Death Stranding (PS4) im Test – Wenn Sam zweimal klingelt

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Lange Zeit hat Hideo Kojima sich eher bedeckt gehalten, wenn es um sein aktuellstes BB Death Stranding ging, doch nun wissen wir alle, was es mit Sam und seinen Lieferungen auf sich hat, denn wenn der Gestrandete Tod ankommt, bleibt einem nichts anderes übrig, als auszuliefern. Ich habe mir Death Stranding auf der PS4 angesehen und verrate euch im Test, warum ich überrascht war, dass es als Mainstraem angesehen wird.

Die Apokalypse und eine Überraschung

Death Stranding geht in typischer Kojima Manier mit einigen Cutscenes los, die jedoch nötig sind, um die Welt zu verstehen. Im Spiel erlebt ihr eine Amerika, das mit unserem heutigen Amerika nichts mehr gemein hat. Vor einigen Jahren geschah etwas, das die Welt erschütterte: Der Gestrandete Tod kam an. Das Spiel beschreibt es ein bisschen so wie: Die erste Bombe sieht man noch kommen, doch die zweite nicht mehr. Und so erlebe ich in Death Stranding ein Amerika, in dem ein Leben an der Oberfläche fast nicht mehr möglich ist, da an jeder Ecke entweder Terroristen oder schreckliche Wesen von der anderen Seite auf einen warten. Terroristen gehen noch, die kann man einfach ausschalten, doch die sogenannten GDs sind da etwas anders. Sie wollen mich zu sich holen, sodass ich keine Chance habe, doch für die lieben GDs habe ich später einen ganzen Abschnitt parat.

Was mich an Death Stranding die ganze Zeit überraschte war, dass es als Mainstream angesehen wurde. Weil Hideo Kojima drauf steht, zieht es die Massen an, dabei ist es spielerisch gesehen überhaupt kein Spiel, dass Massen anziehen sollte. In Death Stranding spiele ich Sam Porter Bridges, einer der wenigen Lieferanten, die sich noch an die Oberfläche trauen und Dinge ausliefern. Natürlich soll ich jedoch nicht nur Pakete bringen (im Übrigen bringe ich die Pakete immer den Empfängern und betreibe keine Klingelstreiche), sondern ich habe die ehrenvolle Aufgabe, Amerika wieder miteinander zu verbinden, sodass die Vereinigten Städte von Amerika ihr Land wieder aufbauen können. Natürlich bin ich die einzige, die das tun kann. Und das liegt auch an Sam, denn er ist natürlich kein einfacher Bote. Das wäre ja zu einfach. Er hat besondere Fertigkeiten, die ihn zu etwas Besonderem machen. Und das ist wiederum ziemlich gut.

Death Stranding fühlt sich für mich wie die Idee eines großartigen Teams an, ob da nun aber Hideo Kojima oder Michael Müller aus Buxtehude draufsteht, ist mir relativ egal. Ich habe Death Stranding deswegen gespielt, weil es für mich nach einem perfekten Spiel für mich klang – und das ist es definitiv. Natürlich nicht perfekt, dafür hat es auch zu viele technische Mängel, aber es ist ein Spiel, das mich fesselt. Ich will immer weiter Pakete ausliefern und Amerika zu einem großen Ganzen machen. Ich will den Seperatisten zeigen, dass sie alleine keine Chance haben, und den GDs, dass sie sich wieder auf die andere Seite verziehen sollen.

Einige sagen, dass sich Death Stranding für sie wie Arbeit anfühlt. Dass man sich fast schon überwinden muss, es zu spielen, weil es kein einfacher Shooter ist. Ich liebe das. Dieses Laufen. Nur die Lieferung, die Stille und ich. Und ich weiß, dass irgendwo jemand darauf wartet, dass ich die Lieferung bringe. Dass ich meinen Teil leiste und somit auch ein Teil des Ganzen bin. Das ist es, was mich an Death Stranding so wahnsinnig fasziniert.

