Darksiders 2 Deathinitive Edition (PS4) im Test - Deathinitiver Techniktod trotz Spielspaß

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Darksiders 2 Deathinitive Edition (PS4) im Test - Deathinitiver Techniktod trotz Spielspaß

Beitragvon Meykota » Do 24. Dez 2015, 15:42

2012 erschien aus dem Hause THQ und Vigil Games ein Titel, der die biblische Geschichte in ein etwas anderes Licht tauchte. Darksiders 2 erzählte die Geschichte der vier Reiter der Apokalypse etwas anders und ließ die Spieler in die Rolle von Tod schlüpfen. Mittlerweile liegt die Lizenz bei Nordic Games, die nicht nur bereits ein bisschen an Darksiders 3 arbeiten, sondern auch die sogenannte Deathinitive Edition zu Darksiders 2 für PC, PlayStation 4 und Xbox One auf den Markt brachten. Ob sich die überarbeitete Version lohnt, verraten wir euch in unserer Review zur PlayStation 4 Version.

Bitte beachtet, dass sich die Technikwertung wie immer auf die technische Umsetzung und die Neuerungen der überarbeiteten Fassung bezieht. Den Kern des Spiels lassen wir weitestgehend ohne Wertung.

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Der Tod ist nicht genug

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Darksiders 2 schließt, wie es der Name schon vermuten lässt, an Darksiders an, allerdings spielen wir nun nicht mehr den Reiter Krieg, sondern seinen Bruder Tod. Und Tod ist ein kleines bisschen anders als wir ihn uns vorgestellt haben. Tod möchte zum einen seinen Bruder Krieg befreien, der 100 Jahre gefangen gehalten wird. Er ist auf der Suche nach dem Verantwortlichen und möchte gleichermaßen die Menschheit zurückbringen. Tod ist vom Charakter eher sanft und mutig aber auch rachsüchtig, aber trotzdem ist er uns ungemein sympathisch. Er ist der klassische unverstandene Anti-Held, der viel mehr Held ist als es irgendein dahergelaufener Held aus irgendeinem anderen Spiel ist.

Auf seiner Reise durchwandern wir das Reich der Riesen, die Welten schaffen, das Reich der Toten, in denen Tod kein Herrscher sondern ein Verräter ist, und das Reich der Engel. Das interessante an diesen drei Reichen ist, dass sie vom Aufbau her alle gleich sind und sich nur vom Design her unterscheiden. Erklärt wird das Ganze dadurch, dass alle Welten parallel zu einander existieren und sich eben nur durch ihre Lebewesen und Gewohnheiten voneinander unterscheiden.

Passend trägt Tod übrigens eine Waffe, die an Kratos‘ Chaosklingen erinnern. Im Laufe eures Abenteuers werdet ihr viele verschiedene Waffen finden, die ihr ausrüsten könnt. Vor allem über eure Sekundärwaffe könnt ihr frei verfügen. Beispielsweise entscheidet ihr, ob ihr eine Sense oder eine Axt zur Unterstützung nehmen wollt. Ansonsten habt ihr relativ wenig Einfluss, könnt jedoch die Rüstungen und die Charakterentwicklung bestimmen. Pro Level erhaltet ihr Punkte, die ihr auf die Entwicklung eures Charakters verwenden könnt. So könnt ihr beispielsweise besondere Angriffe freischalten, eure Angriffe stärken oder gar Ghule beschwören, die für euch kämpfen. Das ist schon ziemlich cool, vor allem weil das Gameplay da das Gameplay so ein bisschen aufgelockert wird.

Darksiders 2 ist aber kein typisches Hack & Slay, es gibt genügend Elemente, die das Gameplay abwechseln. So gibt es hin und wieder verschiedene Rätseleinlagen oder auch Zeitrennen, die einen schon ganz schön fordern können. Das ist zwar stellenweise echt nervig, weil einem die Technik einen morbiden Strich durch die Rechnung macht, Spaß macht es jedoch allemal. Doch dazu gleich viel mehr.

