Blue Reflection: Second Light (PS4) im Test – Ein Schulmädchentraum?

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Ich hatte ehrlich gesagt ziemlich gemischte Gefühle, also GUST den zweiten Teil der Blue Reflection Reihe ankündigte: Mit dem ersten wurde ich nicht so richtig warm, hatte schon mal eine halbe Review geschrieben und dann wieder gelöscht, weil’s irgendwie nicht gepasst hat. Nun habe ich Blue Reflection: Second Light für dich ausprobiert und mir die PlayStation 4 Version auf der PlayStation 5 angesehen. Ob mich dieser Titel mehr abholen konnte, erfährst du auf jeden Fall in meiner Review. Aber so viel kann ich schon mal sagen: Es beinhaltet jede Menge Schulmädchen. !B

Zu sehen ist ein Mädchen in einem schwarzen Kleid und lila Flügel.

Eine Schule voller Mädchen

Das kannte ich schon aus Blue Reflection und finde es immer noch irgendwie cool: Die Hauptfiguren in Blue Reflection: Second Light sind alles weibliche Figuren. Hier bleibt sich GUST als entwickelndes Studio hinter der Reihe treu. Unter anderem schuf das Studio auch Spiele wie die Atelier Reihe, in denen größtenteils auch nur junge Damen den Vortritt haben. Doch so cool ich das finde, dass wir hier nur weibliche Protagonistinnen haben, so sehr bedient es für mich typische Klischees: Das Spiel ist perfekt, die einen Narren an Schulmädchen gefressen haben. Passend dazu gibt es auch noch mehr Schuluniformen für die Mädchen, ebenso wie eine Auswahl verschiedener Bademoden. Während die Mädchen selbst alle möglichen Wünsche der Spieler bedienen: Große Mädchen, kleine Mädchen, mit breiten Hüften, mit schmalen Hüften, mit großen Brüsten, mit kleinen Brüsten. Alles quasi einmal durch. Und so scheine ich nicht die richtige Zielgruppe zu sein, obwohl sich Blue Reflection: Second Light für mich wie ein „typisches Mädchenspiel“ präsentiert.

Ich bin hin und her gerissen, ob ich es nun gut finde, dass wir einen klassischen Schulmädchentraum für Männer geschaffen haben, oder ob ich hier nicht einfach nur ein Dress-Up-Spiel für Mädchen vor mir habe, bei dem ich anderen helfe. Aber dann gäbe es vermutlich mehr abwechslungsreiche Kostüme und nicht nur diverse Bademoden und Schuluniformen.

Immerhin unterscheidet sich jedes der Mädchen in ihren Vorlieben und Fähigkeiten, sodass ich es hier nicht unbedingt mit den typischen Klischees zu tun habe. Lediglich Ao, die Protagonistin, in deren Rolle ich außerhalb der Kämpfe schlüpfe, bleibt irgendwie platt und scheint keine wirkliche Persönlichkeit zu entwickeln. Das ist schade, verkörpere ich sie doch in den Cutscenes.

Ebenso platt bleibt für mich die Geschichte an sich: Aus einem bestimmten Grund sind die Mädchen in einer anderen Welt gelandet. Sie leben in einem alten Schulgebäude und besuchen immer wieder verschiedene Orte, die sie im Laufe der Geschichte Heartscapes nennen. Das sind Orte, die mit einem der Mädchen verknüpft sind und Erinnerungen beinhalten, denn passenderweise haben die Ladies all ihre Erinnerungen verloren. Die Idee hinter Blue Reflection: Second Light ist also ziemlich eindeutig: Wir wollen alle unsere Erinnerungen zurück und wieder zurück in unsere normalen Leben. !B

Ein Mädchen steht in einem Garten. Links neben ihr ist eine Tischgarnitur aus Holz.

Irgendwie ein bisschen platt

Während die Geschichte selbst für mich teilweise sehr platt bleibt, denn Blue Reflection: Second Light versucht sich zwar darin, junge Mädchen in einer fremden Welt darzustellen, vergisst dabei jedoch, den Mädchen lebendige Emotionen zu geben. Allen scheint es wenig auszumachen, dass sie in einer vollkommen fremden und gefährlichen Welt gelandet sind. Zwar erwähnen alle immer mal wieder, dass sie nach Hause möchten, doch so wirklich scheint das niemanden zu stören. Die Emotionen, mit denen die Reihe an sich so gerne spielt, bleiben auf der Strecke.

