Lord of Magna: Maiden Heaven (3DS) im Test – Atmosphärischer RPG-/Visual Novel-Mix

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thomary
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Lord of Magna: Maiden Heaven (3DS) im Test – Atmosphärischer RPG-/Visual Novel-Mix

Beitragvon thomary » Mo 15. Jun 2015, 13:19

Es ist eigentlich eine kleine Überraschung, dass Lord of Magna: Maiden Heaven hierzulande erscheint, doch XSEED in den USA und Nintendo in Europa machen’s möglich. Die Entwicklung Lord of Magna: Maiden Heaven begann noch beim Rune Factory Entwickler Neverland, doch nach dessen Pleite 2013 übernahm Marvelous einen Großteil der Belegschaft, die das Projekt zu Ende führten. Ob das Ergebnis auf dem 3DS überzeugt, verrät unser Test.

Unerwartete Gäste

In Lord of Magna: Maiden Heaven schlüpft man in die Rolle von Luchs, dem Inhaber eines rustikalen Gasthauses etwas abseits der Stadt. Doch das Gasthaus läuft nicht – Die Familie erhält es trotzdem schon seit Generationen, und auch Luchs tut es quasi nur, um der Familie die Treue zu halten. Doch schon immer betreibt man den Gasthof unter dem Motto, die „speziellen Gäste“, die eines Tages auftauchen werden, wie die Familie zu behandeln.

Und tatsächlich kommen die Gäste: Luchs sammelt eigentlich Kristalle, die er in der Stadt zu Geld macht, doch nach einem Erdbeben findet er einen überraschenden Gast in einem der Kristalle: Charlotte – im Anschluss nur noch „Lottie“ genannt, die Luchs direkt nach ihrem Ausbruch aus dem Kristallgefängnis auch noch das Leben rettet. Doch wie sollte es anders sein: Lottie kann sich an nichts mehr erinnern.

Endgültig ist Lotties Amnesie aber nicht: Schnell erfahren wir, dass sie noch Schwestern hat, und je mehr von ihnen sich treffen, desto stärker prägt sich das Gedächtnis aller wieder aus. Lord of Magna: Maiden Heaven bietet eine relativ unkomplizierte, aber gleichzeitig sehr spannende Story, in deren Verlauf man auf viele wirklich einprägsame Figuren trifft. Insbesondere die Schwestern haben es wirklich in sich, was markante Persönlichkeiten angeht. Eure Aufgabe in Lord of Magna: Maiden Heaven ist es, die restlichen Schwestern zu finden und so die Erinnerungen wiederherzustellen, um herauszufinden, was es mit den Kämpferinnen auf sich hat. Und natürlich muss dann auch noch eine Bedrohung ausgeschaltet werden, die die Welt vor den Abgrund stellt.

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Lottie, noch gefangen im Kristall


Visual Novel…

Lord of Magna: Maiden Heaven läuft ein kleines bisschen anders ab, als es sich die meisten vielleicht vorstellen würden. Während man aus JRPGs umfangreiche Gesprächssequenzen bereits gewohnt ist, so verbringt ihr in Lord of Magna: Maiden Heaven tatsächlich mindestens die Hälfte der Spielzeit in Gesprächen, in die ihr größtenteils auch nicht eingreifen könnt. Das Spiel zeigt sich in großen Teilen quasi wie eine waschechte, aber sehr hübsch animierte Visual Novel.

Auf großartige Entscheidungsmöglichkeiten müsst ihr ebenso verzichten wie auf eine freie Erkundung der Spielwelt oder das Entdecken echter Geheimnisse. Frei umherbewegen darf man sich nur in Luchs‘ Gasthaus, wo man nach wenigen Räumen natürlich auch alles gesehen hat. Dennoch gibt es einige nette Gameplayelemente, die einen aus den recht starren und linearen Strukturen von Lord of Magna: Maiden Heaven ausbrechen lassen.

Optionale Events sind ebenso vertreten wie nette Crafting-Möglichkeiten. Zunächst gibt es immer wieder optionale Events mit den einzelnen Schwestern, die ihre Beziehung zu Luchs stärken und so bessere Fertigkeiten im Kampf verfügbar machen. Sich dabei auch noch eins der Mädchen herauszusuchen, spielt übrigens keine Rolle. Darüber hinaus stehen auch jederzeit „freie Kämpfe“ zur Verfügung, die das Trainieren der Figuren sowie das Sammeln von Rohstoffen ermöglichen. Die Crafting-Möglichkeiten sind sehr sinnvoll und sollten unbedingt genutzt werden: Mit den richtigen Gegenstandskombinationen lassen sich nicht nur Dinge wie Tränke für bestimmte Buffs herstellen, sondern auch „Skill Chips“, die den Figuren neue Fähigkeiten verleihen. Damit kann Luchs beispielsweise heilen, während die anderen über stärkere Angriffe verfügen.

