Chaos Walking – Eine schwierige Verfilmung

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Die Chaos Walking Reihe von Patrick Ness ist eine meine liebsten Buchreihen – so schnell verschlungen habe ich eine Trilogie noch nie. Und so viel mitgefiebert und so viele Emotionen empfunden. Es ist schon Jahre her, dass der Autor bekanntgab, eine Verfilmung sei in der Mache – und dann dauerte es nicht nur lange, bis es wirklich losging, sondern der Chaos Walking Film hatte auch eine schwierige Entstehungsgeschichte. Umfangreiche Reshoots waren nötig und dann kam auch noch Corona. Dank Apple haben wir uns den Film nun zu Hause angeschaut – und ich habe lange überlegt, ob er seine Erwartungen gerecht wird.

Das vielleicht wichtigste: Es hat Spaß gemacht, diesen Film zu gucken, die 90 Minuten gingen wie im Fluge vorbei. Tom Holland als Todd ist eine herausragende Besetzung – eine bessere, als ich mir damals beim Lesen des Buches überhaupt hätte vorstellen können. Auch mit der restlichen Besetzung bin ich zufrieden – meines Erachtens hat man die Persönlichkeiten dieser Buchreihe ganz gut eingefangen.

Doch so ziemlich alles in Chaos Walking wurde eingekürzt, geändert, leicht verdaulich gemacht. Was ich mich frage: Kann man das dem Film wirklich vorwerfen? Die Buchtrilogie ist nicht nur eine der spannendsten, sondern auch der vielfältigsten, die ich bisher gelesen habe. Da stecken so viele Themen und Motive drin – ich habe mich eine Weile mal literaturwissenschaftlich mit der Reihe auseinandergesetzt und da kommt wirklich viel zusammen. Es ist ein Coming-of-Age Roman auf so vielen Ebenen und mit unglaublich vielen Facetten – bekommt man das in einen 90-minütigen Film, ohne ihn in einen Blockbuster abwandeln zu können?

Ich glaube nicht. Man hätte vielleicht aus dem ersten Buch schon zwei Filme machen müssen, oder aber gleich eine Serie daraus. Das hätte ich mir gut vorstellen können. So ist es jetzt passiert, dass in manchen Belangen der Chaos Walking Film deutlich über den ersten Band des Buches hinausgeht, und bei anderen deutlich zurückstreckt.

Zwei große Versäumnisse verzeihe ich dem Film nicht: Die Tiere haben keinen Lärm. Die Umsetzung des Lärms, der Gedanken der Männer in New World, ist den Macher*innen des Filmes finde ich gut gelungen. Doch die Tiere kommen ohne Lärm aus, ein Kniff, der viel kostet, vor allem die Bindung zu Manchee, die kaum zustande kommt.

Was auch zu kurz kommt: Die ganze Figur David Prentiss. Mit Nick Jonas starbesetzt, ist die Rolle der Figur soweit reduziert, dass sie kaum der Rede wert ist – dabei ist sie ein Schlüssel für die Vielfältigkeit von Chaos Walking, und mit ihr gehen so viele andere wichtige Elemente verloren.

Wenn man den Film sieht und als stark reduzierte Interpretation von Chaos Walking sehen kann, macht er seine Sache ziemlich gut, denn atmosphärisch und von seinen Bildern her schnappt er die Reihe gut auf. Doch er schnappt eben auch nur einen kleinen Kern des Universums auf, dass Patrick Ness da geschaffen hat – und wer die Bücher liest, wird weit mehr bekommen als einen Action-Blockbuster mit seichter Liebesgeschichte. Viel, viel mehr!

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Manuel Eichhorn
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