Gran Turismo 7 (PS5) im Test – Pure Leidenschaft

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Es hat lange gedauert: Die PlayStation 4 sieht erst nach einem guten Jahr der PS5 mit Gran Turismo 7 ihren ersten Hauptableger der Reihe, Gran Turismo 6 ist bereits über acht Jahre alt. Ich hatte lange gesagt, dass Sony bei Rennspielen den Anschluss verloren hätte. Gran Turismo 7 hat mich in fast allen Belangen eines Besseren belehrt – mit diesem Spiel ist eine absolute Größe des Racinggenre auf die PlayStation gerast. Die Review verrät mehr.

Das irgendwie andere Rennspiel

Gran Turismo 7 startet mit einer Ausgabe des neuen Modus Musikrallye. Um ehrlich zu sein wirkte das erst mal etwas befremdlich. Warum, weiß ich nicht. Denn es machte Spaß. Und irgendwie kam mir auch der Gedanke: Okay, das ist dein erstes japanisches Rennspiel seit einer Weile. Und die funktionieren ja immer etwas anders. Doch all die Gedanken waren wohl ein Vorbote für die Begeisterung, die Gran Turismo 7 noch bei mir auslösen würde.

Der Einstieg in Gran Turismo 7 wirkt ansonsten etwas steif und vielleicht auch überladen – doch die Menüführung ist generell keine Stärke des Spieles und wirkt etwas antiquiert, zumindest bis man einige Kniffe raus hast und weiß, die Dinge sich doch schneller bewältigen lassen.

Schnell führt Gran Turismo 7 nämlich auch viele Dinge ein, die den anspruchsvollen und vermeintlich trockenen Rennsimulator, den es auf der Strecke darstellt, schön abrunden: Das GT Café ist eine herausragende Ergänzung für die Reihe. Die dort angebotenen „Menüs“ führen auch sehr gekonnt durch das Spiel und machen dieses auch für Einsteiger:innen gut zugänglich. Doch vor allem kommt zum Ausdruck, was Gran Turismo 7 so besonders macht: Seine Leidenschaft für die Wagen und den Rennsport. !B

Die Geschichte zu Peugeot, gezeigt wird das Jahr 2013, in dem der 208 zum Crossover-SUV wurde.
Geschichtsstunde zu Peugeot.

Die pure Leidenschaft für den Rennsport

Vielleicht habe ich dank Gran Turismo 7 gelernt, was ein Rennspiel bieten muss, um für seine Inhalte für begeistern. Ich meine, generell ist es ja so, dass man Rennspiele und den Rennsport mag oder eben nicht. Und sicher wird niemand Gran Turismo 7 spielen, der sich weder für Autos noch für das Fahren der Boliden interessiert. Doch alle, die für eins von beidem etwas Interesse mitbringen, können mit Gran Turismo 7 so unglaublich viel lernen.

Polyphony Digital hat hier ein Spiel geschaffen, das vor Details, Liebe, und ja, auch drinsteckender Arbeit, nur so strotzt. Dass jedes Auto mit seiner eigenen Geschichte und jeder Menge Informationen unterfüttert ist, ist hier schon beinahe gar nichts mehr Besonderes. Doch im Showroom gibt es für jeden vorhandenen Hersteller eine eigene Geschichte und eine Sammlung von Filmen, die meist mit der Vorstellung oder Präsentation von GT Concept Cars zu tun haben.

Es ist einfach beeindruckend, wie sehr man sich in Gran Turismo 7 auch abseits der Strecke verlieren kann. Genrekonkurrenten bieten hier meist nicht viel als trockene Menüs. Die hat GT7 natürlich auch und besonders angenehmen bedienen lassen sie sich nicht immer – doch gleichzeitig führen sie eben zu dieser ganzen Sammlung an Infos, Geschichte und Wissen rund um den Rennsport und die Wagen, dass es einfach Spaß macht. Hinzu kommt der Scapes Modus aus der Garage heraus oder im eigenen Fotomodus, wo die eigenen Fahrzeuge an über 2.500 Orten der Welt nach Belieben platziert werden können oder durch zufällige Umgebungen fahren, die auf Fotos basieren und wo kaum noch erkennbar ist, dass hier kein echtes Fahrzeug durch die Umgebung fährt. !B

Mein Wagen auf einer Straße in der Stadt vor dem Sonnenuntergang.
Ein Beispiel für den Scapes Modus.

