Journal im Test - Seltsame Visual Novel mit Detektivaspekt

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Journal im Test - Seltsame Visual Novel mit Detektivaspekt

Beitragvon Meykota » Mi 21. Jan 2015, 18:28

Visual Novels sind derzeit regelrecht im Trend, doch manche Entwickler versuchen sich an etwas Anderem und kombinieren eine Visual Novel mit einer Art Detektivspiel. Ein solcher Titel ist beispielsweise Journal, das bei Steam verfügbar ist. Ob sich diese Geschichte lohnt oder ob ihr eher zu einem anderen Titel greifen solltet, verraten wir euch in unserer Review.

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Die Gedanken sind frei

Die Geschichte in Journal ist mal innovativ: Ihr schlüpft in die Rolle eines Mädchens, dessen Tagebuch eines Tages plötzlich leer ist. Eure Aufgabe ist es, die Seiten wieder zu füllen und dabei verschiedene Entscheidungen zu treffen. Habt ihr einen Tag abgeschlossen, so zeigen euch umherfliegende Notizzettel an, dass ihr fertig seid und euch eine Bonusgeschichte anschauen könnt. Auf eurem Weg entdeckt ihr dabei ganz verschiedene Geschichten über junge Liebe, Diebstahl, Betrug, Freundschaft und vielem mehr. Das ist aber im Grunde schon das wirkliche Highlight am ganzen Spiel.

Leider ist Journal komplett auf Englisch, was gerade das Beantworten der einzelnen Fragen schwierig gestaltet. Im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Art habt ihr in Journal nicht die Gelegenheit ganze Sätze auszuwählen, sondern lediglich einige Wörter stehen euch zur Verfügung. Da müsst ihr dann beispielsweise entscheiden ob ihr “needling” oder “apologetic” wählt, in der Hoffnung, dass das Mädchen dann seine Sätze auch vernünftig wählt. Das ist aber leider nicht immer der Fall, auch wenn man sich für die nette Antwort entscheidet. Sehr oft ist es uns passiert, dass wir dann doch am Ende in einem Streit steckten und ein paar Figuren nicht mehr mit uns sprechen wollten. Hier sollte ganz dringend nachgebessert werden.

Und wenn wir gerade einmal bei Entscheidungen sind: Ihr könnt in Journal zwar Entscheidungen treffen, doch scheinen diese am nächsten Tag hinfällig zu sein. Wir hatten es ein paar Mal, dass wir uns am Tag zuvor mit einer Figur gestritten haben, doch diese redete am nächsten Tag wieder vollkommen normal mit uns als ob überhaupt nichts gewesen wäre.

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Das Journal, in dem die Geschichte spielt


Schöner Stil, schlimme Technik

Auch die Grafik ist in Journal ganz gut gelungen, da alles wie von Hand gezeichnet aussieht und somit dem Ganzen einen vollkommen individuellen Stil verleiht. Ebenfalls hat uns die musikalische Untermalung sehr gut gefallen, da alles von einer sanften Musik unterlegt ist, die zu den manchmal bedrückenden Szenen sehr gut passt.

Doch auch hier müssen wir meckern, denn Journal ist stellenweise wirklich technischer Mist, ohne jetzt übertreiben zu wollen. Am schlimmsten ist vor allem die Steuerung unserer Hauptfigur, da diese immer noch ein Stückchen nachrutscht, wenn man die Pfeiltasten losgelassen hat, so verfehlt sie ganz gern mal ihr Ziel und wir müssen nachjustieren. Das gleiche Problem besteht auch, wenn ihr durch Gebiete lauft. Ganz schnell passiert es da, dass ihr ein Gebiet verlasst, weil die Gute einfach noch ein Stück nachrutscht. Manchmal ist es uns passiert, dass wir durch Gebiete fast wie geflogen sind, da sie auch weiterläuft, wenn das Notizbuch, in dem die Geschichte erzählt wird, umblättert. So kann es vorkommen, dass ihr ganze Gebiete einfach überspringt, weil nicht schnell genug umgeblättert wird, das Mädchen aber schon durch ist.