Diese ergänzenden Gameplay-Angebote inLord of Magna: Maiden Heaven sind also wirklich sinnvoll, gleichzeitig fehlt es dem Spiel aber auch an Konsequenz, Struktur und ein wenig mehr Freiheit. Erklärungen zu einzelnen Elementen werden teilweise Stunden (!) vor deren ersten Auftauchen geliefert, oder aber sie fehlen völlig, wie zum Beispiel beim Crafting. Und währen die „Herz“-Events zum Stärken einer bestimmten Verbindung als optional angepriesen werden, sind sie an einigen Stellen die einzige Möglichkeit, den Storyverlauf überhaupt voranzutreiben. So wirkt Einiges ziemlich inkonsequent und ein bisschen unausgegoren.

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Die Gespräche sind gut, aber lang. Sehr lang.


… mit tollen Kämpfen

Lord of Magna: Maiden Heaven ist absolut nichts für kurze Sitzungen: Teilweise seid ihr eine Stunde oder länger in einer Gesprächs- oder Kampfsequenz gefangen, ohne dass ein Speicherpunkt in Reichweite wäre. Lediglich einen temporären Speicherstand während der Kämpfe kann man erstellen, der für den Fall zur Verfügung steht, dass tatsächlich alle Gruppenmitglieder KO gehen sollten. Wirklich passieren wird euch das selten, denn abgesehen von den „Sub-Missions“, also optionalen Nebenaufträgen in den Missionen, ist der Schwierigkeitsgrad eher niedrig.

Dennoch ist das rundenbasierte Kampfsystem das sehr gelungene Herzstück von Lord of Magna: Maiden Heaven und es fällt viel weniger linear aus, als man sich das durch das restliche Spiel vielleicht denken würde. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, und in jeder Runde kann sich jede Figur in einem bestimmten Radius frei umherbewegen. Teilweise sind so taktisch interessante Möglichkeiten offen, wie man den Gegnergruppen den Garaus machen kann.

Die Figuren – sowohl Nah- als auch Fernkämpfer sind mit von der Partie – verfügen derweil über verschiedene Fertigkeiten, die sinnvoll zum Einsatz gebracht werden müssen. Die richtige Positionierung der Figuren ist entscheidend, denn sonst blockiert man sich mitunter selbst den Weg. Hin und wieder muss man auch klug „abwarten“, denn Fertigkeiten benötigen eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkten, von denen pro Runde nur einer generiert wird. Auch mit kleinen Angriffen kann das Besiegen der Gegner gut funktionieren, denn sie verhalten sich wie Kegel beim Bowling: Getroffene Gegner werfen hinter ihnen stehende Widersacher mit um, was teilweise hohe Kombos ermöglicht.

Die Gegner sind derweil nicht allzu vielfältig in ihrer Art und funktionieren alle recht ähnlich: Eine Gruppe besteht immer aus einem „Generator“, der neue kleine Bodyguards herbeibeschwören kann. Die kleinen Gegner teilen meist nicht viel aus, aber wie es so schön heißt: Kleinvieh macht auch Mist. Die großen Gegner haben es stellenweise aber ganz schön in sich. Zum Glück verfügen die Figuren später über Tausende HP und wenn Luchs dann auch noch heilen kann, fallen die Kämpfe größtenteils ziemlich leicht. Lange dauern sie trotzdem: Das Besiegen der großen Gegner kostet Zeit und wenn es Lord of Magna: Maiden Heaven noch besonders fies mit euch meint, stehen darüber hinaus noch extra Generatoren auf dem Feld, die alle paar Runden weitere Gegner beschwören, die ihrerseits wieder kleine Gegner beischaffen. Bis man sich da durchgekämpft hat, vergeht teilweise gut und gerne auch mal mehr als eine Stunde – Gespräche vorher und nachher von ähnlicher Länge noch nicht mit eingerechnet. Speicherpunkt, wo bist du?

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Die Kämpfe laufen rundenbasiert, aber recht dynamisch ab.


Herrliche Atmosphäre

Bisweilen empfindet man durch die sehr langen Kämpfe und Gespräche sogar so etwas wie Frust bei Lord of Magna: Maiden Heaven, insbesondere wenn man das Gefühl bekommt, einen bestimmten Kampf vielleicht doch nicht zu bestehen und dadurch die Angst entsteht, man müsste vielleicht alles nochmal wiederholen. Zum Glück sind einzelne lange Schlachten in kleinere unterteilt, die man jederzeit einzeln neustarten kann (nur eben nicht dauerhaft speichern).

