetzt, friert das Bild plötzlich komplett ein. Das Einzige, was dann noch hilft, ist ein Beenden und Neustarten des Spieles. Dass Verlassen des Programms (und das Starten von anderen) war bei uns im Test jederzeit möglich, aber es gibt wohl auch Fälle, in denen die Vita wirklich komplett einfriert. Das ist ärgerlich und es ist fraglich, inwieweit man das mit nachträglichen Patches beheben kann, da hier einfach von Zeit zu Zeit die Rechenleistung der Vita in bestimmten Situationen überfordert wird.

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Fazit: Mobilisierung mit Krückstock

Es ist schon erstaunlich, dass man tatsächlich das komplette Borderlands 2 zum Mitnehmen geschaffen hat. Auf den ersten Blick offenbart sich bloß eine grundsätzliche Einschränkungen, denn es dürfen eben auf der Vita nur maximal zwei Spieler im Koop spielen. Ansonsten scheinen Iron Galaxy das komplette Spiel von der großen Konsole auf den Handheld verfrachtet zu haben: Die gleichen „Bazillionen“ an Waffen, die gleiche riesige Spielwelt, unzählige Missionen usw. usw. Über Borderlands 2 als Spiel muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Dafür sieht das Ganze auf dem kleinen Vita-Display auch wirklich gut aus und man kam sogar ohne Einschränkungen am HUD und den Menüs aus.

Es ist wirklich ärgerlich, dass sich im Laufe der Zeit immer wieder herausstellt, dass die Vita mit Borderlands 2 aber eben doch ein wenig überfordert ist. Während man die Framerateeinbrüche und die Ungenauigkeiten des rückseitigen Touchpads gerne noch verzeiht, wiegen Tonaussetzer schon schwerer, bei Komplett-Freezes des Spieles, bei denen nur ein Neustart hilft, hört das Verständnis dann aber doch irgendwie auf. Der extreme Speicherhunger, da die DLCs auch weiterhin heruntergeladen werden müssen, sowie die katastrophale Einfügung der (deutschen) Untertitel verstärkt da den Eindruck, dass an der Umsetzung eben doch nicht so viel Sorgfalt geübt wurde. Somit bleibt Borderlands schon Borderlands, aber die Vita-Version muss im Vergleich zur PS3-Fassung deutlich zurückstecken. Somit solltet ihr auch weiterhin hauptsächlich auf eurer Heimkonsole in Gearbox‘ Werk abtauchen, und wirklich nur für unterwegs zur Vita-Fassung greifen, und zwar auch, wenn ihr Neueinsteiger in Borderlands 2 seid.


Die Pro-/Contra-Punkte beziehen sich in diesem Test ausschließlich auf die Portierung von Borderlands 2!

Pro:
+ Das ganze Borderlands 2 auf der Vita!
+ DLCs inbegriffen
+ Optischer Eindruck hervorragend
+ Riesiger Umfang und hoher Wiederspielwert für ein Handheld-Spiel

Contra:
- Extremer Speicherhunger, da Erweiterungen heruntergeladen werden müssen
- Nur 2 statt 4 Spieler im Koop
- Ruckler, Steuerungsmacken, Tonaussetzer, Freezes – Die Vita ist „leicht“ überfordert!
- Ultra-miese deutsche Untertitel
- Kleinere Tonabmischungsprobleme

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Technik: 71
Grafik: 65
Sound: 68
Umfang: 89
Gameplay: 65

Spielspaß: 69 – Der Spielspaß wird deutlich durch die beschriebenen technischen Macken beeinflusst!
Story: Du = Kopfgeldjäger. Handsome Jack = Böse. Claptrap = Einfach cool!
Frustfaktor: Den gibt’s, ja! Aber dann versucht man es eben nochmal!
Wiederspielwert: Riiiiiieeeesig! Durch verschiedene Klassen und unzählige Missionen definitiv gegeben. Aber lieber auf PS3!
Design/Stil: Es ist eben Borderlands!
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