Nights of Azure (PS4) im Test – Wenn der Tag zur Nacht wird

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Nights of Azure (PS4) im Test – Wenn der Tag zur Nacht wird

Beitragvon Meykota » Do 31. Mär 2016, 18:34

Das japanische Entwicklerstudio GUST werden die meisten vor allem durch die Videospielreihe Atelier kennen, doch das Entwicklerstudio kann auch anders – wie sie mit dem Action-RPG mit Pokémon-Touch namens Nights of Azure bestens beweisen. Wir haben uns von GUST auf die versteckte Insel in der Nordsee begeben, gegen fiese Monster gekämpft und uns in einige Anhänger verliebt, während wir einer spannenden Geschichte gefolgt sind. Wie, ihr braucht mehr Fakten? Okay, kein Ding, hier ist sie: Unsere Review zu Nights of Azure, das für die PlayStation 4 zur Verfügung steht.

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Es ward Nacht

Nights of Azure erzählt die Geschichte einer Insel, die mitten verborgen in der Nordsee liegt und auf keiner Karte zu finden ist. Der Grund dafür ist sehr schnell erklärt: Besagte Insel wird von einem gefährlichen Fluch heimgesucht, den einst der Dämonenkönig über die Insel verhängte. Dieser Fluch ergab sich aus einem schrecklichen Kampf zwischen einer Heiligen und dem Dämonenkönig, den die Heilige und somit auch die Menschen der Nordseeinsel verloren. Die Folge: Die Nacht wurde zu einem gefährlichen Pflaster, denn fortan streiften Dämonen durch die Ortschaften und sorgten für Unheil. Den Menschen wurde das Nachtleben genommen, doch es sollte noch schlimmer kommen. Denn da gibt es noch diese eine Prophezeiung, laut der sich eine junge Heilige opfern muss, um die Welt erneut in Frieden zu hüllen.

In Nights of Azure begleiten wir die Kriegerin Arnice, die auf die Nordseeinsel zurückkehrt. Ihre Aufgabe besteht darin, die Heilige zu beschützen, doch diese ist keine Unbekannte. Arnice kennt Lilysee schon ihr ganzes Leben lang und gemeinsam haben sie verschiedene Missionen in Frankreich, Deutschland und einigen anderen Ländern der Welt gemeistert. Nun steht ihnen ihr bislang größtes und gefährlichstes Abenteuer bevor, ob sie es schaffen werden?

Die Story in Nights of Azure ist ziemlich gut erzählt. Es gibt jede Menge Intrigen und Geheimnisse, ruhige Momente und auch heftige Auseinandersetzungen. Nights of Azure hat von allem genau die richtige Portion, sogar die Liebe spielt eine ganz bestimmte Rolle, doch davon wollen wir euch an der Stelle nicht noch mehr verraten. Stattdessen können wir euch sagen, dass man der Story ziemlich gut folgen kann, auch wenn die Tonspuren nur auf Japanisch verfügbar und die Untertitel auf Englisch sind. Da gibt es wirklich kein Problem, weil die Atmosphäre von vorne bis hinten stimmt: Sowohl das alte Hotel als auch die alte europäische Stadt, die uns vom Stil her schon ein kleines bisschen an Bloodborne hat denken lassen, denn auch das Spiel hatte eine gelungene Atmosphäre.

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Wo fangen wir an…?

Es ist gar nicht so leicht, einen wirklichen Einstieg in eine Review zu Nights of Azure zu finden, das geben wir ehrlich zu. Es gibt so viele Aspekte, über die wir noch reden möchten – und das tun wir jetzt auch und beginnen nämlich am grundlegenden Gameplay, das uns wirklich sehr gut gefallen und in seinen Bann geschlagen hat. Zunächst einmal sei gesagt, dass Nights of Azure ziemlich actionlastig ist. Es gibt keine Arenen oder dergleichen und auch kein rundenbasiertes Gameplay: Ihr hackt euch durch die verschiedenen Gegner, die aber übrigens nicht so richtig in Horden auftreten, wir haben es also nicht mit einem Nights of Azure Warriors zu tun.