Und dann stirbst du eben doch

Darksiders 2 wurde für die Deathinitive Edition, allerdings nur auf der grafischen Ebene. Grafisch kann der Titel nämlich relativ problemlos mit anderen Spielen der neuen Generation mithalten – auch wenn man immer noch erkennt, wo Darksiders 2 seine Wurzeln hat. Hübsch sieht es dennoch aus und erinnert vor allem grafisch doch immer noch sehr an ein märchenhaftes Abenteuer. Während die Grafik jedoch märchenhaft ist, erinnert der Rest der Technik stellenweise an einen Albtraum, denn hier wurde offensichtlich kein einziger Finger krumm gemacht, um irgendwas wirklich anzupassen.

Und genau bei diesem Punkt sind wir angelangt, dass so viel mehr aus Darksiders 2 hätte herausgeholt werden können. Beispielsweise ist die Steuerung doch ziemlich hakelig. Es gibt einige Momente im Spiel, bei denen man den Controller am liebsten irgendwo dagegen werfen würde, weil Tod einfach nicht genau das macht, was er machen soll. So kann es an vielen Stellen vorkommen, dass er einfach nach oben klettert, anstatt zur Seite oder nach unten. Das ist ärgerlich und versaut ziemlich viele Momente im Spiel – bei denen man nur wenig Zeit hat, bevor man von irgendwas zerquetscht wird, und das ist ganz schön ärgerlich und frustrierend.

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Neben den Problemen mit der Steuerung gibt es auch viele Ladefreezes. Diese treten meistens dann auf, wenn sich die Map wechselt, auf der ihr gerade spielt. Betretet ihr also einen anderen Abschnitt der Karte, friert das Spiel für einen Moment ein und lädt die entsprechende Stelle. Das ist gerade beim ersten Mal ganz schön erschreckend, weil man erst einmal denkt, dass sich die ganze Konsole aufgehangen hat. Hier hätte definitiv noch einmal nachgeschaut werden müssen, dass das problemlos läuft – zumal die Power in der Konsole ja auch vorhanden ist. Aber gut, da hat man eben nur mal eben fix ein grafisches Update drüber geworfen. Aber das sind nicht mal die nervigsten Probleme, die Darksiders 2 leider aufweist.

Viel nerviger sind die Programmabstürze, die meistens vor großen Bosskämpfen auftreten. Da kann es dann schon mal passieren, dass euch das ganze Spiel abschmiert, weil es sich irgendwo in der Cutscene, in der der Gegner auftaucht, aufgehangen hat und euch raushaut. Das ist so was von nervig, vor allem weil wir beim ersten Auftauchen dieses Problems dachten, dass das Spiel kaputt ist: Wir brauchten vier Anläufe, um den Kampf überhaupt starten zu können, weil uns das Spiel immer an genau derselben Stelle abgeschmiert ist. Das darf nicht sein! Das sind Dinge, die bei der Überarbeitung auffallen müssen, oder gab es dafür keine Testspieler? Vermutlich nicht, denn dann wären vermutlich auch die anderen Fehler aufgefallen – oder der Zeitdruck war einfach zu groß, um da noch nachbessern zu können. Aber genau das macht das Gesamtergebnis so mies und trübt den Spielspaß doch ungemein. Denn Darksiders 2 ist an sich ein richtig gelungenes Spiel, das schon fast süchtig macht und den Spieler an vielen Stellen vor Herausforderungen stellt, leider spielt die Technik nicht mit.

Aufgrund dieser Fehler kann es auch sehr oft vorkommen, dass ihr grundlos sterbt, einfach weil euch die Technik nicht leiden kann und somit einfach nicht auf das reagiert, was ihr eigentlich eingegeben habt. Das kommt an einigen Stellen vor, meistens genau dann, wenn man ohnehin nur wenig Zeit hat, weil irgendein tödliches Element hinter einem her ist, und man dann netterweise eben doch irgendwo anders hinhüpft, weil Tod eben doch ganz gern mal tot ist. Schade.