Auf der Strecke: Spüre die Maschine

Und was ist, wenn man nun mit Gran Turismo 7 auf der Strecke unterwegs ist? Hier macht das Spiel sogar eine noch bessere Figur. In einem guten Rennspiel erkennt man schon eine Weile, in welcher Art von Fahrzeug man sitzt und die verschiedenen Boliden steuern sich unterschiedlich, das sollte klar sein. Doch ich hätte nicht gedacht, dass es – ohne VR – einmal ein Rennspiel geben würde, das mir wirklich vermittelt, in welchem Fahrzeug ich sitze, und ich dem ich den Untergrund ebenso wie eine nur weniger Kilometer pro Stunde zu hohe Geschwindigkeit sofort hören und spüren würde.

Gran Turismo 7 ist dieses Rennspiel – es ist wirklich erstaunlich. Ich empfehle, das Spiel mit Headset zu spielen, doch auch mit TV Lautsprechern ist das Rennerlebnis große Klasse. Besonders der DualSense Controller kann hier wirklich zeigen, was er kann. Unebenheiten auf der Strecke, Begrenzungen der Strecke, Kollisionen – es ist alles klar zu spüren. Auch die Schultertasten kommen zum Einsatz und vermitteln ein absolut realistisches Gefühl von Pedalen.

Ich hatte noch nie so ein gutes Gefühl für mein Fahrzeug in einem Rennspiel wie in Gran Turismo 7, was an einem Zusammenspiel des Controllers mit der Soundkulisse liegt. Mit Headset konnte ich bereits hören, dass man Fahrzeug gleich ausbrechen würde, bevor ich es überhaupt sehen oder spüren konnte – Polyphony Digital hat hier eine Weltklasse Arbeit geleistet, auch, was die sonstigen Geräusche der Fahrzeuge betrifft. !B

Cockpitansicht bei Regen.
Auch Regen macht sich natürlich deutlich und realistisch bemerkbar.

Tuning: Mehr als eine Zahl

Eine große Rolle auf dem Weg zum Erfolg in Gran Turismo 7 nimmt das Tuning der Fahrzeuge ein. Dazu muss man sagen, dass der Schwierigkeitsgrad des Spieles wirklich moderat ist, wenn man sich möglichst lange an die Menükarten hält. In diesen Rennen werden auch Fehler verziehen und man erreicht problemlos zumindest den nötigen dritten, wenn nicht sogar den ersten Platz.

Doch auch in diesen Rennen ist es bereits nötig, sich dem Tuning der Fahrzeuge zu stellen. Hier geht es natürlich um Leistung: Doch die Leistungspunkte allein sind nicht das Entscheidende. Natürlich ist mehr irgendwie erst mal gut, doch es kommt auf mehr an. Im Endeffekt habe ich noch nie so viel Zeit damit verbracht, Teile an meinem Fahrzeug vor den Rennen auszutauschen. Manchmal sind weniger Leistungspunkte mehr, wenn dadurch die Bodenhaftung besser ist, oder mein Getriebe eben eher für Beschleunigung denn für Höchstgeschwindigkeit ausgelegt ist.

Das Beste ist: Jede dieser Änderungen an meinem Fahrzeug spüre ich in Gran Turismo 7. Andere Reifen montiert? Das Fahrzeug verhält sich anders. Und es klingt anders. Neuer Auspuff oder sogar nur ein anderer Luftfilter? Ja, irgendwas ist anders. Ich habe so etwas, um ehrlich zu sein, noch nie in diesem Detail erlebt. In anderen Rennspielen wird ein Auto eben schneller, es ändert sich der Sound, und vielleicht steuert es sich besser, ja, klar. Doch in Gran Turismo 7 habe ich den Eindruck, jede (!) einzelne Änderung bis ins Detail zu spüren. Einfach klasse! !B

Tuningmenü, indem jedes vorhandene Teil des Fahrzeugs ausgetauscht werden darf - vom Luftfilter über den Auspuff bis zu den Reifen.
Das Tuningmenü.

