Bound by Flame - PS4-RPG im Test: Mehr als ein Lückenfüller?

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Bound by Flame - PS4-RPG im Test: Mehr als ein Lückenfüller?

Beitragvon thomary » Sa 21. Jun 2014, 17:24

PS4-Spieler bekommen noch nicht allzu viel an Spielen geboten, vor allem, wer auf der Suche nach einem Rollenspiel ist – Erst mit Dragon Age Inquisition eröffnen die großen Vertreter das Genre auf der neuen Generation. Doch Spiders und Focus Home Interactive schickten bereits einen Titel ins Rennen, der das Rollenspiel bereichern soll, erschienen ist er aber auch für PC, PS3 und Xbox 360. Bound by Flame haben wir bereits in einem Let’s Play durchgespielt. Hatten wir Spaß dabei?

Aus den Flammen geboren

Vulcan, der Protagonist des Spieles und ein Soldat der Freien Klingen, wird zum Beginn des Spieles durch ein Missgeschick (oder durch Zufall) zum Helden und Hoffnungsträger: Bei einem Ritual der Roten Weisen, das eigentlich eine Beschwörung zum Schutz von Vertiel vor den Eisfürsten bewirken soll, springt ein Dämon über auf Vulcan. Die Folge: Das Geschöpft wohnt nun in uns, und wir können entweder seinem Ruf folgen oder aber die menschliche Seite von Vulcan erhalten.

Bound by Flame setzt auf zahlreiche Entscheidungen, die ihr teilweise auch unbewusst trefft: Von Schwarz-/Weiß-Entscheidungen, bei denen ihr am besten auch noch angezeigt bekommt, welche Option gut bzw. böse ist, kann in diesem Spiel wirklich keine Rede sein. Somit werdet ihr teilweise auch von den Reaktionen der NPCs bzw. den Auswirkungen auf die Story überrascht, obwohl auch nicht immer genau ersichtlich wird, welche Entscheidung welche Konsequenzen hatte und auch, ob nicht möglicherweise mit einer anderen Entscheidung alles genau so gelaufen wäre. Aber genau so ist eben auch realistisch.

Die Welt Vertiel und ihre Bewohner haben die Entwickler wirklich recht gelungen erschaffen: Da ranken sich um alle Orte verschiedene Erzählungen und man trifft Menschen, Elfen oder andere Wesen aller Art, vom Vorgesetzten bis hin zum Erzfeind. Gut, im Prinzip erwartet man von einem Rollenspiel auch so, aber Bound by Flame hinterlässt hier einen guten Eindruck – Von Anfang an wissen wir, dass Fürst Schwarzfrost eine der größten Bedrohungen ist, wie wir am Ende dann auch selbst herausfinden.

Etwas schade ist, dass Bound by Flame sein starkes Bild in Bezug auf Story, NPCs und Entscheidungsfreiheit nur ungefähr das halbe Spiel lang aufrechterhalten kann. Während sich erst noch die Gespräche mit den NPCs dem aktuellen Missionsstand anpassen und sich Entscheidungen in der Interaktion aller widerspiegeln, lässt das zunehmend nach, und vor allem im letzten Spielgebiet wiederholen sich die immer gleichen Floskeln.

Dieser Abbau zeigt sich aber auch bei anderen Spielelementen und so stellt man fest, dass sich die Entwickler wohl vor allem für einen starken Einstieg Mühe gegeben haben. Dieser ist dabei auch in Bezug auf die Spielwelt sehr gelungen, denn Valvenor als die erste Stadt und das umliegende Sumpfgebiet sind teilweise atemberaubend schön, während die späteren Gebiete eher trist sind und mit immer den gleichen Gegnern aufwarten.



Für Dark Souls Fans?

Im Vorfeld des Launches hatten die Entwickler durchaus Spannung im Hinblick auf Bound by Flame aufgebaut, den zu den großen Versprechen gehörten anspruchsvolle Kämpfe, die natürlich sofort an Dark Souls und seinen Nachfolger denken lassen.

