Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight (3DS) im Test – Atmosphärisches Dungeon-Crawler-Remake

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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thomary
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Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight (3DS) im Test – Atmosphärisches Dungeon-Crawler-Remake

Beitragvon thomary » Di 2. Feb 2016, 20:48

2008 nahm die Etrian Odyssey Reihe auf dem Nintendo DS ihren Anfang. Mittlerweile gibt es vier Hauptableger der Reihe und einige Spiele, die mit der Reihe in Verbindung stehen. Doch nun tut Atlus, was viele andere auch tun: 2014 erschien bereits Etrian Odyssey Untold: The Millenium Girl, eine erweiterte Version des Serienerstlings mit technischen und inhaltlichen Erweiterungen. Und nun haben wir die Gelegenheit, Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight unter die Lupe zu nehmen, welches, wie der Name unschwer erkennen lässt, das quasi-Remake des zweiten Serienteils darstellt. Ob uns der Auftritt auf dem 3DS überzeugt, verrät der Test.

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Story oder Classic Mode?

Wenn ihr Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight beginnt, könnt ihr als Erstes zwischen dem Storymodus und dem „klassischen” Modus wechseln. Während der Storymodus die obere Auswahlmöglichkeit darstellt, erklärt euch das Spiel gleichermaßen, dass der klassische Modus die ursprüngliche Spielerfahrung darstellt. Tatsächlich gab es im originalen Etrian Odyssey II: Heroes of Lagaard diesen Storymodus nicht.

Nun ist es ziemlich schwer zu erklären, was genau es mit dem Storymodus in Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight auf sich hat. Im Grunde lässt sich seine Bewandtnis so zusammenfassen: Dieser Modus ist super für Einsteiger in die Reihe und bildet eine Art Rahmen um das sonstige Spielerlebnis, gleichzeitig lässt sich derjenige Spieler, der nur den Storymodus spielt, aber doch Einiges entgehen.

Eine Geschichte gibt es im klassischen Modus nämlich auch, nur, dass sie sich voll und ganz auf euch fokussiert: Es geht im Wesentlichen um die Erkundung des „Labyrinth“, einem Dungeon rund um Central City in High Lagaard, in dem es für mutige Abenteurer ein großes Geheimnis zu entdecken gibt. Genau diese Handlung hat der Storymodus auch, nur, dass ihr mit vorgefertigten Helden in die Schlacht zieht, die natürlich jeweils auch eigene Geschichten mitbringen.

Das bedeutet: Dialoge gibt es im Storymodus einige mehr, zudem auch eine inhaltliche Erweiterung, denn die Hauptfigur in der Geschichte ist natürlich ein Held mit einem ganz besonderen Schicksal. Nur im Storymodus habt ihr so Zugang zum Ginnungagap, einem zusätzlichen Dungeon, in dem ihr so alles Mögliche über die besondere Bindung des Helden zum Fafnir Knight erfahrt.

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Wenn ihr nicht gerade "draußen" seid, verbringt ihr die meiste Zeit mit Reden.


Story – Perfekt für Einsteiger

Die Erweiterungen des Storymodus von Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight bringen es mit sich, dass dieser Modus für Einsteiger die perfekte Wahl ist, denn: Ihr müsst euch weder großartig mit den Charakterklassen auseinandersetzen NOCH werdet ihr ganz so sehr im Regen stehen gelassen wie wenn ihr gleich mit dem klassischen Modus einsteigt.

Während es nervig ist, dass man Tutorials beim zweiten (und dritten...) Spielstart nicht überspringen kann, geizt Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight doch ziemlich mit Erklärungen. Am Anfang werden euch die einzelnen Menüs erklärt und wie ihr mit dem Stylus des 3DS umgeht, denn: Eure Map müsst ihr euch selbst zeichnen! Jup, für euch dokumentiert wird nur, welche Felder im Dungeon ihr schon betreten habt. Alles andere, also Türen, Ebenenübergänge oder besondere Stellen könnt ihr selbst einzeichnen, um vor allem auf Dauer den Überblick zu wahren. Gezwungen werdet ihr dazu aber nicht.

Zurück zum Thema: Mit sonstigen Erklärungen geizt das Spiel dann teilweise, beziehungsweise helfen subtile zusätzliche Hinweise im Storymodus am Anfang doch weiter. Wenn man beispielsweise einen Erntepunkt für Materialien entdeckt, geben die Storyfiguren mal so Sätze wie „We should mark that on the map!“ von sich, sodass einem wieder einfällt, dass man das ja tatsächlich einzeichnen könnte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Für die ersten paar Stunden solltet ihr euch insbesondere als Einsteiger in Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight dem Storymodus widmen, doch danach würden wir euch empfehlen, in den klassischen Modus zu wechseln, denn erstens ist die Story jetzt nicht megamäßig berauschend, und zweitens entfaltet Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight nur dann seine ganze Tiefe. Das setzt nur auch voraus, dass ihr dann noch einmal ein neues Spiel anfangt.