Gemeinsam gegen den Gestrandeten Tod

Das Besondere an Death Stranding ist für mich neben dem Gameplay, das mich einfach fordert und fesselt und sich für mich nicht wie Arbeit, dafür aber wie Entspannung anfühlt, wenn ich über die weiten und zerklüfteten Flächen Amerikas wandere, definitiv der Multiplayer. In Death Stranding habt ihr keinen richtigen Koop, ihr schießt euch auch nicht gegenseitig die Köpfe ein. Nein. Ihr helft euch alle gegenseitig. Jedes Element, das du in die Welt setzt, hilft eventuell einem anderen Spieler dabei, sein Ziel leichter zu erreichen. So hilft vielleicht auch jede Brücke, jedes Seil oder jedes Schild, das ein anderer Spieler setzt, dir weiter. Und genau das ist ziemlich cool und hat mich wirklich begeistert. Sicherlich ist das Startgebiet am Anfang ein bisschen arg überlastet und fast schon stapeln sich die Brücken übereinander, doch der wirklich gute Aspekt dieses Mehrspielermodus’ kommt erst dann zur Geltung, wenn ihr im dritten Kapitel über Ground Zero schifft.

Dieses neue Gebiet beinhaltet einen Highway. Den ihr gemeinsam mit den anderen Spielern baut und das ist ein wahnsinniges Gefühl. Death Stranding fühlt sich oft so an, als würde ich alleine gegen alle anderen kämpfen, doch genau diese Elemente zeigen mir, dass ich nicht alleine bin. Dass da draußen noch mehr Sams sind, die mit mir zusammen Amerika wieder aufbauen. Doch das sind nicht die einzigen Elemente, die mich begeistern und die diesen Multiplayer zu einem unvergesslichen machen. Für alles, was ich baue, kann ich Likes einsammeln. Für alles, was ich liefere, erhalte ich Likes und steige somit im Level auf. Likes sind im Grunde so was wie Erfahrungspunkte im Spiel, denn sie helfen mir, dass ich mich weiterentwickle. Für jede Aktion erhalte ich unterschiedliche Likes und kann somit auch weiterkommen. Somit helfen wir uns alle nicht nur durch die Apokalypse, sondern auch dabei bessere Sams zu werden.

Dabei übertreibt es Death Stranding aber an keiner Stelle. Ich bin nicht übermächtig, nur weil ich late to the party bin und alle schon alle Wege für mich ausgetreten haben. Tatsächlich fühle ich mich trotz allem an vielen Dingen immer noch hilflos und alleine, doch ich weiß, dass da draußen noch mehr Menschen sind, die mit mir durch Amerika laufen und mir den einen oder anderen Brotkrumen zuwerfen, damit ich mein Ziel erreiche.

Dennoch finde ich etwas schade, dass sich die Welt an sich nicht wirklich weiterentwickelt. Städte wachsen nicht oder erhalten neue Gebäude oder irgendwas in der Art. Die Welt wird nicht lebendiger, obwohl ich versuche, für Sicherheit zu sorgen. Kein anderer traut sich raus aus den Schutzbunkern. Das finde ich schade, denn Potential wäre vorhanden. Ebenso fehlt es mir ein bisschen an der Abwechslung. Zwar liefere ich total gerne aus, aber so wirklich fehlt es mir dann hier und da doch an anderen Aufgaben. In vielen japanischen Spielen kann man angeln oder Käfer sammeln, doch in Death Stranding gibt es das leider gar nicht, was schade ist.

Schritt für Schritt voran

Die Wege durch Amerika sind manchmal mühselig. Vor allem genau dann, wenn die Wege blockiert sind, weil Terroristen beschlossen haben, dass sie es geil finden, mich zu verfolgen und mit ihren Elektrospeeren nach mir pieksen. Doch wie mit jedem Kojima Spiel, das ich spiele, bin ich auch in Death Stranding hineingewachsen. Schon mit Metal Gear Solid IV hatte ich meine Herausforderung und warf dann nach einiger Zeit meine Prinzipien über Bord. So auch in Death Stranding. Es ist ein Spiel, das mich zu einer anderen Bea macht. Ich bin nun jemand, der will, dass Amerika wieder aufgebaut wird. Und dabei lasse ich niemanden einfach nur tun, was er will: Mich terrorisieren.

