Coffin Dodgers (Xbox One) im Test – Ein sehr kurzer Spaß

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Coffin Dodgers (Xbox One) im Test – Ein sehr kurzer Spaß

Beitragvon thomary » Mo 9. Mai 2016, 12:21

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Milky Tea aus Liverpool ist eigentlich eine Serviceagentur für Werbung und Marketing, die Animationsassets Kampagnen für Unternehmen und Organisationen wie Sony oder die BBC bereitstellt, oder die auch mal ein Minispiel rund um das Spülmittel Fairy programmiert. Nun ist das Team mit dem ersten eigenen Spiel auf Steam und Konsolen vertreten: Coffin Dodgers ist ein Kartracer mit besonderem Setting: Sieben Rentner treten gegen den Tod an, der ihre beschauliche Siedlung Sunny Pines heimsucht... Ob das so spaßig ist, es zu sein verspricht, verrät der Test der Xbox One Fassung.

Schwing‘ das Elektromobil

Coffin Dodgers ist vertraut und doch irgendwie anders: Ihr entscheidet euch beim Beginn einer neuen „Story“ oder bei einem schnellen Rennen für einen von sieben Rentnern bzw. deren Seele, schwingt euch auf euer Elektromobil und fahrt um die Wette... Natürlich sind die Elektromobile, die die Herrschaften da fahren, ein „bisschen“ frisiert und deutlich schneller unterwegs als es normalerweise der Fall wäre. Mit dem ausschließlich während Storys verdienten Geldes könnt ihr euer Gefährt aufrüsten – Tatsächlich ist es eures. Auch über die Story hinaus steht euch euer Mobil mit allen Upgrades und Einstellungen im gesamten Spiel zur Verfügung, während ihr jederzeit in die Rolle eines anderen Rentners schlüpfen könnt.

Für das komplette Aufrüsten eures Elektromobils braucht ihr drei bis vier Storydurchgänge, und hier sind wir auch schon beim brennenden Punkt: Coffin Dodgers ist ein sehr kurzes Vergnügen. Wir hatten in rund vier Stunden die 1.000 Gamerscore verdient – Für Trophyhunter ist Coffin Dodgers also genau das Richtige! Die Kürze von Coffin Dodgers ist dabei nicht das allerschlimmste, denn immerhin hatten wir Spaß! Ob einem das den Kaufpreis von knapp 12€ wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Leider merkt man bei Coffin Dodgers auch, dass das Budget an allen Ecken und Enden knapp war, denn viele Dinge sind nicht so ausgebaut, wie sie sein könnten.

So macht es kaum einen Unterschied, welchen der sieben Fahrer ihr auswählt: Das ist eine rein kosmetische Entscheidung. Jeder der Fahrer verfügt über eine andere Nahkampfwaffe, mit denen ihr die anderen Fahrer vom Mobil schubsen könnt. Auch das ist nur eine kosmetische Angelegenheit, denn egal, ob ihr Spazierstock, Baseballschläger oder Sense schwingt, Effekt und Reichweite sind jedes Mal gleich und nur von euren Upgrades abhängig, die ihr kaufen könnt.

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Tod gegen Tod

Wenn der Tod die Rentnersiedlung Sunny Pines heimsucht und alle Seelen dort beseitigen möchte und man als Spieler dann „Storys“ spielen kann, macht das Hoffnung: Wir dachten zunächst, dass die Storys eine Art Roguelike-System ausweisen: Angeblich wird nämlich immer der letzte im Rennen vom Tod geschnappt und tatsächlich werden nach jedem Storyabschnitt die Grabsteine derer angezeigt, die während der letzten drei Rennen ausgeschieden sind.

De facto fahren die Fahrer aber im nächsten Rennen einfach wieder mit, wirklich tot ist keiner – Und falls ihr selbst ausscheiden solltet, könnt ihr die Runde einfach nochmal spielen. Hier wäre es cool gewesen, wäre der Durchgang dann einfach gescheitert und man müsste nochmal neu anfangen, dann wäre Coffin Dodgers nämlich auch inhaltlich um Einiges stimmiger.

Ärgerlich wird’s, wenn ihr nach dem ersten Storydurchgang schließlich in die Rolle des Sensenmanns selbst schlüpfen dürft. Hier wurde der Storyablauf leider nicht angepasst – Denn selbst wenn ihr als Tod spielt, versichert auch derselbe nach jedem Rennen, dass er euch früher oder später schnappen wird. Ärgerlich! Immerhin gibt es nach dem erfolgreichen Abschluss der Sensenmann-Kampagne eine passende Abschlusssequenz, denn dann wird Sunny Pines tatsächlich zum neuen Reich des Sensenmanns. Warum sich nicht die Mühe gemacht hat, die Texte zwischendurch anzupassen, ist uns ein Rätsel.

