Ginger: Beyond the Crystal (Xbox One) im Test – Kleiner Held, großes Abenteuer

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
Benutzeravatar
thomary
Chefredaktion
Beiträge: 3921
Registriert: So 4. Mai 2014, 14:49
Zocker-Vorliebe: PC und Konsole - Multi-Künstler
Wohnort: Leipzig
Hat sich bedankt: 592 Mal
Danksagung erhalten: 671 Mal
Kontaktdaten:

Ginger: Beyond the Crystal (Xbox One) im Test – Kleiner Held, großes Abenteuer

Beitragvon thomary » So 30. Okt 2016, 17:32

„Du bist der ausgewählte Held und musst die Held retten“ – Die Grundlagenstory vieler Platformer. Spannender als diese sollten Setting und Gameplay gestaltet sein, um den Spieler bei der Laune zu halten. Ginger: Beyond the Crystal versucht genau das – Mit gleich drei verschiedenen Welten, die von euch und dem Protagonisten Ginger wiederaufgebaut werden müssen. Wie gut sich der Platformer auf Xbox One schlägt, verrät unser Test.

Monster, Rätsel und Hausbau

Ginger: Beyond the Crystal wirkt nach einiger Spielzeit vom Umfang her zwar eher überschaubar, zeichnet sich aber durch eine beinahe ungewöhnliche Vielfalt aus, und zwar nicht nur auf optischer, sondern auch auf spielerischer Ebene: Ich hatte während meines Durchgangs nie den Eindruck, dass irgendein Element allzu sehr strapaziert wird. Die Entwickler haben sich ins Zeug gelegt, rundum viel Abwechslung zu bieten: So sind die „Dungeons“, die man in von den drei Oberwelten aus betritt, optisch und spielerisch nicht zu verwechseln, und nach und nach sammelt man verschiedene Kostüme für Ginger, um neue Fertigkeiten freizuschalten – So spielt ihr als Barde Melodien nach, um Mechanismen auszulösen, steckt als Echse Hindernisse in Brand oder verwandelt euch als Van Helsing in eine Fledermaus, um über Abgründe zu fliegen.

Auch die Dungeons haben mir wie gesagt sehr gut gefallen, die in den Oberwelten nach und nach freigeschaltet werden: Mal seid ihr in Ginger: Beyond the Crystal in einer Mine unterwegs und müsst für eine gierige Minenarbeiter-Ratte Käse sammeln, während herunterfallende Steine und Zacken im Boden euch das Leben schwermachen, ein anderes Mal sammelt ihr Honig und werdet von den wütenden Bienen verfolgt, wieder ein anderes Mal kämpft ihr euch durch einen Irrgarten und müsst Zeiger einer Uhr sammeln, um euch die richtigen Tore zu öffnen, in dem ihr dann auf der Uhr die richtige Zeit eingebt.

Gingers Welt wurde durch eine Explosion eines Kristalls, der eigentlich die Lebensenergie der Bewohner darstellt, weitestgehend zerstört. Nun sammelt ihr die Einzelteile auf, rettet Bewohner und baut nicht zuletzt auch die Häuser wieder auf. Das macht man durch Ressourcen, die man in den Levels, in den Oberwelten oder durch (eher anspruchslose) Quests der Dorfbewohner sammelt. Verschiedene Gebäudetypen können gebaut werden – Spielerisch spielt diese Wahl keine große Rolle, eine Belohnung (Erfolg/Trophäe) gibt’s aber dafür, alle Gebäudetypen zu bauen.

Bild
Klassisches Rätsel - In welchem Sarg ist das Objekt am Ende?


Viel Abwechslung, lahme Kämpfe

In Ginger: Beyond the Crystal wird Abwechslung wirklich großgeschrieben. Obwohl man im Prinzip ja doch logischerweise immer Ähnliches tut, erzeugt das Spiel durch die wohldosierten Gameplayelemente und viel optische Abwechslung bis zum Ende das Gefühl, ständig etwas Neues zu erleben. Das ist mir bewusst bisher nur in wenigen Platformern aufgefallen, die mir tendenziell immer schnell langweilig werden.