Auch grafisch Meisterklasse?

Neben den anderen PlayStation Exklusivtiteln wird auch Gran Turismo 7 immer wieder als technischer Benchmark gehandelt. Und in gewisser Weise ist es das auch, aber nicht uneingeschränkt. Für mich lässt es sich so am besten beschreiben: Nicht in jeder Situation begeistert mich Gran Turismo 7 beim ersten Blick auf den Bildschirm. Wohl aber, wenn ich mir die Details ansehe.

Dass mich Gran Turismo 7 nicht immer begeistert, liegt vor allem daran, dass die grafische Qualität offensichtlich etwas schwankt. Manche Kurse präsentieren sich mit einem detailreichen, absolut sauberen Bild – bei anderen Kursen sind vor allem die Hintergründe teilweise etwas unscharf und/oder es gibt etwas mehr Flimmern. Hier passt nicht alles ganz zusammen, was etwas schade ist.

Über jeden Zweifel erhaben, sind aber andere grafische Elemente des Spieles. Ich empfehle die Einstellung der Ray Tracing Priorisierung: Negative Auswirkungen auf die Bildrate konnte ich nicht feststellen. Aber: Was man hier an Lichteffekten und insgesamt Beleuchtung zu sehen bekommt, ist einfach großartig. Hier ist Gran Turismo 7 eines: Realistisch. Ein Rennen am Morgen oder am Abend zu fahren, hat sich noch in keinem Rennspiel so gut angefühlt, wie hier. Reflexionen und Lichteffekte im Cockpit – absolut realistisch. Spiegelungen an anderen Fahrzeugen oder sogar an einzelnen Elementen im Inneren des eigenen Autos – auch.

Im Vergleich zu den Strecken können die Wagenmodelle alle mit einem großen Detailreichtum überzeugen. Hier ist mir nichts Negatives aufgefallen. Innen wie außen wurden sie detailliert ausgearbeitet und über die Soundkulisse habe ich ja schon geredet. !B

Cockpitansicht vor der untergehenden Sonne.
Die Lichteffekte sorgen immer wieder für Staunen.

Was es sonst zu sagen gibt…

Du merkst schon: Ich bin von Gran Turismo 7 wirklich begeistert. Ein paar andere Punkte möchte ich nochmal kurz aufgreifen und auch zusammenfassen:

  • Die Menüführung des Spieles macht vor allem am Anfang einen überladenen und veralteten Eindruck. Tatsächlich nervt mich auch der Umweg, um zum Beispiel aus einer Veranstaltung heraus wieder zum Tuning zu kommen, wenn neue Teile gekauft werden sollen. Immerhin ist das Wechseln des Fahrzeugs und das Tuning mit vorhandenen Fahrzeugen auch nach der Veranstaltungswahl noch möglich.
  • Die Musikuntermalung im Menü nervt etwas, da fast bei jedem Bildschirmwechsel die Musik gewechselt wird. Hier merkt man auch, dass das Spiel manchmal etwas in Stottern kommt, obwohl es keine offensichtlichen Ladezeiten gibt, sondern eben nur kurze schwarze Bildschirme.
  • Den Lobby-Multiplayer habe ich ausprobiert, er hat mir bisher aber keinen besonderen Spaß gemacht. Leider sind auch nur sehr wenig Rennen zusammengekommen. Das liegt auch daran, dass es hier derzeit noch einen Bug gibt, der den Start des Rennen verhindern kann, und dass aktuell nach dem Launch des Spieles einfach nur jede Menge Räume erstellt werden von Leuten, die eigentlich gar nicht wirklich spielen wollen.
  • Onlinerennen im GT Sport Modus laufen sehr flüssig und machen Freude, auch wenn ich hier dann lerne, dass ich gar nicht mal so gut im Spiel bin.
  • Die Missionen im Spiel ebenso wie der Musikrallye Modus sind tolle Abwechslungen. Hier erzählt mir das Spiel aber das eine oder andere Mal zu viel, wie toll es noch mit zukünftigen Updates werden wird.
  • Dank seiner exzellenten Nutzung solltest du immer das Ladekabel für den DualSense parat haben.
  • Die KI in Gran Turismo 7 wirkt etwas konservativ, ist aber dank Verzicht auf irgendwelche Drivatar Modelle und die Konzentration auf Schwierigkeitsgrade eine der besten, die ich seit einer Weile erlebt habe. Ab und zu neigt sie aber auch mal zum Rammeln.
  • Einige der Veranstaltungen im Spiel lassen sich vom Schwierigkeitsgrad her allerdings sehr schwierig einschätzen. Hier sollte man sich vor allem von der Orientierung an Leistungspunkten verabschieden. Sie sind ein Aspekt, aber nicht alle. !B
Ich platziere meinen Wagen in einer Aufnahme des Piccadilly Circus.
Ein ganz besondere Fotomodus.