Tatsächlich gehört das Kampfsystem zu den sehr großen Stärken von Bound by Flame. Vulcan verfügt über die Krieger- und Waldläuferstellung, als Unterstützer kommen zudem Pyromanen-Fertigkeiten hinzu. Als Waffen stehen euch Schwerter, Hämmer und Äxte als Krieger und Doppeldolche als Waldläufer zur Verfügung. Der Pyromane steuert Fertigkeiten wie brennende Waffen und Feuerbälle bei, die jederzeit angewendet werden können.

Und so tretet ihr euren Gegnern in deutlich taktisch angehauchten Kämpfen gegenüber. Ein Ziel solltet ihr euch herauspicken und anvisieren und dann gilt es: Angreifen, kontern, mit brennenden Klingen angreifen, kontern und dann vielleicht noch einen Zauber draufsetzen. Einiger der Gegner sind wirklich zäh und ihr werdet definitiv öfter im Spiel mal ins Gras beißen. Am Anfang des Spieles sind zum Glück nach jeder Gegnerbegegnung Speicherpunkte gesetzt, später solltet ihr daran denken, selbst zu speichern, dann kommt auch dort punktgenau wieder heraus.

Als Unterstützung könnt ihr euch in vielen Spielpassagen auch NPCs mitnehmen, die mit Angriffen unterstützen oder von euch auch als Verteidiger eingesetzt werden können, in dem ihr ihnen befehlt, dass sie möglichst viele Angriffe blocken sollen. So könnt ihr dann einen Gegner nach dem anderen ausschalten, während euer Kollege (oder eure Kollegin, denn es gibt auch weibliche Figuren!) tapfer den anderen standhält.

Wenn ihr gerade mal nicht in der Schlacht seid, um die Haupt- oder Nebenquests zu verfolgen, dann könnt ihr euch um eure Charakterentwicklung kümmern, Dinge herstellen oder Handel betreiben. Vulcan verfügt über Skilltrees für den Krieger, den Waldläufer und den Pyromanen, zudem dürfen noch Attributspunkte verteilt werden, die euch zum Beispiel mehr Schaden mit Schwerten anrichten lassen oder die Wirksamkeit von Heiltränken verbessern. Die Herstellung von Dingen spielt eine große Rolle in Bound by Flame, denn nicht nur könnt ihr eure Waffen und Rüstungen mit Erweiterungen versehen, die zum Beispiel den Schaden oder die Verteidigung erhöhen bzw. Elementschäden hinzufügen, sondern ihr könnt euch auch selbst Einzelteile für die Erweiterungen basteln und Heil- sowie Manatränke brauen oder Fallen herstellen, in die ihr die Gegner tappen lassen könnt. Um etwas herstellen zu können, müsst ihr natürlich auch Rohstoffe sammeln, die ihr entweder von Gegnern oder aus Truhen bzw. Lagern bekommt. Vieles lässt sich dann daraus selbst herstellen. Die Händler in Bound by Flame bieten nicht unbedingt eine riesige Auswahl, und ihr werdet nicht so oft etwas finden, das unbedingt besser als eure eigene Ausrüstung ist. Wenn aber doch, dann lohnt sich meist auch der Umstieg, sofern ihr dann das nötige Kleingeld zusammen habt. Alte Ausrüstung könnt ihr natürlich auch verkaufen – oder aber sie recyceln, um wiederum Rohstoffe zu gewinnen. Insgesamt spielt die Itemhatz in Bound by Flame aber keine allzu große Rolle, was nicht weiter schlimm ist, auch wenn wir uns mehr von der versprochenen Vielfalt gewünscht hätten, die die Entwickler eigentlich in den Vordergrund gerückt hatten.



Geballte Power

Bound by Flame ist für den PC, die PS3, die Xbox 360 sowie die PlayStation 4 erschienen. Auf letztere Version bezieht sich unser Test. Technisch macht Bound by Flame eine durchschnittliche Figur: 1080p sind kein Problem auf der Konsole, nur mit der Framerate hapert es an manchen Stellen, die dann deutlich einbricht. Ansonsten gibt es auch viele verwaschene Texturen und die Charaktermodelle sind nicht wirklich in der neuen Generation angekommen – Man sieht dem Spiel die Cross-Gen Veröffentlichung eben deutlich an.