Ich war am Anfang ziemlich ängstlich. Bin allen MULEs ausgewichen und habe sie in großen Bögen umrundet. Bis ich aus Versehen nicht darauf geachtet habe, wohin ich laufe und plötzlich vor einem dieser MULE stand. Und dann schlug ich zu. Lustigerweise brauchte der Typ nicht viele Schläge, sodass ich ein Hochgefühl verspürte und eventuell haben es diese Terroristen nun doch ziemlich schwer gegen mich. Eine viel spannendere Reise unternam ich jedoch mit den GDs. Das sind Wesen, die von der anderen Seite stammen und die mich zu sich ziehen wollen. Wer die Anfangszene noch in Erinnerung hat, weiß, dass es wohl besser ist, sich selbst zu erschießen, als von einem GD geholt zu werden.

Auch bei den GDs hatte ich am Anfang Angst. Sie war auch definitiv berechtigt, denn besonders am Anfang kann man eben nur ausweichen und sich ganz leise wegschleichen, sodass die GDs keinen Bock mehr auf einen haben. Tja. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit Stealth absolut nichts anfangen kann. Das ist ein bisschen wie Vertedigen in Kampfspielen… Jedenfalls berührten mich diese Viecher häufiger als mir lieb waren, mit ihren ekligen Teerfingern, die ich lieber nicht näher beschreiben möchte. Bis ich Granaten aus Sams Blut bekam und nun eine ganz gute GD Jägerin geworden bin. Bewege ich mich vorsichtig durch GD Gebiet? Nope. Habe ich immer eine Blutgranate im Anschlag? Aye! Habe ich immer viele, viele, viele Blutgranaten bei mir? Darauf könnt ihr Sams Blut nehmen. Ich lasse mich nicht mehr von diesen Viechern aufhalten und Angst machen die mir schon lange keine mehr. Das ist eine Taktik, mit der ich gewachsen bin. Wäre Death Stranding ein richtiges MMO, so solltet ihr mich definitiv mit auf eure Touren nehmen, denn ich bin die Frau fürs Grobe.

Sam…

“Bea lobt Death Stranding over the Moon, aber sie sprach auch von technischen Mängeln…” Ja, ja, ja. Ich bin ja schon beim Technikabschnitt. Wenn ich etwas in Death Stranding abgrundtief hasse, dann ist es dieses bescheuerte Telefon. Immer und immer und immer und immer wieder klingelt es. Jedes Gespräch geht los mit “Sam…” und ich wünsche mir einfach nur, dass ich das Ding in den Flugzeugmodus setzen kann. Hört auf, mich anzurufen! Ich spiele nicht zum ersten Mal ein Videospiel und möchte es ganz gerne zum Teil selbst erkunden. Ja, manchmal erzählen die auch was Nützliches, aber ganz oft ist es einfach nur belastend. Das ist wirklich für mich ein sehr nerviger Aspekt, der zum Glück nachließ, als ich mich dazu entschloss, die Story erst einmal links liegen zu lassen.

Ich spiele Death Stranding auf meiner normalen Standard PS4 und dafür darf ich den Titel sehr loben. Es hat nur ganz selten Einbrüche der Framerate und meistens nur dann, wenn ich meine geliebten Blutgranaten ausgerüstet habe und ein Lieferterminal verlasse. Dann ruckelt es manchmal, doch ansonsten läuft es wirklich sehr stabil. Im Gegensatz zu einigen anderen Dingen. Besonders in den Städten frage ich mich jedes Mal, ob ich nur ein Remaster eines PS3 Spiels vor mir habe, denn sonderlich schön oder detailreich sind die Städte oder Verteilerzentren nicht designt, ebenso wie die Charaktermodelle manchmal wie reingesetzt wirken, doch am nervigsten in den Städten ist das heftige Kantenflimmern, das jede Ecke und jede Kante begleitet. Außerhalb der Städte fällt das nicht auf, da sich viele Texturen und Felsen hier zu einem gelungenen Maß zusammenschließen. Hier fallen nur hin und wieder unschöne Texturen auf, die entweder zu häufig gecopied und pasted wurden oder die einfach schlichtweg matschig sind. Das ist wiederum schade, wenn man sich den Detailgrad der Landschaften ansieht.