Heraus aus dem sonst flüssigen Spielerlebnis reißt leider ein übliches Sorgenkind: Die Technik bzw. in erster Linie die Performance. Ginger: Beyond the Crystal überzeugt ohnehin schon fast ausschließlich durch die optische Gestaltung der Level und Welten, denn grafisch ist alleine durch das starke Kantenflimmern und die teils unscharfen Texturen noch viel Luft nach oben, doch die Performance wirkt sich teilweise arg auf das Gameplay aus: Das anspruchslose Kampfsystem wird nämlich manchmal zur ruckeligen Geduldsprobe.

Häufig hat Ginger: Beyond the Crystal nämlich genau dann seine Aussetzer, wenn man sie gerade nicht brauchen kann – Zum Beispiel, weil das Spiel offensichtlich eine Angriffsanimation des Gegners oder von Ginger nachladen muss. So kriegt man dann vielleicht gar nicht mit, wenn man angegriffen wird oder verpasst die Chance, den Gegner anzugreifen. Auch bei den Platforming-Einlagen stockt das Spiel in den falschen Momenten und reagiert so zum Beispiel nicht auf die Betätigung der Sprungtaste – Ärgerlich.

Zum Glück halten sich diese Fehler in einem letztlich doch erträglichen Rahmen, betonen aber die ohnehin vorhandenen Schwächen des eintönigen Kampfsystems: Im Wesentlichen gibt es abgesehen von (immerhin gelungenen) Bosskämpfen nur zwei Gegnertypen – Die einen, die sich mit einem Schlag bzw. einem Sprung auf den Kopf erledigen lassen, und die anderen, die zwei oder drei Treffer brauchen und selbst auch mehr Schaden austeilen. Die Kämpfe gegen die normalen Gegner unterscheiden sich nie, obwohl die Gegner in allen möglichen Formen und Farben die Welten heimsuchen: Als Mini-Pinocchio, Schweinchen oder (untote) auf zwei Beinen gehende Frösche.

Bild
Frösche! ... Zombiefrösche?!


Checkpoint! | Für Kinder geeignet?

Abgefangen werden die Technikprobleme und ihre Auswirkungen auf das Gamelay durch die Tatsache, dass ein Sterben in Ginger: Beyond the Crystal keine große Rolle spielt. In den Oberwelten spawnt ihr einfach in der Nähe neu, in den Levels werdet ihr schlimmstenfalls zum letzten Checkpoint zurückgesetzt und erhaltet wieder volle Gesundheit. Eine andere Möglichkeit, bei erlittenem Schaden Gesundheit wieder aufzufüllen, gibt es übrigens nicht – Das ist mir in einem Platformer auch noch nicht wirklich untergekommen. Tode sind also durchaus vorprogrammiert.

Auch wenn mich die technischen Schwächen in Ginger: Beyond the Crystal wirklich ein wenig nerven und mich ein weiteres Mal fragen lassen, warum sich Indie-Entwickler wie hier die Drakhar Studios einfach nicht die Zeit nehmen, Spiele vernünftig auf bestimmte Plattformen zu optimieren oder ob auch hier einfach das Geld fehlte, so hat der sympathische Charakter von Ginger: Beyond the Crystal letztlich doch gewonnen und ich habe und hatte viel Spaß mit dem Spiel.

Durchaus ist Ginger: Beyond the Crystal auch für junge Spieler geeignet, denn alle Inhalte werden recht kindgerecht präsentiert. Erhalten hat das Spiel eine glatte USK 0 Einstufung – Trotzdem geht es hier und da aber auch sehr düster zu, vor allem in der zweiten Stadt, Crater Peaks. Vor allem die Kämpfe gegen die erwähnten fiesen Frösche würde ich einem Kind nicht unbedingt alleine zumuten.

Bild


Mach’s nochmal!