Zur Seite stehen euch sogenannte Servans, die es in ganz verschiedenen Ausführungen und mit unterschiedlichen Ausrichtungen gibt. So gibt es beispielsweise Servans, die richtige Supporter sind und die euch heilen und auch schützen können. Oder es gibt Tanks, die entsprechende Fähigkeiten haben, um die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich zu ziehen. Selbstverständlich gibt es auch noch Angreifer, die schnell im Angriff sind und auch entsprechenden Schaden verteilen. Zusätzlich unterteilen sich alle Servans auch noch in Nah- und Fernkämpfer. Welche Servans euch am besten liegen, müsst ihr jedoch für euren eigenen Kampfstil selbst herausfinden.

Es hat allerdings verschiedene Auswirkungen, wenn ihr euch für einen bestimmten Servan entscheidet. Ihr könnt insgesamt vier Decks Servans bei euch führen – und jedes dieser Decks benötigt einen Anführer. Der Vorteil des Anführer-Servans: Es spawnt ganz automatisch sobald ihr eine Map betretet. Alle anderen Deck-Servans müsst ihr erst gesondert beschwören. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Anführer des Decks auch die Verwandlungsform von Arnice festlegt. Diese Kampfform könnt ihr erst dann aufrufen, wenn ihr eine gewisse Anzahl an Gegnern ins Jenseits befördert habt, sie ist jedoch immer nur für eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Ihr solltet diese Formen also sinnvoll bei Bosskämpfen anwenden.

Uns hat am Gameplay vor allem die Komplexität gefallen, weil es wirklich etwas ausmacht, welche Servans ihr dabei habt. Sicherlich könnt ihr so auch den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen, da eben auch jeder Servan seine Stärken und Schwächen hat. Zusätzlich kann Arnice auch noch verschiedene Waffenarten tragen, was dem Ganzen noch einen ganz schönen Tiefgang verleiht und die Spieler auch einmal dazu anregt, über bestimmte Dinge wie Taktik oder Strategie nachzudenken. Apropos Strategie und Taktik: Diese beiden Dinge braucht ihr auf jeden Fall bei verschiedensten Gegnern, um auch wirklich zum Ziel zu gelangen. Bei den meisten reicht es zwar aus, wenn ihr einfach nur draufkloppt, aber besonders Bosse haben ihr ganz eigenes Muster, das ihr erkennen solltet.

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Und weiter geht’s

Nights of Azure hat neben einem tollen Kampfsystem und einer spannenden und herzergreifenden Geschichte aber auch noch einige andere Dinge, die wir nun mal in den Vordergrund rücken müssen. Wie es sich für ein gutes Rollenspiel gehört, gibt es in Nights of Azure nämlich auch noch jede Menge Dinge, die ihr nebenbei machen könnt. Neben den bekannten Quests gibt es nämlich doch noch einiges, was sich zu entdecken lohnt. Zum gibt es die bereits erwähnten Quests, die im ganz normalen Stile von RPGs daherkommen, zum anderen gibt es dann zum Beispiel die Tages-Aktivitäten. Diese werden automatisch ausgeführt, wenn ihr von einer Reise in der Nacht zurückkehrt. Die Tages-Aktivitäten dienen im Grunde dazu, dass ihr verschiedene Punkte sammelt, die dann wiederum für diverse Skills erforderlich sind. Habt ihr eine gewisse Anzahl an Punkten verschiedenen Kategorien gesammelt, könnt ihr dann Skills freischalten, die beispielsweise eure Angriffe stärken oder eure Kampfformen langer aufrechterhalten.

