Human Resource Machine (Steam) im Test – Gelungene Gehirnzellennutzung?

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Human Resource Machine (Steam) im Test – Gelungene Gehirnzellennutzung?

Beitragvon Meykota » Sa 2. Jan 2016, 22:44

Gerade als Fan von Videospielen wünscht man sich das eine oder andere Mal, selbst einmal Hand anlegen zu können und den kleinen NPCs zu zeigen, wie sie denn nun zu laufen und Aufgaben zu absolvieren haben. Was wäre, wenn es ein Spiel geben würde, das euch genau diese Möglichkeiten bieten würde? Die Jungs von Tomorrow Corporation haben sich genau die gleiche Frage gestellt und ein Spiel entworfen, bei dem ihr nicht nur eigene Programmierungen vornehmen, sondern auch ziemlich knifflige Rätsel lösen müsst. Wie sich Human Resource Machine auf dem PC schlägt und warum wir keine Haare mehr auf dem Kopf haben, verraten wir euch in unserem Test der Steam-Version.

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Ein kleiner Postangestellter

In Human Resource Machine schlüpft ihr in die Rolle eines kleinen Postangestellten, den ihr so programmieren müsst, dass er verschiedene Aufgaben absolviert. Dabei müsst ihr aus der linken Seite Pakete mit Buchstaben oder Zahlen entnehmen und sie anhand bestimmter Aufgaben auf der rechten Seite auf das Paketband platzieren. Ihr steuert euren kleinen Angestellten jedoch nur durch bestimmte Befehle wie beispielsweise „Inbox“, die ihm sagen, dass er etwas von der linken Seite nehmen soll. Weil es jedoch viel zu einfach wäre, wenn jede Aufgabe nur darin bestehen würde, dass ihr die Pakete von der linkten Seite auf die rechte legt, haben sich die Entwickler einige Aufgaben überlegt, die ziemlich knackig sind und uns an vielen Stellen haben scheitern lassen, doch dazu gleich mehr.

Die Level unterteilen sich hierbei in Jahren, je länger ihr also im Unternehmen seid, desto höher steigt ihr auf und desto seltsamer und schwieriger werden die Rätsel, die euch wirklich schon mal bis an die Grenzen der normalen Logik bringen. Wer hier wirklich glaubt, er würde mit normaler Logik und Tüftelei weiterkommen, der irrt sich ein bisschen, denn was relativ einfach anfängt, entpuppt sich schnell als ziemlich knifflige Aufgabe, die man nicht unbedingt leicht lösen kann – das hängt unter anderem mit den wahnsinnig nutzlosen Hinweisen zusammen, die einem die Chefs jeder Etage mit auf den Weg geben. De facto bringen die meisten Hinweise gar nichts und wir werden sie auch nicht weiter als Hinweise bezeichnen, da sie oft nur ohnehin die Aufgabe des Levels zusammenfassen, aber keinen Nutzen erfüllen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern hilft uns auch kein Stück weiter, wenn wir bei einem Rätsel feststecken, doch richten wir einmal unseren Blick auf die Rätsel.

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Logische Logik, oder?

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Human Resource Machine ist definitiv kein Spiel für Leute, die mal ein bisschen Spaß für zwischendurch suchen, da ihr bei vielen Leveln wirklich mitdenken und um mehrere Ecken denken müsst. Der Anfang gestaltet sich wirklich noch leicht: Ihr müsst im ersten Level zum Beispiel lediglich die Kisten von links nach rechts legen. Das geht, das ist nicht schwierig und auch nicht komplex. Weniger Level später allerdings sieht es die Aufgabe beispielsweise vor, dass ihr alle Zahlen mal 40 rechnet und sie dann erst in die Outbox legt oder dass ihr nur die negativen Zahlen in die Outbox legt. Im Laufe der Zeit lernt ihr nämlich weitere Programmierbefehle, mit denen ihr wohl die Rätsel lösen sollt. Viele Aufgaben waren aber einfach nur sehr unfair gewählt und formuliert.

