This War Of Mine (PC) im Test – Das wahre Antikriegsspiel

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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thomary
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This War Of Mine (PC) im Test – Das wahre Antikriegsspiel

Beitragvon thomary » Do 20. Nov 2014, 16:31

Es war in diesem Jahr auch im Bereich der Videospiele deutlich zu vernehmen, dass der Ausbruch des Ersten Weltkriegs genau 100 Jahre her ist. Zum Glück bescherte uns das nicht unzählige Shooter, sondern umso interessantere Titel, die sich unterschiedlich dem Thema Krieg näherten. Bereits Ubisofts Valiant Hearts: The Great War hatte uns mit Geschichten hinter dem Krieg fasziniert – Doch 11bit setzt mit This War of Mine: In war, not everyone is a soldier (der Untertitel wurde auf der Retailfassung mit „Im Krieg ist nicht jeder ein Soldat“ übersetzt) noch eins drauf.

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Schicksale des Krieges

This War of Mine regt einen auf allerlei Ebenen zum Nachdenken an. Es gibt sogar Momente, da müssen wir bestimmte Ereignisse schlicht und einfach einige Minuten auf uns einwirken lassen, so, wie das die virtuellen Protagonisten ebenfalls tun, die uns im Laufe der Spielstunden immer mehr ans Herz wachsen, was man in den ersten Minuten gar nicht für möglich halten würde.

Bei jedem neuen Spiel wird die Spielkonstellation in This War of Mine zufällig neu generiert. Mit drei Figuren bewohnt ihr einen notdürftigen, aber geräumigen Unterschlupf. Während draußen der Krieg tobt, gilt es für uns, zu überleben: Vorräte sammeln, Dinge herstellen, Kontakte knüpfen, alle mit Nahrung versorgen und dafür sorgen, dass sie gesund bleiben.

Wer glaubt, dass durch Zufallsgenerierung eine Art Story fehlt und wohl kaum eine echte Bindung möglich ist, der irrt: Spätestens, wenn wir eine der Figuren die erste Tat begehen lassen, die wir später bereuen, wird uns deutlich, welch starke Schicksale hier geschrieben werden. Musste unseretwegen sogar eine andere Figur sterben, fühlen auch wir uns schuldig. Das ist eine Leistung, die ein Spiel erstmal vollbringen muss. This War of Mine kann das.

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Spielwelt und Figuren werden jeweils zufällig generiert.


Eine bedrückende Szenerie

Schon der Stil von This War of Mine unterstreicht die Stimmung, die man so häufig verspürt: Düster und wie mit Bleistift gezeichnet präsentiert sich die Spielwelt. Auch die Musikuntermalung ist bedrückend, je nach Schauplatz und Grad der möglichen Gefahr mal mehr oder mal weniger. Vertont ist This War of Mine dabei nicht, sondern sämtliche Aussagen werden in kleinen Testkästen angezeigt.

Den Tag verbringen wir in unserem, um neue Werkzeuge und Waffen zu bauen, Essen zu kochen und mehr: Die gebauten Gerätschaften dienen zum Beispiel dazu, Regenwasser zu filtern, mit dem wiederum gekocht werden oder Alkohol destilliert werden kann, des Weiteren kann man auch Medikamente herstellen, Kleintiere für Fleisch fangen und vieles mehr. Je weiter man die vorhandenen Werkbänke ausbaut und je mehr Materialien man findet, desto mehr Möglichkeiten werden einem offenbart, in This War of Mine zu überleben. Gleichzeitig ist eines allgegenwärtig: Der Mangel an Materialien.

Nachts brechen wir deshalb auf, um Lebensmittel, Materialien, Teile und vieles mehr zu sammeln. Eine Übersichtskarte zeigt uns erreichbare Schauplätze und ob wir dort mit anderen Menschen rechnen müssen oder nicht. This War of Mine treffen wir Freunde und Feinde. Manche helfen uns, manche handeln mit uns, andere greifen zur Waffe. Dennoch: Schießen wir blindlings zurück, bereuen wir es später. Sehen wir Feinde, können wir es auch mit Schleichen versuchen.

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Wir planen den Beutezug


Es wird jeden Tag schwerer

Unsere Spielfiguren spüren zwischenzeitlich nicht nur Hunger oder Müdigkeit und müssen mit Verletzungen oder Krankheit kämpfen, sondern auch die Stimmung kann im Unterschlupf schnell sinken. Am heftigsten können Depressionen einiger Figuren ausfallen, wenn die Bürden des Krieges einfach zu groß werden. Weiter helfen können Bücher, die wir in der Welt finden, oder Musikinstrumente, die an der Werkbank aus Einzelteilen zusammengeflickt werden können.

This War of Mine baut so eine unglaubliche Motivation auf, noch mehr Geheimnisse aufzudecken und mehr Teile zu finden, um den Spielfiguren etwas Gutes zu tun. Auch den Fremden, die unseren Unterschlupf besuchen und im besten Fall handeln wollen oder unsere Hilfe benötigen. Doch das Gefühl der Gefahr und die schiere Beklemmung wird man nie los: Möglicherweise wird in der Nacht unser Unterschlupf wieder ausgeplündert. Müssen wir gar zu den Waffen greifen?

