Discovery (Wii U) im Test – Preisgünstiger Editor für kreative Spieler

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Discovery (Wii U) im Test – Preisgünstiger Editor für kreative Spieler

Beitragvon thomary » Do 11. Feb 2016, 18:08

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Die Wii U ist ganz offenbar die aktuelle Lieblingskonsole der Entwickler für kreative Spiele – Allen voran, wenn es um Titel á la Minecraft geht. Auch wenn ebenjener Titel seit Ende letzten Jahres endlich für Nintendos Konsole zur Verfügung steht, wollen wir ihn für den Rest dieser Review nicht mehr erwähnen, denn es geht hier um Discovery, das ab sofort zum erstaunlich günstigen Preis von 6,99€ im eShop auf Wii U zur Verfügung steht. Wir haben Probe gebaut und verraten euch im Test, was euch bei Discovery erwartet.

Kein Survival, aber volle Freiheit

Discovery könnte auf gewisse Weise einen anderen Typ Spieler ansprechen als seine Genrekonkurrenz, denn: Hier gibt es keinen Survival-Modus, es gibt nicht einmal Waffen! Ein Spiel zu beginnen ist gleich bedeutend damit, einfach in den Leveleditor geworfen zu werden. Danach steht es euch frei, eurer Kreativität freien Lauf zu lassen. Im Wesentlichen könnt ihr euch eine ebene oder eine unebene Welt erstellen lassen, zudem kann sie schon von Beginn an mit Tieren bevölkert sein. Beides könnt ihr natürlich auch selbst erstellen: Berge „baut“ ihr und Tiere lassen sich einfach direkt in der Welt platzieren.

Und dann geht es los: Ihr entfernt Blöcke, fügt neue Blöcke hinzu... Gebäude, Strukturen, Bäume, Seen, Strände, Flüsse, unterirdische Dungeons... Was ihr mit den recht zahlreichen Blöcken im Baumenü anstellt, ist ganz euch überlassen.

Dafür, dass Noowanda Discovery auch für eine Zielgruppe von unter 10-Jährigen vorgesehen hat, lässt einen das Spiel aber vielleicht doch ein wenig zu sehr alleine. „Im Regen stehen lassen“ passt an dieser Stelle nicht, denn in eurer Spielwelt gibt es zwar einen Tag-Nacht-Rhythmus und ihr dürft die Zeit jederzeit selbst vor- oder zurückstellen, Wettereffekte gibt es aber keine. Was wir eigentlich sagen wollten: Die Items, also die Blöcke, mit denen ihr nach und nach eure Spielwelt baut, haben keinerlei Namen. Nur anhand des kleinen Bildchens im Menü wählt ihr sie zunächst aus, unter Umständen nicht wissend, was ihr da gerade in die Hand nehmt. Ach ja, über die Tastenbelegung werdet ihr auch nicht informiert.

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Na dann mal los...


Experimentieren wird belohnt

Somit macht sich Discovery selbst ein bisschen schlechter, als es eigentlich ist, denn: Es gibt verdammt coole Dinge! Die Funktion bestimmter Blöcke erschließt sich halt erstens überhaupt nicht aus dem Menü heraus und zweitens auch nicht dann, wenn ihr den Block einzeln auf dem Boden platziert. Dass man also zum Beispiel Elektrizitätsnetze mit Schaltern für Beleuchtung bauen kann, findet man nur durch Experimentieren (oder ein Video im Internet) heraus... Beschriftungen im Menü würden hier vor allem Einsteigern und jüngeren Spielern bedeutend weiterhelfen. Interessierte Eltern können sich aber mit den Kindern gemeinsam einarbeiten, denn Discovery ist problemlos auch im Koop-Modus spielbar, was allen Spielern weiterhilft, ihre Projekte gemeinsam (und schneller) zu verwirklichen.

Leider macht Discovery (noch) keinen Nutzen von den Funktionen des GamePads, momentan wird auf dem Bildschirm nur die Vogelperspektive angezeigt. Das kann zwar hilfreich sein, da dort auch die aktuellen Koordinaten dauerhaft angezeigt werden, doch diese Infos finden sich auch auf dem TV. Das Inventar auf den Touchscreen zu legen oder Discovery gar ohne Fernseher zu spielen, ist aktuell nicht möglich – Aber eines der vielen Dinge, die noch kommen sollen.

Davon abgesehen geht das Bauen (und ggf. Abreißen) aller möglichen Dinge weitestgehend gut von der Hand. Auf Knopfdruck wechselt die Spielfigur zwischen dem normalen Gehmodus und dem Schwebemodus, in dem ihr euch frei in alle Richtungen bewegen könnt, was beim Bauen natürlich eine unheimliche Erleichterung ist. Kleine Probleme macht ab und zu das präzise Platzieren von Blöcken, da manchmal der falsche Ort anvisiert wird. Doch unter anderem dafür verspricht Noowanda bereits Besserung.

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Erkennt ihr die Farben? Das wird mal ein Palast!


Sehr hübsch, aber...

Überhaupt haben uns die Entwickler bereits wissen lassen, woran sie gerade arbeiten, was diesen Test für uns ein kleines bisschen schwierig macht, denn: Noowanda arbeitet nicht nur an zahlreichen Fehlerverbesserungen und einer technischen Überarbeitung, sondern auch an inhaltlichen Erweiterungen. Dennoch bewerten wir das Spiel nun mal zum aktuellen Zeitpunkt, wie es uns (und den anderen Spielern) zum Release vorlag.