Viele Rätsel sind eher so gestrickt, dass man auf dem ersten (oder dem fünften Blick) erkennt, was die Aufgabe ist. Dann fuchst man sich in die Programmierung, setzt logische Schlüsse, probiert verschiedene Schritte aus und freut sich einen Ast, wenn am Ende alle Pakete auch so in der Outbox ankommen, wie sie da ankommen sollen – und dann beschimpft einen das Spiel, dass die Schritte zwar nun auf die eine Reihenfolge passen, aber auf eine andere nicht anzuwenden ist. Wenn das passiert, erhaltet ihr neue Pakete in einer anderen Reihenfolge und plötzlich ist die zuvor logische Programmierung absolut nutzlos, weil die Figur irgendwie nicht mehr das tut, was sie eigentlich tun sollte, obwohl alles wasserdicht ist. Das passiert gefühlt einfach viel zu oft, ist zwar gut, um das Gehirn anzustacheln, frustriert aber nach dem dritten Level, das genau nach diesem Schema abläuft einfach nur noch. Das ist etwas, was nicht sein müsste.

Wir geben zu, dass wir bei einigen Blicken hin und wieder einen Blick in die Lösung riskiert haben, aber hinterher auch oft nicht schlauer waren als vorher. Zwar hat es mit der Lösung immer geklappt, aber warum wir bestimmte Schritte gehen sollten, wussten wir trotz Lösung auch nicht. Solche Spiele sind zwar für Tüftler ganz gut geeignet, sorgen aber bei den meisten Spielern einfach nur für graue Haare, Frust und jede Menge genervte Gesichtsausdrücke. Aber es ist nicht einmal nur so, dass das Spiel, bzw. seine Level an vielen Stellen einfach nur unlogisch ist, die meisten Texte und „Hilfestellungen“ im Spiel verdienen einfach den Namen nicht. Ja, es gibt Beschreibungen für die verschiedenen Programmierungen, die man anwenden kann, aber mit vielen kann man einfach schlichtweg nichts anfangen – oder man fragt sich direkt „Und was soll ich damit?“, diese Frage kommt zum Beispiel genau dann auf, wenn man plötzlich Notizfelder bekommt, die keinen sinnvollen Nutzen haben und eben nur Notizen Platz bieten. Ähnlich verhält es sich auch mit den bereits erwähnten Hinweisen, die die Chefs der verschiedenen Level immer mal wieder bereithalten. Das sieht dann aber meistens so aus, dass die Aufgabe lautet, dass ihr nur negative Zahlen in die Outbox packen sollt – Der Hinweis des Chefs klingt dann so: „Packe nur negative Zahlen in die Outbox, sodass am Ende nur -1, -2, - 9 und -3 verschickt wird.“ Alles klar? Genialer Hinweis, wie wir finden, suuuuuuper nützlich – nicht.

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Beißender Humor

Es ist ja nicht so, dass Human Resource Machine schlichtweg schlecht ist. Nein, es hat sogar hin und wieder seine guten Momente. Zum Beispiel in den Kaffeepausen, die ungefähr alle 10 Level zu finden sind. Hierbei handelt es sich um kleine Cutscenes, die das Büroleben auf witzige Weise parodieren. Das eine Mal belauscht ihr beispielsweise eure Kollegen, ein anderes Mal passiert etwas Gefährliches in der Stadt, aber ihr geht selbstverständlich wieder zu eurer Aufgabe zurück. Das macht Spaß, diesen Cutscenes zu folgen und zu schauen, wie sich die Geschichte neben den nervigen Leveln entwickelt – Schade nur, dass man dafür unheimlich viel Geduld und Ausdauer braucht.