Perfektionisten, die in Ginger: Beyond the Crystal wirklich alles sammeln wollen, müssen jedes Level mindestens ein zweites Mal besuchen. Von Anfang an bieten sich Passagen für die verschiedenen Kostüme von Ginger, die ihr aber nicht sofort habt und somit nicht alle Teile des Levels erkunden könnt.

Für umfassende Mühen werden Spieler auf Xbox One erstaunlicherweise nicht mit Erfolgen belohnt: Auf der One ist Ginger: Beyond the Crystal mit gerade mal elf Erfolgen bestückt, die allesamt relativ leicht zu verdienen sind. Auf PS4 und auf Steam gibt es stattdessen ganze 38 Trophäen bzw. Errungenschaften. Warum? Keine Ahnung. Der spielerischen Vielfalt und den möglichen Überraschungen, zum Beispiel dem Jetpack in einer der Kristallreinigungs-Level, tut das natürlich keinen Abbruch.

phpBB [video]


Fazit: Platformer mit großer Vielfalt und schwacher Technik

Inhaltlich und spielerisch ist Ginger: Beyond the Crystal einer der überzeugendsten Platformer, die ich in letzter Zeit gespielt habe: Optisch und von den Gameplayelementen her gibt es nämlich ungewöhnliche Vielfalt, angefangen bei den grundsätzlichen Aufgaben Gingers (Platforming – Kämpfe – Ressourcensammeln – Städtebau) bis hin zur Umsetzung der Levels mit zahlreichen verschiedenen Rätseleinlagen und frischen Spielelementen. Ausgebremst wird diese gute Mischung durch die unterdurchschnittliche Technik – Insbesondere die Performance-Probleme. Die schwachen Kämpfe werden durch die starken Ruckler teilweise frustrierend und die mäßige rein grafische Leistung kombiniert mit den starken Rucklern lassen nicht darauf schließen, dass hier überhaupt auf Xbox One optimiert wurde. Das ist schade, aber unterm Strich hatte ich mit Ginger: Beyond the Crystal trotzdem mehr Spaß als mit den meisten anderen Genrevertretern der letzten Zeit!

Info: Die Boxversion zu Ginger: Beyond the Crystal erscheint Anfang November ausschließlich für PS4 und enthält ein Handbuch, ein Malbuch sowie Sticker der Figuren. Für Xbox One und PC steht das Spiel ausschließlich digital 19,99€ bzw. 14,99€ zur Verfügung.

Pro Contra
+ Viel optische und spielerische Vielfalt - Starke Performance-Probleme
+ Gelungene Rätseleinlagen - Schwache Kämpfe
+ Abwechslungsreiche Oberwelten + Dungeons - Anspruchslose Quests
+ Ressourcensammeln + Städtebau
+ Kostüme für Ginger


Bild
Technik: 69

  • Grafik: 52
  • Sound: 78
  • Umfang: 77
  • Gameplay: 69
  • KI: 68

Spielspaß: 84

Einzelspieler

  • Story: Eine typisch einfache Geschichte, aber gut und kindgerecht umgesetzt.
  • Wiederspielwert: Recht hoch – Die drei Schauplätze beschäftigen an sich rund acht Stunden, danach können Perfektionisten alles weitere sammeln.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden – Aber nur durch die Performance-Probleme.
  • Design/Stil: An sich gelungen, nur durch die Technik ein wenig ausgebremst.
  • Musik/Sound: Die Musik passt gut zum Spiel, ist aber auch nichts Besonderes.

Informationen zum Testgerät (Xbox One)
Plattform: Xbox One
Edition: Standard (500GB), ohne ausgetauschte Hardware
Hardware: Titel auf externer Festplatte (2TB, USB 3.0)
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 2 Jahre

Wir bedanken uns bei BadLand Games für das Pressemuster zu Ginger: Beyond the Crystal!


Direkt zur Flickr-Galerie
Bild
Besuche den Autor bei: Facebook | Twitter

Tags:
Advertisement

Zurück zu „Testberichte“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast