Sakura Fantasy Chapter 1 (Steam) im Test - Ritterliche Visual Novel für Otakus

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr euch ein bestimmtes Spiel kaufen wollt? Dann haben wir hier für euch Tests zu aktuellen Spielen.
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Sakura Fantasy Chapter 1 (Steam) im Test - Ritterliche Visual Novel für Otakus

Beitragvon Meykota » Fr 5. Jun 2015, 23:18

Winged Cloud ist vor allem durch seine Sakura-Reihe bekannt, die es mit der Freizügigkeit weiblicher Charaktere doch etwas gelassener nimmt. Bisher waren es seichte Visual Novels, bei denen die Spieler wenig Einfluss auf die Story hatten. Mit Sakura Fantasy Chapter 1 versprechen die Entwickler nun jedoch eine Visual Novel, bei der ihr Einfluss auf die Geschichte habt und selbst Enstcheidungen treffen könnt. Wie dies umgesetzt wurde und ob auch Nicht-Otakus auf ihre Kosten kommen, verraten wir euch in unserem Test zum Steam-Spiel.

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Kleine Sterne fallen

Sakura Fantasy Chapter 1 ist genau das, wonach es auch klingt: Zum einen spielt es in einem Ritter-Fantasy-Universum, in dem es Schleime im Wasser gibt, die nur nach eurer Kleidung gieren, und wo euch besondere Kräfte erwarten, mit denen ihr andere Leute ausspionieren könnt. Zum anderen ist es wirklich nur das erste Kapitel in einer Reihe, zumindest hört es ziemlich offen auf und lässt den Spieler etwas unbefriedigt (im Hinblick auf die Story) zurück. Ihr solltet euch also wirklich überlegen, ob ihr schon einmal einen Blick in die Story werfen oder ob ihr lieber warten wollt, bis weitere Kapitel veröffentlicht wurden.

In Sakura Fantasy Chapter 1 schlüpft ihr in die Rolle von Raelin, einer jungen Novizin, die unheimlich gerne eine Ritterin wäre. Ungewöhnlich für eine Visual Novel ist der Umstand, dass ihr die Protagonistin auch seht, doch weiter im Text. In der Welt von Sakura Fantasy Chapter 1 ist es üblich, dass ziemlich viele Menschen eine Gabe haben, mit der sie bestimmte Dinge tun können. Raelin hat - wie es sich selbstverständlich für eine erwachsene Visual Novel mit weiblicher Hauptfigur gehört - eine Fähigkeit namens Farseeing. Mit dieser Fähigkeit kann sie zu jedem Ort und jeder Person springen, die sie gerade beobachten möchte. Das Ganze basiert auf einer abgewandelten Form des Traumwandelns, sodass Raelin nicht wirklich da ist. Doch dazu später mehr, denn natürlich setzen die gute Novizin das Ganze nicht nur zu nützlichen Zwecken ein.

Der Auftakt ist ziemlich langatmig und zeigt eher das Leben von Raelin, ihrer Freundin Gwynne und der Kompanieleiterin Keira, das eher besonders in Bezug auf die Geschichte eher arm gehalten ist. Dafür kommen Otakus bereits ziemlich zu Beginn des Story auf ihre Kosten, da ihr beispielsweise innerhalb der ersten fünf Minuten entscheiden könnt, ob ihr Unterwäsche anziehen wollt oder nicht - Es hat übrigens keinen Einfluss auf die Geschichte und nein, ihr werdet nicht Teil einer Orgie innerhalb der ersten fünf Minuten. Dafür wird euch nach etwa anderthalb Stunden der wahre Kern des Spiels auffallen, denn ein Stern fällt vom Himmel und eure Aufgabe wird es sein, nach genau diesem Stern zu suchen. Doch leider ist es mit der Story eher so, dass sie zu Ende ist, bevor sie so richtig Fahrt aufnehmen konnte. Schade.