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Technischer Scheintot

Zwischen Milky Teas wunderschönen Animationsstreifen und der Realität von Sunny Pines liegen Welten: Coffin Dodgers ist rein grafisch für aktuelle Verhältnisse nicht mehr zeitgemäß: Weder mit den Texturen noch mit den detailarmen Figurenmodellen kann man hier beeindrucken. Stilistisch und atmosphärisch mag man immerhin dennoch zu überzeugen, denn die Schauplätze, Dorf, Stadt, Farm und Friedhof, wissen durchaus, das gewisse Flair der amerikanischen Kleinstadt zu vermitteln – Gerade so gerettet!

Dass die Framerate an vielen Stellen im kritischen Bereich liegt, ist da schon ärgerlicher – Dennoch ist Coffin Dodgers zu jeder Zeit gut spielbar und letztendlich könnte man argumentieren, alle Komponenten ergeben ein trashiges Gesamtbild, welches vielleicht genauso beabsichtigt war. Fakt ist, dass alles irgendwie doch ein stimmiges Gesamtbild ergibt, wären da nicht noch andere Kleinigkeiten. Beispielsweise das Abschießen der Waffen ist teilweise sehr unpräzise. Während bereits der Einsatz eures Schlagstocks nicht gerade überaus gut funktioniert, ist insbesondere das Treffen der Widersache mit den Fernwaffen wie der Rakete oder der Uzi teilweise Glückssache.

Auf Dauer ist Coffin Dodgers dann viel zu einfach: Der erste Storydurchgang kann noch ein wenig fordern, doch mit einigen Updates rast ihr den anderen Rentnern auf Nimmerwiedersehen davon. Ab dem zweiten Durchgang konnten wir die anderen Fahrer problemlos überrunden – Auch die Herausforderung fehlt also. Wenn dann nach rund vier Stunden der letzte Erfolg verdient ist, bleibt bei Coffin Dodgers auch nicht mehr viel zu tun – Für Einzelspieler ist der Open-World-Modus mit dem zusätzlichen Minispiel „Verrücktes Großväterchen“ nur eine nette, aber gleichwohl unnötige Beigabe, um Coffin Dodgers als „Open-World-Titel“ bezeichnen zu können. Wer bis zu drei Freunde vor die Konsole bringt, darf ansonsten noch den Splitscreen ausprobieren, der ist immerhin an Bord und könnte noch für zwei, drei lustige Runden sorgen. Das war es dann aber auch.

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Fazit: Diagnose – Scheintot

Es ist schwer, bei Coffin Dodgers ein euphorisches Fazit zu ziehen. Hoch anrechnen müssen wir: Wir hatten Spaß! Rund vier Stunden hat uns der etwas andere Kartracer gut unterhalten, das ist ja eigentlich das Wichtigste und gewissermaßen hat Milky Tea damit seine Aufgabe erfüllt. Doch viel mehr als diese rasante, aber leider auch anspruchslose Unterhaltung darf man von Coffin Dodgers auch nicht erwarten: Das Potential des Settings wurde inhaltlich nicht ausgeschöpft, nicht einmal das Feature, den Spieler in die Rolle des Sensenmanns schlüpfen zu lassen wurde durchgezogen, und auch technisch reißt Coffin Dodgers keine Bäume aus: Grafisch von gestern, eher ruckelig und dann auch noch mit einer unpräzisen Steuerung. Ja, objektiv ist Coffin Dodgers eine unterdurchschnittlich umgesetzte sehr gute Idee, subjektiv ist es für eingefleischte Genrefans und Trophyhunter eine nette Abwechslung und genau das Richtige. Trotz unserer eher negativen Worte hoffen wir, dass Milky Tea das Spielemachen nicht gleich wieder in den Nagel hängt. Mit mehr Budget ist es vielleicht möglich, aus einer richtig guten Idee auch ein richtig gutes Spiel zu machen.

Pro Contra
+ Interessantes und atmosphärisch gelungenes Setting - Technisch weit unter Durchschnitt
+ Recht rasantes Vergnügen - Anspruch fehlt
+ Kurzweilige und spaßige Unterhaltung - Inhaltlich nicht stimmig (Spieler schlüpft nutzlos in Sensenmann-Rolle)
+ Upgrades des Elektromobils sind gelungen - Sehr knapper Umfang – Vier Stunden bis Platin/1.000 Gamerscore
+ Empfehlung für Trophyhunter - Waffensteuerung unpräzise


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Technik: 53

  • Grafik: 48
  • Sound: 77
  • Umfang: 31
  • Gameplay: 61
  • KI: 50

Spielspaß: 58

Einzelspieler

  • Story: Die interessante Idee rund um die vom Tod und Zombies heimgesuchte Rentnersiedlung hätte man noch viel besser umsetzen können!
  • Wiederspielwert: Knapp – Lediglich mit Freunden könnte man durch den Splitscreen auch etwas länger Spaß haben.
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden.
  • Design/Stil: Technisch und grafisch weit unter Durchschnitt – Dennoch stilistisch und atmosphärisch gelungen, immerhin!
  • Musik/Sound: Musik und Soundeffekte machen eine solide Figur.


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