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Fazit: Tod trotz tödlicher Technik

Darksiders 2 ist schon ein kleines bisschen älter, das sieht man dem Spiel zwar an einigen Stellen an, aber trotzdem kann es in der überarbeiteten Deathinitive Edition problemlos mit anderen Spielen mithalten. Es macht Spaß, in die Rolle von Tod zu schlüpfen, der eigentlich sanft ist und die Welt retten will. Es macht Spaß, seine Fähigkeiten auszubauen und sich durch die Welten der Riesen, Toten und Engel zu schlachten. Genauso macht es Spaß, die verschiedenen Welten zu erkunden und der Geschichte zu folgen. Darksiders 2 Deathinitive Edition ist ein spannendes Spiel, das einen manchmal an seine Grenzen bringt und doch hat es seine Schwächen, die vor allem durch die extrem schwache Technik daherkommen.

Darksiders 2 Deathinitive Edition macht seinem Namen im technischen Bereich alle Ehre: Hier wurde einfach nicht noch einmal nachgeschaut, nachdem die Grafik nach oben geschraubt wurde. Es gibt so viele Ausfälle, so viele Systemabstürze, so viele Freezes und Hänger, so viele störrische Tode. Man fragt sich wirklich, ob niemand bei Nordic das Gefühl hatte, doch noch einmal über das Gesamtergebnis zu schauen. Es kann nicht sein, dass das ganze Programm abschmiert, wenn man sich einem Endgegner nähert, es kann nicht sein, dass es bei verschiedenen Momenten einfach einfriert und es kann nicht sein, dass Tod nur das macht, wozu er gerade Lust hat. Das mindert den Spielspaß ungemein, auch wenn die Idee hinter dem Spiel großartig ist und fast schon süchtig macht. Aber wenn die Technik nun einmal auch in der überarbeiteten Fassung nicht stimmt, sind wir uns nicht sicher, was damit schiefgegangen ist.

Wer jedoch das Ursprungsspiel schon einmal gespielt hat, der kann problemlos zugreifen, auch Neueinsteiger sind eingeladen. Man merkt Darksiders 2 eben an, dass es schon ein bisschen älter ist und sich in den meisten Fällen eigentlich sogar wie ein Spiel spielt, das ursprünglich auf die PlayStation 2 kommen sollte. Trotz mieser Technik sprechen wir jedoch eine Kaufempfehlung aus, denn seine Vorzüge hat Darksiders 2 Deathinitive Edition deathinitiv.

Pro Contra
+ Interessante Geschichte - Spiel friert einige Sekunden bei Abschnittswechsel ein
+ Sympathischer Protagonist - Häufige Abstürze bei Endgegnern
+ Coole Auflevelmöglichkeiten - Steuerung eher schlecht als recht
+ Suchtfaktor durchaus vorhanden - Technik wurde einfach nicht überarbeitet
- Häufige, kurze Freezes zwischendrin


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Technik: 62
  • Grafik: 63
  • Sound: 80
  • Umfang: 90
  • Gameplay: 40
  • KI: 38

Spielspaß: 84
  • Story: Ihr wollt als der apokalyptische Reiter Tod euren Bruder Krieg befreien und gleich mal noch die Menschen auf die Erde zurückholen.
  • Frustfaktor: Manchmal ist das Spiel einfach nur fies, weil es einen kniffligen Schwierigkeitsgrad hat. Manchmal ist das Spiel aber auch einfach nur fies, weil es technisch viele Macken hat und euch so sterben lässt.
  • Wiederspielwert: Es macht süchtig, es einmal zu spielen. Wir zweifeln daran, dass man es nochmal spielen würde, weil es keine Entscheidungen oder dergleichen gibt.
  • Design/Stil: Grafisch erinnert Darksiders 2 Deathinitive Edition an ein magisches Märchen, das zwischen Engeln und Toten spielt. Schön anzusehen.
  • Musik: Die Musik passt und auch die Synchronsprecher sind gelungen.


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