Scarlet Hood and the Wicked Wood (PC) im Test – Zwischen Grimm und Oz

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Ich bin eine große Märchenfreundin und lasse mich gern auf verschiedene Adaptionen ein. Scarlet Hood and the Wicked Wood schickt mich auf diese Weise in eine schräge Mischung aus Der Zauberer von Oz, die Brüder Grimm und Täglich grüßt das Murmeltier. Ob diese wahnwitzige Mischung auch im Endkonzept überzeugen kann und wirklich Spaß macht, erfährst du in meiner Review zur Steam Version.

Scarlet, die kleine Sängerin

Alles beginnt mit einem ganz normalen Konzert, mitten in Kentucky. Scarlet und ihr Band treten auf, rocken den Saal, doch am Ende gibt es nur einen Vertrag für Scarlet. Das findet ihre Band nicht so geil und wirft sie auf der Rückreise aus dem Tourbus. Und wie es so kommen muss, wird Scarlet von einem mächtigen Tornado eingesammelt und landet mitsamt ihrer roten Turnschuhe in einem Land voller Munchkins, fliegender Affen und bunten Hexen. Willkommen in Scarlet Hood and the Wicked Wood.

Scarlet und ich sind in einem Land gelandet, das direkt aus dem Zauberer von Oz entsprungen ist und im Grunde auch genau diese Geschichte nachspielt, allerdings gibt es in diesem Adventure einen gewaltigen Kniff: Jedes Mal, wenn Scarlet stirbt, ist sie gezwungen, den Tag von vorne zu beginnen. Glücklicherweise werden zuvor erreichte Ziele nicht gelöscht, stattdessen gibt es auf magische Weise mehr Wege und neue Gebiete nach jedem Tod zu erkunden.

Das Ziel selbst ist es, aus dem Wicked Wood, also dem verzauberten Wald, wieder heraus zu kommen und alles vor dem magischen Zusammentreffen aller Hexen zu schützen, damit eben niemand zu Schaden kommt. An sich ist das ein ziemlich nettes Konzept, was Scarlet Hood and the Wicked Wood da anbringt. Vor allem ein Konzept, das so jetzt nicht unbedingt zum Standardrepertoire von Adventure Games zählt. Ach, übrigens: Scarlet Hood and the Wicked Wood tut im Übrigen nur so, als wäre es ein Adventure Game. In Wahrheit treibt es mich ziemlich gern auf die Palme und lässt meine grauen Haare noch mehr in den Vordergrund treten.

Beware of the Wolf

Hier kommt der Aspekt aus den Märchen der Brüder Grimm zum Tragen: Scarlet findet direkt zu Beginn den Umhang der roten Hexe. Roter Umhang, Wald. Da ist es nur naheliegend, dass die schwarze Hexe in der Lage ist, einen großen, bösen Wolf ins Spiel zu bringen. Dieser sucht natürlich nach Scarlet, denn die schwarze Hexe will nicht, dass wir all ihre Pläne vereiteln.

Wenn du in einem Gebiet einen bestimmten Punkt erreicht und schon einige der nicht immer so leicht zu lösenden Rätsel gelöst hast, taucht dieser böse Wolf auf und greift dich an. Übrigens darfst du den letzten Spielstand neuladen, wenn er dich einmal vollständig erwischt hat – speichere also so oft du kannst. Glücklicherweise gibt es in Scarlet Hood and the Wicked Wood ziemlich viele Speicherpunkte, sodass du auf jeden Fall in einem fairen Abstand speichern kannst. Doch zurück zum Wolf, der im wahrsten Sinne ein A*loch ist.

Er spawnt meistens ganz gerne an Aus- oder Eingängen zu einzelnen Abschnitten der Welt. Praktischerweise tut er das auch dann, wenn ich gerade ein Gebiet betrete, sodass es mir nun mehrfach geschehen ist, dass er einfach auf mir erschienen ist. Beim Laden meines Spielstands ist mir dann das Spiel hängengeblieben, was beides eher unschöne Erlebnisse in Kombination waren. Auf die Story gesehen, ist mir schon klar, warum es den Wolf gibt, aufs Spielerische betrachtet, geht er mir einfach nur mega auf den Keks und er hätte dort bleiben können, wo der Pfeffer wächst.

Bis zu diesem Wolf ist Scarlet Hood and the Wicked Wood immer ein ziemlich cooles und spannendes Adventure Game, bei dem ich Rätsel lösen muss, um voran zu kommen. Die Rätsel passen sich von der Schwierigkeit her an den Storyverlauf an: Während ich im ersten Gebiet so gut wie keine Herausforderungen hatte, habe ich in den Gebieten danach schon ordentlich knobeln müssen. Hin und wieder muss ich auch Affen und Dodos ausweichen, die von der schwarzen Hexe geschickt wurden, doch das ist recht einfach, denn netterweise sind die Treffstellen immer mit einem Kreuz auf dem Boden markiert. Einfach drüber hüpfen und alles ist cool – wenn das mit dem Wolf auch so funktionieren würde, wäre das ziemlich nett.

