Batman: The Telltale Series: Episode 1 (Xbox One) im Test - Licht (Story) und Schatten (Technik)

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Batman: The Telltale Series: Episode 1 (Xbox One) im Test - Licht (Story) und Schatten (Technik)

Beitragvon thomary » Sa 6. Aug 2016, 18:21

„Wir können alles zu einem Telltale-Spiel machen“, sagte der CEO des Unternehmens Anfang 2015. Während Minecraft: Story Mode dann wohl bisher die exotischste Ankündigung war, geht man nun die eigene Interpretation eines Superhelden an, von dem es in den letzten Jahren einfach nicht genug geben kann: Batman: The Telltale Series feierte vor einigen Tagen sein Debüt. Wir haben die erste Episode Reich der Schatten gespielt und verraten euch, ob wir den Ausflug nach Gotham City genossen haben.

Aus den Schatten

Batman: The Telltale Series Episode 1 erzählt eine noch recht frühe Batman-Geschichte, aber nicht die bisher bekannte. Die Geschichtenerzähler bei Telltale versuchen, ihren eigenen Ansatz zu finden. Tatsächlich machen sie das richtig gut, die Geschichte ist die mit Abstand stärkste Komponente der ersten Episode Reich der Schatten.

Bisher werden im Erzählwerk natürlich hauptsächlich Konflikte eröffnet. Dem angehenden Bürgermeister Gotham Citys, Harvey Dent, werden in der Öffentlichkeit Verbindungen zu einem Schwerverbrecher nachgesagt, Bruce Waynes Familie dagegen, die bisher eigentlich als so etwas wie ein Grundpfeiler des Guten in Gotham angesehen wurden, wird von Unbekannten öffentlich zu diskreditieren versucht, und auch Batman wird zwischendurch fast bei der Polizei auffällig. Und dann ist auch noch Catwoman in der Stadt...

Die Geschichte erzählt Telltale in Batman: The Telltale Series Episode 1 geschickt und wir haben auch den Eindruck, etwas Einfluss nehmen zu können. Große Auswirkungen unserer Entscheidungen konnten wir innerhalb von Reich der Schatten noch nicht spüren, uns sind jedoch einige Aspekte aufgefallen, die in der nächsten Episode hoffentlich wieder aufgegriffen werden. Geglückt ist auf alle Fälle schon die Verbindung zwischen Bruce Wayne, auf dem dieses Mal der größere Fokus lag, und seinem Alter Ego Batman.

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Mittelprächtiges QuickTime-Gameplay

Spielerisch präsentiert Batman: The Telltale Series Episode 1 eine ausgewogene Mischung aus Dialogen und QuickTime-Events. Zwischendurch kommen auch kleinere Rätsel- bzw. Planungsphasen zum Einsatz, die tatsächlich recht geglückt sind. Um anspruchsvolle Rätsel handelte es sich hier freilich nicht, jedoch empfanden wir insbesondere eine Szene, in dem man Beweise verbinden musste, um ein Verbrechen zu rekonstruieren, als recht gelungen, auch wenn wir die Mechanik schon aus allerlei anderen Spielen kennen.

Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde bekannt, dass Batman: The Telltale Series auf eine neue Engine setzen würde. Neben technischen Fortschritten, dazu später mehr, hatte sich der eine oder andere somit vielleicht auch spielerische Fortschritte erwünscht. Im Gesamtbild blieben diese aus – Unterm Strich bleibt das QuickTime-Event-Gameplay weiterhin nur mittelprächtig. Zum Anfang schafft man es nicht, ein gutes Gefühl der rasanten Kämpfe gut einzufangen, in der zweiten Hälfte der Episode schon. Teilweise sind Eingaben aber viel zu schnell nötig, ein anderes Mal gewährt einem das Spiel viel zu viel Zeit. Oder es liegt daran, dass Batman: The Telltale Series Episode 1 mal wieder eine nicht erkennbare Bedenkpause eingelegt hat.

Blöd: Die Kämpfe sind zwar nett inszeniert und häufig spürt man auch so etwas wie eine Gefahr für Batman, doch de facto existiert keine. Den Großteil der Kämpfe könnt ihr auch absolvieren, in dem ihr den Controller einfach unberührt neben euch liegen lasst. Und sind nicht einmal eine Handvoll Stellen aufgefallen, an denen euch tatsächlich etwas passieren kann – Und dann werdet ihr einfach wenige Augenblicke zurückgesetzt. Meistens läuft das Kampfgeschehen auch ohne euer Zutun erfolgreich weiter, und Batman führt dann auch die gleiche Aktion aus, wie wenn ihr die richtigen Tasten gedrückt hättet. Wie gut ihr in den QuickTime-Events seid, wird lediglich in einer Art „Batman-o-Meter“ erfasst, das sich jedoch mit wenigen richtigen Eingaben quasi fast von alleine füllt und auch keinerlei Relevanz hat, außer, dass es da ist...

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Dialoge laufen ganz wie gewohnt ab.