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Das ist unschön und macht auch keinen wirklichen Spaß, wenn man jedes Mal an den Dingen einfach vorbeirutscht. Hier sollte ganz dringend nachgebessert werden. Ebenso an der Steuerung mit der Leertaste, denn hiermit wählt ihr aus ob ihr mit jemandem sprechen oder Häuser betreten wollt. Das funktioniert nicht immer reibungslos und sorgt ebenfalls für viel Frust.

Auch das erwähnte Umblättern hätte so schön sein können, aber da zum einen die Figur weiter läuft und somit Gebiete übersprungen werden und zum anderen jedes Mal erst das nächste Gebiet kurz gezeigt und dann umgeblättert wird, um es dann komplett zu zeigen, wirkt das nur lieblos. Wenn man schon so eine schöne Idee einbaut, sollte man diese auch besser umsetzen. Manchmal wird das Umblättern auch von einem Umblätter-Geräusch begleitet, doch das bleibt meistens aus. Sehr schade, das Ganze hätte sehr viel Potential.

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Journal - Kleines Spiel für zwischendurch?

Wir würden euch so gern empfehlen, Journal zu spielen und an der Geschichte teilzunehmen, denn diese ist wirklich die größte Stärke des Spiels. In Journal trefft ihr Entscheidungen, die das gesamte Leben der jungen Protagonistin beeinflussen sollen, doch leider merkt man davon nicht wirklich etwas. Es gibt weitaus bessere Spiele, die mit Entscheidungen sinnvoller umgehen und wo einem die Entscheidungen wirklich später auf die Füße fallen können.

Auch technisch kann Journal keineswegs begeistern. Vor allem das Steuern der Protagonistin ist ein ziemlicher Krampf, da sie jedes Mal nachrutscht und so auch mal fix ganze Gebiete überspringt. Das geht einfach nicht. Journal wirkt wie ein Spiel, das sich noch im Early Access befindet und an dem die Entwickler noch basteln. Es wirkt leider nicht wie ein vollständiges Spiel, in das die Entwickler viel Liebe fürs Detail, bzw. für die Technik gesteckt haben. Mit ein bisschen mehr Zeit oder Budget wäre das Ganze wahrscheinlich ein ziemlich guter Titel geworden, doch so bleibt es irgendwo auf der Strecke. Schade, wirklich sehr schade, denn das Potential wurde definitiv nicht genutzt.

Pro Contra
+ Interessante Geschichte - Englische Sprache mindert Spielspaß
+ Schöne Idee - Antwortmöglichkeiten nicht immer eindeutig, bzw. reagiert KI nicht nachvollziehbar
+ Schöne, ruhige musikalische Untermalung… - … allerdings eher triste Geräuschuntermalung
+ Netter Zeichenstil - Steuerung der Figur sehr schwammig
- Umblättereffekt mehr schlecht als recht
- Gebiete werden durch schwammige Steuerung einfach übersprungen
- Sehr kurze Spieldauer (ca. 4 - 6 Stunden)


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Technik: 52
  • Grafik: 70
  • Sound: 55
  • Umfang: 54
  • Gameplay: 50
  • KI: 30

Spielspaß: 50
  • Story: Auch wenn Journal eine schöne und interessante Geschichte erzählt, bleibt es aufgrund der eher mauen Technik zurück.
  • Wiederspielwert: Wenn man es einmal durchgespielt hat, wird man es wohl nicht so schnell anfassen. Schade.
  • Design/Stil: Der Stil ist eine große Stärke des Spiels. Alles scheint von Hand gezeichnet zu sein und das tut dem Ganzen ziemlich gut, schade dass die Technik hier einen Strich durch die Rechnung macht.
  • Musik: Journal wird von einer ruhigen Musik untermalt, die vor allem zu tiefen Emotionen sehr gut passt.
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