Ich hatte damals schon keinen richtigen Spaß mit Blue Reflection, weswegen es dazu bis heute keine Review auf dem Palace gibt. Für mich war das damals eine Mischung aus Persona und einem Magical Girl Spiel. Blue Reflection: Second Light mischt für mich nun die Atelier Reihe mit Magical Girl Elementen und sticht mit wenigen eigenen Elementen selbst hervor. Ich kann nun in den einzelnen Gebieten Rohstoffe sammeln, mit denen alle Mädels zusammen verschiedene Dinge herstellen. Je nachdem, welche Rohstoffe ich habe, haben die Items am Ende auch andere Eigenschaften und bessere Leistungen. Das fühlt sich an, wie eine simple Version der Alchemie, die ich bereits aus der Atelier Reihe kennengelernt habe. Allerdings ist es wirklich nur eine simple Version, wobei sich der Ursprung des Konzepts bereits weiterentwickelt hat.

Zudem kann ich das Schulgebäude ausbauen und mit verschiedenen Dingen bestücken. Dinge, die sich unter anderem die Mädchen wünschen und die gleichzeitig einen Einfluss auf meine Fertigkeiten und Fähigkeiten im Kampf habe, denn ganz ohne Kampf kommt auch Blue Reflection: Second Light nicht aus. Wobei das Kampfsystem an sich genommen fast schon eine eigene Wissenschaft ist, die glücklicherweise mit einem automatischen Modus daherkommt. Und wenn man zwischendurch keine Lust hat, ist es ratsam verschiedene Quests anzunehmen, die die anderen Mädchen immer mal haben, oder mit ihnen auf Dates zu gehen – so sammelt man Punkte und kann somit die Mädels für die Kämpfe verbessern. Allerdings fehlen die Möglichkeiten wie noch im Vorgänger, mit denen ich eigene Fertigkeiten selbst steigern kann in dem ich beispielsweise eine Runde im Pool drehe oder Hausaufgaben mache. !B

Ein Kampfbildschirm ist zu sehen. Unten sind die drei kämpfenden Mädchen abgebildet, links die Ggener.

Ein bisschen mehr Action gefällig?

Ich fand schon in Blue Reflection das Kampfsystem ein bisschen komplex, doch Blue Reflection: Second Light legt nun nochmal eine Schippe oben drauf. Grundsätzlich ist es ein rundenbasiertes Kampfsystem, jedoch mit einem ATB Balken, also einem Active Time Battle Balken, hier nennt er sich Ether. Und jedes Mädchen im Kampf sammelt Ether ganz automatisch, hat es genug Etherpunkte gesammelt, kann ich eine Aktion ausführen, die wiederum Punkte verbraucht. Soweit, so gut. Gesteuert werden im Kampf immer drei Mädchen gleichzeitig, jedoch mit unterschiedlichen Knöpfen, um sie zu aktivieren, was ganz schön komplex ist.

Zum Glück hat Blue Reflection: Second Light einen automatischen Modus, sodass die beiden Mädchen, die nicht aktiv auf X liegen, alleine agieren. Ansonsten wäre man nur damit beschäftigt, auf die einzelnen Mädchen und ihre Ehteranzeigen zu achten und sie dann zu aktivieren – das ist ganz schön stressig und teilweise auch wirklich unnötig. Die KI selbst agiert ziemlich gut und setzt auch unterstützende und heilende Angriffe ein, um im Kampf das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Das ist ziemlich cool.