Déjà-vu: Technischer Bockmist... Naja fast

In unserem Test zur ersten Tales from the Borderlands Episode auf Xbox One schrieben wir: „Während man nach dem Abschluss von Tales from the Borderlands: Zero Sum wirklich heiß auf die folgenden Episoden ist, so fragt man sich zeitgleich, wie Telltale eigentlich auch noch auf Xbox One so einen technischen Bockmist verzapfen kann.“

So in etwa kann man das auch für Reich der Schatten wiedergeben. Ganz so schlimm ist es aber nicht, bzw. sind die Mängel dieses Mal teilweise andere: Beispielsweise die teilweise ewigen Ladepausen in Form von Slowdowns beim Speichern traten bei uns in Batman: The Telltale Series Episode 1 nicht mehr auf. Tatsächlich wirken die Schauplätze und insgesamt das Spiel auch etwas aufwändiger inszeniert als bisherige Telltale-Spiele, sogar das Versprechen, einen lebendigen Comic-Look abzuliefern, konnte Telltale erfüllen. Doch sonst hat sich nichts verbessert.

Der optische Eindruck in Batman: The Telltale Series Episode 1 wird von Anfang an vom starken Kantenflimmern getrübt, die Framerate geht dabei zunächst noch in Ordnung, ist jedoch in der zweiten Hälfte der Episode dauerhaft so niedrig, dass das Spiel tatsächlich die ganze Zeit sichtbar ruckelt, was eben auch die Spielbarkeit der QTEs beeinflusst. Batman: The Telltale Series Episode 1 dauert übrigens zwei Stunden und hat somit eine angenehme Spielzeit. Ungefähr die Hälfte davon ruckelt ihr aber eben nur durch Gotham City, was extrem schade ist. Die steifen Charakteranimationen sind auch noch dieselben und insgesamt hat man einfach den Eindruck, dass Telltale auch nach fast drei Jahren mit der aktuellen Konsolengeneration es gehörig verschlafen hat, nötige Verbesserungen an seinem technischen Grundgerüst vorzunehmen. Vermutlich liegt das daran, dass auch Batman: The Telltale Series ja immer noch für die alten Konsolen und natürlich auch Mobilgeräte erscheint. Doch überall sollte hier mehr drin sein.

Übrigens kommt auch die komplett digitale Fassung von Batman: The Telltale Series dieses Mal gleich mit einer deutschen Übersetzung, d.h. deutschem Interface und deutschen Untertiteln. Die englische Synchronisierung hat man belassen, und das ist auch gut so. Die Übersetzung ist auch tatsächlich nahezu fehlerfrei, uns sind nur wenige kleine Pannen aufgefallen, kein Vergleich aber mit dem, was man teilweise bei Minecraft: Story Mode ertragen musste. Nicht getestet haben wir im Übrigen das "Crowd Play" Feature, welches euch erlaubt, mit anderen Spielern gemeinsam Entscheidungen zu treffen und das somit quasi einen Mehrspielermodus in Zukunft in die Telltale-Spiele einbringen soll.

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In eurem Batcomputer könnt ihr auch Informationen zu allen bisher aufgetauchten Figuren ansehen.


Fazit: Storymäßig spannender Auftakt

Batman: The Telltale Series Episode 1: Reich der Schatten legt inhaltlich mit einem großen Portfolio an Konflikten und gelungenen Figuren gut für eine hoffentlich auf gleichem Niveau bleibende Staffel vor. Auch bei unseren bisherigen Entscheidungen hatten wir den Eindruck, dass sie noch Auswirkungen haben könnten – Wir sind gespannt. Technisch und spielerisch dagegen kann diese Episode die etwas höheren Erwartungen als sonst nicht erfüllen: Spielerisch gibt es zwar in Form der Ermittlungen und Planungen gelungene Elemente, doch die QuickTime-Passagen sind weiterhin nur mittelprächtig, teilweise einfach ignorierbar, und werden negativ durch die immer noch peinliche Technik beeinflusst, die auf Xbox One durch das Dauerruckeln in der zweiten Hälfte der zweistündigen Episode auffällt. Von der Story her würden wir Batman: The Telltale Series Episode 1 gerne eine ganz tolle Wertung geben, aber die sonstigen Mängel machen das unmöglich.

Pro Contra
+ Gekonnter Story-Auftakt - Dauerruckeln in der zweite Episodenhälfte
+ Viele Konflikte, gelungene Figuren - Starkes Kantenflimmern
+ Gut inszeniert + gelungene Schauplätze - QuickTime-Events mittelprächtig
+ Brauchbare deutsche Übersetzung - Quasi kein Scheitern möglich: QTEs praktisch optional
+ Angenehme „Rätsel“-/Ermittlungspassagen - Sehr steife Animationen aus dem letzten Jahrzehnt


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Technik: 71

  • Grafik: 54
  • Sound: 85
  • Umfang: 85
  • Gameplay: 59
  • KI: 70

Spielspaß: 77

Einzelspieler

  • Story: Konflikte, Spannung und gute Figuren: Dieser Story-Auftakt ist gelungen!
  • Wiederspielwert: Momentan gering.
  • Frustfaktor: Quasi nicht existent.
  • Design/Stil: Die Inszenierung ist gut und der Stil gefällt, wird aber durch die Technik abgewertet.
  • Musik/Sound: Musik und englische Synchro sind gelungen.

Informationen zum Testgerät (Xbox One)
Plattform: Xbox One
Edition: Standard (500GB), ohne ausgetauschte Hardware
Hardware: Titel auf externer Festplatte (2TB, USB 3.0)
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 8 Monate

Wir bedanken uns bei Telltale Games für das Pressemuster zu Batman: The Telltale Series!


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