Dafür wird die gesamte Story über nicht gerade mit wenig Otakukost um sich geworfen. So werdet ihr ein paar Mal selbstverständlich rein zufällig in Keiras Zimmer platzen, wenn sich diese gerade mal wieder in Gedanken befindet und dabei lediglich ihre Schulterpolster trägt. Genauso gibt es auch regelmäßige Szenen in einem äußerst interessanten Badehaus, in dem man auch in Schokolade baden kann. Nein, selbstverständlich ist Sakura Fantasy Chapter 1 nichts für Kinder. Aber es verhält sich alles noch im Rahmen.

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Entscheidungsfreiheit = weibliche Momente!

Wenn man sich Sakura Fantasy Chapter 1 ansieht, wird ziemlich schnell deutlich, welches Geschlecht die Zielgruppe hat: Männlich, alleinstehend, animeliebhabend. Warum wir das so einfach behaupten können? Nun, Sakura Fantasy Chapter 1 hat zum Beispiel Entscheidungsmöglichkeiten, mit denen ihr laut den Entwicklern die ganze Geschichte beeinflussen könnt. Das ist nur bedingt der Fall, denn die meisten Entscheidungen bestehen darin, dass sie verschiedene “weibliche” Momente darstellen, die größte Entscheidung liegt sogar darin, zu entscheiden, mit welcher Figur ihr jetzt gern ein bisschen intimer werden möchtet.

Ansonsten haben eure Entscheidungen so gut wie keinerlei Auswirkungen auf den Fortlauf der Geschichte, wir sind uns nicht einmal sicher, ob eure Entscheidungen mit ins zweite Kapitel genommen werden, sodass auf diesen die Geschichte aufgebaut wird. Wir fanden, dass diese ganzen Dinge jedoch ein wenig zu stark in den Vordergrund gerückt wurden und die Geschichte somit an vielen Stellen im Hintergrund verschwand - dabei ist diese gar nicht mal so schlecht .Aber weil man lieber eine Visual Novel für das männliche, primitive Publikum schaffen wollte, warf man eben mit diversen nackten Tatsachen um sich. Hier hätten wir uns wirklich noch ein wenig mehr Tiefe gewünscht, obwohl sich das Ganze schon etwas gebessert hat im Vergleich beispielsweise zu Sakura Angels.

Faszinierend und unheimlich vorhersehbar waren einige Momente auf der Reise, bei denen Raelin beispielsweise Bekanntschaft mit einem Cloth Eater - einem wässrigen Schleim, der es auf Leder, Kleidung und Aas abgesehen hat - macht, der ihr die gesamte Rüstung vom Leib frisst. Wenig später landet Raelin (ja, es ist immer Raelin) in einer Liane, die auch ganz scharf auf die Rüstung ist und noch ganz andere Dinge mit der Novizin vorhat, die jedoch glücklicherweise rechtzeitig vereitelt werden können. Das muss eine unheimlich interessante Welt sein, in der Sakura Fantasy Chapter 1 spielt, wie wir finden.

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Kennt ihr schon den Cloth Eater?


Mutige Frauen braucht das Land

Wer schon einmal ein Spiel von Winged Cloud gespielt hat, wird ziemlich schnell den Stil erkennen, denn die Figuren ähneln doch sehr den Charakteren aus Sakura Angels und zwar nicht nur vom Aussehen her. So richtig viel Mühe scheint sich Winged Cloud mit Sakura Fantasy Chapter 1 nicht gegeben zu haben, da das Animationsset aus rund fünf verschiedenen Bewegungen besteht, die scheinbar randommäßig auf die verschiedenen Charaktere übertragen werden. In einer Situation fiel uns sogar auf, dass zwei Figuren nebeneinander genau dieselbe Pose hatten, was wirklich nicht sein muss. Hier hätten wir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht, zumal das Ganze in Sakura Angels auch besser dargestellt wurde.