Wie es sich für eine Magical Girl Serie gehört, verwandeln sich meine Schulmädchen natürlich auch, allerdings kann ich das so gut wie nicht steuern, sondern sie machen es immer dann, wenn sie eine gewisse Anzahl an Ether gesammelt haben. In den meisten Fällen sind sie dann stärker – etwas schwierig ist das nur, dass sie sich eben auch dann verwandeln, wenn ich gegen einen 08/15 Gegner kämpfe, der mit zwei Schlägen am Ende ist. Hin und wieder geht mir dabei auch die Animation auf den Keks, die ich nicht überspringen kann und die den Fokus vom Kampf weg lenkt. Blue Reflection: Second Light versucht, viele Elemente mit tanzenden Lichtern zu überspielen, was ich sehr schade finde. Im Vorgänger gab es das nicht so intensiv, denn hier bin ich gleich verwandelt in die Welten gesprungen. Aber gut, vermutlich ist genau das der Kniff, schließlich haben die Mädchen vergessen, wer sie einst waren. !B

Ein Mädchen in einer weißen Schuluniform balanciert auf einem roten Balken über Wasser.

Doch hier endet das Kampfsystem noch nicht. Hat man beispielsweise die Barriere der Gegner im Kampf zerstört, kann man mit ihnen in einen One on One wechseln: Ich stehe als einzelnes Mädchen dem großen Bösen gegenüber und spiele eine Art Stein-Schere-Papier für eine gewisse Zeit mit ihm. Das empfinde ich als vollkommen unnötiges Element, das die Kämpfe einfach nur künstlich in die Länge streckt.

Aber auch das ist noch nicht alles. Inspiriert durch Atelier Ryza und ihre Fertigkeiten, auch zu schwimmen und zu klettern, kommt auch Blue Reflection: Second Light mit solchen Elementen daher. Immer wieder balanciere ich über Balken oder hangle mich an Seilen entlang. Was jetzt an sich nicht schlimmer ist, doch bin ich in diesem „Action“-Modus, kann ich nichts anderes machen, nicht mal eben das Menü öffnen oder so, nein, ich muss warten, bis ich auf der anderen Seite angekommen bin. Das ist super lästig. Irgendwie versucht man hier viel zu viel. Ach ja, und dann gibt es da noch die Stealth-Passagen, die genau dann relevant werden, wenn das Spiel das will… !B

Ein Mädchen in weißer Schuluniform steht in einem dunkelgrauen Bereich. Im Hintergrund ist ein roter Lichtkegel zu sehen.

Alles wirkt wie ein Traum

Immer wieder stehe ich vor einem GUST Spiel und bin überrascht, wie wenig sich die Spiele weiterentwickeln. Ich beobachte dabei, wie die einzelnen Reihen mit verschiedenen Dingen einen Schritt nach vorn machen – und dann irgendwie doch immer zwei nach hinten. Vielleicht liegt das aber auch an der Fließbandarbeit, mit der GUST Spiele auf den Markt wirft, obwohl die Anzahl an Spiele schon wieder leicht zurückgegangen ist. Dennoch würde es den Titeln gut tun, wenn man sich die Zeit nehmen würde, um auch mal die grafischen Details anzupassen.

Und so kommt Blue Reflection: Second Light wieder einmal mit Kantenflimmern daher, während Ao seltsame Animationen hat und sie ein bisschen wirkt, als habe sie einen Stock verschluckt. Zudem sind die verwendeten Texturen teilweise sehr matschig und platt. Da wo andere Spiele eine lebendige Welt darstellen, versteckt sich Blue Reflection: Second Light hinter platten Pflanzen und leblosen Texturen. Die ganze Welt wirkt wie eine Kulisse, bei der sich nicht wirklich viel Mühe gegeben wurde. Tatsächlich habe ich mich die ersten Minuten im Spiel sehr unwohl und unglücklich gefühlt, denn mir hat Aos Modell und ihre Art zu laufen nicht gefallen: Wenn sie rennt, streckt sie ihren Hintern ein wenig der Kamera entgegen, sodass genau dort der Blickpunkt hinfällt. Das gefällt mir persönlich schlichtweg nicht – aber ich hatte ja schon eingangs geklärt, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich überhaupt die Zielgruppe von Blue Reflection: Second Light bin.