Ansonsten kann Human Resource Machine auf einen interessanten Soundtrack blicken, der in den meisten Fällen nicht nervig wird. Die Figuren selbst reden übrigens nicht wirklich, sondern haben diese seltsame Brabbelsprache, die jedoch auch ganz gut zum Setting passt. Wir meinen damit: Haben Büroleute und Chefs schließlich was anderes zu sagen außer „Bla Bla?“, auch hier greift also wunderbar der Humor, den wir auch schon bei den Kaffeepausen bemerkt haben. Es macht Spaß, diese kleinen Dinge zu entdecken, die die Level doch ganz schön auflockern können. Übrigens nehmen sich auch manchmal die Level selbst auf den Arm, da es manchmal so ist, dass man in einem Level erst alle positiven Zahlen suchen muss, während man direkt danach dann doch wieder die negativen Zahlen braucht – genauso nutzlos wie manche Aufgaben in Büros.

Human Resource Machine lässt sich übrigens nur mit der Maus steuern, was manchmal ein bisschen knifflig ist, da man sich auf die Steuerung eines Smartphones konzentriert hat. Ergab der Satz gerade Sinn? Ihr steuert den Titel mit der Maus und verwendet sie dabei jedoch wie einen Finger und wischt beispielsweise über die Menüs und die Levelübersicht. Das ist nicht gleich ersichtlich, geht aber ziemlich schnell in Fleisch und Blut über.

Fazit: Werden wir Büroangestellter?

Wir möchten diese Frage verneinen, denn Human Resource Machine ist leider kein Spiel, das man mal eben so spielt und das vermutlich die wenigsten Spieler ansprechen wird. Es ist an vielen Stellen unlogisch und unfair und sogar mit der Lösung wird man bei vielen Momenten nicht so genau wissen, warum genau man das nun tun musste. Zudem sind viele Rätsel sehr unfair gestaltet, sodass das Spiel einem nochmal einen richtigen Schlag in die Magengrube versetzt, wenn man sich gerade schon gefreut hat, dass man das Rätsel gelöst hat. Da macht man die Rechnung jedoch meistens ohne Human Resource Machine. Wer hier wirklich Fuß fassen möchte, braucht nicht nur eine gehörige Portion Logik, sondern auch jede Menge Geduld – und eine gute Haarfarbe, die die ganzen grauen Haare abdeckt.

Aber Human Resource Machine hat nicht nur schlechte Seiten: Es nimmt ganz gerne auch mal die Bürowelt und ihre seelenlosen Angestellten auf den Arm, was das Ganze wirklich sehr auflockert und für den einen oder anderen Schmunzler sorgt. An sich lässt sich jedoch sagen, dass Human Resource Machine ein Nischentitel in einer kleinen Nische ist, der vermutlich nicht sonderlich viele Fans erhalten wird, was schade ist, da die Idee dahinter an sich nicht schlecht ist – nur die Umsetzung selbst ist ein wenig arg unfair und unlogisch. Wir sagen es mal so, fleißige Bastler mit Engelsgeduld kommen mit Sicherheit auf ihre Kosten, alle anderen sollten vielleicht einen Bogen drum machen.

Pro Contra
+ Interessantes Konzept - Hinweise meist nutzlos
+ Viele Möglichkeiten zum Programmieren - Level oft unlogisch gestaltet
+ Beißender Humor - Belohnungscharakter sehr gering
+ Viele unterschiedliche Level - Auch mit Lösung nicht immer logisch
- Offensichtliche Lösungen meistens falsch und nicht anwendbar


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Technik: 59
  • Grafik: 82
  • Sound: 80
  • Umfang: 93
  • Gameplay: 37
  • KI: 20

Spielspaß: 50
  • Story: Ihr arbeitet als kleiner Postangestellter in einem Büro, das ist zumindest das Setting. Wenig später gibt es noch einige humoristische Zwischensequenzen.
  • Frustfaktor: *räusper* Der ist da, hat uns viele graue Haare, abgekaute Fingernägel und unheimlich viele Falten beschert. Hier beißt sich Idee mit KI und Gameplay sehr.
  • Wiederspielwert: Es gibt verschiedene Challenges, die jedoch nicht unbedingt dazu beitragen, dass man die Level nochmal spielen möchte.
  • Design/Stil: Der grafische Stil ist grau und steril, passt jedoch zum Setting.
  • Musik: Die Musik passt.