Fazit: Großartige Performance

Mit Gran Turismo 7 rauscht eine großartige Rennsimulation auf die PlayStation. Polyphony Digital liefert hier eine vollumfängliche Liebeserklärung an den Rennsport, ein Rennspiel voller Details und gleichzeitig eines, das den Realismus auf vielen Ebenen voranbringt. Die einzelnen Wagen fühlen sich absolut authentisch an in Gran Turismo 7 – und jedes ausgetauschte Teil macht einen spürbaren Unterschied auf der Strecke. Das Zusammenspiel aus den Stärken des DualSense Controllers und der Soundkulisse machen jedes Rennen zu einem realistischen Erlebnis. Technisch stört die nicht einheitliche grafische Qualität der Kurse, während optisch vor allem das Licht und seine realistische Darstellung immer wieder für Staunen sorgen. Bei all seinem Anspruch bleibt Gran Turismo 7 vor allem dank des GT Cafés und der damit verbundenen Führung durchs Spiel dennoch sehr zugänglich. Ein großartiges Rennspiel, das sich auf der Strecke schon jetzt vollständig anfühlt, auch wenn abseits davon manches Mal zu lesen ist, was alles noch in der Zukunft kommt.

ProContra
+ Absolut realistisches Fahrgefühl– Grafische Qualität der Kurse schwankt
+ Jede Änderung am Fahrzeug wirkt sich aus– Teils unübersichtliche und zu komplexe Menüs
+ Großartiger DualSense Einsatz– Instabile Online-Lobbys
+ Herausragende Soundkulisse– Musikuntermalung in Menüs inkonsequent
+ Grafisch durch Ray Tracing an vielen Stellen atemberaubend

Technik: 93
Grafik: 92
Sound: 95
Umfang: 90
Gameplay: 100
KI: 88

Spielspaß: 95

  • Story: Gran Turismo 7 erzählt viele verschiedene Geschichten – über jedes Fahrzeug wie auch die Geschichte des Motorsports. Ein gelungener Auftritt ohne gekünstelte Elemente.
  • Frustfaktor: Teilweise vorhanden – einige Rennen können fordernd sein, ohne dass man das gut abschätzen kann.
  • Wiederspielwert: Sehr groß. Hier gilt es eine Autosammlung aufzubauen und auch um etwas „Grinding“, also das Wiederholen von Veranstaltungen, wird man nicht herumgekommen.
  • Design/Stil: Großartig. Gran Turismo 7 weiß an einigen Stellen wahrlich zu beeindrucken, die grafische Qualität der Strecken ist aber nicht einheitlich.
  • Musik: Vor allem auf der Strecke eine großartige Soundkulisse. Die Musik ist okay.

Offenlegung

Wir haben einen Reviewkey zu Gran Turismo 7 vom Publisher erhalten.

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Manuel Eichhorn
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