Dafür - und das weiß Winged Cloud wahrscheinlich schon - sehen die Figuren allesamt sehr hübsch aus, zumindest die weiblichen. Im Spiel tauchen drei verschiedene männliche Modelle auf, doch sind die bei Weitem nicht so schön gestaltet wie die weiblichen Figuren. Und selbstverständlich muss man den Entwicklern zugutehalten, dass sie mit Raelin eine starke, wenn auch zum Teil versaute und Privatsphären ignoriende Protagonistin geschaffen haben, die ziemlich viel versprechend ist. Mal sehen, ob sie sich in den nächsten Kapiteln weiterentwickelt - und ob es diese Kapitel überhaupt geben wird.

Etwas weniger schön als bei Sakura Angels fallen die verschiedenen Hintergründe aus. Diese sind lediglich statisch und weisen keine Lichtspielereien auf. Weiterhin sind einige auch nicht besonders schön gestaltet, da diese zum Teil sowohl aus gezeichneten als auch am Computer erstellten Grafiken bestehen, die wirklich nicht unbedingt hervorragend zusammenpassen. Zudem passen an einigen Stellen auch die Texte nicht zum Bild. So wird beispielsweise ein Markt gezeigt, der leer ist, aber im Text unten steht natürlich trotzdem, dass sehr viele Leute wild durcheinander rennen. Das ist nicht ganz schön und wurde von uns auch schon bei Sakura Angels angekreidet.

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Well, do you speak English?

Sakura Fantasy Chapter 1 is in English, so you have to understand this language very well, if you know what I mean. Because if you don’t know English like your western bag, than do you have absolute no chance. Okay, kleiner Scherz unsererseits: Sakura Fantasy Chapter 1 ist wie auch schon die Vorgänger komplett auf Englisch, sodass ihr die Sprache schon recht gut beherrschen solltet, wenn ihr alles verstehen wollt. Doch auch dann gesellen sich immer mal wieder Wörter in die Geschriebene, die ihr vermutlich nicht aus dem FF kennt. Zum anderen möchten wir mit unserem gebrochenen Englisch auf einen Punkt hinweisen: Das Spiel wurde vermutlich übersetzt, zumindest liest es sich unheimlich hölzern und gestelzt - eben genauso wie etwas klingt, was aus einer anderen Sprache übersetzt wurde. Sollte es nicht übersetzt sein, so haben die Entwickler ein bisschen vergessen, wie man richtig spricht und sich nur auf die literarische Sprache, nicht aber auf die etwas realistischere Sprache bezogen, die man bei einer Visual Novel allerdings braucht. Schade, denn gerade bei der Sprache wurden wir absolut nicht warm mit dem Spiel.

Zudem kommt noch hinzu, dass Sakura Fantasy Chapter 1 leider keine Synchronisation hat, was dem Spiel noch einmal viel an Atmosphäre geschenkt hätte. Dafür hat der Titel einen unheimlich guten Soundtrack, der wirklich mit großen Rollenspieltiteln mithalten kann! Hierfür gibt es einen dicken, fetten Pluspunkt. Winged Cloud, euer Soundtrack ist der Hammer! Ebenso wie das Charakterdesign, aber das erwähnten wir bereits. Ziemlich cool ist auch, dass der Soundtrack nun mit einigen Geräuschen unterlegt wurde, sodass man sich noch ein bisschen besser mit den verschiedenen Situationen auseinandersetzen kann. Was da nur ein bisschen arg ins Auge fällt, ist die enge Kleidung. Können die Mädchen darin überhaupt atmen? Bei einigen “quillt” bereits der durchaus attraktive Körper heraus, natürlich nicht übermäßig, aber immerhin.

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Raelin und Ardena (beide links) sind offensichtlich gespiegelte Zwillinge...


Wie ernst kann man(n) es nehmen?

