The Last Remnant Remastered (PS4) im Test – Von Spielen, die nicht unbedingt neu aufgelegt werden müssen

The Last Remnant stammt aus einer Zeit, in der Spiele aus dem Hause Square Enix noch von Qualität sprachen, weswegen ich mich kürzlich entschied, das frisch erschienene Remastered des Titels auf der PlayStation 4 zu erwerben. Ursprünglich erschien der Titel im Jahr 2008 auf der Xbox 360. Da ich mich an diese Zeit noch gut erinnern kann, da zum Beispiel auch Final Fantasy XII zeitliche Epoche fiel, riskierte ich einen Blick. Warum ich jedoch der Meinung bin, dass The Last Remnant nicht unbedingt eine Neuauflage verdiente, verrate ich euch in meinem Test.

Die Geschichte von Rush und Irina

The Last Remnant Remastered beginnt ein wenig verwirrend: Wir sehen einen jungen Mann, der offensichtlich jemanden namens Irina sucht und dabei plötzlich mitten in eine Schlacht stolpert. Doch das Ganze nutzen wir sinnvoll, in dem uns direkt die Steuerung in der Schlacht gezeigt wird. Zwei Fliegen mit einer Klappe also, doch Irina finden wir nicht. Dafür landen Rush und ich jedoch ziemlich schnell in einer Höhle, zusammen mit einer anderen Frau namens Emma, die zufälligerweise mit dem Marquis des Landes zusammengehört, den wir auch ziemlich bald treffen.

David, so der Name des Marquis, ist aus irgendeinem Grund ziemlich angetan von Rush, was selbstverständlich nichts mit seinen berühmten Eltern zutun haben kann, und beschließt, uns zu helfen, Irina zu finden. Zwischenzeitlich stellt sich raus, dass Irina und Rush Geschwister sind, deren Eltern für die Akademie an mächtigen Artefakten forschen. Diese Artefakte sind so was wie die mächtigen Waffen der einzelnen Länder. Irina jedoch wurde am Anfang des Spiels, was dem Spieler nicht gezeigt wird, entführt.

Das Ganze wäre irgendwie spannend, wenn es eine greifbare Beziehung zwischen Rush und Irina geben würde, doch für mich ist sie nur ein Name. Ein Name und eine Entführung, beides wird fast nur dazu genutzt, damit wir David bei seinem kleinen Plan helfen können. Denn natürlich geht es nur unterschwellig darum, Irina zu retten. Eigentlich ist alles doch sehr politisch miteinander verstrickt. Wer damals schon behauptete, Final Fantasy XII wäre voll mit Politik, der sollte unbedingt einen Blick auf The Last Remnant werfen. Allein durch die Story und auch die mehr oder weniger platten Charaktere ist mir ziemlich klar, warum The Last Remnant damals die Xbox Spieler erfreuen sollte. Nichts gegen Xbox Spieler, aber ein PlayStation Spieler war zu dieser Zeit nun einmal weitaus anderes gewöhnt.

Platte Plattnercharaktere aus Platthausen

The Last Remnant bringt trotzdem dieses ganz typische Final Fantasy Feeling mit sich: Die Städte sind schön gestaltet und zeugen von Leben in der Stadt, das heute fast schon einigen Spielen fehlt. Die Atmosphäre ist auch greifbar, jedoch nicht ganz so schön wie in eben jener genannten anderen Spielreihe. Was mich jedoch am meisten faszinierte, waren die unterschiedlichen Rassen, die es immerhin in The Last Remnant Remastered gibt. Es gibt normale Menschen, wie in jedem anderen Spiel auch – und selbstverständlich spielen wir auch einen Menschen in der Hauptrolle – wie auch in jedem anderen Spiel dieser Art. Neben den Menschen gibt es aber noch Kampffroschkaninchen. Ich habe keine genaue Ahnung, wie diese Rasse wirklich heißt, aber das trifft es ziemlich gut. Und dann gibt es noch fischähnliche Reptilien, die im Grunde super als Tanks fungieren. Neben diesen Schuppentieren gibt es aber auch noch Katzenwesen, die vier Arme haben und ziemlich gute Damage Dealer sind. Ihr seht, eine bunt gefasste Menge an verschiedenen Rassen – was immerhin ein ziemlich gutes Bild darstellt.