Grafisch macht Discovery eine ziemlich gute Figur: Während einige Objekte und vor allem die Tiere zwar nicht unbedingt hübsch sind, beeindrucken insbesondere die Lichteffekte. Hier hat man unglaublich gute Arbeit geleistet, sodass gerade die Sonnenstrahlen und auch schummriges Licht beim Sonnenauf- oder –Untergang wirklich gut gelungen sind. Auch die Weitsicht geht in Ordnung, doch dafür kämpft Discovery auf der Wii U durchaus mit Performanceproblemen: Die Bildrate ist nie so richtig stabil, jedoch muss man dem Spiel zugutehalten, dass dies erstens nie das Spielerlebnis wirklich beeinflusst und zweitens werden die Ruckler mit mehr Inhalt auf dem Bildschirm auch nicht mehr. Nervig ist nur, dass Aktionen teilweise mit Verzögerung durchgeführt werden, sodass man Blöcke auch schon mal doppelt setzt.

Einmal brachte Discovery auch unsere Wii U zum Absturz, sodass sie nur über den Zwangs-Reset neustarten konnten. Noowanda arbeitet derzeit jedoch am ersten großen Update für die Wii U Fassung, welches die hier genannten Probleme aus dem Weg räumen soll, unter anderem durch ein Update der Engine von Unity 4 auf Unity 5 (!). In den bisher zum Update veröffentlichten Videos (Video 1/ Video 2) macht das schon einen guten Eindruck und Discovery bekommt im gleich Zug auch gleich noch neue Inhalte, wie beispielsweise farbiges Licht und einiges mehr. Auch ein neuer Titel für den schon jetzt starken, weil atmosphärischen Soundtrack ist mit an Bord. Die zusätzliche Abwechslung im Musikangebot wird gut tun, denn die Stücke bieten momentan nicht viel Abwechslung. Zudem würden wir uns wünschen, dass sie fließende ineinander übergehen, denn die Übergänge sind momentan sehr schlampig.

Es ist dieser Blick in die Zukunft, der bei Discovery unglaublich viel Lust auf mehr macht. Für den schmalen Preis von 6,99€ bekommen Spieler schon jetzt einen tollen Welteneditor, der hier und da leider noch an Kinderkrankheiten und technischen Problemen krankt, was nicht unbedingt sein sollte. Doch der Service, der zu erwarten ist, ist super und das Update macht einen guten Eindruck. Wir bringen dies in unserer (subjektiven!) Spielspaßwertung zum Ausdruck.

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Diese Lichteffekte sind toll!


Fazit: Solider Editor mit toller Zukunftsaussicht

Mit Discovery bietet Noowanda einen sehr günstigen Titel für alle im Wii U eShop an, die einfach mal kreativ sein wollen. Auf einen Survivalmodus, der bei vielen Genrekollegen gang und gäbe ist, verzichtet der Titel, und möchte damit vor allem auch junge Kreative ansprechen. An diesem Anspruch scheitert man teilweise, da überhaupt keine Erklärungen gegeben werden, so erfährt man weder etwas über die Tastenbelegung, noch über die Objekte, die sich da im Inventar befinden.

So entfaltet sich Discovery dann auch wirklich erst Stück für Stück, sofern man sich keine Videos im Internet ansieht. Die Möglichkeiten des Welteneditors sind beeindruckend und gehen teilweise sogar über die des großen uns allen bekannten Titels hinaus. Noch dazu sehen die entstandenen Welten vor allem dank der tollen Lichteffekte sehr hübsch aus. Ansonsten krankt Discovery noch an einigen technischen Problemen wie der relativ schwachen Performance, was zum Launch keine optimale Situation ist. Doch daran arbeitet Noowanda derzeit – Das in Aussicht gestellte Update mit technischen Verbesserungen und inhaltlichen Neuerungen klingt großartig und wir lassen diesen (vermutlich) guten Service auch in unsere Spielspaßwertung einfließen, denn vor allem für das kleine Geld kann man mehr eigentlich kaum erwarten, wo Discovery ja auch schon in der derzeitigen Form für Kreative genau das Richtige ist.

Pro Contra
+ Beeindruckende Möglichkeiten (die man selbst entdecken muss) - Performanceprobleme (Framerate, Freezes der Konsole)
+ Sehr große und hübsche Welten möglich - Mangelnde Einsteigerfreundlichkeit
+ Tolle Lichteffekte - Keine Nutzung der Wii U GamePad-Features
+ Gelungene Musikuntermalung - Platzierung von Blöcken manchmal unpräzise
+ Ein einfacher Editor ohne unnützes Beiwerk - Schlampige Übergänge beim Soundtrack
+ Viel Spiel fürs Geld


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Technik: 72
  • Grafik: 66
  • Sound: 68
  • Umfang: 85
  • Gameplay: 69
  • KI: 70

Spielspaß: 85

Einzelspieler

  • Wiederspielwert: Der Wiederspielwert ist quasi unbegrenzt – Oder gehen euch so schnell die Ideen aus?
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden – Oder höchstens dann, wenn das Spiel einen Block falsch oder doppelt platziert.
  • Design/Stil: Stimmig – Die Welten sind sehr hübsch! Einige Elemente (Tiere) fallen hier etwas raus.
  • Musik: Die Musikuntermalung ist sehr gelungen, es fehlt nur etwas an Abwechslung und die Übergänge sind sehr schlampig bzw. brechen die Musikstücke immer zu bestimmten ingame-Uhrzeiten ab.

Informationen zum Testgerät

Plattform: Wii U
Version: Premium 32GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware, Spiel installiert auf internem Speicher.
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 7 Monate

Wir bedanken uns bei Noowanda für die Bereitstellung des Pressemusters zu Discovery!


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