Im Vergleich zu Sakura Angels weist Sakura Fantasy Chapter 1 einige durchaus ansehnliche Verbesserungen auf: Es hat eine interessante Story, die jedoch ein bisschen Zeit braucht, um an Fahrt aufzunehmen, sehr hübsche Charaktere, einen weiblichen Protagonist, Entscheidungsmöglichkeiten und einen unheimlich epischen Soundtrack, der sogar passend mit entsprechenden Geräuschen untermalt ist. Und selbstverständlich kommen alle Otakus auf ihre Kosten, vor allem wenn sie sich für Frau-zu-Frau-Beziehungen interessieren. Wer sich nur auf die Story konzentrieren möchte, ist mit Sakura Fantasy Chapter 1 möglicherweise falsch beraten, da sehr viele weibliche Momente die Story immer wieder unterbrechen.

Trotz all dieser Verbesserungen gibt es jedoch auch einige Abstriche, die das Ganze zu einem eher krampfhaften Leseabenteuer gestalten. Die Entscheidungen, die man treffen kann, führen fast immer nur zu irgendwelchen nackten Momenten, auch wenn sich diese manchmal selbst auf die Schippe nehmen. Leider ist auch das Englisch, das verwendet wurde, unheimlich hölzern und liest sich eher wie eine Übersetzung. Auch den Hintergründen fehlt es an Flair und generell ist es zum Teil eher belanglos, der Story zu folgen - vor allem dann, wenn Raelin die Protagonistin mal wieder beschließt, einfach nur ihre Freundinnen zu stalken. Schade, hieraus hätte man so vieles machen können, aber wir lassen uns gern überraschen und sind schon auf Sakura Fantasy Chapter 2 gespannt.

Wer durch diese Review nun Interesse für Sakura Fantasy Chapter 1 ausgebracht hat, sollte jedoch lieber mal auf einen Sale warten, da knapp 10 € nicht unbedingt für dreieinhalb Stunden Spielspaß lohnenswert sind - es sei denn, man hat einen großen Taschentuchvorrat parat, dann dürfte man viele Stunden Spaß haben auch wenn die Bilder nicht unbedingt 18+ sind, aber ab 16 sind sie allemal schon.

Pro Contra
+ Interessante Geschichte... -... die ganz schön lange braucht, um interessant zu werden
+ Sehr schönes Charakterdesign - Zu wenig Abwechslung in den Animationen
+ Entscheidungsmöglichkeiten... - … die jedoch nur “weibliche Momente” hervorrufen
+ Verdammt gelungener Soundtrack - Fehlende Synchronisation
+ Weiblicher Protagonist - Entscheidungen haben kaum Einfluss auf die Story
- Texte passen nicht immer mit dem gezeigten Bild zusammen
- Sehr kurze Spielzeit (knapp 3,5 Stunden)
- Englische Texte wirken gestelzt
- Story wird durch viele unnütze Elemente gestreckt und unterbrochen


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Technik: 51
  • Grafik: 75
  • Sound: 80
  • Umfang: 30
  • Gameplay: 42
  • KI: 30

Spielspaß: 45
  • Story: Ein Stern fällt vom Himmel und man muss sich auf die Suche begeben, doch was hier spannend klingt, zieht sich ziemlich in die Länge, da die ersten ein, zwei Stunden darauf verwendet werden, das langweilige Leben von Raelin und ihre Stalkergewohnheiten einzuführen.
  • Wiederspielwert: Der ist zwar schon gegeben, aber nur um die restlichen Bilder freischalten zu können, die man bei den Entscheidungen betrachten kann.
  • Design/Stil: Wer bereits ein anderes Spiel von Winged Cloud kennt, kennt auch den Stil der Figuren bereits. Schade, dass hier viel zu oft dieselben Bewegungen verwendet werden.
  • Musik: Der Soundtrack ist der absolute Hammer und kann durchaus mit großen Rollenspielkollegen mithalten.

Information: Das Review Muster zu Sakura Fantasy Chaper 1 wurde uns von Sekai Project zur Verfügung gestellt.




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