Shiness: The Lightning Kingdom (PS4) im Test – Eine holprige Reise

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Shiness: The Lightning Kingdom (PS4) im Test – Eine holprige Reise

Beitragvon thomary » So 7. Mai 2017, 12:33

Shiness: The Lightning Kingdom war einer meiner am meisten erwarteten Indie-Titel. Lange genug war das Spiel ja auch in Entwicklung – Vor knapp drei Jahren fand die Kickstarter-Kampagne für das Spiel aus dem Hause Enigami statt. Etwas später als die Entwickler angepeilt hatten, geht das Abenteuer mit und rund um den sympathischen Helden Chado nun an den Start. Beim Spielen war ich hin- und hergerissen, vor allem aber enttäuscht. Warum, klärt der Test.

Ein fremdes Reich

Chado und sein Freund Poky machen sich in einem selbstgebauten Luftschiff auf den Weg, um das Reich des Lebens zu finden. Wie sollte es auch anders sein, geht zum Spielbeginn natürlich Einiges schief und die beiden landen in einem fremden Reich – Und finden sich in einem Konflikt zwischen zwei Fraktionen wieder. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir bereits, dass Chado die unsichtbaren Elementargeister sehen kann, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Shiness: The Lightning Kingdom begeistert ab der ersten Minute zwar mit einer tollen Inszenierung im Cel-Shading und Comic-Stil, doch die Story an sich empfand ich ab der ersten Minute als ziemlich platt: Ab der ersten Minute versucht man, Themen wie Rassismus und Krieg zu behandeln, schafft es aber nicht unbedingt, diese Themen klug aufzuarbeiten. Es wird zwar durchaus deutlich, wovon etwas zu halten ist und wovon nicht, dennoch hat es mich teilweise genervt, dass man die Dialoge nicht überspringen kann – Oder nur, wenn das Spiel gerade einmal Lust dazu hat.

Nach und nach erkundet man immer mehr des Königreichs, wobei ich mich bei Shiness: The Lightning Kingdom an „traditionelle“ offene Welten wie die aus Jak & Daxter erinnert gefühlt habe. Prinzipiell kann man die Gebiete frei begehen, schaltet aber erst nach und nach neue Gebiete frei, und insgesamt sind die einzelnen Gebiete auch eher voneinander abgegrenzt und einzeln gesehen überschaubar. Es gibt häufiger Blockaden, sodass einem der direkte Rückweg versperrt bleibt unter Umständen kann man ihn aber eine Weile noch freischalten. Die Orientierung fällt durch die unübersichtliche Minimap aber teilweise schwer.

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Die Kamera in Kämpfen ist oft nicht optimal - Hier kann man wenigstens die Entfernung zum Gegner gut schätzen.


Dynamische Kämpfe in Element-Arenen

Ein besonders interessantes und dynamisches Spielelement in Shiness: The Lightning Kingdom ist das Kampfsystem: Obwohl ihr selbst bald mit einer kleinen Gruppe unterwegs seid und auch gerne auf Gruppen von Gegnern trefft, kämpft immer nur einer gegen einen. Wenn auf einer Seite jemand erledigt wird, steigt der nächste Kämpfer in den Ring, ihr könnt jedoch auch jederzeit zwischen den Gruppenmitgliedern wechseln.

Beginnt ein Kampf, wird eine Kampfarena streng abgegrenzt. Die gerade aktive Farbe der Arena sollte man gut im Auge behalten – ist die Arena rot, sind beispielsweise Feuerangriffe besonders mächtig. Neben vielen verschiedenen Magiefertigkeiten verfügen die Spielfiguren auch über Nahkampftechniken, Tritte und Faustschläge. Zentrale Schwäche des Kampfsystems: Die Entfernung zu Gegnern ist auch auf längere Sicht sehr schwer einzuschätzen. Shiness: The Lightning Kingdom ist wirklich nicht gut darin, einem zu vermitteln, ob man einen Gegner mit dem nächsten Tritt trifft oder ob man ihn doch verfehlt.