Eine magische Reise

Während ich also mit dem Wolf Rotkäppchen und der böse Wolf spiele, geht die Geschichte weiter und lässt mich ganz nebenbei teilweise die Geschichte vom Zauberer von Oz nacherleben: Ich entdecke einen Zinnmann, der kein Herz hat – in diesem Fall ist es ein Roboter – und eine Vogelscheuche, die ich zu Beginn selbst zusammenbauen kann. Wer nun Filme oder gar die Bücher kennt, weiß, dass hier relativ treu am Original geblieben wird. Passend dazu hört die schwarze Hexe mit der grünen Haut auf den Namen LeFaba. Diese Brücke zu schlagen, fiel mir nicht sonderlich schwer.

Scarlet Hood and the Wicked Wood kommt übrigens im Manwha-Stil daher und hat handgezeichnete Grafiken von Minho Kim mit dabei, die in den meisten Fällen auch ganz cool sind. Mir ist nur manchmal in den Gesprächen nicht ganz klar, warum der gewählte Gesichtsausdruck zum Einsatz kam, denn dieser passt in einigen Fällen nicht zum Gesagten. Und apropos Gesagtes: Eine Tonausgabe wäre auch sehr nett gewesen und zwar so, dass diese nicht nur in wichtigen Cutscenes zum Einsatz kommt, sondern dauerhaft. Auf diese Weise hat mir die Bindung zu den einzelnen Charakteren sehr gefehlt.

Dafür punktet Scarlet Hood and the Wicked Wood mit einem ganz netten Soundtrack und auch die Laufanimationen, bzw. Laufgeräusche einiger Charaktere können sich sehen und hören lassen – auch wenn der Fuchs nur beim ersten Mal witzig ist. Gesteuert wird am PC übrigens mit Maus und Tastatur, bzw. nur mit der Tastatur, je nachdem, was dir besser gefällt. Mit der Tastatur lässt sich durchgängig steuern, während ich bei meiner Mauswahl immer wieder auch zur Tastatur wechseln musste, was ein wenig inkonsequent war. Außerdem bricht die Bildrate immer wieder bei mir ein, sodass manche Gebiete sehr ruckelig sind.

Fazit: Märchen sind nichts für kleine Kinder

Scarlet Hood and the Wicked Wood ist ein Adventure Game mit passenden und knackigen Rätseln, die mich daran hindern sollen, die Krönung des Prinzen zu erreichen, während ich durch den verzauberten Wald eile, der mich immer und immer wieder denselben Tag erleben lässt. Wenn denn nur die Rätsel das einzige wären, was mich am Vorankommen hindern würden: Klar, der große, böse Wolf passt ins Setting mit der roten Hexe, aber warum muss er mir dabei so sehr auf den Keks gehen? Ich möchte einfach nur dieses Adventure erleben, ohne vor einem Wolf fliehen zu müssen.

Gewünscht hätte ich mir ein angenehmes Adventure in dieser magischen Märchenwelt, Cutscenes, die durchgängig vertont sind, und eine wolffreie Welt. Stattdessen erhalte ich ein Adventure mit einem ziemlich coolen Setting, knackbaren Rätseln, vielen Anspielungen auf verschiedene Märchenwelten, nicht vertonte Cutscenes und einem Wolf, der Stalkerallüren hat. Fans von Adventure Games werden mit Scarlet Hood and the Wicked Wood auf ihre Kosten kommen, sollten sich nur unbedingt vor dem Wolf in Acht nehmen.

ProContra
+ Coole Welt und nettes Märchensetting– Wolf ist unnötiges Element
+ Interessante Adaption vom Zauberer von Oz– Einbrüche der Bildrate
+ Knackbare Rätsel– Steuerung teilweise inkonsequent
+ Toller Soundtrack und witzige Geräusche der Charaktere– Gesichtsausdrücke passen nicht immer zum Gesagten
– Nur „richtige“ Cutscenes sind vertont

Technik: 75
Grafik: 82
Sound: 85
Umfang: 83
Gameplay: 70
KI: 56

Spielspaß: 72

  • Story: Scarlet Hood and the Wicked Wood erzählt den Zauberer von Oz auf eine ganz neue Art und Weise, kombiniert Und täglich grüßt das Murmeltier und Märchen der Brüder Grimm.
  • Frustfaktor: Habe ich eigentlich schon mal den Wolf erwähnt?
  • Nachhaltigkeitswert: Scarlet Hood and the Wicked Wood ist ganz nett, wird aber vermutlich ähnlich wie Vambrace: Cold Soul nicht lange in Erinnerung bleiben.
  • Design/Stil: Manwha-Stil, den man mögen muss.
  • Musik und Sound: Der Soundtrack ist der Hammer und wird regelmäßig von passenden Charaktertönen unterstützt.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Scarlet Hood and the Wicked Wood wird 14,99 € kosten und das ist es allemal wert. Theoretisch hätte man das Abenteuer auch für 19,99 € anbieten können.

Offenlegung

Wir haben einen Steamkey zu Scarlet Hood and the Wicked Wood kostenlos vom Publisher erhalten.

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Beatrice Vogt
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