Komplexes einfach verpackt

Es ist schwierig, übliche Testmaßstäbe an This War of Mine anzusetzen. Dingen, auf die man bei vielen anderen Titeln achtet, kommt in dieser emotionalen Erfahrung kaum Bedeutung zu. Der Spieler in uns würde sich im Spielverlauf aber wünschen, dass der Komplexitätsgrad eher zu und nicht abnimmt: This War of Mine erklärt zunächst nichts, weshalb man mitunter auch ein wenig ratlos vor dem Spiel sitzt. Schnell zeigt sich aber, worauf es ankommt. Der Realismus an der Sache ist es, der das Ganze nachvollziehbar und nahezu selbsterklärend macht.

Diverse Dinge kommen aber etwas zu schnell zu einer Routine, was dem doch recht simpel gestrickten Gameplay zur Last zu legen ist: This War of Mine besteht lediglich aus Point’n’Click Aktionen, sodass gerade das Craftingsystem natürlich an Tiefe einbüßt, sodass als die große Herausforderung eben lediglich die nervenaufreibende Suche nach genügend Rohstoffen bleibt. Auch das Kampfsystem hätte man ein wenig intuitiver und tiefgehender Gestalten können, was andererseits aber die Emotionen wahrscheinlich noch um ein Vielfaches nach oben getrieben hätte, sodass die von 11bit gewählte Lösung wieder wie die richtige erscheint.

Den wahren Nachbesserungsbedarf sehen wir bei der KI, die stellenweise nicht ganz nachvollziehbar agiert. Dass Aktionen unserer eigenen Spielfiguren manchmal abgebrochen werden, ist durch deren aktuell Zustand (zum Beispiel „verletzt“, uns fehlen aber Bandagen) zu erklären, gegnerische Figuren reagieren aber manchmal sehr unnachvollziehbar auf uns und sehen oder hören uns nicht, obwohl sie das gerade auf alle Fälle müssten. So ergeben sich im Spielverlauf dann doch ein paar wenige Momente, die nicht ganz rund wirken.


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Fazit: Stark emotional

This War of Mine ist eines der fesselndsten und emotional aufreibendsten Spiele, die wir bislang erlebt haben: Trotz zufallsgenerierter Szenarios wird eine riesige Bindung zu den Figuren aufgebaut, deren Schicksale im Krieg vor unseren Augen geschrieben werden. Da kann man ebenso die Hoffnung verlieren wie wahre Glücksgefühle erfahren, wenn man ein großes Rohstofflager gefunden hat, ohne dabei auf Feinde gestoßen zu sein. Alle Figuren mit Essen zu versorgen, ihre Gesundheit sicherzustellen und nebenbei noch Fortschritt im Unterschlupf zu erwirken erweist sich als schwierige Aufgabe. This War of Mine hätte dabei an einigen Stellen durchaus ein wenig tiefgehender in Bezug auf das Gameplay sein dürfen, um auch in dieser Hinsicht herausfordernd zu sein. Wir zollen 11bit dennoch all unseren Respekt, das Thema Krieg derart gelungen in einem Videospiel verarbeitet zu haben, das fast durchgehend zum Nachdenken anregt.

Pro Contra
+ Fesselnd, überwältigend und unglaublich emotional - Stellenweise fragwürdige KI
+ Eine gelungene Aufarbeitung des Themas Krieg - Das Gameplay hätte stellenweise durchaus anspruchsvoller und tiefgehender sein dürfen
+ Aufregende Suche nach und Hoffen auf genügend Rohstoffe
+ Man trifft Freund und Feind: Es gibt sinnvolle NPC-Interaktionen und kleinere Aufgaben
+ Passender Grafikstil und gute Musikuntermalung


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Technik: 79

  • Grafik: 85
  • Sound: 85
  • Gameplay: 75
  • Umfang: 80
  • KI: 68

Spielspaß: 90

Einzelspieler:

  • Story: Die Geschichten wurden auf beeindruckende Weise direkt vor unseren Augen geschrieben und sind maßgeblich durch unsere Entscheidungen geprägt.
  • Frustfaktor: Kaum vorhanden.
  • Wiederspielwert: Zufallsgenerierte Szenarien mit unterschiedlichen Figuren bewirken einen extrem hohen Wiederspielwert.
  • Design/Stil: Durch Stil wie eine Bleistiftzeichnung unglaublich fesselnd und nahegehend.
  • Musik/Sound: Passende Untermalungen der einzelnen Szenen.

Information & Verfügbarkeit

This War of Mine wurde uns als Pressemuster von Koch Media zur Verfügung gestellt.

This War of Mine ist zum Preis von 18,99€ bei Steam erworben werden, ist jedoch auch zur UVP von 19,99€ im Einzelhandel erhältlich. Auch die Retailfassung muss mit Steam aktiviert werden, enthält jedoch ein knappes Handbuch sowie ein doppelseitiges Poster.

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