Zusätzlich habt ihr noch die Möglichkeit, die Welt zu erkunden. Dafür schickt ihr einfach eure Händler los, um verschiedene Gebiete der Welt zu bereisen, um somit verschiedene Items zu sammeln. Eine Reise kann mehrere Tage dauern – keine Sorge, mit jedem Nachtausflug geht auch ein Tag vorbei. Das ist eine nette Dreingabe und sorgt dafür, dass ihr die Trophäe mit den Items ein kleines bisschen schneller bekommt.

Zu guter Letzt gibt es noch die Arena, in der euch verschiedene Aufgaben zur Verfügung stehen. Diese Aufgaben sind unterschiedlich schwierig und stellen euch vor unterschiedliche Herausforderungen. Bei einigen dürft ihr beispielsweise nur eure Servans kämpfen lassen, bei anderen braucht ihr eine ganz bestimmte Reihenfolge und wieder bei anderen stehen euch nur vom Spiel festgelegte Servans zur Verfügung. Dass das nicht immer reines Zuckerschlecken ist, sollte klar sein. Vor allem weil ihr nicht nur die Aufgabe erledigen müsst, sondern auch noch eine bestimmte Punkteanzahl erhalten möchtet, für die ihr wiederum belohnt werdet. Je besser ihr seid, desto höher winkt auch die entsprechende Belohnung. Nicht immer sind die Aufgaben allerdings leicht zu verstehen, sodass manches Mal der „Failed“-Bildschirm zu sehen ist. Das Beste: Einfach noch einmal versuchen. Das ist auch der Fall, wenn ihr sterbt. Nights of Azure hat nämlich mal einen Schritt weitergedacht: Wenn ihr sterbt, habt ihr die Wahl, zurück ins Hotel zu kehren oder das Ganze einfach noch einmal zu versuchen.

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Oh, wie schön ist Nights of Azure?

Nights of Azure hat eine ganz besondere Atmosphäre, von der wir bereits sprachen, doch es hat auch hier noch einiges mehr, dieses Mal gibt es sogar ein paar negative Aspekte. Was uns neben der Atmosphäre sehr gut gefallen hat, war der Soundtrack, der offensichtlich von einem Meister erschaffen wurde. Auch hier besteht eine direkte Ohrwurmgarantie und nach wenigen Minuten im Spiel, wird man sich fragen, ob man die Musik nicht schon ein Leben lang kennt. Hier wurde wirklich sehr gute Arbeit geleistet, ebenso wie bei den verschiedenen Charaktermodellen. Diese sind sehr schön gemacht und haben ihren ganz persönlichen Charme. Schade ist hierbei nur, dass es hin und wieder zu einigen fast schon witzigen Clippingfehlern zwischen den Kleidungen oder Haaren gibt. Hier hätte noch einmal geschaut werden können, aber möglicherweise war es eine Optimierungsfrage, immerhin erschien Nights of Azure in Japan auch noch für die PlayStation 3 und die PlayStation Vita.

Kommen wir nun jedoch zu einer Stelle, die wirklich nicht schön ist und für die wir auch absolut keine Blumen verteilen: Die Framerate in Nights of Azure ist stellenweise ziemlich im Eimer. Besonders wenn ihr im Kampf seid, ruckelt sich alles zurecht. Das ist wirklich ärgerlich und hätte nicht sein müssen. Selbstverständlich hat es kaum einen Einfluss auf das Spielgeschehen, aber ärgerlich ist es trotzdem, wo doch der Rest von Nights of Azure so lohnenswert ist. Zu Freezes kam es aber übrigens zu keiner Zeit während unserer Testphase. Weiterhin reagiert Arnice nicht immer auf unsere Eingaben, sodass wir an einigen Stellen unseren Eingabebefehl mehrfach eingeben müssen, bis sie endlich das macht, was sie machen soll.