Abgesehen davon machen die Kämpfe recht viel Spaß, sind aber Beat’em’Up typisch etwas für taktische und mitunter auch geduldige Zeitgenossen. Manche Kämpfe haben es ganz schön in sich und mit blindem Draufgekloppe kommt man nicht besonders weit. Dabei wird man nämlich viel zu schnell in einer Kombo des Feindes gefangen, die wirklich verheerend sein kann. Beißt man dabei nicht gleich ins Gras, schlägt es sich auf alle Fälle auf die Kampfwertung nieder, in denen traditionelle Ränge vergeben werden, im besten Fall S. Erfolg hat man, wenn man sich die überschaubaren Techniken der Feinde und zudem die eigenen Möglichkeiten wie Blocks und Paraden merkt.

Darüber hinaus hat Shiness: The Lightning Kingdom eine sehr strategische Note, denn die Gruppenmitglieder wollen mit den richtigen Fertigkeiten und einer guten Ausrüstung bestückt werden – In diesem Bereich spielt Shiness: The Lightning Kingdom ganz große Stärken aus, denn wie gut man sich mit diesen Aspekten des Spieles beschäftigt, kann Erfolg und Schwierigkeitsgrad stark beeinflussen.

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Rote Arena!


Eine interessante Spielwelt?

Wenn mich eines an Shiness: The Lightning Kingdom im Vorfeld begeistert hat, dann war es der sehr hübsche Eindruck, den die Spielwelt hinterlassen hat. Tatsächlich bietet Shiness: The Lightning Kingdom eine stellenweise sehr schöne und atmosphärische Spielwelt, ausgebremst wird das Ganze aber durch technische Macken wie das starke Kantenflimmern, Ruckler und Pop-Ups wenige Meter vor einem, sowie durch den Soundtrack, der zwar zunächst hübsch ist, auf Dauer aber durch die Dauerschleife nervt.

Wirklich viel zu entdecken gibt es in Shiness: The Lightning Kingdom leider nicht. Es gibt zwar immer mal schön versteckt platzierte Truhen, aber sonst habe ich einige Interaktionsmöglichkeiten vermisst. Gleich zum Beginn des Spieles beispielsweise muss man Zahnräder für einen defekten Aufzug beschaffen. Natürlich geht das nur von einem abgestürzten Luftschiff in der Nähe – Schade, dass an einer zerstörten Windmühle in der Nähe exakt die gleichen Zahnräder rumliegen, diese aber natürlich nur statische Objekte in der Spielwelt sind, mit denen man nicht interagieren kann.

Schön dagegen sind die Möglichkeiten der Helden bei der Interaktion mit der Spielwelt. Jede der Hauptfiguren verfügt über eine individuelle Fertigkeit, die nicht nur einzeln zum Rätsellösen verwendet werden, sondern später auch in Kombination nützlich werden. Da ist Köpfchen gefragt, zumal es keinerlei Hilfestellungen zu erwarten gibt! Chados Fertigkeit, Felsbrocken zu erschaffen, maximal zwei davon, ist da noch die einfachste Fertigkeit, doch auch hier sind die richtigen Auslösepunkte teilweise klug versteckt, sodass es sich nicht um kinderleichte Schalterrätsel handelt.

Unterm Strich hatte die Spielwelt aber nur punktuell das Potential, mich zu begeistern, vor allem auch dadurch, dass insbesondere die Schwierigkeit von Nebenquests häufig nicht abzuschätzen ist. Scheinbar einfache Aufträge können in einem knallharten Kampf enden… Zum Glück gibt es zumindest zum Spielbeginn noch regelmäßige Speicherpunkte, doch später besteht große Gefahr, lange Spielfortschritte zu verlieren. Besonders ärgerlich, dass man dann alle Dialoge und Co. immer wieder ansehen muss, da man sie eben nicht überspringen kann.

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Viele Panoramen in der Spielwelt sind wirklich hübsch!


Ein großes Provisorium

Nicht nur hier, sondern auch in vielen anderen Bereichen abseits des sehr gelungenen Kampfsystems macht Shiness: The Lightning Kingdom einen sehr improvisierten Eindruck. Von Anfang an fällt beispielsweise auf, dass viele Einblendungen und UI Elemente wie aus einer frühen Spielversion wirken – Sie brechen unangenehm aus dem sonst schönen Stil des Spieles heraus und sind beispielsweise lediglich schwarze Flatschen auf dem Bildschirm. Das ist unschön, und teilweise sind sie auch verbuggt, weil sie nicht verschwinden, wenn sie verschwinden sollten, oder nicht die richtigen oder nicht hilfreichen Informationen anzeigen.

