Sunlight (PC) im Test – Zwischen Stimmen und Gedanken

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Krillbite Studio, die Macher:innen von Among the Sleep, haben mich mit dem Release des so ganz anderen Sunlight überrascht. Noch überraschter war ich dann, als ich das Spiel zum ersten Mal durchgespielt hatte, denn ich hatte zunächst etwas anderes erwartet. Warum ich einerseits nicht ganz begeistert bin, Sunlight mich aber auch nicht so schnell loslässt, verrät die Review.

Entspannung im Wald … oder?

Schaut man sich die Steam Seite zu Sunlight an, glaubt man, auch anhand der ausgesuchten Kommentare aus Reviews, es mit einem entspannenden, ja meditativen Spiel zu tun zu haben. Der Stil spricht dafür: In einem gemalten Wald spielt sich das ganze Spiel ab – die Spielzeit etwa 30 Minuten. Egal, wohin man läuft, der Wald wird automatisch vor einem generiert. Und tatsächlich kann man sich in Sunlight auch einfach nur an einem Ort aufhalten und entspannen – doch trotzdem ist das Spiel eigentlich etwas anderes.

Der erzählerische Ansatz von Sunlight ist gleichzeitig genial und aufreibend: Folgt man der Geschichte, die einem in Etappen erzählt wird, sobald man Blumen sammelt, so sprechen alle Bäume mit einem: Als eins, doch jeder Baum hat eine eigene Stimme – mit verschiedenen Dialekten und Akzenten, mit einer eigenen Betonung. So erzählt jeder Baum die gleiche Geschichte, mit einer persönlichen Note.

So friedlich der Wald auch wirken mag: Der vermittelte Inhalt ist kein entspannender. Um ehrlich zu sein, verstehe ich die Tester:innen nicht, die sagen, Sunlight lädt zum Entspannen und einfach nur sein an – das kann man, wenn man die Geschichte ignoriert. Doch Sunlight erzählt eine gleichermaßen philosophische wie auch aufreibende und mysteriöse Geschichte.

Sunlight bietet wirklich eine einzigartige Atmosphäre.

Stoff zum Diskutieren

Ich habe Sunlight mehr als einmal durchgespielt und mich auch schon intensiv mit Bea darüber unterhalten – und immer wieder finden wir neue Ansätze, wenn es im Inhalt und Bedeutung von Sunlight geht. Das ist schon mal was, was nur wenige Spiele hinbekommen.

Ich möchte wie gewohnt nichts darüber verraten, was Sunlight erzählt, denn das solltest du selbst herausfinden. Was ich aber finde: Präsentation und Inhalte passen nicht komplett zusammen. Die Spielwelt von Sunlight gefällt mir richtig gut, und während Gegensätze zwischen Präsentation und Inhalte auch gelungen sein können, ist der Widerspruch in dem Fall für mich künstlerisch nicht wirklich harmonisch umgesetzt.

Während ich mich freue, ein Spiel mit derart tiefgreifende Handlung vor mir zu haben und darüber diskutieren zu können, wünsche ich mir dennoch auch andere Varianten von Sunlight: Diese Spielwelt mit dieser Atmosphäre und diesem Stil als echtes Meditationsspiel wäre zum Beispiel ein Hit für mich. Ich finde sogar, dass man das Potential der Grundlage, nämlich dieses Waldes und den vielen Stimmen, noch viel effizienter nutzen könnte als aktuell – und immer wieder komme ich an die Kritik zur künstlerischen Idee von Sunlight.

Technisch ist diese auf jeden Fall erhaben umgesetzt – Soundkulisse inklusive Musik und auch die optische Gestaltung überzeugen absolut. Dass man die Blumen aufsammeln muss, um weiter zu machen, ergibt sich fast von selbst. Nur das Narrativ passt für mich eben nicht ganz zu der Stimmung, die Sunlight präsentiert – und darüber hinaus sind dringend mehr Geschichten oder alternative Interaktionen in der Welt nötig, damit Sunlight für mehr als zwei oder drei Durchgänge ein befriedigendes Erlebnis bleibt. Denn selbst wenn es viel darin gibt, worüber man nachdenken kann, ist es nicht sonderlich spannend, die Geschichte mehrfach zu spielen. Doch wirklich nur für die Stimmung zurückzukehren, lohnt sich meines Erachtens auch nicht ganz – hier fehlen dann zum Beispiel zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten mit der Welt.

Fazit: Eine Reise zum Nachdenken

Es ist schwierig, Sunlight im Kontext einer normalen Review zu beurteilen. Entsprechend lang saß ich einmal an diesem Testbericht. Auf der einen Seite überzeugt Sunlight mit seiner einzigartigen Gestaltung: Die Optik und die vielfältige Soundkulisse mit jeder Menge unterschiedlicher Stimmen, die von den Bäumen ausgehen, machen jede Menge Spaß. Auf der anderen Seite stand für mich die Erzählung etwas im Gegensatz zu der entspannenden, ja schon meditativen Stimmung, die Sunlight eigentlich vermitteln will. Und obwohl man gut darüber philosophieren kann, bringt Sunlight nicht mehr Stoff als für zwei oder maximal drei Durchgänge mit sich – jeweils knapp 30 Minuten sind damit gemeint. Ich wünsche mir für Sunlight entweder mehr Geschichten oder einfach nur einen freien Modus, in dem man die Welt genießen und mit passenden Interaktionen meditieren kann. Dann wäre das für mich ein wirklich rundes Ganzes.

ProContra
+ Einzigartige Atmosphäre– Kurzes Spielerlebnis
+ Kreatives Narrativ– Geringer Wiederspielwert
+ Stoff zum Nachdenken– Inhalt passt nicht sehr gut zur vermittelten Atmosphäre

Technik: 78
Grafik: 85
Sound: 95
Umfang: 62
Gameplay: 70

Spielspaß: 72

  • Story: Sunlight erzählt eine philosophische Geschichte – auf eine kreative, aber nicht ganz klare Art.
  • Nachhaltigkeitswert: Nicht sehr groß – man kann viel über Sunlight nachdenken und Diskutieren, allerdings geht dem Spiel die Puste doch schnell aus..
  • Frustpotential: Nicht vorhanden.
  • Design/Stil: Rundum gelungen.
  • Musik und Sound: Sehr gut gelungen.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die abgerufenen 3,99€ sind noch angemessen.

Offenlegung

Wir haben Sunlight selbst gekauft.

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Manuel Eichhorn
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