Dafür mag ich die Lichteffekte im Spiel sehr, denn diese vermitteln tatsächlich das Gefühl, das ich mich in einem Zwischenuniversum befinde oder in einem Traum – wie auch immer man das nun nennen möchte. Auch die Sonne im Spiel wirft schönes, harmonisches Licht. Auch der Soundtrack kann teilweise gut überzeugen, bleibt jedoch meistens brav im Hintergrund. !B

Zu sehen ist ein junges Mädchen in schwarzer Schuluniform, das im Licht der gleißenden Sonne steht.

Fazit: Es bleibt ohne Erinnerungen

Mir fällt es schwer zu Blue Reflection: Second Light ein sinnvolles Fazit zu schreiben, denn für mich ist es am Ende die Verkörperung eines Schulmädchentraums, das sich an anderen Konzepten des entwickelnden Studios orientiert und dabei mit eigenen Ideen fast gänzlich zurückbleibt. Es wirkt wie eine Klischeesammlung, die viel Mühe in ein komplexes und kompliziertes Kampfsystem gesteckt, dabei jedoch vergessen hat, eine greifbare Welt zu erschaffen. Wo andere Spiele bereits Tiefgang in der Charakterentwicklung beweisen, bleibt auch Blue Reflection: Second Light teilweise zurück: Es schafft es zwar, dass ich die Mädchen mag und ihre unterschiedlichen Charaktere sehr schätze, bleibt jedoch dabei zurück, ihnen lebendige Emotionen wie Angst oder Unsicherheit wirklich an die Hand zu geben. Schließlich sind die Mädchen in einer fremden und gefährlichen Welt.

Blue Reflection: Second Light ist eine leichte Ablenkung für zwischendurch, sorgt bei mir jedoch nicht dafür, dass ich nach der Arbeit dafür brenne, in diese Spielwelt abzusteigen. Besonders durch das überladene Kampfsystem, die teilweise lieblose Spielwelt mit den wunderschönen Lichteffekten und den klischeehaften Protagonistinnen mit jeder Menge Fanservice wird es mir nicht wirklich in Erinnerung bleiben. Ich bin mir jedoch sicher, dass es da draußen eine ganz bestimmte Nischengruppe gibt, die Spaß mit Blue Reflection: Second Light haben wird, ich gehöre nur nicht richtig dazu.

ProContra
+ Netter Soundtrack– Kampfsystem zu komplex und kompliziert
+ Schöne Lichteffekte, die besonderen Charme versprühen– Matschige Texturen und Kantenflimmern
+ Automatischer Modus im Kampfsystem– Welt leb- und lieblos
+ Verschiedene Charaktere der Mädchen deutlich– Aktuelle Situation scheint auf Mädchen kaum Einfluss zu haben
+ Magical Girl Elemente…– … auch wenn diese sinnlos im Kämpfe eingebunden sind
Zu sehen ist eine 62 als Gamer's Palace Score.

Technik: 67
Grafik: 57
Sound: 70
Umfang: 68
Gameplay: 57
KI: 82

Spielspaß: 57

  • Story: In Blue Reflection: Second Light schlüpfe ich in die Rolle verschiedener Schulmädchen, die in einer fremden Welt angekommen sind und von dort wieder weg wollen.
  • Frustfaktor: Für mich hatte das Kampfsystem einen gewissen Frustfaktor. Gut, dass dieses einen automatischen Modus hat.
  • Nachhaltigkeitswert: Ich hatte nicht sonderlich viel Spaß mit dem Spiel und werde es ziemlich schnell vergessen, allerdings bin ich mir sicher, dass es in der Fangemeinde für lange Nächte sorgt.
  • Design/Stil: Es ist ein realistischer Animestil, falls es so was gibt.
  • Musik und Sound: Die Sprachausgabe ist auf Japanisch, der Soundtrack ist ganz nett, bleibt jedoch stets im Hintergrund.
  • Preis- und Leistungsverhältnis: Für knapp 60 € gibt es ein japanisches Rollenspiel, das eher für Nischengruppenfans geeignet ist. Vom Umfang her (= Spielzeit) passt das auf jeden Fall.

Offenlegung

Ich habe einen Key kostenlos für Blue Reflection: Second Light erhalten und die PS4 Version auf der PlayStation 5 Digital gespielt.

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Beatrice Vogt
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