Und zu guter Letzt möchten wir uns noch über den schwankenden Schwierigkeitsgrad auslassen. An sich ist Nights of Azure nämlich wirklich kein schwieriges Spiel, wenn man sich ein wenig ins Gameplay reingefuchst hat. Dennoch gibt es Stellen, da möchte man GUST für klatschen: Da sind dann plötzlich steinharte Gegner, die viel komplexer und schwieriger sind als die Bossgegner selbst. Das muss doch nicht sein und führt doch nur zu unnötigem Frust. Aber wer mit alldem leben kann, der hat ein verdammt gelungenes Spiel.

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Fazit: All die (fast) verdammt perfekten Nächte

Nights of Azure hat es uns auf der PlayStation 4 angetan. Wir sind in die Story verliebt und von Arnice können wir kaum die Blicke abwenden. Selten haben wir eine so tiefgehende Story erlebt, die auch noch verschiedene Aspekte des Erwachsenwerdens beinhaltet und das auch noch so derart gut verpackt, dass man problemlos der Geschichte folgen kann. Besonders angetan sind wir vom Gameplay, das rasant, aber dennoch tiefgründig ist und ein gewisses Maß an Strategie und Taktik erfordert. Nights of Azure ist ein Spiel, auf das wir fast nur einen Lobgesang singen können, auch wenn es natürlich kleinere Schwächen hat. Wer jedoch auf der Suche nach einem guten JRPG auf der PlayStation 4 ist, der ist mit Nights of Azure so was von gut beraten, das glaubt ihr gar nicht.

Klar, ihr müsst euch an die Schwächen wie die häufig einbrechende Framerate gewöhnen, aber da das nur Einbrüche sind, die keine Auswirkungen auf das eigentliche Spielgeschehen haben. Von daher solltet ihr problemlos mit dem Spiel zurechtkommen. Wichtig ist jedoch, dass ihr entweder Japanisch oder Englisch versteht, da Deutsch beispielsweise nicht unterstützt wird. An sich sollte das aber auch kein Problem darstellen, da das Englisch doch sehr gut zu verstehen ist. Uns hat Nights of Azure süchtig gemacht und wir hoffen, dass auch bei euch der Funken übergesprungen ist, denn dieser Titel lohnt sich wirklich: Wer ihn verpasst, hat definitiv was verpasst im Leben und wird für immer mit diesem leeren Platz im Herzen zurechtkommen müssen.

Pro Contra
+ Spannende Geschichte in Europa - Einbrüche der Framerate bei viel Action auf dem Bildschirm
+ Gelungene Charaktere - Leider nur japanische Tonspur
+ Interessantes und rasantes Gameplay - Interessante Clippingfehler
+ Viel zu tun - Reaktion auf Steuereingaben nicht immer
+ Passabler Schwierigkeitsgrad… - … der hin und wieder schwankt
+ Schöne Charaktermodelle
+ Sehr gelungener Soundtrack


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Technik: 89
  • Grafik: 78
  • Sound: 93
  • Umfang: 97
  • Gameplay: 87
  • KI: 89

Spielspaß: 95
  • Story: Uns hat die Story bis ins kleinste Detail gefallen. Es geht um Abenteuer, Mut, Liebe, Vergeltung und Weltrettung! Im Grunde haben wir es bei Nights of Azure gleich mit mehreren Coming of Age Geschichten zu tun, was uns wirklich sehr gut gefällt.
  • Frustfaktor: Da der Schwierigkeitsgrad hin und wieder schwankend ist, ist der Frustfaktor eher mittelmäßig. Zum Glück kommt man bei einem Tod allerdings nicht zum Startmenü zurück, was den Frustfaktor etwas senken sollte.
  • Wiederspielwert: Hoch, zumindest die Sucht zum Spielen ist vorhanden. Ob man die Story allerdings noch einmal spielen wird, können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen.
  • Design/Stil: Die Atmosphäre ist ziemlich griffig und fest, auch der grafische Stil ist super.
  • Musik: Hervorragender Soundtrack, der super zu den verschiedenen Szenen passt und auch noch Ohrwurmgefahr bietet.

Information: Vielen Dank an Koch Media für das Pressemuster von Nights of Azure.


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