Ein weniger gutes Bild stellen die Charaktere für mich dar. Diese sind platt, platt und platt. Ich habe noch nie so derart platte Charaktere in einem Rollenspiel aus dem Hause Square Enix gesehen, denn immer hatte jeder irgendwelche Besonderheiten. Doch hier nicht. Lediglich Rush scheint es an Respekt gegenüber David zu mangeln, doch sonst ist auch er eher der platte Hauptcharakter, der nur seine Schwester retten will, aber sonst nichts auf dem Kasten zu haben scheint. Da bin ich wirklich anderes gewohnt – auch hier: Wenn man es mit anderen Spielreihen vergleicht, ist es zwar schön, dass es eine große Anzahl an Rassen gibt, wenn jedoch keine wirkliche Besonderheiten aufweist, ist es wirklich platt und langweilig.

Taktisches Kampfgefühl

Was ich ziemlich interessant an The Last Remnant Remastered finde, ist das Kampfsystem. Hier weicht Square Enix wirklich mal von den bekannten Kampfstilen ab und bringt etwas mehr Schwung und Taktik mit hinein. Zu Beginn jeder Runde weist man seinem Kampfverband die Tätigkeit zu, die dieser umsetzen soll. Also beispielsweise einen Mystischen Angriff (Magie) oder einen normalen Angriff oder gar einen gesonderten Angriff (Skill). Anschließend bestätigt man das Ganze und beobachtet die Schlacht. Hierbei ist es oft relevant, wer wie zu wem steht, denn auf diese Weise kann man Flankenangriffe starten oder Angriffe von hinten.

Bei einzelnen Gegnern ist es auf diese Weise recht einfach, die Oberhand zu halten, bei mehreren Gruppen ist es jedoch wirklich gefährlich. Besonders zu Beginn, wenn ihr mit Rush alleine unterwegs seid, solltet ihr die Gruppen immer nacheinander angreifen, sonst seht ihr den Game Over Bildschirm schneller als euch lieb ist, denn einen wirklichen Einfluss habt ihr nur zu Beginn einer jeden Runde. Das bedeutet, dass ihr hier taktisch überlegen müsst, was ihr macht: Wollt ihr wirklich nochmal angreifen oder ist es doch ratsamer, eine Heilung zu aktivieren?

Auch wenn mich das Kampfsystem manchmal in den Wahnsinn trieb, so ist es doch eine ganz gute Abwechslung und man fühlt sich als Spieler nicht so übermächtig wie in anderen Spielen. Ebenso funktioniert auch das Trainieren der Figuren: Wie üblich bekommt man am Ende eines jeden Kampfes Erfahrungspunkte, die man aber nicht sehen kann. Jeder Charakter, der am Kampf teilgenommen hat, erhält somit Punkte und steigt auf, um andere Fertigkeiten, Werte oder Fähigkeiten zu verbessern. Das finde ich ziemlich cool. Man sieht auch kein aktives Level, das wird lediglich durch den Kampfrang angezeigt. Doch man sammelt nicht nur Erfahrungspunkte, sondern auch Utensilien, mit denen man seine Waffen und Rüstungen verbessern kann – wenn man denn die richtigen Dinge gesammelt hat. An diesem Aspekt ist The Last Remnant Remastered keine sonderliche Überraschung.

Langeweile auf weiter Flur

Was mir vor allem neben den platten Charakteren und der eher mauen Story auffiel, ist der Detailgrad der Welten. Viele Texturen sehen einfach selbst in der Überarbeitung von The Last Remnant ziemlich matschig aus und die Umgebungen wirken einfach nur langweilig und lieblos. Besonders auf der freien Fläche fällt dies sehr stark ins Auge, während sich die Städte immerhin an etwas mehr Detailgrad erfreuen können, auch wenn der Stil der Städte immer gleich zu sein scheint. Ich glaube, dass man vor allem daran merkt, dass The Last Remnant Remastered eben doch schon seine zehn Jahre auf dem Buckel hat und damals vieles doch ein wenig anders aussah. Ich weiß durchaus, dass man bei einem Remastered keine sonderlich sensationellen Sprünge hinlegen kann, dennoch fühlt sich die Welt für mich nicht danach an, als würde ich sie wirklich erkunden und entdecken wollen, was schon schade ist, da ich in anderen Spielen wirklich häufig in jeden Winkel schauen will, um herauszufinden, was sich darin verbirgt oder ob es ein Geheimnis gibt, das ich lüften möchte. Zusätzlich entpuppt sich die Weltkarte als ziemlich Farbenbrei, der auch keine besonderen Geheimnisse zu verbergen scheint.

Die grafische Überarbeitung – Lohnt sie sich?