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Die Map zeichnen will gelernt sein! (Nein, wir sind nicht AtlusUSA, aber für diese Review gab's leider keine eigenen Screenshots...)


Von Klassen, Rezepten und schwierigen Kämpfen

Beispielsweise mit den verschiedenen Klassen des Spieles kommt man im Storymodus vor allem zum Anfang so gut wie gar nicht in Berührung: Später kann man zwar die Klassen seiner Teamkameraden wechseln, doch es macht bedeutend mehr Spaß, direkt von Anfang an frei eine Gruppe von Abenteurern zusammenzustellen, und sich zwischen Kriegern, Schurken, (Kampf-)Magiern, Tanks und Heilern die richtigen Leute herauszusuchen. Ja, es sind recht klassische MMO-Klassen, die dann auch festgelegt sind. Dennoch (oder gerade dadurch) könnt ihr eure Gruppe durch das Leveln der richtigen Skills richtig gut aufeinander abstimmen und mächtige Gruppen schaffen.

Das ist auch nötig: Wir waren so feige und haben Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight zunächst auf dem leichten „Picnic“-Modus begonnen. Für Einsteiger vielleicht auch keine schlechte Wahl und ungefähr ab Spielstunde vier gibt es die ersten Kämpfe, die zeigen, dass in den rundenbasierten Kämpfen auch Herausforderungen lauern und taktisches Geschick vonnöten ist. Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad ist das von Anfang an so und die „FOEs“, besonders starke Gegner, sind auch tatsächlich zunächst unschaffbar (!), während wir sie im Picnic-Modus auch noch mit unserer Einstiegstruppe weggeputzt haben.

Auf höheren Schwierigkeitsgraden macht es unheimlich viel Spaß, sich den rundenbasierten Kämpfen zu stellen, die dann tatsächlich ein bisschen Planungsvermögen und das effiziente Einsetzen der Skills erfordern. Die Erkundung der Dungeons, vor allem natürlich des Labyrinths, und die Kämpfe sind dann auch der zeitfressendste Teil des Spieles und eine Spielsitzung kann gut und gerne mal ein, zwei Stunden dauern. Speichern geht nur in der Stadt! Diese könnt ihr nebenbei weiterentwickeln, was ein sehr nettes Element ist. So schaltet ihr im Cafe, dem ihr einen eigenen Namen geben könnt, neue Gerichte frei, in dem ihr die richtigen Zutaten anhand der Rezepte entschlüsselt. Schafft ihr das, könnt ihr das Gericht bestellen und profitiert von einem bestimmten Effekt auf eurer nächsten Reise. So sind alle Stadtentwicklungs-Quests coole kleine Aufgaben, die eben nicht großartig sind, dafür aber sinnvoll ins Spielgeschehen integriert wurden.

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Yep, it's a deer... A big one!


Von langen Laufwegen, langen Dialogen und Graphic-Novel-Elementen

Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight kann so stundenlang an den 3DS fesseln, kommt aber auch mit einigen Längen daher. Grundsätzlich gibt es am Spieldesign zunächst nichts auszusetzen: Optisch verzücken die Gebiete ebenso wie durch den atmosphärischen Soundtrack und auch die einzelnen Spielelemente passen wie schon erwähnt gut zusammen. Zwischenzeitlich wirkt Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight aber bisweilen auch eher wie ein mäßiger Graphic Novel.

So sind die Dialoge teilweise relativ lang und eher ermüdend, obwohl sie eigentlich sehr gut ins Englische übertragen wurden und zudem auch mit viel Witz geschrieben sind. Ärgerlich ist aber, dass es häufig eigentlich nichts wirklich Wichtiges zu lesen gibt, bis wir gerade angefangen haben, alles nur noch wegzudrücken und dann natürlich ein wichtiges Detail unserer Mission genannt wurde – Und wenn es nur der nächste Ansprechpartner ist. Dann muss man sich durchs Stadtmenü klicken und hoffen, die richtige Anlaufstelle zu finden. Im „Book“ werden die Quests zwar dokumentiert, aber alles andere als lückenlos. In Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight muss man aufmerksam sein, um immer zu wissen, was gerade Sache ist – Und das fällt manchmal schwer.

Manchmal sind auch die Laufwege ebenso lang, denn zu bestimmten Orten wie zum Beispiel Ebenenübergängen kann man sich zwar teleportieren, doch ein anderes Mal muss man dann doch wieder mehrere Ebenen zurücklatschen, um an sein Ziel zu kommen, wobei man ja auch alle paar Schritte einen Kampf zu absolvieren hat. Überhaupt sind die normalen Kämpfe bald doch eher ermüdend und wir haben uns öfter dabei ertappt, in den Auto-Modus zu wechseln, wo unsere Helden die paar Gegner einfach ganz alleine erledigen.