Fazit: Das Ende Amerikas ist mein Anfang

Death Stranding ist ein Spiel, das nicht für jeden geeignet ist. Es hat keine wirklichen Shooterelemente und man ist im Grunde nur ein Bote, der Pakete ausliefert und das in einer postapokalyptischen Welt, in der hinter jedem Felsen der Tod lauern kann – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich liebe das Anderssein am Spiel sehr, denn es ist einfach kein Spiel, das dem typischen Mainstream folgt, es ist sogar ein Spiel, das mir geholfen hat, mich selbst zu entwickeln. In Death Stranding entdeckt ihr ein zerstörtes Amerika, das seinen ganz eigenen Charme hat und mit diversen spannenden Ideen um die Ecke kommt und ihr seid Teil eines Multiplayers, bei dem ihr merkt, dass ihr doch nicht alleine in dieser zerklüfteten Welt seid. Allerdings ist es schade, dass sich die Welt kein Stück weiterentwickelt. Die Städte sind auch in Stunde 22 noch exakt so wie auch in Stunde eins. Hier entwickelt sich nichts, bis auf die Spieler durch den Multiplayer, und das ist sehr schade und fast mit – neben dem nervigen Anrufverhalten der anderen NPCs – der nervigste Aspekt am Spiel.

Wenn du auf Spiele mit individuellem Gameplay stehst, gerne anderen Menschen hilfst und an sich ein Mensch der Tat bist, dann sollte Death Stranding genau das Spiel für dich sein. Wenn du auf der Suche nach einem schnellen Spiel, bei dem man Gegner niederballert, bist, dann lass lieber die Finger davon. Zwar hat Death Stranding einige solcher Aspekte, doch ist es eine vollkommen indivduelle Erfahrung, die ich sehr gerne jedem ans Herz legen möchte, die aber definitiv nicht für jeden geeignet ist. Dafür ist es zu speziell und zu eigen. Ich habe viele Stunden im Spiel verbracht, war geflasht durch den Multiplayermodus, der euch dabei hilft, durch Amerika zu reisen, denn ihr unterstützt euch gegenseitig. Ich hatte viel Spaß im Spiel, doch so geht es möglicherweise nicht jedem, und das ist auch gut so, denn nicht jedes Spiel ist auch für jeden Spieler gemacht.

ProContra
+ Zerklüftetes Amerika– Nerviges Anrufverhalten der NPC
+ Guter Soundtrack– Fehlende Abwechslung
+ Gelungener Multiplayer, der einen nicht alleine sein lässt– Welt an sich entwickelt sich nicht weiter
+ Füch mich spannendes Gameplay– Matschtexturen
+ Gute deutsche Synchro– Kantenflimmern
+ Dichte Atmosphäre– Detailarme Städte

Technik: 74
Grafik: 81
Sound: 63
Umfang: 83
Gameplay: 89
KI: 53

Spielspaß: 94

  • Story: Du bist Sam Porter Bridges, einer der zuverlässigsten Boten Amerikas, und deine Aufgabe ist es, das Land wieder miteinander zu verbinden.
  • Frustfaktor: Glaub mir, du wächst an deinem Frust. Mit jedem GD Kampf wirst du mutiger.
  • Nachhaltigkeitswert: Definitiv sehr stark vorhanden und auch in ein paar Jahren wird man noch über Death Stranding sprechen.
  • Design/Stil:  Realistisch, wunderschön in den Landschaften, langweilig in den Städten.
  • Musik und Sound: Hervorragende deutsche Synchro und ein toller Soundtrack, der mal mit Gesang mal ohne für eine gelungene Atmosphäre sorgt.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Death Stranding ist mit einem Preis von 70 € vielleicht hoch angesetzt, liefert jedoch genügend Stoff – auch für 100 €.

Offenlegung

Wir haben uns Death Stranding für die PlayStation 4 selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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