Die Frage liegt bei allen Remastered Versionen nahe: Lohnt sich die Überarbeitung? Besonders im Falle von The Last Remnant auf der PlayStation 4 können vielleicht nicht ganz so viele Gamer einen Unterschied ausmachen, wie es beispielsweise bei Final Fantasy XII der Fall ist. Nach den Videos zu urteilen, ist die PlayStation 4 Version deutlich schärfer und weist bessere Konturen auf als das Original, das ursprünglich 2008 auf der Xbox 360 erschienen ist, jedoch bleibt der Rest relativ gleich. Was mich wirklich ein wenig daran erinnert hat, dass das Spiel eigentlich schon 10 Jahre auf dem Buckel hat, waren die verschiedenen Figuren. Besonders die Hauptcharaktere sind nicht in der Lage, Emotionen anzuzeigen, obwohl ich das von Square Enix auch zu der Zeit schon besser kenne. Ebenso sind einige Elemente wirklich aus einem anderen Jahrhundert.

Beispielsweise sind die Quests sehr inkonsequent ins Spiel eingebaut. Zum Beispiel wenn man eine Quest annimmt, dann erzählen einem die Questgeber viel über ihre Hintergründe und enden dann meistens ihren Monolog damit, dass sie den Spieler dann selbst in der entsprechenden Questumgebung treffen wollen, doch man solle vorher ruhig seine Angelegenheiten regeln. Dumm nur, dass die nächste Sequenz sofort im entsprechenden Dungeon stattfindet und man somit überhaupt keine Zeit dazwischen hat. Überlegt es euch also gut, ob ihr gerade wirklich questen wollt oder was ihr eigentlich vorhabt.

Ich halte in der Regel nichts davon, zu behaupten, dass ein Spiel schlecht gealtert sei, jedoch habe ich das Gefühl durchaus bei The Last Remnant Remastered. Vor allem da Square Enix mit Titeln wie Final Fantasy X und Final Fantasy XII bewiesen haben, dass sie es wirklich besser können. Hier und da hätte es noch einige Feinheiten geben können, die durchaus Überarbeitung hätten finden können.

Fazit: Es gibt Spiele, die sollten nicht remastered werden und es gibt The Last Remnant

Wenn ich mir meine Review so durchlese, könnte man durchaus meinen, dass The Last Remnant Remastered ein absoluter Griff ins Klo für Square Enix war. So ganz stimmt das jedoch nicht, denn es hat schon einige gute Argumente. So zum Beispiel der Preis. The Last Remnant Remastered kostet nur 19,99 € und ist somit für Rollenspielfans auf jeden Fall einmal einen Blick wert, vor allem dann, wenn man sich einmal ein ganz interessantes Kampfsystem anschauen möchte, das so selten bei Square Enix Spielen auftritt.

Auf der anderen Seite hat man dann jedoch eine eher maue Story und ziemlich schwache Charaktere, die keinen wirklich eigenen Charakter aufweisen. Zusätzlich gibt es ein seltsames Questsystem und auch sonst wirkt es ziemlich altbacken und ist relativ schlecht gealtert, obwohl es auf der anderen Seite grafisch zumindest etwas schärfer wurde und die Konturen und Texturen sind deutlich klarer zu sehen. Ich persönlich finde es jedoch kein ganz so tolles Rollenspiel und es ist mir eigentlich klar, warum es damals auf der Xbox 360 erschien und die PlayStation Version gecancelt wurde. Das liegt jedoch nicht nur am Spiel selbst, sondern auch am Schwierigkeitsgrad, mit dem zum damaligen Zeitpunkt vielleicht nicht alle PlayStation Spieler zurecht gekommen wären.

Für mich bleibt leider zu sagen – und an der Stelle werfe ich ein No Offense ein – dass sich The Last Remnant Remastered wie ein für mich vollkommen typisches Xbox Spiel anfühlt. Das mag man nun so interpretieren wie man möchte.

Technik: 75
Grafik: 63
Sound: 83
Umfang: 80
Gameplay: 78
KI: 71

Spielspaß: 57

  • Story: Meh, ziemlich lahm und vor allem doch sehr politisch, obwohl Rush eigentlich seine Schwester Irina sucht, die entführt wurde.
  • Frustfaktor: Durchaus im Kampfsystem vorhanden, wenn man sich für die falsche Aktion im Kampf entschieden hat und mal wieder den Game Over Bildschirm sieht.
  • Wiederspielwert: Eher nicht vorhanden.
  • Design/Stil: Erinnert sehr an Final Fantasy XII – bleibt realistisch im grafischen Stil, schlägt aber keine Purzelbäume.
  • Musik: Die Musik ist auch irgendwie da.
ProContra
+ Gutes Preis-Leistungsverhältnis- Lahme Story, die eigentlich gut sein könnte
+ Gute grafische Überarbeitung...- ... dennoch sieht das Spiel sehr altbacken aus
+ Interessantes Kampfsystem- Seltsame Questdialoge, die nicht zusammenpassen
+ Abwechslungsreiche Rassen- Ziemlich platte Charaktere
- Schlecht gealtert

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