Und auch während man das Labyrinth erkundet, weist Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight doch so einige Graphic Novel Elemente auf, denn: Viele Dinge müsst ihr euch einfach vorstellen. Wenn ihr mal wieder einen besonderen Ort in der Welt kommt, erzählt euch nämlich nur der Text, was sich gerade vor euren Augen abspielen sollte. Ihr blickt in dem Moment, wo vor euch beispielsweise ein Monster in einer Falle gefangen ist, also nur auf den gleichen statischen (wenn auch sehr hübschen) Hintergrund wie immer... Hier hätten wir uns auf Dauer dann doch ein bisschen mehr optische Abwechslung und Mühe gewünscht, denn die Events, die zahlreich in der Spielwelt ausgelöst werden, könnten eigentlich sehr spektakulär sein, sind aber in dieser Form eben nur gut geschriebene Texte, in denen ihr ab und zu mal klickt, um eure Handlungsentscheidung zu treffen.

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Das taktische Kampfsystem kann euch einiges abverlangen.


Fazit: Lasst euch eine Geschichte erzählen

Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight sollte nicht länger untold bleiben: Wenn ihr mit klassischen Dungeon Crawlern und leselastigen Spielen etwas anfangen könnt, können wir euch diesen Titel sehr ans Herz legen. Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight überzeugt mit tiefgehendem und anspruchsvollem Gameplay, einer tollen Atmosphäre und zudem einer großen Einstiegsfreundlichkeit durch den Storymodus und den Picnic-Schwierigkeitsgrad. Sein ganzes Potential entfaltet der Titel aber nur im klassischen Modus und auf höherer Schwierigkeit, weil euch dann bei der Erstellung eurer Heldentruppe freie Hand gelassen wird, was gerade so spannend an Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight ist. Ansonsten kommt der Titel leider auch mit der einen oder anderen Länge daher, denn die Dialoge und Laufwege sind bisweilen ein bisschen ermüdend bis langweilend. Außerdem hätten wir uns eine bessere Inszenierung der zahlreichen Events gewünscht, die leider nur in Textform ablaufen. Trotz allem kann man sich mit Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight lange beschäftigen und auch viel Spaß mit dem anspruchsvollen Gameplay haben – Einsteiger und Profis gleichermaßen.

Pro Contra
+ Anspruchsvolles (und taktisches!) Gameplay, insb. (Boss-)Kämpfe - Teils langatmige Dialoge, Informationen können leicht überlesen werden
+ Sehr gute Atmosphäre - Lange Laufwege
+ Viele Klassen + gute Charakterentwicklung - Manchmal durch reinen Text sehr unspektakulär/langweilig
+ Hohe Einsteigerfreundlichkeit... - ... aber der Storymodus auf „Picnic“ wird dem Spiel kaum gerecht
+ Gute und mit Witz geschriebene Texte - Standardkämpfe werden mit der Zeit langweilig
+ Sehr gelungener Soundtrack
+ Ordentliche Nebenaktivitäten


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Technik: 82
  • Grafik: 74
  • Sound: 88
  • Umfang: 88
  • Gameplay: 77
  • KI: 85

Spielspaß: 74

  • Story: Nichts Großartiges – Ihr seid ein Held bzw. befehligt eine Gruppe Helden und müsst Geheimnisse im Labyrinth aufdecken. Im Storymodus bringen die vorgefertigen Figuren noch eigene Geschichten mit – Irgendeinen Vorwand für die Ereignisse muss es ja geben.
  • Frustfaktor: Stellenweise denkbar, da manche Kämpfe wirklich fies sein können. Aber: Übung macht den Meister! Manchmal ist es halt schwer abzuschätzen, wann man wirklich bereit ist.
  • Wiederspielwert: Definitiv vorhanden, vor allem, weil man verschiedene Gilden-Konstellationen auswählen kann und auch mit einem Durchgang schon gut beschäftigt ist.
  • Design/Stil: Sehr gelungen und atmosphärisch! Manchmal wäre aber mehr optische Abwechslung und mehr Geschehen auf dem Bildschirm wünschenswert.
  • Musik: Sehr gelungen und atmosphärisch. Die Synchro ist zwar lückenhaft, aber auch sehr gut.

Wir bedanken uns bei NIS America für die Bereitstellung des Musters zu Etrian Odyssey Untold 2: The Fafnir Knight!

Informationen zum Testgerät
Plattform: Nintendo 3DS XL
Version: Standardversion
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 2 Jahre, 2 Monate

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