Blues and Bullets Episode 2 (Xbox One) im Test - Polizist und Verbrecher ermitteln wieder

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thomary
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Blues and Bullets Episode 2 (Xbox One) im Test - Polizist und Verbrecher ermitteln wieder

Beitragvon thomary » Di 12. Apr 2016, 18:55

Gegen diese Wartezeit haben sogar die größten Telltale-Ausreißer nichts auszurichten: Über ein halbes Jahr mussten Spieler der ersten Blues and Bullets Episode auf die langerwartete Fortsetzung warten. Wir hatten den Vorläufer als „genialen Auftakt“ gelobt und eine sehr gute Wertung von 86 Punkten vergeben – Ob die zweite Episode Stich ins Bienennest da mithalten kann, verrät unser Test.

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Krumme Geschäfte in Santa Esperanza

Beim Spielstart weist das Entwicklerteam A Crowd of Monsters explizit daraufhin, dass man in Blues and Bullets historische Stoffe und Figuren verarbeitet. Das ist tatsächlich so, denn bereits in Episode 1 haben wir gemeinsam mit dem Protagonisten Elliot Ness, einem ehemaligen Polizisten, Al Capone kennengelernt, der nach 20-jähriger Abwesenheit wieder in den fiktiven Ort Santa Esperanza zurückkehrt. Alphonse Gabriel „Al“ Capone war tatsächlich einer der berüchtigsten Verbrecher der USA in den 1920er und 30er Jahren – Die in Blues and Bullets gezeigte Vergangenheit ist auf alle Fälle keine schöne.

Doch nun möchte Al Capone Hilfe von Ness – Wie kommt man dazu, einem berüchtigten Schwerverbrecher zu helfen? Nun, in Blues and Bullets gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, wenngleich auch viel Dunkelgrau, jedoch kommt nicht nur Al Capone, sondern auch Ness ins Schwitzen, wenn es um die Familie geht.

Blues and Bullets Episode 2 spinnt die im Auftakt begonnene Story sehr gut weiter und vermittelt glaubwürdig, dass wir tiefer und tiefer in die Unterwelt von Santa Esperanza einsteigen. Wie tief Elliot Ness als ehemaliger Polizist schon drinsteckt, macht Blues and Bullets Episode 2 vor allem gegen Ende mit gekonnten spielerischen Kniffen deutlich – So spielt man kurzerhand zwischendurch auch mal Al Capone und darf sich an einer weiteren Stelle dafür entscheiden, ob man einen Schusswechsel gegen unzählige Ganoven lieber mit Al Capone oder Ness hinter sich bringen möchte.

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Im düsteren Stil steigen wir in die Unterwelt von Santa Esperanza ein!


Entscheidungen, Entscheidungen...

Dieses Mal spielen aber auch das Private und vor allem die Gefühle bzw. das Gewissen von Elliot eine Rolle, denn wir steigen öfter in seine Erinnerungen ein – Er hatte nämlich mit Al Capone schon einmal zu tun, vor vielen Jahren. Und grausame Details des Falles zermürben seinen Geist oder wiederholen sich jetzt.

Blues and Bullets Episode 2 ist stilistisch ziemlich finster, wenngleich auch nicht so grausam und brutal wie die erste Episode. Mehrfach darf man natürlich auch größere Entscheidungen treffen, wobei diese dieses Mal nicht so viel Zugkraft haben, wie sie haben könnten, zudem sind sie ähnlich wie in der vorherigen Episode nicht immer ganz leicht zu durchschauen, da häufig nur einzelne Stichworte die Entscheidung zusammenfassen sollen – Obwohl die Übersetzung eigentlich gut ist, ist das nicht immer ganz geglückt.

Die Entscheidungen in Blues and Bullets Episode 2 beeinflussen nach unserem Eindruck ausschließlich die Dialoge – Echte Auswirkungen haben wir dieses Mal dann doch vermisst. Überhaupt macht die Episode einen sehr filmischen Eindruck, wo man bei Ermittlungen und Schusswechseln selbst aktiv werden darf und ansonsten eben noch Kleinigkeiten verändern darf.

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Die Entscheidungen haben für den Moment leider keine allzu große Tragkraft.


Lahm, lahmer, Elliot Ness

Auch wenn A Crowd of Monster stilistisch mit seinem Black Noir Stil tatsächlich wieder ins Schwarze trifft, gelingt das spielerisch und technisch dieses Mal nicht so ganz. Zwar fährt man eine schöne Auswahl an Spielelementen auf und bietet eine ordentliche Abwechslung in den knapp zwei Stunden Spielzeit, jedoch fällt dieses Mal das extrem lahme Spieltempo negativ auf, das vor allem durch den übertrieben gemächlichen Gang des Protagonisten verursacht wird.