Generell scheint der Gestaltung des UI wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, denn ich habe schon lange kein so unübersichtliches Menü mehr gesehen. Angesichts der Vielzahl von Fertigkeiten mehrere Figuren ist zwar anzunehmen, dass das Menü einige Funktionen bieten muss, doch alleine, welche Taste nun gedrückt werden muss, um zum richtigen Reiter zu kommen, kann eine kleine Geduldsprobe sein, da man beispielsweise mit allen Schultertasten und dem Steuerkreuz gleichzeitig navigiert.

Alles in allem ist es schade, dass Shiness: The Lightning Kingdom offenbar an so vielen Stellen Zeit und Budget fehlte, dass jedoch auch die Qualitätssicherung etwas zu kurz gekommen zu sein scheint. An anderen Stellen wollen die Entwickler zu sehr mit großen Spielen mitmischen, ohne dabei wirklich einen Sinn ins Spiel eingebaut zu haben – So gibt es Auswahlmöglichkeiten während der stummen Dialoge, die sich nicht nur hakelig bestätigen lassen, sondern wenn überhaupt sehr überschaubare Effekte haben.

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Fazit: Eine ungenutzte Chance…

Es ist nicht so, dass Shiness: The Lightning Kingdom nicht wirklich starke Seiten wie das Kampfsystem und dessen taktische Möglichkeiten hätte – Aber trotzdem fiel es mir schwer, Shiness: The Lightning Kingdom immer wieder eine neue Chance zu geben, denn zu viele Unzulänglichkeiten und (technische) Fehler plagen das Spielvergnügen. Weil auch die Spielwelt deutlich weniger bietet als erwartet und in erster Linie auch trotz der grafischen Auffälligkeiten hübsch aussieht, fiel es mir schwer, auf Dauer motiviert zu werden. In erster Linie aber deshalb, weil ich die Geschichte von Shiness: The Lightning Kingdom unheimlich schwach erzählt finde. Es fehlt an Spannung und man trumpft zwar mit wichtigen Themen auf, schafft es aber nicht, diese ansprechen oder anspruchsvoll zu verpacken. Das ist schade – Als 3D-Prügler mit umfassender RPG-Charakterentwicklung ist Shiness: The Lightning Kingdom ein Hit, aber darüber hinaus hinterließ es leider einen unterdurchschnittlichen Eindruck bei mir, trotz vieler guter Ansätze.

Pro Contra
+ Hübsche Spielwelt - Story wird trotz gutem Stil platt inszeniert
+ Anspruchsvolles Kampfsystem - Viele technische Schwächen – Framerate, Pop-Ups
+ Strategische Elemente dank Fertigkeiten – Spielwelt bietet sehr wenig
+ Verschiedene Fertigkeiten der Spielfiguren - Unübersichtliche Minimap
+ Hübscher Soundtrack… - … der mit Dauerschleife innerhalb der Gebiete auch nerven kann
- Schwierigkeit optionaler Aktivitäten schwer einzuschätzen
- UI unübersichtlich
- Manche Spielelemente wirken unfertig oder gar provisorisch
- Kamera in Kämpfen nicht optimal/Entfernungen schwierig zu schätzen


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Technik: 65
  • Grafik: 69
  • Sound: 68
  • Umfang: 80
  • Gameplay: 50
  • KI: 60

Spielspaß: 55

Singleplayer:
  • Story: Die Story ist prinzipiell solide mit Comicsequenzen inszeniert, aber es fehlt an Spannung und die Repräsentation wichtiger Themen fällt flach aus.
  • Frustfaktor: Vorhanden – Manche Kämpfe sind wirklich schwer, aber häufiger nervt das Spiel mit sonstigen spielerischen und technischen Unzulänglichkeiten.
  • Wiederspielwert: Genug zu tun innerhalb der linearen Handlung gibt es auf jeden Fall.
  • Design/Stil: Der Stil ist grundsätzlich gelungen, wird aber durch technische Macken ausgebremst.
  • Musik: Die Musikuntermalung ist hübsch und passend zu den Gebieten, nervt aber innerhalb der Gebiete mit einer Dauerschleife.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4 500GB
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 3 Jahre (PS4 Launchkonsole)

Wir bedanken uns bei Koch Media für das Pressemuster zu Shiness: The Lightning Kingdom!


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