Optisch und atmosphärisch dagegen liefert Bound by Flame insbesondere in der ersten Stadt Valvenor und dem umliegenden Sumpfgebiet eine wirklich gute Figur ab: Gerade bei Nacht oder in der Dämmerung besticht das Spiel mit schönen Licht- und Wassereffekten. Im späteren Spielverlauf sind viele Gebiete eher düster und grau, was dann die Durchschnittstechnik wieder in den Vordergrund rückt – Insbesondere, da Bound by Flame linear ist, hätte man sich an manchen Stellen vielleicht mehr gewünscht. Schlecht ist das Ganze aber keinesfalls.

Bound by Flame wurde übrigens komplett deutsch vertont, was bis auf einige wenige Momente ganz solide erledigt wurde. Auffällig sind nur Untertitel, die vom Gesprochenen abweichen sowie häufige Rechtschreibfehler, die von Problemen bei der Groß- und Kleinschreibung bis hin zum berühmt-berüchtigten Deppen-Apostroph reichen.

Bild


Weder schwarz noch weiß

Bound by Flame hat für die starke erste Hälfte viel Lob verdient: Man wird schnell eingeführt in ein anspruchsvolles Kampfsystem, eine recht gelungene und individuelle Charakterentwicklung sowie eine Story mit vielen sympathischen Figuren. Besonders überzeugend sind in diesem Zeitraum die Entscheidungen, die nicht binär nach Gut und Böse getrennt sind, sondern die es einem kontinuierlich erlauben, den „menschlichen Zügen“ Vulcans zu folgen oder aber dem ihm innewohnenden Dämonen zu folgen.

Während in dieser Zeit auch die NPCs überzeugen, da sich ihre Aussagen jederzeit dem aktuellen Stand der Story anpassen, so baut Bound by Flame in den letzten Stunden deutlich ab: In vielerlei Hinsicht prägen dann Wiederholungen den Spielablauf, sowohl bei den Gegnern, als auch bei den Gebieten sowie den NPCs, die dann nur mehr die immer gleichen Floskeln von sich geben und kaum noch Anteil am Geschehen nehmen.

So schafft es Bound by Flame auch durch die nur durchschnittliche bis solide Technik nicht, sich in besonders hohe Wertungsgefilde aufzuschwingen. Dennoch hatten wir viel Spaß mit dem Abenteuer aus dem Hause Spiders und würden uns wünschen, noch mehr in dieser Art zu sehen – Das anspruchsvolle Kampfsystem und die grundlegende Stimmung in Bound by Flame haben es uns nämlich durchaus angetan. Auch die Spieldauer von rund 20 Stunden empfanden wir als angenehm, wenngleich sie für ein Rollenspiel natürlich nicht allzu groß, durch den linearen Ansatz aber durchaus akzeptabel ist.

Pro:
+ Gelungenes und anspruchsvolles Kampfsystem
+ Gelungene Spielwelt und sympathische Figuren
+ Keine strikten gut/böse Entscheidungen, sondern realistische Nuancen
+ Gute Atmosphäre und optisch beeindruckendes erstes Spielgebiet
+ Angenehme Spieldauer

Contra:
- Technisch eher durchschnittlich
- Framerateprobleme
- NPCs verfügen ab der zweiten Spielhälfte über immer gleichen Floskeln und Eindruck der Spielwelt lässt nach
- Mehr Vielfalt bei Ausrüstung wäre wünschenswert gewesen.

Bild
Technik: 80
Grafik: 71
Sound: 78
Umfang: 89
Gameplay: 84

Spielspaß: 84
Story: Recht gelungene und konsistente Spielwelt und sympathische Figuren. Einfache Handlung.
Frustfaktor: Stellenweise vorhanden. Oft liegt das Versagen aber an der eigenen Unfähigkeit ;)
Wiederspielwert: Durch die angenehme Spieldauer und zwei Klassen durchaus vorhanden, zumindest, bis neues RPG-Futter erscheint.
Design/Stil: Realistisch und düster, aber auch mit kleinem Borderlands-/Comic-Einschlag

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