Schon in der ersten Episode hatten wir bemängelt, dass Elliot Ness mit seinem Spazierschritt eher ermüdend wirkt, und dass die Tastenbelegung des Sprintens sehr ungünstig ist: Den linken Stick muss man drücken, während man diesen ja gleichzeitig zur Fortbewegung benutzen muss. In Blues and Bullets Episode 2 funktioniert das Sprinten noch viel weniger gut als in der ersten, aber noch dazu sprintet Elliot jetzt auch noch in Zeitlupe – Das nervt.

So wird vor allem die eigentlich gelungene Ermittlungssequenz im zweiten Teil der Episode zur Geduldsprobe, vor allem wenn man einen einzelnen Hinweis in dem mehrere Räume umfassenden Level übersehen hat und diesen suchen muss. An der Bewegungsgeschwindigkeit von Elliot Ness müssen die Entwickler unbedingt etwas tun – In der nächsten Episode sollte man außerdem auf Schusswechsel mit allzu vielen Gegnern verzichten. In den Ballereinlagen wirkt Blues and Bullets Episode 2 wie ein unterdurchschnittlicher Railshooter, in dem einem die Gegner im Grunde rein gar nichts entgegenzusetzen haben. In der ersten Episode waren die Schusswechsel wesentlich flotter, wenngleich auch nicht anspruchsvoller, doch dieses Mal wirken sie in erster Linie zu ausgedehnt und eher ermüdend.

Wie schon in Episode 1 gilt: Grafischer Stil steht weiter über grafischer Qualität, denn Texturen und Objekte sind in Blues and Bullets Episode 2 teilweise sehr schwach. Grafisch steht die Episode ohnehin ein ganzes Stück schlechter da als der Vorläufer, trotz des gelungenen Stils und der sehr ansehnlichen Schauplätze. Wie wir schon erwartet haben, ist eine stabile Framerate auch nichts, was bei Blues and Bullets Episode 2 auf der Pro-Liste auftauchen wird.

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Die Railshooting-Einlagen sind weniger gelungen.


Fazit: Leichte Ernüchterung

Blues and Bullets Episode 2: Stich ins Bienennest spielt seine größten Stärken bei der Story aus, denn auch wenn wir einige Details des Auftakts durch die lange Wartezeit schon wieder vergessen hatten, so wird der Einstieg in die kriminelle Welt von Santa Esperanza glaubwürdig, atmosphärisch und auch stilistisch ganz fabelhaft vermittelt. Auch die Gefühlswelt des Protagonisten Elliot Ness wird gekonnt inszeniert und am Ende der Episode durch spielerische Kniffe deutlich gemacht, auf was sich der Protagonist da einlässt. Spielerisch und technisch muss A Crowd of Monsters beim nächsten Mal aber nachlegen: Das unheimlich behäbige Spieltempo und die lahme Fortbewegung des Protagonisten nerven dieses Mal trotz gelungener Gameplayelemente gewaltig – Ansonsten kann der gute Stil dieses Mal auch die grafischen Mängeln nicht ganz so gut übertünchen, während die Bildrate weiterhin ein Sorgenkind ist. Blues and Bullets Episode 2 ist keinesfalls schlecht, aber auch nicht so gut, wie wir nach dem großartigen Einstieg erhofft haben.

Pro Contra
+ Story wird gekonnt fortgesetzt - Technisch sehr durchwachsen (Bildratenprobleme, schwache Texturen)
+ Gelungene Inszenierung des Protagonisten - Extrem lahmes Spieltempo (Elliot schleicht dauerhaft!)
+ Stilistisch recht sicher - Auswahlmöglichkeiten teilweise undurchsichtig
+ Abwechslungsreiches Gameplay - Schwachsinnige Tastenbelegung für das Sprinten
+ Sehr stimmige Schauplätze - Shootereinlagen eher misslungen


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Technik: 77

  • Grafik: 70
  • Sound: 90
  • Umfang: 83
  • Gameplay: 73
  • KI: 68

Spielspaß: 77

Einzelspieler

  • Story: Der tiefere Einstieg in die kriminelle Unterwelt wird glaubhaft vermittelt und auch der Protagonist gekonnt in Szene gesetzt!
  • Wiederspielwert: Da die Auswahlmöglichkeiten (noch) keine großartigen Konsequenzen zeigen, im Moment eher gering.
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden.
  • Design/Stil: Sicherer Stil, der aber die technischen Schwächen dieses Mal nicht ganz so gut verbirgt.
  • Musik/Sound: Der Soundtrack ist wieder sehr gelungen, die englische Synchro ebenfalls.

Wir bedanken uns bei A Crowd of Monsters für die Bereitstellung des Download-Codes zu Blues and Bullets Episode 2!


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