Doch hat man’s dann doch geschafft, so entschädigt Lord of Magna: Maiden Heaven dauerhaft mit einer tollen Atmosphäre und schönen Umgebungen, bei denen wir es häufig zu schade fanden, dass wir sie nicht selbst erkunden durften. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail und auch in einer für 3DS-Verhältnisse recht hohen grafischen Qualität gearbeitet. Leider gibt es in den Kämpfen bei gegnerischen Zügen stellenweise Freezes, wo die gute Optik eventuell ihren Tribut fordert.

Der Soundtrack, insbesondere die Musik, stärkt die gute Atmosphäre und bietet nicht nur eingängige, sondern auch wirklich epische Melodien, die einzelne Situationen sehr passend begleiten. Lord of Magna: Maiden Heaven bietet auch eine englische Synchro, die leider sehr lückenhaft ausfällt. Natürlich erwartet bei diesem Gesprächsumfang niemand eine Vollvertonung, aber teilweise sind nur einzelne Fetzen eines Gesprächs vertont, was ein wenig die Atmosphäre drückt.

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Die Umgebungen können sich sehen lassen.


Fazit: Unkomplizierter Atmosphäregarant mit Längen

Lord of Magna: Maiden Heaven ist ein sehr angenehmes und unkompliziertes RPG mit vielen klugen Ideen und sinnvollen Elementen abseits der recht starren Hauptstory, dessen hauptsächliche Schwäche in seinen unüberbrückbaren Längen liegt: Wenn Gesprächs- und Kampfsequenzen teilweise stundenlang ausfallen ohne eine echte Speichermöglichkeit, kann das insbesondere auf dem 3DS ganz schön Durchhaltevermögen fordern.

Davon abgesehen ist Lord of Magna: Maiden Heaven ausgestattet mit einem tollen Kampfsystem, einer guten Geschichte voller einprägsamer Figuren und sinnvollen Eingriffen in die Geschicke der Helden wie beispielsweise dem gelungenen Crafting-System, das sogar die Herstellung von Fertigkeiten erlaubt. Die tolle Atmosphäre tut ihr Übriges dazu, dass uns Lord of Magna: Maiden Heaven insgesamt durchaus überzeugt hat und eine Empfehlung an JRPG-Freunde wert ist, sofern ihr auch mit dem Genre Visual Novel etwas anfangen könnt. Durch die genannten Schwächen wirkt es gleichzeitig auch noch wie ein ungeschliffener Diamant, dem mehr Feinarbeit zu ganz anderen Größen hätte verhelfen können.

Pro Contra
+ Interessante Story mit tollen Figuren - Manche Gameplayelemente wirken „halbgar“ / bieten wenig Freiraum
+ Tolle Atmosphäre, ansehnliche Umgebungen - Erklärungen passen nicht zum Spielablauf
+ Gelungenes Kampfsystem - Teils sehr lange Gesprächsabschnitte ohne Speichermöglichkeit
+ Guter Soundtrack - Ebenfalls sehr lange Kampfabschnitte, nur temporäres Speichern – Teils auch beide in Kombination
+ Nützliche Crafting-Möglichkeiten - Stellenweise Freezes während der Kämpfe
+ Schöner Animationsstil, insbesondere Gesprächssequenzen - Sehr lückenhafte englische Synchro


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Technik: 80
  • Grafik: 84
  • Sound: 88
  • Umfang: 81
  • Gameplay: 68
  • KI: 80

Spielspaß: 76
  • Story: Lord of Magna: Maiden Heaven bietet eine recht unkomplizierte, aber trotzdem spannende Story mit guter Atmosphäre und einprägsamen Figuren.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden. Der Schwierigkeitsgrad ist eher gering, aber sehr lange Sequenzen können teilweise (ohne Speicheroption) auch so etwas frustig werden.
  • Wiederspielwert: Relativ hoch. Lord of Magna bietet eine ordentliche Spielzeit und einige optionale Missionen. Ein zweiter Durchgang lohnt sich vermutlich nur bedingt.
  • Design/Stil: Sehr atmosphärisch und grafisch gelungen.
  • Musik: Die Musik überzeugt voll und ganz. Die Synchro ist ein wenig zu lückenhaft.

Danke an Nintendo für die Bereitstellung des Downloadcodes zu Lord of Magna: Maiden Heaven.

Informationen zum Testgerät
Plattform: Nintendo 3DS XL
Version: Standardversion
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 6 Monate

Lord of Magna: Maiden Heaven ist ausschließlich im Nintendo eShop auf dem 3DS zum Preis von 29,99€ erhältlich.

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