Information: Das Pressemuster wurde uns von Tomorrow Corpotation zur Verfügung gestellt.

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Re: Human Resource Machine (Steam) im Test – Gelungene Gehirnzellennutzung?

Beitragvon MaruTaruBaru » So 3. Jan 2016, 00:40

also ich finds eher gut, dass die KI sagt "So mit der Zahlenkonstellation mag das zwar funktioniert haben, aber mit einer anderen Zahlenfolge geht es nicht" (bei mir ist der Fall nur einmal bis Etage/Level 20 aufgetreten)
schließlich soll die Programmierung allgemein nutzbar sein, egal welche Zahlen kommen, und nicht nur mit der jetzt gerade generierten Zahlenfolge
ich würde sogar behaupten wollen, dass in jeder Runde zufällig neue Zahlen ausgewählt werden, ein paar Regelmäßigkeiten mit eingeschlossen

die KI erkennt, wann ein Code nicht allgemein nutzbar ist = gute KI


aber so ist das nunmal mit Programmier-Spielchen, sie können sehr schnell die grauen Gehirnzellen herausfordern und gewisse Grenzen ankratzen
dazu der Wiederspielwert der Etagen, wenn man die geringst-möglichen Befehle und Schritte erreich hat, brauch man die Etage nicht nochmal besuchen
wenn diese nicht erreicht wurden, sollte sich der grundlegende Antrieb eines Programmierers melden: einen möglichst optimalen Programmcode erstellen
außer man ist faul und sagt sich "Ja passt schon"

die Einspieler zwischendurch finde ich... belanglos
ich sehe nicht viel Humor drin und frag mich dabei eher "kommt da noch was? ist das gleich vorbei?"
sie geben zwar durchaus etwas Abwechslung und Lebhaftigkeit ins Spiel, aber was auch immer da passiert, ist innerhalb von Sekunden wieder aus meinem Kopf rausgefallen
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Re: Human Resource Machine (Steam) im Test – Gelungene Gehirnzellennutzung?

Beitragvon Meykota » So 3. Jan 2016, 20:52

Was mir bei diesen "So geht das nicht, probier das mal hier"-Dingern aufgefallen ist, ist dass wenn man es dann nicht hinbekommt, automatisch wieder die erste Reihenfolge kommt. Zwar unterscheiden sich die Zahlen und Buchstaben, aber die Anreihung bzw. Sortierung ist immer gleich, außer in der einen Runde, wo man vom System gezwungen wird, etwas anderes auszuprobieren.

Vielen Dank für deine Einblicke ins Spiel :) Das finde ich super, weil eben jeder Tester die Spiele doch ein wenig anders wahrnimmt, was gut ist. So haben nicht alle denselben Einheitsbrei^^

Ich hatte die KI eher deswegen schlechter bewertet, weil ich vieles einfach nicht nachvollziehen konnte, warum nun bestimmte Dinge getan werden. Aber das hätte ich besser beschreiben können, was ich meine, da hast du recht. Es bezog sich bei mir nicht darauf, dass das Spiel erkennt, dass ich jetzt quasi eine "Standardprogrammierung" genommen habe, sondern wirklich darauf, wie die KI die Programmierbefehle in den meisten Fällen bei mir umgesetzt hat. In den meisten Fällen musste ich Lösungen mehrfach (genau gleich) eingeben, bevor die Figur wirklich gemacht hat, was sie machen sollte. Vermutlich war sie bei mir einfach etwas bockig^^
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